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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 60
Quellenangabe
pfad/verz/werk/book.xml
typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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60

Am Seestrand endloser Welten
treffen sich Kinder. Der unbegrenzte
Himmel hängt reglos zu Häupten, das
rastlose Wasser ist ungestüm. Am Seestrand
endloser Welten treffen sich Kinder
mit Rufen und Tanzen.

Sie baun ihre Häuser aus Sand und
spielen mit leeren Muscheln. Aus welken
Blättern flechten sie Boote und lassen
sie lächelnd ziehen auf der endlosen
Tiefe. Kinder haben ihr Spiel am Seestrand
der Welten.

Sie wissen nicht, wie man schwimmt,
sie wissen nicht, wie man Netze wirft,
Perlfischer tauchen nach Perlen, Kaufleute
segeln in Schiffen, während Kinder
Steine sammeln und Steine zerstreun.
Sie suchen nicht nach verborgenen Schätzen,
sie wissen nicht, wie man Netze
wirft.

Die See braust auf in Gelächter,
schwach schimmert das Lächeln der
Küste. Todtragende Wogen erzählen
den Kindern sinnlose Lieder, gleich einer
Mutter, wenn sie die Wiege des Kinds
wiegt. Die See spielt mit Kindern, schwach
schimmert das Lächeln der Küste.

Am Seestrand endloser Welten treffen
sich Kinder. Der Sturm rast in pfadlosem
Himmel und Schiffe scheitern auf spurlosem
Wasser, der Tod ist draußen und
Kinder spielen. Am Seestrand endloser
Welten ist der große Spielplatz der Kinder.

 

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