Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Anna Katherine Green >

Hinter verschlossenen Türen

Anna Katherine Green: Hinter verschlossenen Türen - Kapitel 28
Quellenangabe
pfad/green/vertuer/vertuer.xml
typefiction
authorAnne Kathrine Green
titleHinter verschlossenen Türen
publisherVerlag von Robert Lutz
seriesDetektiv-Gryce-Seríe
volumeVI
editorAdolf Gleiner
illustratorRichard Gutschmidt
printrunFünfzehnte Auflage
year1921
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111103
projectid54d6258e
Schließen

Navigation:

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

Die Adresse, welche Brigitte von Doktor Molesworth erhalten hatte, lautete:

J. M.
Postlagernd
Harley N.Y.

Der Ort ist, wie allgemein bekannt, in ziemlicher Entfernung von Neuyork an der Eisenbahn gelegen. Noch am selben Tage, einem Sonnabend, war Doktor Kameron vor einbrechender Nacht daselbst angelangt.

Er begab sich unverzüglich auf das Postamt.

Hat J. M. seine Briefe heute schon abgeholt? fragte er den Postmeister.

J. M.? – Wer ist denn das?

Es kommen Briefe unter dieser Adresse für ihn an; ich kenne ihn und muß ihn sprechen.

Dann tun Sie am besten, ihn in seiner Wohnung aufzusuchen, hier ist er unbekannt.

Kameron zog sich enttäuscht zurück. Zwar zögerte er noch einige Minuten, die Nähe des Postgebäudes zu verlassen, in der Hoffnung, Molesworth irgendwo auftauchen zu sehen; da aber seine hohe stattliche Gestalt nicht lange unbemerkt blieb, hielt er es für geratener, den Beobachtungsposten aufzugeben und vorerst einen Gang durch die Stadt zu machen. In den Straßen ließ er den Blick zu den Häusern emporschweifen, als ob er irgendwo den Mann, welchen er suchte, zu entdecken hoffte, bis ihm plötzlich einfiel, der Flüchtling könne ja möglicherweise in demselben Augenblick hinter einem der geschlossenen Fensterläden ihn selbst bemerken. Vielleicht hatte er sich durch die unbesonnene Schaustellung seiner Person bereits um die Hoffnung gebracht, seiner habhaft zu werden.

Wer den Geheimpolizisten spielt, sagte er sich, darf sich in keiner Beziehung auffällig machen; je unscheinbarer, desto besser. Meine Figur ist ein Nachteil für mich; ich wollte ich sähe aus wie der arme Teufel da hinter mir, dessen Gesicht man im nächsten Augenblick wieder vergißt, nachdem man es gesehen hat.

Dabei blickte er fast mit Neid auf einen Burschen mittlerer Größe, der anscheinend ziel- und zwecklos von einem Ladenfenster zum andern schlenderte.

Kameron begab sich nun in den Gasthof, um in einer ruhigen Ecke seine nächsten Schritte zu überlegen. Bald nach ihm trat auch der Müßiggänger ein, den er vorhin auf der Straße um seine Physiognomie beneidet hatte, ohne indes weiter Notiz von ihm zu nehmen.

An wen sollte er sich wenden, um zu erfahren, ob ein Mann, dessen Beschreibung auf Molesworth paßte, kürzlich in dem Städtchen angekommen sei? – An den Gastwirt oder lieber an die Beamten der Eisenbahn und die Droschkenkutscher, welche die Fremden vom Bahnhof abholten? Dadurch wäre aber der Zweck seiner Anwesenheit offenbart und möglicherweise vereitelt worden. Hätte er sich doch von der Polizei an irgend jemand weisen lassen, der ihm Beistand leisten, ihm die betreffende Auskunft vermitteln könnte! – Endlich fiel ihm etwas ein, das ihn auf die Spur bringen konnte. Er sagte sich nämlich, daß Molesworth, mochte er stecken wo er wollte, das Verlangen haben werde, zu erfahren, ob die Polizei neue Entdeckungen in seiner Angelegenheit mache. Er mußte daher suchen, sich die Neuyorker Tagesnachrichten direkt oder indirekt zu verschaffen.

Kameron ließ sich durch den Gastwirt einen Zeitungsladen bezeichnen und dort erkundigte er sich, ob ein kürzlich angekommener Fremder ein Neuyorker Blatt bestellt habe. Das war nicht der Fall. Dann forschte er weiter, ob sonst ein Kunde vielleicht im Lauf der letzten Woche angefangen habe, den Herald oder die Neuyorker Times zu lesen. – Das wohl. Dem alten Jakob Lewis sei plötzlich eingefallen, den Herald zu studieren; er hole die Zeitung alle zwei Tage in dem Laden ab.

Kameron merkte sich den Namen und fragte beim Abendessen ganz beiläufig nach dem alten Mann. Er sei ein Pächter, hieß es, der mehrere Meilen außerhalb der Stadt wohne. Ein Wort gab das andere, und der Doktor erfuhr nicht nur, daß sich bei Jakob Lewis im Hause ein Fremder aufhalte, der nicht zu seiner Familie gehöre, sondern auch, daß der Pächter alle Sonntage nach der Stadt zur Kirche komme. War dies der Fall, so konnte sich Kameron füglich die vielleicht ganz vergebliche Fahrt nach dem entfernten Pachthof sparen. Er beschloß daher bis zum andern Tage zu warten und indessen unter der Hand weitere Nachforschungen anzustellen.

Nach Anbruch der Dunkelheit ging Kameron noch einmal aus, in der Absicht, da und dort, wo sich am besten Gelegenheit bot, dem Geplauder müßiger Leute zuzuhören. Es war ja immerhin möglich, daß er ein paar Worte aufschnappte, die zu seiner Orientierung dienen oder ihm sonst nützlich sein konnten.

Er war schon hier und dort gewesen, als er an einer offenen Schmiede vorbeikam, wo gerade der Meister zusammen mit seinem Gesellen, und wie es schien, einigen Bekannten und Nachbarn, plaudernd vor der Esse stand. Er trat näher heran und blieb im dunkeln Hintergrund stehen. Die Unterhaltung war die gewöhnliche: Stadtklatsch, Politik, Wetter, und ließ nicht im mindesten etwas von Interesse für unseren stummen Zuhörer erwarten. Er war schon im Begriff, seiner Wege zu gehen, als ein Mann humpelnden Ganges hereintrat und auf die Gruppe am Feuer zuschritt.

Behagliches Feuer hier – erlauben wohl, daß ich mir ein bißchen die Glieder wärme. So ein Hausierer, wie ich, kann's brauchen. Komme von der Umgegend herein.

Der Schmied ließ den Ankömmling, der alles in näselndem Tone sprach, gewähren, ohne sich in der Unterhaltung stören zu lassen.

Hm – fiel der Hausierer plötzlich dazwischen – wer ist denn der närrische Kauz, der bei Jakob Lewis wohnt?

Wieso? entgegnete einer der Umstehenden. – Bei Lewis wohnt meines Wissens nur John Staples. Ich kenne den seit Jahren; aber an dem ist weiter nichts Sonderbares; es ist eben ein kranker Mann.

Er meint gewiß den Fremden bei Hunters, ließ sich eine andere Stimme vernehmen. Der ist freilich sonderbar. Seit er angekommen ist, hat er sich noch kein einziges Mal auf der Straße blicken lassen, und er ist doch nicht krank.

Kann sein, gab der Hausierer zurück; ich komme an so viele Orte, da verwechsle ich zuweilen die Namen. Wie sieht er denn aus?

Ich habe ihn nicht gesehen; man hat mir nur erzählt, Frau Hunter habe einen Kostgänger, der komme von weit her und lasse sich nirgends blicken. Sie sagt, niemand dürfe ihn stören, weil er ein Buch schreiben wolle – als ob das ein Grund wäre! –

Wohnt nicht Frau Hunter in Jakob Lewis Nachbarschaft? fragte der Hausierer.

Ja, ihr Haus ist das nächste; kaum eine Viertelstunde davon.

Nun, daher meine Verwechslung, bemerkte der Hausierer, der sich kurz darauf entfernte.

Auch Kameron verließ die Schmiede, um alsbald einen Lohnkutscher aufzusuchen, bei dem er für den andern Tag ein Gefährt bestellte. Er verabredete eben noch die Stunde der Abfahrt, als er hinter sich wieder die näselnde Stimme des Hausierers vernahm:

Können Sie mir vielleicht sagen, ob der Fremde noch bei Frau Hunter wohnt?

Wohl möglich, war des Fuhrherrn Antwort; ich habe nicht gehört, daß er abgereist ist.

Ich frage nur, damit er sein Paket erhält; ein paar Hemden und sonstige Kleinigkeiten, die ich in Frau Hunters Auftrag für ihn besorgt habe. Kommt sie nicht vielleicht zur Kirche herein?

Schwerlich. Ich habe sie wenigstens noch nie da gesehen.

Oder fahren Sie morgen dort vorbei?

Nicht daß ich wüßte, entgegnete der andere mit einem Seitenblick auf Kameron, der in der Tür stehend sich langsam die Handschuhe anzog, immer mehr überzeugt, der Hausierer sei ihm als rettender Engel zugesandt worden.

Ich habe Frau Hunter versprechen müssen, die Sachen bis Montag früh hinauszuschaffen. Aber ich kann mich nicht zu Tode hetzen. Ob mir Jakob Lewis wohl den Gefallen täte, das Paket mitzunehmen?

Warum nicht? Er holt ja auch immer die Postsachen für sie ab.

Dann will ich ihn darum bitten. Sie kennen wohl nicht zufällig den Namen des fremden Herrn?

Nein. Ich habe ihn dorthin gefahren, aber weiter weiß ich nichts.

Wie sieht er denn aus, blond oder braun?

Ganz schwarzhaarig.

Das ist gut wegen der Krawatten, die ich für ihn besorgt habe. Trägt er auch einen Bart?

Bewahre, er ist glatt rasiert.

Desto besser, murmelte der wunderliche Mensch und schlurfte hinaus.

Doktor Kameron ging nun in das Wirtshaus zurück, hocherfreut über das Zusammentreffen mit dem Hausierer, der ihm so zur rechten Zeit geholfen hatte.

Der nächste Morgen brachte ihm jedoch eine unangenehme Ueberraschung. Er erwachte mit heftigem Kopfweh, das sich auch im Laufe des Vormittags nicht verlieren wollte. Erst gegen drei Uhr fühlte er sich imstande, die Fahrt zu unternehmen. Um vier Uhr etwa sah er von einem kleinen Hügel aus einen Pachthof vor sich liegen, den er der Beschreibung nach für das Haus der Frau Hunter hielt. Das niedrige weiße Gebäude hob sich scharf von dem düstern Hintergrund der kahlen Winterlandschaft ab; weit umher war der Himmel in ein aschfarbenes Grau gehüllt, und ein eisiger Wind durchfröstelte den Doktor mit so unheimlichem Schauern, daß er nicht übel Lust empfand, umzukehren, statt den Feind, welchen er dort unten verborgen wähnte, in seinem Versteck aufzuspüren. Aber das strenge Gebot der Pflicht brachte solche Stimmen zum Schweigen. Bald war er nur noch einen Steinwurf von dem Hause entfernt und allein mit dem Gedanken an die bevorstehende Zusammenkunft beschäftigt, die ihn aus seiner Ungewißheit erlösen, ihm den verlorenen Frieden wiedergeben sollte.

Das Haus lag öde und verlassen da, nur eine dünne Rauchsäule, die aus dem Kamin aufstieg, zeigte an, daß es bewohnt sei. Es hatte zwei Eingänge, von denen der Hintere in den Hof führte, an welchen sich Felder und Wiesen anschlossen. Die Seitenfenster waren ohne Laden und starrten den Näherfahrenden unheimlich an. Er fürchtete, gesehen und erkannt zu werden, denn sein eigentliches Verhältnis zu Molesworth kam ihm in diesem Augenblick klar zum Bewußtsein.

Noch jetzt galt kein Besinnen mehr. Entschlossen fuhr er am Hause vor, sprang vom Wagen herab, ohne sich Zeit zu nehmen, das Pferd anzubinden, schritt auf die Türe zu und klopfte laut. Es blieb jedoch alles still und selbst auf sein wiederholtes Klopfen und Rütteln erfolgte keine Antwort. Entweder war wirklich niemand im Hause, oder man wollte ihn nicht hören; in beiden Fällen machte er sich nur vergebliche Mühe. Er blickte sich um in der öden, trostlosen Gegend, der Himmel sah finster und drohend aus, als sei ein Sturm im Anzug, und der Wind wurde immer schneidender. Entschlossen, seine Absicht durchzusetzen, begab er sich um das Haus herum nach der Hinterpforte, die er unverschlossen fand. Er drückte auf die Klinke, die Tür sprang auf, und er sah sich in einem großen wohnlichen Zimmer. Kein Mensch war in dem Raum, aber der Tisch stand zur Mahlzeit bereit und den Töpfen auf dem Ofen entströmten würzige Düfte. Durch die halboffene Tür blickte er in ein zweites Wohnzimmer und drang entschlossen weiter vor. Doch auch dieses Gemach war leer und nirgends eine Spur des Mannes zu entdecken, den er so sicher hier zu finden gehofft hatte. In bitterer Enttäuschung starrte Kameron noch immer die Reihe steifer Familienbilder auf dem Kaminsims an, als er plötzlich einen Schritt vernahm; eine Tür ward schnell geöffnet und wieder geschlossen, dann schallten Männertritte draußen vor dem Hause, und gleich darauf vernahm er das Rollen von Rädern, als mache sich jemand unberufenerweise mit seinem Gefährt zu schaffen.

Trotz seiner Bestürzung behielt er noch Geistesgegenwart genug, um mit einem Satz im Hausflur zu sein und die Vordertür zu öffnen. Da gewahrte er Doktor Molesworth, der, den Hut in der Hand, eben in den Einspänner sprang.

Um des Himmels willen, Molesworth! schrie der Doktor und streckte die Arme aus, als könne er dadurch den zum Aeußersten entschlossenen Menschen zurückhalten.

Dieser aber winkte ihm nur mit der Hand, stülpte den Hut auf, griff nach den Zügeln, und fort rollte der Wagen.

Wenn Sie ein Mann sind und kein Feigling, rief Kameron entrüstet, so werden Sie umkehren und mir Rede stehen! Aber der Hufschlag übertönte seine Worte.

In tiefster Niedergeschlagenheit wankte er ins Haus zurück und ließ sich auf den ersten besten Sitz fallen.

So war denn Julius Molesworth nicht nur ein Feigling, sondern ein Schurke, der selbst vor dem schändlichsten Streich nicht zurückbebte, um einer Begegnung auszuweichen, von welcher sein böses Gewissen ihm nichts gutes versprach. Kameron schäumte vor ohnmächtiger Wut und verwünschte die Torheit und Sorglosigkeit, mit der er sein Fuhrwerk im Bereich des Flüchtlings gelassen hatte. Wer hätte aber auch glauben sollen, daß der Mann, dem er vor kurzem noch einen so wichtigen Dienst geleistet, zu einem solchen Mittel greifen würde?

Des Doktors üble Lage ward noch durch den Umstand verschlimmert, daß Molesworth nach einer der Stadt entgegengesetzten Richtung entflohen war. Er sah sich in einem fremden Hause und bei hereinbrechendem Sturm ohne die Möglichkeit, nach seinem früheren Quartier zurückzukehren oder die Verfolgung des Mannes fortzusetzen, der so feige die Flucht vor ihm ergriffen. Nun war es ja erwiesen, daß Molesworth noch weit mehr, als er geglaubt, an dem geheimnisvollen Vorgang beteiligt sein müsse, welcher nicht nur Kamerons eigene Ehre schädigte, sondern auch die seiner geliebten und schwer geprüften Gattin.

Jetzt ließ sich hinter ihm eine schrille Stimme vom Eingang her vernehmen.

Was in aller Welt soll denn das heißen?

Der Doktor stand auf und sah sich einer starken, breitschulterigen Frau mittleren Alters, augenscheinlich der Herrin des Hauses, gegenüber.

Kameron verbeugte sich.

Sie sehen mich, sagte er, als höchst unfreiwilligen Eindringling in Ihrer Behausung. Ich kam hierher, um Ihren Kostherrn aufzusuchen, und er hat mir den Streich gespielt, mit meinem Einspänner auf- und davonzufahren, ohne sich nur einmal danach zu erkundigen, was mich zu ihm führt.

Frau Hunter zeigte kein Mitgefühl für den Betrogenen. Ja, der ist schlau, gab sie zur Antwort, indem sie an eins der Seitenfenster trat und auf die Landstraße hinausblickte, den holen Sie nicht mehr ein.

Warum nicht? Ich gehe sofort zur Stadt, um mir ein neues Fuhrwerk zu verschaffen.

Weil ein Sturm im Anzug ist. Mit einem solchen Vorsprung ist an Einholen nicht zu denken.

Kameron lachte. Sie reden, als wären wir im Januar oder befänden uns nicht weit vom Nordpol, anstatt kaum hundert Meilen von Neuyork. Um diese Jahreszeit mag der Wind wohl blasen und die Flocken fliegen, aber die Wege werden doch nicht mehr vom aufgetürmtem Schnee versperrt.

Was wißt denn Ihr Städter von unserm Wetter auf dem Lande! Mich müßte alles trügen, oder wir bekommen einen Sturm wie seit Jahren nicht. Ich weiß, was so ein bleierner Himmel zu bedeuten hat, und Sie werden es auch erfahren, ehe Sie vierundzwanzig Stunden älter sind.

Während sie sprach, ließ Kameron seine Blicke über die Landschaft schweifen, aber sie blieben unwillkürlich auf einem Einspänner haften, der den Hügel herab auf das Haus zugerollt kam.

Die Witwe Hunter, welche dieses Gefährt gleichfalls bemerkt haben mochte, bot dem Doktor jetzt ein Unterkommen in ihrem Haufe an, was diesem einigermaßen verdächtig erschien.

Wer kommt denn da gefahren? fragte er.

Nur Jakob Lewis, der aus der Kirche heimkehrt.

Er soll mir sein Fuhrwerk vermieten, rief der Doktor und war schon zur Türe hinaus. Zu seiner Ueberraschung sah er den Hausierer von gestern bei dem Pächter im Wagen sitzen.

Mir ist mein Gefährt gestohlen worden, rief Kameron atemlos, ich muß den Dieb einholen. Wollen Sie mich fahren? Es soll Ihr Schaden nicht sein. Ihr Pferd sieht gut und stark aus.

Recht gern, bestätigte der Pächter, aber heut ist Sonntag, auch zieht ein Wetter herauf, und wir sind zu dreien –

Ich kaufe Ihnen Ihr Fuhrwerk auf der Stelle ab, fuhr Kameron fort, nennen Sie Ihren Preis.

Am Sonntag mache ich keine Geschäfte, war die Antwort. Wer hat denn Ihr Pferd gestohlen?

Der Kostgänger hier. Besinnt Euch nicht lange, Mann! Sagt, wollt Ihr mich fahren oder nicht?

Ich will wohl. Aber das nimmt mich doch Wunder von diesem Mann; ich dachte, er setze keinen Fuß vor die Tür.

Nur herein in den Wagen, Herr, nahm jetzt der Hausierer das Wort; ich wiege nicht viel und brauche wenig Platz. Das Pferd holt wacker aus, und wir wollen dem Spitzbuben bald auf den Fersen sein.

Der Pächter rückte zur Seite und ließ Kameron einsteigen; darauf ergriff er die Zügel und sagte, indem er das Pferd antrieb: »Ein schöner Schluß zur heutigen Sonntagspredigt.« – Dann ging es fort.

 << Kapitel 27  Kapitel 29 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.