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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 21
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zehnter Brief
An Fuscus Aristius

Einleitung

Die Scholiasten und Ausleger sind nicht einig, was sie aus diesem Aristius machen sollen. Dem einen ist er ein komischer, dem andern ein tragischer Dichter, dem dritten ein berühmter Rhetor, dem vierten ein Schulmeister, wie er selbst. Am besten wirds vielleicht derjenige erraten haben, der sich ihn als einen Mann vorstellt, der weder sehr reich noch sehr arm, weder sehr vornehm noch sehr niedrig, aber in jeder Betrachtung vorzüglich genug war, um einen Platz in der auserlesensten Gesellschaft in Rom zu behaupten. Denn in diese setzt ihn Horaz am Schluß der zehnten Satire des ersten Buchsprobet haec Octavius optimus, atque Fuscus., was er schwerlich getan hätte, wäre Aristius nicht gewohnt gewesen, sich in so guter Gesellschaft zu befinden. Die kleine zufällige Rolle, die er eben diesen Fuscus Aristius in der 9ten Satire spielen läßt, zeigt ihn als einen Mann von jovialischer Gemütsart, oder was die Römer hominem facetum nannten: und wenn wir das alles, und die Ode, die Horaz in seinen jüngern Jahren an ihn richteteDie 22ste im ersten Buch., und besonders einige Züge des gegenwärtigen Briefs zusammennehmen, so haben wir hinlänglichen Grund, uns diesen Aristius als den vertrautesten und liebsten der Freunde unsers Dichters, als den eigentlichen Freund seines Herzens, zu denken.

Mich dünkt, dies sagt uns gerade so viel von ihm, als wir brauchen, um jede Zeile dieses Briefs doppelt interessant zu finden, und es ist die beste Silhouette und ein so gutes Bildnis, als irgend ein damaliger Porträtmaler malen konnte, wert.

Übrigens ist aus dem Briefe selbst zu schließen, daß Aristius – der sich, nach einer allen gebornen Bürgern der Hauptstädte der Welt gewöhnlichen Vorstellungsart, nichts Glücklichers denken konnte, als in Rom zu leben, – von den Vergrößerungs- oder Bereicherungsprojekten, welche die epidemische Krankheit der damaligen Römer waren, nicht ganz frei, und in dieser Absicht mit den Großen verwickelt genug war, daß Horaz, der alle diese Dinge mit viel gleichgültigern Augen ansah, und hierin allein anders dachte als sein Freund, eine kleine und äußerst sanft beigebrachte Warnung nicht für überflüssig halten mochte.

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