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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 88
Quellenangabe
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typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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88

Gottheit des zertrümmerten Tempels!
Die zerrissenen Saiten der Vina
singen nicht mehr deinen Preis. Die
Glocken des Abends verkünden nicht
mehr deines Dienstes Stunde. Die Luft
ist still und schweigend rings um dich.

In deine zerstörte Wohnung kommen
die duftigen Frühlingslüfte. Sie bringen
die Botschaft der Blumen – der Blumen,
die man nicht mehr weihet zu deinem
Dienst.

Dein Priester von einst sehnt sich
wandernd noch immer nach dem verweigerten
Opfer. Am Abend, wenn Feuer
und Schatten sich mischen dem Dunkel
des Staubes, dann kommt er müde zurück
zum zerstörten Tempel mit Hunger im
Herzen.

Manch ein Festtag kommt zu dir im
Schweigen, du Gott des zerstörten Tempels.
Manche Nacht der Anbetung geht,
und die Lampen sind nicht entzündet.

Viele neue Bilder wurden von Meisterhand
schön gebildet und hin zum heiligen
Strom des Vergessens getragen,
wenn ihre Zeit kam.

Nur die Gottheit des zerstörten Tempels
bleibt immer unverehrt, unsterblich
verachtet.

 

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