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Hinter Pflug und Schraubstock

Max Eyth: Hinter Pflug und Schraubstock - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
titleHinter Pflug und Schraubstock
authorMax Eyth
publisherDeutsche Verlagsanstalt
addressStuttgart
year1958
printrun377. - 408. Tausend
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
created20020512
modified20150625
firstpub1899
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Am Schraubstock

Backen aus Eisen,
Packt, bis ihr brecht!
Zähne, die beißen,
Halten nicht schlecht.

Härte den Meißel,
Halte ihn scharf,
Schleife ihn öfter,
Als er's bedarf.

Fasse den Hammer
Am Ende des Stiels,
Freu dich am Takte
Des klingenden Spiels.

Drücke drauf! 's ist um die
Feile nicht schad.
Was du auch tun magst,
Feile gerad!

Hart ist das Eisen,
Härter der Stahl,
Am härtesten die Stunden
Gar manches Mal.

Tropft von der Stirne
Schwarz dir der Schweiß,
Wird es dem Hammer,
Der Feile zu heiß.

Kannst du nicht biegen
Stahl oder Guß,
Will dir nicht brechen,
Was brechen muß.

Bist du nur selber
Nicht daran schuld:
Wahre dir, wahre
Mut und Geduld!

Hast du's erlebt?

Du bringst uns wunderliche Sachen,
Zum Weinen bald und bald zum Lachen;
Wahrscheinlich weißt du sie zu machen.

Doch ob sie wahr sind, weiß man nicht.
Zwar manches gleicht bekannten Zügen,
Dem äußern Scheine mags genügen.
Doch ungern läßt man sich belügen.

Und vieles klingt wie ein Gedicht.

Kaum stimmen manchmal Ort und Zeiten!
Du ließest sichtlich dich verleiten
Im Leichtsinn, Pegasus zu reiten;

Dies, werter Freund, ist uns zu viel.
Wir gehn zwar gern auf allen vieren,
Doch wer will Flügel kontrollieren?
Und schwer ist's nicht, uns anzuführen

Am Brahmaputra und am Nil.

Wohl hast du manches selbst gesehen.
Man spürt zuweilen fast das Wehen
Der Wirklichkeit: doch das Verdrehen

Scheint dir ein angeborner Hang.
»Gedächtnisschwäche?!« »Tropenhitze?!«
Nichts derart decket meine Mütze.
»Druckfehler?!« Bitte, keine Witze!

Druckfehler sind nicht seitenlang.

Man spielt doch nicht mit Metermaßen!
Auch ist mit Zahlen nicht zu spaßen,
Und du tust beides ganz gelassen:

Weißt du auch, Freund, wie du uns quälst?
Drum rund heraus, gesteh es ehrlich!
Das meiste glaubt man dir doch schwerlich,
Und diese Halbheit ist gefährlich:

Hast du erlebt, was du erzählst?

Ich hab's erlebt: aus dunkeln Schachten,
Wenn feurig rings die Wetter krachten,
Wenn sie die schwarzen Leichen brachten.

Die Leichen und das rote Gold!
Wie in der Werkstatt finstern Hallen
Die harten Hammerschläge fallen,
Zermalmend, schaffend, Heil uns allen.

Doch glaubet, was ihr glauben wollt!

Ich hab's erlebt – am öden Strande,
Im Meeresbrausen, fern vom Lande,
Im hoffnungslosen Wüstensande.

Auf den die Sonne tötend brennt,
Wie doch, gleich einer Himmelstaube,
Des Menschen arbeitsfroher Glaube
Ihm schaffen hilft, im Sturm, im Staube.

Doch glaubet, was ihr glauben könnt!

Ich hab's erlebt: im tiefsten Herzen
Erlebst du mehr an Lust und Schmerzen,
Als fünfzig Jahre auszumerzen

Vermögen, es vergißt sich nie.
Auch dort ist's Arbeit, Kampf und Streben.
Was könnet ihr dafür wohl geben,
Nähmt ihr aus diesem harten Leben

Die Wahrheit seiner Poesie?

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