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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 18
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Geh, Muse, wenn ich bitten darf, und bring
dem Celsus, Nerons Freund und Schreiber, meinen Gruß,
und meine besten Wünsche. Fragt er dich,
wie mirs ergeh, so sag ihm, daß ich, bei den schönsten
Entschließungen, doch weder für die Weisheit
noch fürs Vergnügen lebe – nicht, weil etwa
der Hagel meinen Wein zerschlagen, oder
die Hitze meinen Ölbaum ausgedorrt,
und unter meinen Herden, die den Klee
entlegner Fluren mäh'n, die Seuche wütet –
bloß, weil ich schwach am ganzen Leib', und leider
noch schwächer am Gemüt, nichts hören will,
was etwa meine Krankheit lindern könnte,
mich von der Ärzte gutem Rat gar sehr
beleidigt find', und meinen Freunden zürne,
die mir den schlimmen Dienst erweisen und
aus meiner Schlafsucht mich zu rütteln suchen:
kurz, alles haben will, was mir schon oft
geschadet hat, und alles fliehe, was
Mir, wie ich glaube, heilsam ist; zu Rom
    Celso gaudere et bene rem gerere Albinovano
Musa rogata refer, comiti scribaeque Neronis;
si quaeret quid agam, dic, multa et pulchra minantem
vivere nec recte nec suaviter: haud quia grando
<5> contuderit vites oleamve momorderit aestus,
nec quia longinquis armentum aegrotet in agris;
sed quia mente minus validus quam corpore toto,
nil audire velim nil discere quod levet aegrum,
fidis offendar medicis, irascar amicis,
<10> cur me funesto properent arcere veterno?
Quae nocuere sequar, fugiam quae profore credam;
mich stets nach Tibur sehne, und zu TiburDen Vorwurf, den Horaz hier sich selbst in eigner Person macht, hatte er schon viele Jahre zuvor, in der 7ten Satire des 2ten Buchs, einem seiner Sklaven in den Mund gelegt:
Romae rus optas, absentem rusticus urbem
tollis ad astra, levis.

nach Rom. Dann, Muse, frag ihn, wie er sich
befinde, wie er seine Sachen treibe,
und wie er mit dem edeln Jüngling, wie
mit seinen Kameraden stehe? Spricht er: wohl!
so sag ihm, daß michs freue; doch, vergiß
mir ja nicht, diese kleine Lehre ihm
ins Ohr zu flüstern: So, wie du das Glück,
so werden wir, Freund Celsus, dich ertragenBaxter meint, er habe hier den Tiberius und dessen übrige Comites im Sinne gehabt, und bloß aus Urbanität wir gesagt, um der Moral, die er dem Celsus ins Ohr flüstert, das Auffallende zu benehmen. Mich dünkt, er habe weder mehr noch weniger sagen wollen, als was jedermann, der die Sprache versteht, bei seinen Worten denken muß. Wir bedeutet, im Gegensatz mit Du, die ganze übrige Welt. »Wie du das Glück ertragen wirst, so wird die Welt dich ertragen; wirst du dich bescheiden darein finden, so wird der Neid schweigen müssen und du wirst den Beifall deiner Freunde und die Achtung der Welt davon tragen: lässest du dich übermütig dadurch machen, so wirst du jedermann gegen dich haben; deine Freunde werden sich zurückziehen, und die übrigen an deinem Fall arbeiten, u. s. w.!
Romae Tibur amem ventosus, Tibure Romam.
Post haec ut valeat? quo pacto rem gerat et se?
Ut placeat iuveni percontare utque cohorti?
<15> Si dicat, recte; primum gaudere, subinde
praeceptum auriculis hoc instillare memento:
ut tu fortunam, sic nos te, Celse, feremus.
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