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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 17
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achter Brief
An Celsus Albinovanus

Einleitung

Celsus war der Zuname zweier bekannter römischer Familien, nämlich eines Zweiges der Papier, und eines der Cornelier. Es läßt sich aber, bekanntermaßen, daraus allein nichts auf die Abstammung dieses Celsus schließen. Torrentius spricht von einem Quinarius, den er besitze, der auf einer Seite einen Mercurius Petasatus, mit der Umschrift L. PAPI CELSI, und auf der andern eine Lyra zeige; er läßt aber billig dahingestellt, ob es dem Celsus Albinovanus gelte, an den diese kleine Epistel, und in dem Briefe in Julius Florus die scherzhafte Warnung vor dem Schicksal der Äsopischen Krähe gerichtet ist, und dessen Lyra, wie ich damals schon bemerkte, weder seine Zeitgenossen noch die Nachwelt sonderlich bezaubert zu haben scheint.

Was wir von diesem Celsus gewiß wissen, ist also lediglich, was uns Horaz selbst von ihm sagt. Er scheint einer von den exoterischen Freunden unsers Dichters gewesen zu sein; ich meine von der Art guter Freunde, mit denen man weder bekannt, noch bis auf einen gewissen Grad vertraut zu werden vermeiden kann; die wir gefunden haben, weil sie uns suchten, und beibehalten, damit sie uns nicht schaden; deren Freundschaft wir uns nicht gern rühmen, wiewohl sie gelegenheitlich mit der unsrigen groß tun; kurz, mit denen wir unser ganzes Leben durch umgehen, ihnen Dienste erweisen und wieder von ihnen empfangen, und von aller Welt unter ihre Freunde gezählt werden, ohne daß sie jemals unserm Herzen nahe gekommen sind. Celsus hatte die Eitelkeit, in einer Zeit, wo Varius, Virgil, Horaz, Catull, Ovid, Tibull und Properz allen seinesgleichen den Mut hätten niederschlagen sollen, auch für einen Dichter passieren zu wollen, und besaß, als Geheimschreiber des Tiberius, das Ohr eines der ersten Männer im Staat. Diese beiden Titel waren hinlänglich, ihm eine Art von Achtung, und von unserm Dichter (der seine Ruhe liebte und es nicht gern mit den Wespen verdarb, die zwar keinen Honig machen, aber sehr gut stechen können) einen Brief zuzuziehen, der genug von der Miene der Vertraulichkeit hat, um bei einem Menschen, wie Celsus, für einen freundschaftlichen zu gelten.

Der alte Kommentator des Cruquius, dem es anstößig war, daß Horaz in diesem Briefe so viel Böses von sich selbst sagen sollte, hat Ironie darin gewittert, und sich eingebildet, Horaz habe bloß darum sich selbst Ohrfeigen gegeben, damit Celsus sie fühlte. Die meisten neuern Ausleger stimmen ihm hierin ohne weitere Untersuchung bei. Baxter ist vielleicht der erste, der in allem, was unser Dichter von seiner schlimmen Laune sagt, die Symptome der Melancholie, oder, wie ich lieber sagen wollte, der Hypochondrie, wahrnahm; denn die Ärzte werden, denke ich, gestehen, daß man die Wirkungen, welche dieses Übel, insofern es noch keine seiner höchsten Stufen erreicht hat, auf das Gemüt (zumal bei Personen von zartem Nervengewebe) tut, nicht besser beschreiben kann. Indessen halte ich für nicht unwahrscheinlich, daß der Zug fidis offendar medicis, etc. dem Celsus selbst gelte: und daß Horaz ihm diese ganze vertrauliche Eröffnung seines damaligen Leibes- und Seelenzustandes bloß deswegen gemacht habe, um jenen kleinen Stich anzubringen, den der junge Herr vielleicht durch unzeitige Empfindlichkeit über das, was unser Dichter einige Zeit vorher an den Julius Florus zu seinen Handen geschrieben hatte, verdient haben mochte.

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