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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 36
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wiewohl du, Scäva, dir genugsam selbst
zu raten weißt, und keines Unterrichts,
wie mit den Großen umzugehen ist,
bedarfst: so höre doch, zum Überfluß,
was dein selbst lehrbedürft'ger kleiner Freund
hierüber sagen kann, wie wenn ein Blinder
zum Führer einem Wandrer sich erböte.
Laß sehn! Wer weiß, ich sage doch vielleicht
noch etwas, das du gern dir eigen machest.

Wenn du die Ruhe liebest, deinem Schlaf
nicht gerne abbrichst, auch den Straßenstaub
nicht wohl ertragen kannst, und wenn das Knarren
der Wagenräder und das Übernachten
im Gasthof dir zuwider ist: so laß
die Großen, wo sie sind, und schließe du
dich in dein stilles Ferentinum einDie Geographen nennen uns drei Orte, die den Namen Ferentinum führten, wovon das bekannteste an der Via Latina sieben italienische Meilen über Anagni lag, und diesen Namen noch jetzt trägt. Vermutlich hatte Scäva dort ein kleines Gut. Der Rat, den ihm Horaz gibt, wofern er seine Freiheit und Gemächlichkeit liebe, sich dahin zurückzuziehn, scheint eben nicht die Partei gewesen zu sein, die, seiner Meinung nach, dem Scäva die angemessenste war. Daher schlüpft er auch nur ganz leicht darüber hin, um sich desto länger bei demjenigen aufzuhalten, was er ihm eigentlich sagen wollte. Vermutlich kannte er seinen Freund Scäva gut genug, um zu sehen, daß er mit einer herzhaften Entschließung und mit Hülfe eines erfahrnern Erinnerers noch einen ganz leidlichen Hofmann, aber daß er auf alle Fälle nur einen schlechten Philosophen in der Einsamkeit abgeben würde..
Die Reichen sinds ja nicht allein, die froh
zu leben wissen, und wer unbemerkt
sich in die Welt hinein – und wieder
hinausgeschlichen, hat nicht schlimm gelebt.
    Quamvis, Scaeva, satis per te tibi consulis et scis,
quo tandem pacto deceat melioribus uti:
disce, docendus adhuc quae censet amiculus, ut si
caecus iter monstrare velit. Tamen aspice si quid
<5> et nos, quod cures proprium fecisse, loquamur.
Si te grata quies et primam somnus in horam
delectat; si te pulvis strepitusque rotarum,
si laedit caupona, Ferentinum ire iubebo:
nam neque divitibus contingunt gaudia solis,
<10> nec vixit male, qui natus moriensque fefellit.
Wofern du aber deinen Angehörigen
dich nützlich machen, auch ein wenig gütlicher
dir selber tun willst, nun, so halte dich
an einen, der dich fetter machen kann.

»Wenn AristippusSo sagt Diogenes der Cyniker, und so antwortete ihm Aristipp. Das Geschichtchen ist bekannt genug. sich mit einer Mahlzeit
von Kohl behelfen könnte, würd' er nicht
mit Königen leben wollen.« – »Und wenn der,
der mir den Vorwurf macht, mit Königen
sich zu betragen wüßte, würde Kohl
ihm lose Speise sein.«Nämlich, »er würde, um des schnöden Gewinns willen – besser zu essen und eine hübschere Figur in der Welt zu machen – sich nicht gefallen lassen, was (in der Cynischen Sprache) der Scurra, oder höflicher zu reden, der Freund eines Königs, wie Dionysius, sich gefallen lassen muß.« Dies ists, was Diogenes dem schmucken, wohlgenährten, in Purpur gekleideten Aristipp vorrückte. – Ich vermute, Scäva hatte in einem Anstoß von böser Laune – in einem von den Augenblicken, wo sich jedermann für einen Philosophen hält, – über die Großen und die Mühseligkeit ihres Dienstes gegen Horazen so etwas in diesem Tone fallen lassen: »Wozu brauch' ich das alles? Kann ich nicht von Kohl und Wurzeln leben so gut wie Diogenes? Und wenn ich das kann, was hab' ich nötig, mich von einem Großen hudeln zu lassen?« – Gut! antwortet ihm sein Freund: aber wenn du mit den Großen umzugehen wüßtest, so würdest du weniger gehudelt, und brauchtest nicht von Kohl zu leben. Ich geh' es zu, es ist eine Kunst, von Kohl zu leben und glücklich zu sein: aber mit Königen zu leben ist auch eine Kunst. Jede hat ihre Ungemächlichkeiten, jede ihre Vorteile. Die Frage ist nur: bei welcher wirst du deine Rechnung am besten finden? Nun sprich, mein Scäva,
wer unter diesen beiden scheint dir Recht
zu haben? – Oder, weil du doch
der Jüng're bist, vernimm von mir, warum
die Meinung Aristipps die beßre sei.
Doch, hör' ihn lieber selbst, und wie geschmeidig er
dem bissigen Cyniker, der ihn schon fest zu halten
vermeinte, sich entwunden haben soll.
»Wenn ich den Narren spiele, tu' ichs mir
zulieb; du gibst dem Volk dich Preis – um nichts.
Was ist nun klüger und was ziemt sich besser
Si prodesse tuis pauloque benignius ipsum
te tractare voles, accedes siccus ad unctum.
»Si pranderet olus patienter, regibus uti
nollet Aristippus.« – »Si sciret regibus uti,
<5> fastidiret olus, qui me notat.« Utrius horum
verba probes et facta, doce, vel iunior audi,
cur sit Aristippi potior sententia. Namque
mordacem Cynicum sic eludebat, ut aiunt:
»Scurror ego ipse mihi, populo tu: rectius hoc et
<20> splendidius multo est, equus ut me portet, alat rex;
für einen Ehrenmann? Der König gibt
mir seine Tafel und ein hübsches Pferd
aus seinem Stall; dafür verricht' ich meinen DienstOffcium facio – Aristipp veredelt sein Amt, dem König die Langweile zu vertreiben, zu einem Hofdienst. Es gibt deren so viele, welche reichlich mit der gegenteiligen Tugend begabt sind, daß es kein Wunder ist, wenn die Könige auf die Dienste im Aristippischen Geschmack einen Wert legen, wovon ihre Schatzmeister nicht immer so überzeugt sind, als sie selbst. Indessen ging's dem Dionysius mit seinem Spaßmacher, wie Montaignen mit seiner Katze. »Scurror ipse mihi, sagt Aristipp: der König meint, er treibe den Narren mit mir; aber um Vergebung wenn ich ihm Kurzweil mache, so ists bloß, weil er mir gute Tage macht; und sobald ich selbst aufhöre den Spaß angenehm zu finden, sind wir geschiedene Leute.« – Unser Dichter befand sich mit August und Mäcen ungefähr in dem nämlichen Falle; aber das Sonderbarste dabei ist, daß er kein Bedenken trug, einen Brief, worin er so viel von seinem Geheimnis ausplaudert, öffentlich bekannt zu machen. Experti in arte werden vielleicht daraus folgern, daß er sich bloße Gerechtigkeit habe widerfahren lassen, da er im Eingang dieses Briefs nur ein sehr kleiner Meister in Hofkünsten zu sein bekennt. Immer macht's Augusten und Mäcenen Ehre, daß sie groß genug waren, auf solche Dinge nicht zu achten, und daß Horaz ihnen das zutrauen durfte.;
du schnappst, wenn dich der Hunger kirre macht,
nach einem Brocken schimmlicht Brot, den dir
ein schmutz'ger Kerl wie einem Hunde zuwirft,
und prahlest noch mit deinem Nichtsbedürfen?«

Was mir am Aristipp gefällt, ist, daß
ihm jede Farbe, jedes Glück wohl anstand.
Arm oder reich, im netten Hofkleid oder
im schlechten Überrocke, blieb er immer
sich selber ähnlich, immer wie er war,
gerade recht, doch so, daß auch nichts Bessers
für ihn zu gut warIch glaube nicht, daß irgend ein andrer den Charakter Aristipps, dessen Philosophie so individuell ist als sein Charakter, besser ins Auge gefaßt und feiner gezeichnet habe, als Horaz in dieser schönen Stelle. Man hat den Philosophen von Cyrene meistens so schief beurteilt, als man gewöhnlich jeden zu beurteilen pflegt, der seine eigne Art zu existieren hat, und nichts anders vorstellen will, als sich selbst. Der Philosoph Demonax pflegte zu sagen: ich verehre den Sokrates, bewundre den Diogenes, und liebe den AristippusLucian im Leben des Demonax.. Wenn man bewundern soll, was das Seltenste und Außerordentlichste ist, so verdient Aristippus die Bewunderung: denn so selten auch die wahren Diogenesse von jeher gewesen sind, so wird man ihrer doch zehn gegen einen Aristippus finden. Zwar läßt sich die Art, wie er dachte und lebte, in ein System bringen, und ein System läßt sich lernen: aber die Geschicklichkeit, der gute Anstand, womit ers ausübte, das läßt sich in kein System bringen und mit keinem Formular umschreiben: und gerade dieses Wohlanstehende im Handeln, welches er (wie Apelles seine Grazie) vor andern seines gleichen voraus hatte, war's, was ihn zu einem so seltnen Mann machte, und ihm so große Vorrechte gab. Diogenes selbst war nicht freier mit der Zunge, als er. Aristipp durfte alles sagen, alles tun, weil er immer alles auf die rechte Art und zur rechten Zeit sagte und tat, immer im Moment fühlte, was sich schickte oder nicht schickte, wie weit er gehen konnte, und was Genug war – ein Gefühl, das in der Kunst des Lebens, so gut wie in allen andern Künsten, den wahren Meister auszeichnet. Daher konnte er zu Syrakus den Höfling spielen, den Dionysius belustigen, Geschenke von ihm annehmen, ja sich wohl gar zuweilen übel von ihm begegnen lassen, ohne seine Würde dabei zu verlieren, und dem Hofe oder dem Fürsten selbst verächtlich zu werden. Daher konnte er, je nachdem sichs für ihn schickte, in einem zierlichen oder schlechten Aufzug erscheinen, ohne in jenem einem Gecken oder in diesem einem schlechten Menschen ähnlich zu sehen. Daher kam es, daß er nie verlegen war, was er zu sagen oder zu tun hätte, in welchen Umständen er sich auch befand, oder wes Standes, Geschlechts und Charakters die Personen sein mochten, mit denen ers zu tun hatte. Daher war er überall einheimisch, überall in seinem eignen Elemente; wickelte sich aus jeder Schwierigkeit, machte jeden Vorteil gelten, fand immer an jedem Dinge die gute oder wenigstens die leidliche Seite, wurde durch keinen Verlust mutlos, durch kein Glück übermütig, kurz, daher war das ’Έχω, ουκ έχομαι der Schlüssel zu seinem ganzen Leben. Wo hätte Horaz zu seiner dermaligen Absicht ein vollkommneres Urbild finden können, um es seinem Freunde Scäva als einen Spiegel vorzuhalten?. Wundern sollte michs,
wenn diesen, den die Notphilosophie
in Zwilch verhüllt', ein Hofrock auch so gut
gekleidet hätte. Jener wartet dir
auf keinen Purpurrock, geht, wenn nichts Bessers
zur Hand ist, unbeschämt im schlechtesten
dir mitten übern Markt, spielt beide Rollen,
so wie sie an ihn kommen, gleich geschickt.
Hingegen läuft der finstre Cyniker
vor einem reichen Rock wie vor der Pest;
officium facio, tu poscis vilia rerum
dante minor, quamvis fers te nullius egentem.«
Omnis Aristippum decuit color et status et res,
temptantem maiora fere, praesentibus aequum.
<25> Contra, quem duplici panno patientia velat,
mirabor, vitae via si conversa decebit.
Alter purpureum non expectabit amictum,
quidlibet indutus celeberrima per loca vadet,
personamque feret non inconcinnus utramque.
<30> Alter Mileti textam cane peius et angue
eh' friert er sich zu Tode, wenn du ihm
nicht seinen groben Kittel wiedergibst.
So gib ihn dann und laß den Narren laufen!

Des Staats Geschäfte tun, besiegte Feinde
dem Volk in Fesseln zeigen, heißt sich Bahn
zum Himmel machen und bis an den Thron
des Weltbeherrschers reichen: aber auch den Ersten
im Staat gefallen, ist kein schlechtes Los.
Die Reise nach Korinth ist freilich keine Sache
für jedermannDies war ein bekanntes SprüchwortS. Erasmi Adag. IV. 4. 68., um dessen Ursprung wir uns hier nicht bekümmern wollen; genug, daß es von Unternehmungen gebraucht wurde, wozu Geschicklichkeit und Herz gehörte, und daß es Horaz hier in diesem Sinne nimmt. Sein Räsonnement läuft, deucht mich, darauf hinaus: »Die erste Frage ist, ob du zu Korinth was zu suchen hast, das der Mühe wert ist, oder nicht? Ich setze den ersten Fall; so ist nun die zweite Frage: ob du dir dahin zu kommen getrauest? Denn die Sache hat ihre Schwierigkeiten. Schrecken dich diese ab; fühlst du voraus, daß du stecken bleiben würdest: so tust du am besten, du bleibst zu Hause. Da ist aber ein andrer, der eben das in Korinth zu suchen hat, was du, und der sich durch die Gefahr nicht erschrecken läßt. Er sagt sich selbst: was ich suche, ist nun einmal zu Korinth und sonst nirgends; ich muß also nach Korinth, es koste, was es wolle: und damit wagt ers, kommt glücklich hinein, erhält, was er gesucht hat, und Ehre und Preis noch obendrein.« – Die Anwendung von dem Gleichnis auf die Angelegenheiten des Freundes Scäva macht sich von selbst. Das Glück, das er durch die Gunst eines Großen machen wollte, war für ihn die Reise nach Korinth.. Wer des Versuchs sich nicht
getraut, bleibt, wo er ist, und tut daran
nicht übel: aber wer das Abenteuer
bestanden und nun dort ist, hat er sich
nicht wie ein Mann gehalten? Und wenn nun
das, was man sucht, dort oder nirgends ist,
wie dann? Was ist davon zu sagen, als:
der eine scheut die seinem kleinen Körper
und kleinen Mut zu große Last, der andre
hält frisch den Rücken hin und trägt sie fort.
Kurz, Tugend ist entweder nur
ein leerer Name, oder Ruhm und Glück
gebührt dem Manne, der sein alles dran gesetztTorrentius meint, Horaz werfe hier einen spottenden Seitenblick auf den Satz der Stoiker: daß die Tugend sich selbst genugsam sei. Der gute Bischof nennt dies ein praedurum dictum, und es verdiente einen noch härtern Namen, wenn es so weit ausgedehnt würde, daß niemand tugendhaft heißen könnte, als wer die übrigen Güter dieses Lebens gar keiner Mühe wert schätzt. Ich glaube, was Horaz hier mit den wenigen Worten, die er dazu braucht, sagen wollte, ist dies: »Diogenes würde es dem Aristipp nicht eingestehen wollen, daß mehr Tugend dazu gehöre, ein gewisses Glück zu machen und sich darin zu erhalten, als, es entbehren zu können. Gleichwohl ist nichts wahrer. Es ist damit, wie mit der Schiffahrt nach Korinth. Zu Hause zu bleiben ist keine große Kunst; und wenn derjenige, der nichts hat, weil er nicht Unverdrossenheit und Tätigkeit genug besaß, etwas zu erwerben, mit seinem Zustande zufrieden ist: so erspart er sich bloß die Beschämung, noch dazu ausgelacht zu werden; denn über wen wollte er murren, als über sich selbst? Also, entweder ihr wißt nicht, was ihr mit eurer Tugend wollt: oder ihr müßt zugeben, daß ein Mann, der die Entschlossenheit, die Geduld, die Standhaftigkeit, die Klugheit, kurz alle die Tugenden, die zu Erreichung seines Endzwecks nötig sind, mit gutem Erfolg angewandt hat, die Ehre und die Vorteile, die ihm daher zugewachsen, als eine verdiente Belohnung ansehen könne.« – Man sieht, daß Horaz seinem Freunde Scäva die Schiffahrt nach Korinth von der schönsten Seite zeigen wollte..
vitabit chlamydem; morietur frigore, si non
rettuleris pannum. Refer, et sine vivat ineptus.
Res gerere et captos ostendere civibus hostes,
attingit solium Iovis et caelestia temptat:
<35> principibus placuisse viris non ultima laus est.
Non cuivis homini contingit adire Corinthum;
sedit qui timuit, ne non succederet; esto!
Quid, qui pervenit, fecitne viriliter? Atqui
hic est aut nusquam, quod quaerimus: hic onus horret
<40> ut parvis animis et parvo corpore maius;
hic subit et perfert. Aut virtus nomen inane est,
Noch eins zum Schlusse. Wer vor seinem Fürsten
von seiner Armut schweigt, trägt mehr davon,
als wer beständig bettelt. Ob du dankbar und
zufrieden annimmst oder hastig zugreifst,
macht einen großen Unterschied! – »Es liegt
mir eine Schwester ohne Mitgift, eine arme Mutter
mir auf dem Hals; mein Gut ist unverkäuflich,
und gleichwohl nährt es mich nur kümmerlich.«
Wer so spricht, schreit um Brot, und gleich ist noch
ein Hungerleider da, der auf die Hälfte
des Laibs, der ihm gereicht wird, Anspruch macht.
Daß doch der Rabe seinen Fraß nicht schweigend
verzehren kann! Er hätte mehr zu essen,
und minder Neid und Hader. Wer mit einem Großen
die Reise nach Brundusium, oder nach
dem reizenden Surrentum macht, und über
die schlimmen Wege, über rauhe Luft
und Regen wehklagt, oder daß sein Kuffer
erbrochen und Gerät und Reisegeld
gestohlen worden, macht damit sich bloß
des alten Pfiffs der Buhlerin verdächtig,
aut decus et pretium recte petit experiens vir.
Coram rege suo de paupertate tacentes
plus poscente ferent: distat, sumasne pudenter
<45> an rapias; atqui rerum caput hoc erat, hic fons.
»Indotata mihi soror est, paupercula mater,
et fundus nec vendibilis, nec pascere firmus«,
qui dicit, clamat, victum date! Succinit alter:
»Et mihi dividuo findetur munere quadra!«
<50> Sed tacitus pasci si possit corvus, haberet
plus dapis et rixae multo minus invidiaeque.
Brundusium comes aut Surrentum ductus amoenum,
qui queritur salebras, et acerbum frigus et imbres,
aut cistam effractam aut subducta viatica plorat,
die bald ein Armband, bald ein kleines Hündchen,
das ihr gestohlen sei, bejammert, und dafür
auch keinen Glauben findet, wenn sie wirklich
zu Schaden kam und wahre Tränen weint.
Dann gehts ihm wie dem Bettler, der die Leute
mit falschem Beinbruch einmal um ihr Mitleid
betrogen hat: nun liegt der arme Tropf
dort mitten in der Straß' und hat sein Bein
im Ernst gebrochen, ohne daß ein Mensch
nur einen Finger rührt, wiewohl die hellen Tränen
ihm von den Backen rinnen: »Lieben Leute,
um Gottes willen, helft mir armen lahmen Mann!
Ach! Glaubt mir doch! Beim heiligen OsirisUngeachtet Augustus, oder Agrippa an seiner Statt, die ägyptischen Winkel-Gottesdienste aus Rom und 500 Schritte weit von den Vorstädten dieser Hauptstadt verbannt hatteDion. L. 52., so ließ sich doch das gemeine Volk (zumal das herumstreichende Gesindel, wovon es in Rom wimmelte) seine Andacht zu den neumodischen Göttern Osiris, Isis und Anubis nicht nehmen; und Horaz beobachtet also das Costum der Leute dieses Gelichters, wenn er den landstreichenden Bettler, dem niemand glauben will, daß er sein Bein im Ernst gebrochen habe, zu Bezeugung seines höchsten Ernsts, beim heiligen Osiris schwören läßt.,
ich spaße nicht!« – »Das mach' du andern weis!«
Schreit unerbittlich ihm die Nachbarschaft entgegen.
<55> nota refert meretricis acumina, saepe catellam
saepe periscelidem raptam sibi flentis; uti mox
nulla fides damnis verisque doloribus adsit.
Nec semel irrisus triviis attollere curat
fracto crure planum; licet illi plurima manet
<60> lacrima, per sanctum iuratus dicat Osirim:
»Credite, non ludo, crudeles, tollite claudum!«
»Quaere peregrinum«, vicinia rauca reclamat.
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