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Hohe Lieder

Rabindranath Tagore: Hohe Lieder - Kapitel 27
Quellenangabe
pfad/verz/werk/book.xml
typepoem
authorRabindranath Tagore
titleHohe Lieder
publisherKurt Wolff Verlag
printrun3. Auflage
year1914
translatorMarie Luise Gothein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111218
projectid40ba0b19
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27

Licht! O, wo ist das Licht? Entzünd
es am brennenden Feuer der Sehnsucht!

Da ist die Lampe, doch weh, kein
Flackern der Flamme – ist das dein
Schicksal mein Herz! Dann wäre dir besser
bei weitem der Tod.

Elend klopft an die Tür, seine Botschaft
kündet: dein Herr ist wachsam, er
ruft durch das Dunkel der Nacht dich
zum Stelldichein.

Den Himmel verhängen Wolken; der
Regen ist endlos. Ich weiß nicht, was in
mir sich regt, weiß nicht seinen Sinn.

Ein Blitzstrahl zieht tieferes Dunkel
mir übers Aug, und mein Herz tastet
den Pfad, auf den die Stimmen der Nacht
mich rufen.

Licht! O, wo ist das Licht? Entzünd es
am brennenden Feuer der Sehnsucht. Es
donnert, der Wind stürzt kreischend
durchs Leere. Die Nacht ist schwarz,
schwarz wie ein Stein. Laß nicht die Stunden
vergehen im Dunkeln. Zünde die
Lampe der Liebe mit deinem Leben.

 

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