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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 82
Quellenangabe
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typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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82

Die Zeit ist endlos in deinen Händen,
o Herr. Niemand zählt deine Minuten.

Tage und Nächte gehn, Zeitalter
blühen und welken wie Blumen. Du weißt
zu warten.

Jahrhunderte folgen einander, um eine
kleine wilde Blume zu vollenden.

Wir aber haben nicht Zeit zu verlieren,
und da sie uns fehlt, müssen wir unser
Glück erraffen. Wir sind zu arm, um zu
spät zu kommen.

Und so ists, daß die Zeit geht, ich gebe
sie jedem, der sie zudringlich begehrt,
und dir bleibt der Altar leer von Gaben
bis zum Letzten.

Am Ende des Tages eil ich, fürchtend,
dein Tor sei geschlossen; doch
finde ich, daß dort noch Zeit ist.

 

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