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Hinter Pflug und Schraubstock

Max Eyth: Hinter Pflug und Schraubstock - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
titleHinter Pflug und Schraubstock
authorMax Eyth
publisherDeutsche Verlagsanstalt
addressStuttgart
year1958
printrun377. - 408. Tausend
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
created20020512
modified20150625
firstpub1899
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Lösungen

Nicht ganz unbefangen ging ich am nächsten Morgen zur gewöhnlichen Stunde nach dem Palastgarten, um Halim Pascha meinen Tagesbericht abzustatten. Ich hatte mich unter anderm zu entschuldigen, daß ich seit zwei Tagen nicht erschienen war. Dringende Geschäfte in Alexandrien und anderwärts hätten mich gezwungen, den von mir selbst eingeführten Gebrauch dieser Morgenbesuche zu unterbrechen. Der Prinz war in bester Laune und sehr gnädig. Er habe schon einiges von den kleinen Streichen gehört, die hinter seinem Rücken gespielt worden seien; aber er sei zufrieden, da alles harmlos abgelaufen sei. Mittlerweile habe auch er einiges geleistet: er habe Howards Dampfpflug gekauft.

Ich machte das lange Gesicht, das ich mir versprochen hatte ihm zu zeigen. »Das verstehen Sie nicht,« sagte er begütigend. »Daß der Pflug für uns nicht viel taugt, habe ich gesehen. Aber der kleine Bridledrum war unser Gast, und ich wollte unsern Gast nicht mit verdrießlicher Miene ziehen lassen. Sie haben ihn genug geärgert mit Ihren achttausend Quadratmetern. Das war recht und schön, ohne Zweifel. Sie sind ein Europäer. Wir aber, wir hier sind Araber.«

Er sagte dies mit einer leisen Betonung, die ich heute noch höre.

»Übrigens brauchen Sie sich keine grauen Haare wachsen zu lassen,« fuhr er fort. »Sie schaffen den Pflug nach der Gesira. Dort ist leichter Boden; vielleicht geht es dort besser. Zwei von Howards Arbeitern behalten Sie zur Bedienung des Apparates hier. Es hat mich gefreut, zu sehen, mit welcher Ruhe diese Leute ihre Niederlage hinnahmen. Sorgen Sie dafür, daß sie nach ihren englischen Gewohnheiten gut untergebracht werden und die Sache in Gang kommt. Ich habe es satt, den Pflug in dem Baumwollfeld stehen zu sehen wie ein Denkmal unseres Siegestages. Adieu!«

Ich war schon an der Treppe, die von dem Gartenpavillon, in welchem diese Morgenaudienzen stattfanden, in den Park hinabführt.

»Und noch etwas!« rief er mir nach. »Der Vizekönig will Sie heute nachmittag sprechen. Kommen Sie um vier Uhr hierher. Ich werde mit Ihnen nach dem Abidinpalais fahren und Sie vorstellen. Er will bei Fowler zehn Dampfpflüge bestellen, oder fünfundzwanzig; wie viele, weiß er selbst noch nicht und verlangt Ihren Rat. Passen Sie auf, wenn mein Neffe aufwacht, werden wir etwas erleben!«

Zehn Dampfpflüge auf einen Schlag! Als ich hinter dem Bananengebüsch am Fuße der Marmortreppe außer Sicht war, machte ich einen unwürdigen Freudensprung mitten in ein neues Kapitel meines Lebens hinein.

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