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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 63
Quellenangabe
pfad/verz/werk/book.xml
typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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63

Du führtest zu Freunden mich,
die ich nicht kannte. Du wiesest den
Sitz mir im Hause, das nicht mein
eigen. Du brachtest das Ferne mir nah
und machtest mich Bruder dem Fremden.

Mein Herz ist voll Unruh, wenn ich
verlassen muß das vertraute Obdach, und
ich vergesse, daß altes immer im neuen
wohnt, daß auch du dort wohnst.

Durch Geburt und Tod, in dieser
Welt oder in andern, wohin du mich
führst, du bist es, derselbe, der ein Gefährte
des endlosen Lebens, der immer mein
Herz mit den Banden der Freude dem
Ungewohnten verbindet.

Dem, der dich kennt, ist nichts mehr
fremd, keine Tür ist verschlossen. O, gewähr

dies Gebet mir, daß ich nie den
Segen verliere, das Eine zu fassen im
Spiele der Vielen.

 

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