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Hinter Pflug und Schraubstock

Max Eyth: Hinter Pflug und Schraubstock - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
titleHinter Pflug und Schraubstock
authorMax Eyth
publisherDeutsche Verlagsanstalt
addressStuttgart
year1958
printrun377. - 408. Tausend
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
created20020512
modified20150625
firstpub1899
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Die Schmiede

Hinein in die Schmiede, wird dir auch bang
Im wirren Schmettern und Schallen!
Es klingt wie stürmischer Glockenklang;
Wie eine Kirche, so weit und lang,
Dehnen sich mächtige Hallen.

Und ernst und feierlich ist dir fast.
Du spürst durch all das Getöse
Das Ringen des Tags, der Arbeit Hast,
Das Leben der Zeit in Kraft und Last,
Und ihre schaffende Größe. –

Hochragende Säulen, das Rippendach
Verschwinden im dampfenden Dunkel.
Doch unten ist alles licht und wach,
Den Pfeilern entlang glüht fünfzigfach
Sausender Feuer Gefunkel.

Der Amboß klingt stahlglockenrein
In heller Arbeitsfreude;
Und hundert Hämmer groß und klein
In munterem Takte stimmen ein
Ins fröhliche Sturmgeläute.

Aus Bergen von Kohlen schießen hervor
Blaugelb, spitzige Flammen:
Sie zittern, sie zucken und züngeln empor.
Dann glüht, dort hinten im finsteren Chor,
Alles blutrot zusammen.

Ein brennender Stahlblock, fast sonnenhell!
Sie schleppen ihn unter den Hammer.
Mit Ketten und Zangen geht's wunderschnell.
Es sträubt sich ächzend der plumpe Gesell,
Hilflos in knirschendem Jammer.

Jetzt regt sich das stille Ungetüm,
Ein Riese inmitten der Leute.
Es hebt den Kopf, in schwarzem Grimm;
Dann plötzlich mit wütendem Ungestüm,
Stürzt's auf die stöhnende Beute.

Ein Funkensturm schießt durch die Nacht;
Der Block schwitzt blutige Tropfen.
Es klickt und knackt, es klatscht und kracht.
Er heult, laut auf. Der Hammer lacht
Ob seinem eigenen Klopfen.

Der ächzende Klotz rollt hin und her,
Er sträubt sich zornig und eckt sich.
Die Schläge fallen, in kreuz und quer,
Bald leise, wie spielend, bald dumpf und schwer.
Er bäumt, er windet und streckt sich.

Es zittert das ganze Haus im Grund
jetzt unter den donnernden Schlägen.
Nur drauf! Das ist dem Gesellen gesund.
Bald wird er eckig, bald wird er rund
Und lernt sich zierlich bewegen.

Darüber vergeht ihm der rauhe Mut,
Die sprühenden Risse verschwanden.
Nun liegt er stille. Der Hammer ruht.
So ist aus dem Klotze in Feuer und Glut
Eine riesige Kurbel entstanden. –

Dort schmieden sie Pflüge zu Tausenden aus,
Hier Bajonette und Klingen.
Dort siehst du Kessel, so groß wie ein Haus,
Hier Panzerplatten, fast wie ein Graus,
An knackenden Ketten sich schwingen.

Doch stahlharte Männer, dampfend im Schweiß
Der Muskeln, der tropfenden Stirne,
Beherrschen den tosenden Zauberkreis,
Und hinter dem allem, rastlos und leis,
Eherne Menschengehirne. –

Nun sprich: Ist's Blindheit, ist's törichter Haß?
Was kümmert die alternden Leute?
Was klagen sie nur, ohn' Unterlaß,
Und gießen zornig ihr Tintenfaß
Über den Jammer von heute:

Wie den Geist, der alles verschönt und erhellt,
Nichts wieder ins Leben brächte,
Wie in Nacht versunken die große Welt,
Wie alles so kläglich sei bestellt
Bei unserem kleinen Geschlechte!

Wie Kraft und Saft verkommen sei
Und wie verfahren der Karren:
Das ist die ewige Litanei.
So geht in die Schmiede, ihr Leute aus Brei;
Geht in die Schmiede, ihr Narren!

Dort, wenn man nur sehen und hören mag,
Was freudig das Leben uns bietet,
Dort glüht noch der funkensprühende Tag,
Dort dröhnt noch der alte Hammerschlag,
Mit dem Siegfried den Balmung geschmiedet.

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