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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 50
Quellenangabe
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typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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50

Ich ging als Bettler von Tür zu Türe
am Dorfweg. Da erschien in der Ferne
dein goldner Wagen, wie schimmernder
Traum, und ich wunderte mich, wer
dieser König der Könige sei.

Meine Hoffnung stieg hoch, und mir
deuchten die schlimmen Tage vorbei, ich
stand Almosen erwartend, die ungebeten
verschenkt, und Reichtum, rings in den
Staub geschüttet.

Der Wagen hielt, wo ich stand. Dein
Blick fiel auf mich, du stiegst nieder mit
Lächeln. Ich fühlte, das Glück meines
Lebens sei endlich gekommen. Da plötzlich
strecktest du deine Rechte aus und
sprachst: »Was hast du mir zu geben?«

O welch ein Königscherz wars, die
Hand zu öffnen, dem Bettler zu betteln!
Ich war verwirrt, stand unentschlossen,
und aus dem Quersack nahm ich langsam
das kleinste Korn und gab es dir.

Doch wie groß mein Erstaunen, als
am Ende des Tages den Sack ich geleert
auf dem Boden, zuletzt ein kleines Korn
von Gold unter dem armen Haufen zu
finden. Und bitterlich weint ich und
wünschte, ich hätte das Herz gehabt, dir
mein Alles zu geben.

 

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