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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 78
Quellenangabe
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typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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78

Als nun die Schöpfung neu war und
alle Sterne schienen im ersten Glanze,
da hielten die Götter Versammlung im
Himmel und sangen: »O Bild der Vollendung!
o lautere Freude!«

Doch einer rief plötzlich: »Es scheint,
die Kette des Lichtes zerbrach und ein
Stern ging verloren!«

Die Saite der goldenen Harfe zersprang,
ihr Lied verstummt, und sie riefen im
Schrecken: »Der verlorne Stern war der
beste, er war der Ruhm aller Himmel.«

Seit diesem Tag hört das Suchen nicht
auf, der Schrei geht von Mund zu Mund,
daß die Welt ihre einzige Freude verlor.

Nur im tiefsten Schweigen der Nacht, da
lächeln die Sterne und flüstern untereinander:
»Umsonst ist dies Suchen! Unversehrte
Vollendung herrscht überall.«

 

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