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Hinter der Welt

Alfred Schirokauer: Hinter der Welt - Kapitel 7
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typefiction
authorAlfred Schirokauer
titleHinter der Welt
publisherJ. Engelhorns Nachf. Stuttgart
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6

Spät am nächsten Morgen trat Herr Schlegel, der Tenor, in den offenen Türrahmen der Kabine seines Wirtes. Foehre saß auf dem Kojenrand und bot sein seifenbeschäumtes Gesicht den rasierenden Händen des unbeweglichen Diners.

»Morjen, Karle,« gähnte der Dicke. »Gut geschlafen?«

Foehre machte eine Bewegung mit dem Bein, die als Bejahung gelten konnte. Sprechen durfte er nicht, das Messer saß ihm an der Kehle.

»Was fangen wir heute an?« fuhr Schlegel, die Zeichensprache richtig deutend, fort. »Weißt du was: das Beste ist, wir geben Dampf und gondeln fort von diesem stumpfsinnigen Neste.«

Foehres Fuß gab einen heftig verneinenden Stoß.

»Was wollen wir denn noch hier in diesem Fischloch? Naturschönheit ist nicht und Betrieb ist auch nicht. Mein Bedarf an Island ist gedeckt, kann ich dir sagen. Mit den Mädels ist ja doch nichts Vernünftiges anzufangen.«

Foehre wusch sich die Reste des Schaumes vom Gesicht. Geräuschlos ging der Diener. Jetzt wandte sich der Jachtbesitzer dem Sänger zu, frottierte mit einem weichen Tuche zärtlich die Backen und sagte: »Deine Schuld. Grade jetzt fängt Island an, mir sehr zu behagen.«

»Das glaube ich. Der zerknitterte Schleier gestern abend –«

»Bedaure, wenn du weniger Glück gehabt hast.«

»I Glück! Hab du Glück, wenn sie dir gleich eine Ohrfeige anbietet.«

»Derartige Offerten braucht man nicht akzeptieren.«

»Du hast gut reden, wenn du dir immer das Beste 'rausgreifst.«

»Erlaube mal. Die Chancen waren für alle gleich.«

»Es war eben eine verrückte Idee, mein Bester, ohne Weiber in See zu gehen. Ich war von Anfang an dagegen.«

»Verzeih, wenn ich deine Ansicht nicht ganz teile.«

»Kunststück! Bist ja bisher ganz nett auf deine Kosten gekommen. In Kirkwall diese kleine Engländerin und hier diese blonde Isländerin –«

»Apropos, Dicker,« unterbrach Foehre, »du und Karo, ihr müßt heute abend verduften.«

»Was heißt – verduften?«

»Na, eben verduften.« Er machte eine bezeichnende Geste mit der Hand.

»Was, etwa wieder wie in Kirkwall?« empörte sich Herrn Schlegels aufwallendes Fett.

Foehre nickte.

»Ja, aber Menschenkind, willst du nicht gefälligst andeuten, wohin man hier verduften soll?«

»An Land.«

»An Land? Und dort? Wie denkst du dir so 'ne Landpartie bei Nacht? Was sollen wir an dieser gottverlassenen Küste nachts anfangen, he? Nicht 'n mal ein Café haben sie hier als kummervolle Zuflucht.«

»Macht, was ihr wollt. Setzt euch an die Mole und laßt die Beine ins Wasser baumeln. An Bord wünsche ich euch jedenfalls nicht zu begegnen.«

Foehre band gelassen seinen Schlips.

»Höre mal,« sprach da sehr laut der Tenor. »Du glaubst wohl, weil du uns auf deiner Jacht mitgenommen hast, kannst du uns wie die Hunde kujonieren? Ich muß mir das sehr verbitten.«

»Verbitte es dir, so sehr du nur kannst,« schlug Foehre entgegenkommend vor und prüfte mit zusammengekniffenem Auge den Sitz der Krawatte.

»Da hört doch – da hört doch –!« schnappte Schlegel nach Worten.

Jetzt wuchs der Dichter in der Türöffnung empor.

»Guten Morgen,« entbot er. »Zankt ihr schon wieder? Seht doch lieber zum Fenster hinaus. Ich gehe schon stundenlang auf Deck einher. Es ist heute nicht sehr klar. Aber dieses Bild! Immer erscheint es wieder neu. Nur vom Schiff aus ist Reykjavik schön. Diese, von den frostzernagten schwarzen Bergen rings eingeschlossene Bucht! Und rechts die kleine Stadt in ihrer lieblichen Buntheit. Wie Spielzeug stehen die weißen Wellblechhäuser mit ihren roten Dächern auf dem grünen Plane. Und nirgends ein Baum. Und diese Grellheit der Farben in dieser klaren Luft, trotz des düsteren Wetters. Und –«

»Sind Sie bald fertig?« erkundigte sich Foehre jäh.

Karos Mund klappte mit dumpfem Glucksen zu. Schlegel aber benutzte die Gelegenheit, seinem Zorn neuen Luftvorrat einzupumpen.

»Du, Anton,« rief er grimmfunkelnd, »wir sollen heute abend wieder mal an Land, wie in Kirkwall. Verstehst du?«

Der Dichter verstand. Er faltete seine großen knochigen Hände über seinem Schoße und bat: »Lieber Herr Foehre, tun Sie dieses nicht. Nicht an diesem prächtigen Geschöpf. Nächst Fräulein Asta erscheint sie mir die Herrlichste, die mir je begegnet ist. Es gibt so viele Mädchen in der weiten Welt. Muß es grade diese – diese – wie soll ich sagen – Verkörperung der Firne und Lieblichkeit Islands sein?«

Da konnte der Dicke sich nicht enthalten, einzuspringen. »Ja, Bester,« sagte er mit drolligem Ernste, »grade diese ›Verkörperung‹ ist es doch, die ihn lockt.«

Foehre lachte.

»Lassen Sie jetzt die Witze,« Karo schüttelte die Mähne. »Die Sache ist mir bitter ernst. Herr Foehre, dazu sind Sie nicht imstande.«

»Hast du 'ne Ahnung!« grinste der Sänger.

»Dann werde ich das Mädchen warnen.« So bestimmt hatte der Dichter noch nie gesprochen.

»Das werden Sie nicht!« Foehre blitzte ihn drohend an.

»Ich werde es,« trotzte er.

Ein tückischer Blick flackerte auf in Foehres weichen Verführeraugen.

»Das ist der Dank dafür,« brach er los, »daß man euch in der Welt spazieren fährt. Aber ihr habt ja recht. Was muß ich euch auch mitnehmen! Doch nun habe ich es satt. Jetzt geht es nach Norwegen hinüber. Und dann hinaus mit euch. Ich habe es bis hier oben, mich mit euch Künstlerbrut zu katzbalgen.«

Der gekränkte Dichter hob redeverkündend den langen Arm. Schlegel aber gab ihm einen heimlichen Knuff und raunte: »Halt's Maul!«

Was hatte es für einen Sinn, den Mann da zu reizen? Jetzt im Sommer fand er doch kein Engagement. Und der Lange? Hatte der in Berlin überhaupt zu beißen? Also: Wisch über den Mund und schweigen! Es war, trotz allem, doch immerhin ganz angenehm, in der Welt herum zu kutschieren und gratis gut verpflegt zu sein.

Er lenkte also weltweise mit einem Witzwort ein: »Was geht es uns an, Karo? Und dann? Handelt er nicht vielleicht für ganz Island segenbringend. Es gibt hier keinen Baum. Na, am Ende pflanzt er hier – eine kleine Foehre.«

Und lachend trollte er sich hinaus, den Langhaarigen im Schlepptau. –

Später am Tage trafen sie die drei Mädchen drüben an der Landungsbrücke.

Helga Helaason war bleich, und ihre klaren Augen brannten heute im Fieberglanz. Kein milder Schlaf hatte ihr aufgescheuchtes Blut besänftigt. Sie hatte mit wachen Augen zur niedrigen Decke emporgestarrt, und aus dem Dunkel des Zimmers war sein Gesicht herausgewachsen, deutlich greifbar, wie es sich an der Reeling neben ihr von dem Himmelsgrunde abgehoben hatte. Sie hörte wieder seine einschmeichelnde zärtliche Stimme, linde, liebkosende Worte flüstern in ihr glückserstaunt aufhorchendes Ohr.

So lag sie, und die Liebe kam zu Helga Helaason. Ein weiches Verlangen ergriff sie, diesen feingeformten klugen Kopf an die Brust zu pressen und die Arme bergend um seinen Nacken zu verranken und ihn mit ihrem Körper zu schirmen gegen alles Ungemach und alle Gefahren des Lebens. So kam die Liebe in dieser Nacht zu Helga Helaason, keusch und voller Leidenschaft, voller Mütterlichkeit und hingebend, wie die erste Liebe zu solch starkem, vom Leben unberührtem Mädchen kommt.

Den Schlaf scheuchend tropfte aus dem Glücksstrom, in dem sie trieb, die Frage nach der Zukunft in ihr Bewußtsein. Ob er sie bitten würde, mit ihm hinauszufahren in seine Welt? Und würde sie ihm folgen, wenn er sie fragen sollte? Oder mußte sie Form und Verbriefung fordern?

Sie tastete nur scheu an diese Frage. Sie wagte noch die Entscheidung nicht. Doch tief im Unterbewußtsein wußte sie längst, daß sie ihm ohne Zögern, ohne Bedenken, ohne Schwanken folgen würde hinaus in sein farbenprangendes Leben. Das mußte sie, weil sie ihn liebte und weil sie seinem edlen Menschentume blind vertraute. Und ganz, ganz fern lag wie ein schüchternes Ahnen ihr kommendes Märchenleben als Frau Helga Helaason-Foehre zu Berlin.

Es war ein traulich geheimes Zulächeln zwischen ihnen an diesem Vormittage und später am Tage, als die drei Herren bei Frau Asmundsdatter isländische Gastfreundschaft genossen. Der Nachmittag verstrich.

Während Foehre noch über eine List grübelte, die es ihm ermöglichte, Helga heute allein zu Gaste zu bitten, flüsterte Schlegel in einem unbeobachteten Augenblicke ihm schon die eben erklügelte Neuigkeit zu, daß Asta und Thyris Abend vergeben sei.

Da lud er die drei Mädchen zum Diner auf die Jacht.

»Heute abend geht es leider nicht,« bedauerte Thyri ehrlich. »Ich habe schon vorhin Herrn Schlegel erzählt, daß wir heute Probe in unserm Gesangverein haben, Asta und ich.«

Schlegel bestätigte nickend die Mitteilung.

»Es wird dort sehr gute Musik gemacht,« erläuterte Asta. »Wir geben auch mehrere Konzerte im Jahre. Schade, daß Sie keins anhören können.«

»Das wird kaum angehen,« lächelte Foehre, »denn wir werden wohl morgen mittag abfahren. Umso mehr bedauere ich, daß wir heute nicht die Freude haben sollen, Sie noch einmal bei uns –«

»Helga kann ja kommen,« schlug Thyri mit einem kleinen Schalklächeln vor.

Helga zögerte sekundenlang. Da ermunterte Frau Asmundsdatter den jungen Gast: »Geh nur, Helga. Den Gesangverein kannst du dein ganzes Leben lang haben. Aber ob dir solch Vergnügen wie die Gesellschaft dieser drei liebenswürdigen Herren noch oft vergönnt sein wird –«

Die »liebenswürdigen Herren« verbeugten sich verbindlich. Und Helga willigte freudebeklommen ein. – Heute kam sie in ihrem schlichten blauen Kleide. Foehre empfing sie, gleichfalls im Straßenanzuge, und führte sie in den Salon. Als er ihr den Mantel behutsam von den Schultern nahm, sagte er leichthin: »Denke dir, Helga, die beiden andern sind vorhin heimlich davongefahren. Ich glaube, es zog sie zu ihren Freundinnen in den Gesangverein.«

»So?« lächelte sie schelmisch und strich mit der flachen Hand über das Haar. »Desto schöner wird das Alleinsein werden.«

Das Beisammensein mit einem Manne war ihr nichts ungewohnt Befremdendes. In Island gilt, wie in England und Amerika, der Mann nicht unbedingt jedem unbewachten Mädchen als lichterlohe Versuchung.

Dann saßen sie einander traulich plaudernd gegenüber. Der Diener entfernte sich heute, wenn er die Speisen aufgetragen hatte. Foehre erzählte angeregt von seinem Leben, seiner Villa im Grunewald mit ihren verschwiegenen Ecken, seinen Vollblutpferden, seinem Luxusauto und seinem Rennwagen, den Gesellschaften und Bällen, die er veranstaltete und besuchte, und ließ durchblicken, daß er ein wenig Salonlöwe war und ein wenig verzogener Liebling der Damen. Das war die Wahrheit. Und sie lauschte wie einst Desdemona der Eroika Othellos gelauscht hat, und trank in der Erregung unbedacht den Sekt, den er ihr immer wieder eingoß. Und lächelte glückselig gewährend, wenn er ihre Hand über den Tisch hinweg küßte.

Dann saßen sie auf dem zierlichen Diwan im Salon, und wieder sprach er von seiner Sehnsucht nach der Einen, die er hier gefunden habe – hinter der Welt. Da strahlten ihre feuchten Augen wieder hüllenlos ihr staunendes Glück. Nie hatte er solch keusches Erglühen gesehen.

»Bis zum fernen Tule mußte ich ruhelos wandern, bis ich dich traf,« raunte er, selbst ehrlich ergriffen. »Dich in deiner lauteren Weiblichkeit und rührend herben Schönheit.«

Da legte sie die blonde Schläfe an seinen schwarzen Kopf. Und plötzlich lag sein Gesicht an ihrer Brust. Wie in ihren nächtlichen wachen Träumen schlug sie die Arme bergend um seinen Nacken und preßte seinen küssenden Mund an ihre hastig atmende Brust. Da umfaßte und bedrängte er sie.

Sie bat mit ernsten Augen. »Sei gut, du Lieber, komm, komm, sei gut.« Und streichelte ihm begütigend das Haar. Sein Ungestüm wuchs. Und ihr Kopf war schwer vom Weine und von aufgerüttelter Jugend.

»Sei gut, mein Junge,« flüsterte sie an seinem Halse, »sei doch gut!«

Er bat und bettelte und flehte mit Glühfunken verzogener ungeduldiger Wildheit in den schwarzen Augen und begehrte sie ehrlich männlich, wie vielleicht nie zuvor in seinem lasterhaften Leben. Erschütternd und hold war ihr Versagen voller Güte.

»Sei gut, sei gut, bald bin ich dein Weib,« stammelte sie, »warte, mein guter Junge. Dann – dann – bitte – sei gut – sei gut –!!«

Da setzte er sich ergrimmt in die Ecke des Diwans zurück und zürnte verbissen. Jetzt schossen dem jungen Weibe die Tränen des Mitleids in die dunklen blauen Augen. Sie nahm ihn begütigend bei der Hand und zog ihn mild gewährend zu sich nieder. Und gab ihm ihre Jugend und ihre Keuschheit und ihre aufgedämmte Leidenschaft.

Es war spät, als er ihr den Mantel um die Schultern schmiegte. Sie legte den Arm um seinen Hals und wehrte leise: »Du hast nicht zu danken. Nur ich. Nur ich. Du sprengst meinen Käfig und schenkst mir die Freiheit und das Leben. Und nun sag, du mein Licht, wann soll ich morgen kommen?«

»Morgen?« überlegte er.

»Du sagtest, du fährst um Mittag. Wann soll ich an Bord kommen?«

»An Bord?« fragte er verständnislos, sich vergessend.

»Ja,« lächelte sie, »ich muß doch wohl an Bord kommen, wenn ich mitfahre, mein Erlöser.«

Da hatte er sich schon gefaßt und gefunden.

»Komm um zwölf Uhr,« sagte er fest, »und wie ist es mit deinen Sachen?«

Sie drückte das Gesicht verschämt an seine Schulter.

»Du, eine Märchenprinzessin hast du nicht erbeutet, mein Trolle. Viel besitze ich nicht. Mein ganzes Gut birgt ein kleiner Mantelsack.«

»Das schadet doch nichts,« lachte er gezwungen. »Wir fahren geraden Wegs nach Hamburg. Und dort verzaubere ich mein blondes Islandsmärchen zu einer europäischen Wirklichkeit.«

Sie preßte sich noch einmal an ihn, wuchs leidenschaftlich mit ihm zusammen. Dann riß sie sich los.

Er geleitete sie im Boot an Land. Sie kauerten still beieinander, beengt durch die Mannschaft, und fühlten ihre leise berührenden Körper. Helga sah hinaus in die Nacht. Schwarz und gespenstisch reckten die Berge die Häupter über die Stadt herein. Der ewige Schnee auf ihrem Scheitel leuchtete geisterhaft. Dunkel und tot schlief die kleine Stadt.

»Wie liebe ich dieses Land,« sagte sie plötzlich auf französisch.

Da fragte er mit sorgender Stimme, doch lauernden Augen: »Helga, ihr Isländer liebt eure Heimat so innig zäh. Weißt du auch gewiß, daß du die Trennung auf immer wirst ertragen können?«

Groß schlug sie die Augen zu ihm auf. »Ach, Lieber, es ist ja nur der Abschied, der mir mein Land so schmerzhaft ans Herz preßt. Aber auch wenn ich mit allen Wurzeln meiner Liebe hier ankerte, ich würde dir folgen, wohin du gehst.«

Er schwieg in kalter Feigheit.

Dann wetzte das Boot die Bohlen der Brücke. Sie schwang sich gewandt hinauf, reichte ihm noch einmal die heiße Hand, flüsterte: »Morgen Punkt zwölf stehe ich hier,« und eilte davon, die schwarze Posthusstraeti hinan.

An der Ecke wandte sie sich noch einmal zurück und verfolgte mit beschützenden Augen das weiße Boot, das wie ein bleicher Schatten ins Meer hinausglitt. Und einen freudigen Gruß sandte sie hinüber zu dem einsamen grünen Lichte draußen auf der Reede. Das war das Toplicht ihrer Jacht, ihrer sehnsuchtsumzauberten weißen Jacht, die nun ihr Heim geworden war. –

Als Helga das Licht anzündete, erwachte Asta.

»War's schön?« fragte sie halb träumend.

»Sehr schön, Asta. Aber schlafe weiter.«

Doch als sie das Kleid abgelegt hatte, wogte plötzlich das Glücksbewußtsein so schwellend über sie hin, daß sie dem Überschwang in ihrer Brust durch Mitteilung Lust schaffen mußte. Leise fragte sie: »Schläfst du, Asta?«

»Nein, Helga.«

Da setzte sie sich auf Astas Bett und sagte: »Asta, er nimmt mich mit!«

»Wer?« fragte Asta mit geschlossenen Augen und traumumfangenem Sinn.

»Karl Foehre.«

»Wer?«

Die großen nordischen Lichter leuchteten auf.

»Er nimmt mich mit auf seiner Jacht nach Deutschland.«

Asta blickte schlaftrunken drein.

»Er liebt mich,« erläuterte Helga leise. »Und ich liebe ihn – so sehr.«

Da hatte die Freundin begriffen.

»Aber, Helga, das – du sollst sein Weib werden?«

Jetzt sah sie Helgas halbgelösten wirren Haare, sah ihre schwimmenden Augen und ihren feuchten liebeswarmen Mund. Und da sagte dieses Kind eines Volkes, das so dicht in dunklen Stuben beisammen wohnt, daß ihm das Menschlichste nicht fremd bleibt: »Ja, Helga, ich sehe, daß er dich nun heiraten wird.«

Sie nahm das große Mädchen in die Arme, drückte seine Stirn an ihren Busen und ließ, wie eine Mutter, die Freundin, der das ewig heilige Frauenschicksal genaht war, ihr Glück und ihre junge Seligkeit an ihrer Brust ausweinen.

Als Helga nur noch leise verklingend schluchzte, bedachte Asta: »Was wird dein Vater sagen?«

»Fragen kann ich ihn nicht, wir fahren morgen. Es hätte auch keinen Zweck, denn er würde mir nie gestatten, in die Fremde zu gehen.«

»Auch nicht als das Weib eines Fremden?« erwog Asta ernst.

Helga schüttelte den Kopf: »Er hat seine bösen Erinnerungen, wenn Frauen in die Fremde kommen,« sagte sie. »Ich werde ihm morgen schreiben, ehe ich fortgehe.«

»Morgen gehst du schon?« Asta zog die bleichen Brauen empor.

»Ja, morgen mittag.«

»Weshalb solche Eile?« Asta wiegte bedenklich ihr blondes Haupt. »Wenn man ein Mädchen aus seinem Lande führt, sollte man ihm doch einige Zeit lassen, sich –«

»Ich brauche keine Zeit,« trotzte Helga. »Ich bin bereit. So lange bereit! Aber glaube nicht, daß ich euch und Vater und mein armes herrliches Island vergessen werde. Jeden Sommer werden wir euch in unsrer Jacht besuchen, das hat er mir versprochen. Ach, Asta, er ist – so gut und so zart ist er! Wie ein Junge ist er bisweilen, dessen Kopf man nimmt und an die Brust drückt. So ist er im Grunde.«

»Ich freue mich sehr für dich, Helga,« sagte Asta innig. Doch eine rechte Freude kam in ihr nicht auf.

»Und zur Hochzeit muß Vater nach Berlin kommen. Und du und Thyri auch,« schwärmte Helga.

»Warum läßt er sich nicht hier mit dir trauen?« fragte Asta sachlich.

»Aber Asta, glaubst du, man spricht gleich haarklein über alles das, wenn man sich liebt! Asta, Mädel, wie bist du schwerfällig!«

»Du mußt mich schon nehmen, wie ich bin,« meinte sie, ohne Spur von Gekränktheit.

Da herzte sie Helga stürmisch. »Will ich auch, mein prächtiges schwerfälliges Islandmädel. Aber, bedenke doch, selbst wenn er es wollte. Wir könnten es doch nicht ohne Vaters Zustimmung. Und ist es denn nicht gleichgültig, wie ich mit ihm fahre! Sein Weib bin ich und bleibe ich nun für alle Zeiten. Du weißt ja nicht, Asta, was er mir ist. Das kannst du gar nicht wissen. Du denkst: ich habe mich in einen hübschen feinen Menschen verliebt. Basta. Nein, sage ich dir. Ich habe mich nach ihm gesehnt, schon damals, als wir hier zur Schule gingen. Ja, damals schon. Und nun ist er gekommen, lang erhofft und doch lebensfern wie eine Saga. Da soll ich erst warten und zaudern und ihn wochenlang hinhalten, bis die Aufgebotsfrist verronnen ist? – Asta! Freundin!«

Da sprang Asta aus dem Bett, küßte sie innig auf den Mund und sagte: »Es hat wohl keinen Sinn, dir abzuraten, denn du bist entschlossen.«

»Ja, das bin ich,« frohlockte sie.

»Dann wünsche ich dir viel Glück in der Fremde, und vergiß dein Island nicht.«

Und nun entkleidete sie das kräftige schlanke junge Weib behutsam und zart, als wäre sein Körper geweiht und geheiligt von seinem Glücke und von seinem Erlebnis.

Friedlich und schicksalsgeborgen schlief Helga Helaason diese Nacht bis tief in den Tag hinein.

Dann kam Thyri Thorarinsson und erfuhr das erregende Geheimnis. Sie reichte der Freundin frank und fest die Hand, gab ihr einen herzhaften Kuß und sagte: »Heil, Helga!«

Sie beschlossen, Frau Asmundsdatter Helgas Abfahrt zu verschweigen. Denn sie fürchteten, sie könne in einem bedachtsamen Verantwortlichkeitsgefühle gegen den Bezirkshauptmann den Gast zurückhalten.

Helga packte ihre Sachen und schrieb den Brief an den Vater. Asta wollte ihn später zur Post bringen. Doch Helga sagte: »Nein, Asta, ich nehme ihn selbst. Ihr sollt nichts damit zu tun haben. Daß keine Vorwürfe euch treffen. Denn viele werden meinen, ich habe etwas Unrechtes getan. Dabei ist es so gut und recht. – Aber lassen wir sie. Doch ihr sollt nicht hineingezogen werden. Ich will auch nicht, daß ihr zum Hafen kommt. Ganz allein gehe ich davon und trage allein meine herrliche Verantwortung.«

Nach einigem Sträuben fügten die Freundinnen sich darein.

Dann saßen sie in Astas Stube beisammen und plauderten in nervöser Erwartung. Ganz langsam schwanden die Stunden. Von der Schulzeit sprachen sie und von tausend kleinen wichtigen Backfischerlebnissen. Sie mußten versprechen, sofort nach Berlin zu telegraphieren, wenn die Liebe auch zu ihnen gekommen war. Ja, ja. Und über alles wollten sie schreiben, und ein herzliches Band sollte sich knüpfen weit über das Meer. Ja – ja.

Die Uhr der Kathedrale schlug.

Sie fuhren empor. Nein, es war erst elf. »Grüß mir den Dicken,« scherzte Thyri. »Sei gut zu dem Dichter,« bat Asta heiser.

Sie ging in den Stall, von Gràni Abschied zu nehmen. Das Pony wieherte hellauf und wandte freudig den Kopf mit der struppigen Mähne, als die junge Herrin eintrat. Mit blanken Tränen in den Augen küßte sie das weiche schwarz-rosige Maul.

»Leb wohl, mein Gràni. Leb wohl. Und Hab Dank, du Treuer. Weißt du noch, wie wir im Sandmeer auf die Nacht warteten? Weißt du das noch?«

Das kluge Tier blickte sie an, als ob es noch wisse von jenem Stieben durch die gespenstische Dämmerung.

»Sorgt mir für Gràni,« bat sie. »Und wenn ich wiederkomme, Gràni –!« Eine bange vorahnende Freude über diesen ersten Ritt ins stille Land hinein siedete mit heißen Tränen in ihr auf.

Und plötzlich war es fast zwölf geworden. Sie eilten ins Haus, Thyri stand Wache, daß keiner sie überrasche. Hurtig, ohne rechten Abschied rannte Helga, den Mantelsack in der Hand, zum Hause hinaus.

Fast laufend hastete sie an dem murmelnden Bach der Laekjargata hinab, an der Post in der Posthusstraeti warf sie den Brief in den Kasten und eilte weiter zum Hafen. Ihre Erregung war so heftig, daß die Knie matt in den Gelenken nachgaben.

Dann kam sie zur Brücke. Ihr erster Blick glitt hinaus auf die Reede.

Wie? Wie denn –? Sie fuhr mit der freien Hand über die Augen. Was denn? Was war das bloß mit ihren Augen? Ja – was denn? Was denn? Dort neben Arni Einarssons Walfänger – mein Gott – dort war doch die Stelle –. Täuschte diese graue schwebende Luft –? Sie sah doch ganz klar den rauchenden Walfänger. – Ob die Jacht an eine andre Stelle des Hafens –?

Helga blickte rundum. Mancherlei Schiffe lagen da, große und kleine, lichte und dunkle – nirgends die weiße Jacht.

Da schlug es zwölf vom Dach der Kathedrale. Jäh fiel dem Mädchen ein, daß nun doch das Boot an der Brücke liegen müßte, sie zu holen.

Boote lagen da – große und kleine – lichte und dunkle, nicht das wohlbekannte weiße Boot mit dem deutschen Fähnchen.

Und da – da hatte Helga Helaason eine furchtbare aufklärende Vision. – Ihr weiches, von der Erwartung verklärtes Gesicht versteinerte. Wie eine Brise hob das Entsetzen die blonden Haare aus der Stirn. Wie ein Marmorpilaster stand sie sekundenlang steif aufrecht, schwankte dann auf den Sohlen wie ein Pendel hin und zurück – fühlte plötzlich die Beine nicht mehr unter den Schenkeln und schlug hart mit den Knien auf das Steinpflaster.

Dort lag sie hilflos mit aufgestützten Händen, bis ein Bootsmann herzulief und sie emporrichtete.

»Sind Sie krank?« fragte er teilnehmend.

»Nein, nein,« sie schüttelte den hohlen Kopf und hockte kraftlos auf einem Warenballen nieder. Hier saß sie mit schlotternden Knien, den Kopf in den Nacken verschrumpft, die stumpf erloschenen Augen starr auf den Fleck im Meer gerichtet, an dem gestern die weiße Jacht gelegen hatte. Den Mantelsack hielt sie mit der Linken umkrampft.

So saß sie ohne lebendige Gedanken, ohne blutdurchrieseltes Gefühl. Im Hirn, in der Brust, im Magen war eine Leere, in der eine drohende Übelkeit sich wand. Dann brach ein zermartertes ungezügeltes Stöhnen zwischen den krampfig verbissenen Zähnen hervor. Ihre Arme zitterten, der Mantelsack schlug dumpf an die Seite des Ballens, auf dem sie kauerte. Der Oberkörper bog sich in den Hüften vorn über, daß die Brüste sich an den Knien breit preßten. Ein Winseln pfiff aus ihrem Munde.

Blutig war ihr Verstehen erwacht. Wie ein haarscharfes Messer schnitt das Begreifen ihrer Lage in die Geweide und zog ihren Leib wie eine Spirale zusammen. Als ein das Hirn zerspaltender Hieb war mitten in den Schädel hinein die Erkenntnis eingeschlagen, daß er sich davongeschlichen hatte wie ein Dieb in der Nacht.

Schattenhaft sah sie plötzlich den verräterischen Zug um seine lüsternen Lippen, so deutlich, daß sie nicht begriff, wie sie den Worten aus diesem Munde –

Sie heulte auf wie ein Tier, dem die Kugel in die Flanke schlägt. – Von diesem Schurken hatte sie ihre Sehnsucht und ihr Leben besudeln lassen –!

Und zischend kochte das uralte Wikingerblut der Helaasons von Hlibarendi in ihrer späten Tochter auf. Rotquellend füllten sich die Äderchen in den Augen, der Busen schwoll gegen das wollene Kleid, die Hand ballte sich ehern um den Halter des Sackes.

Rache – Rache dem Schurken! Das ihr – ihr – Helga Helaason – ihr! Die starken Zähne malmten, die Haare irrten wild um ihre Schläfen – ein grausamer unerbittlicher mordgieriger Zug grub sich tief um die bebenden Nasenflügel. Es röchelte vor bluttrunkenem Hasse in ihrer ausgedorrten Kehle. Erwürgen – mit ihren Händen ihn erwürgen, diesen Hund – ihn jagen und mit Knütteln erschlagen, diesen tückischen, hinterhältigen, bissigen, feigen Hund, der sie Liebe heuchelnd genommen und fortgeworfen hatte wie einen schmutzigen Lappen.

Sie sprang in ein Boot, ließ sich zu dem dunklen Walfänger hinüberrudern.

Ihr Hirn war kalt und klar.

Ihm nach – ihm nach! Ihn aufspüren auf seiner Flucht, ihn herauszerren aus der weichlichen Pracht seines Schiffes und ihm das Hirn zerschellen an der Reling seiner Jacht. Diesem Lügner, der sie berührt hatte! Ihr ekelte vor ihrem Körper, den dieser feige Lump entweiht hatte, der nachts von seinen heiligsten Pflichten geschlichen war.

Zornige Scham strudelte in ihr auf bei dem Gedanken, daß sie sich diesem Menschen preisgegeben hatte, sie, sie, die stolze Helga Helaason von Hlibarendi, der Stolz ihres Landes, diesem verruchten Feigling. Ein blutiger Schleier flatterte vor ihren Augen.

Ihm nach, ihm nach! Ihm zeigen, daß man ein Islandmädchen nicht nehmen darf und hinwerfen wie einen verbrauchten schmutzigen Lappen. Ihm nach – ihm nach!

Jetzt war das Boot dicht bei dem schwarzen kleinen Waldampfer. Er lag unter Dampf, zur Abfahrt bereit. An der Reling stand niemand. Helga lohnte den Bootsmann ab und klomm behende die herabhängende Strickleiter hinauf, sich mit der Rechten anklammernd und mit den Zähnen festbeißend. In der Linken hielt sie noch immer krampfhaft ihren Mantelsack.

Gelassen ruderte der Bootsmann von hinnen.

Helga blickte sich um. Auf Deck war keiner. Doch aus der Tiefe des Raumes klangen Stimmen. Dort saßen sie wohl beim Essen. Es war Mittagszeit.

Sie legte die Tasche auf die Planken des Verdecks, beugte sich unter dem niedrigen Zulaß hindurch und stieg die schmutzige kleine eiserne Treppe hinunter.

»Nanu, was trippelt denn da?« fragte Jon Jonssons brummige Baßstimme.

Da schrie der junge Harpunier Arni Einarsson gellend auf. Wie ein lang zurückgehaltener Jubel brach es hervor: »Helga Helaason! Du?«

Sie stand in dem matt erleuchteten Raume.

Arni stierte zu ihr empor. Vor freudevollem Schreck vergaß er sich zu erheben. Worte fand er nicht. Da sagte der alte Jon Jonsson: »Womit können wir Ihnen helfen, Helga Helaason? Denn Sie sehen aus, als ob Sie Hilfe brauchten.«

»Ich muß mit dir sprechen, Arni,« stieß sie hervor.

Da war Arni aus der Bank heraus, stand bei ihr und stammelte: »Sprechen, Helga? Sprechen? Komm – Helga.«

Und zog sie hastig mit sich fort, die Treppe hinauf. Alles Leid, das ihm das Mädchen angetan hatte, war vergessen, die Liebe schlug prasselnd über ihm zusammen, jetzt, da sie zu ihm gekommen war und mit ihm sprechen wollte.

Als sie oben auf Deck standen, sagte Helga kraß, ohne jede Umschweife: »Arni, ich bin gekommen, dich um einen großen Dienst zu bitten.«

»Ja,« nickte Arni, bebend vor Erwartung.

»Du bist auch aus Hlidarendi. Du wirst nicht dulden, daß man mir blutigen Schimpf antut.«

»Schimpf – dir! Wer hat–?«

Die Ader an seinem Halse ward zu einem blauen Tau.

»Arni, ich war nicht immer gut zu dir. – Ich weiß das. Ich habe unsre Jugendliebe verraten. Aber heut – da es meine Ehre gilt –«

»Sprich, Helga!« Er tastete unbewußt nach dem Walmesser im Gurt.

»Der Mann von der weißen Jacht–«

»Ah,« gurgelte es in Arnis Kehle. Er hatte den Menschen alle diese Tage erdrosseln wollen, wenn er sah, daß Helga zur Jacht hinüber fuhr.

»Er hat mir gesagt, er wolle mich heiraten –«

Arni schwankte wie ein schwebender Balken –

»Er hat mich mitnehmen wollen nach Deutschland –«

Arni zischte wie eine Rakete –

»Er hat mich – ja, Arni, er hat mich – ich habe mich –«

Da warf Arni Einarsson die Arme in die Luft und schrie: »Nein – nein – Helga – nein – nein –!«

»Doch, Arni. Ich sollte sein Weib werden. Er hat es mir geschworen. Und ich – habe – ich glaubte ihm –«

Arni röchelte, als stecke ihm ein Pfeil in der Kehle.

»Heut um zwölf sollte ich an Bord kommen.«

Da puffte Arni Einarsson den Zeigefinger wie ein Irrer hinaus auf das Meer. – »Fort – fort –?« flüsterte er mit verzerrten Lippen.

Helga nickte.

Jetzt packte Arni Einarsson das junge Weib an beiden Schultern und schüttelte es, daß der Kopf hilflos auf dem Halse schlotterte, und klagte: »Helga – Helga!«

Sie schwieg.

Jäh ließ er sie los und brüllte in den Raum hinab: »Jonsson – Freunde – he – he –!«

Es polterte schwerfällig die Eisenstiege herauf.

»Jon Jonsson und du, Bjarni Thorlaksson, ihr müßt mir helfen. Der Schuft da, der Weiße, hat Helga betrogen. Die Ehe hat er ihr versprochen – betört hat der Hund sie,« er ächzte und spuckte Blut auf das Verdeck –»und ausgerissen ist er – heimlich – jetzt sollte sie an Bord kommen – nach Deutschland wollte er sie mitnehmen und heiraten – und fortgeschlichen ist er –«

Er schnappte nach Atem wie eine Makrele am Angelhaken.

Jon Jonsson wiegte stumm den grauen Kopf.

Der junge Maschinist Bjarni Thorlaksson aber sagte: »O weh –!«

»Wir wollen ihm nach,« rief Arni wild, »ihn rammen mit der ganzen Brut. – Mitten durch die Jacht schmettern mit unserm Eisenkiel.«

»Er hat einen weiten Vorsprung,« erwog Thorlaksson. »Heut früh um sechs ist er hinaus gegangen. Ich hab ihn gesehen.«

Da umkrallte Arni des Maschinisten Arm: »Bjarni, bei unsrer alten Freundschaft, du machst es. Laß den Kessel springen. – Wir können wie der Sturm sausen mit unsrem kleinen Boot. Die Jacht läuft gut – ich habe sie beim Auslaufen beobachtet. – Aber in zehn Stunden haben wir sie.«

»Und dann?« fragte der Alte.

»Dann rennen wir sie über den Haufen.«

»Das ist – Mord.«

»Rache ist es,« flammte Helga auf. »Isländische Rache.« –

»Laß es sein, was es will,« schrie Arni dazwischen. »Die Ehre gilt's – auch deine, Jon Jonsson. Islands Ehre gilt's.«

»Er hat recht,« nickte Bjarni.

»Ja – ja,« bedachte Jon Jonsson, »gewiß – gewiß. Der Bursche verdient's, daß wir ihm unsern Bug ins Eingeweide rennen. Aber – nachher? Zuchthaus setzt es.«

»Laß es setzen!« Hitzig stampfte Arni den Fuß auf.

»Die Gefahr ist nicht so groß,« überlegte Bjarni. »Der dänische Wachtkreuzer ist im Norden der Insel, das weiß ich. Wir fahren nachts mit abgeblendeten Lichtern auf die Jacht ein – in zehn Sekunden versackt sie mit Mann und Maus – kein Hahn wird mehr in unsern Gewässern nach dem verschwundenen weißen Schiff krähen.«

Jonsson antwortete nicht. Auch er fühlte es in seinem alten nordischen Seemannsgemüt, daß diese tückische Schmach, die einem isländischen Mädchen widerfahren war, grausam gerächt werden mußte. Mußte! Das war Urväter Sitte.

Er fragte nur noch kurz: »Und Sie, Helga Helaason, wollen Sie an Bord bleiben?«

»Ja,« sagte sie grimmig-ruhig, »ich werde dabei sein.«

»Ich halte auf die Vestmänner zu,« rief er schon über das Geländer der Brücke. »Dort müssen sie durch.«

Da sprang Bjarni Thorlaksson hinunter zur Maschine.

»Ich heize mit Tran,« nickte er Helga zuversichtlich zu.

»Wir setzen auch Segel,« rief Arni und fegte zum Mast empor.

Drei Minuten später war der kleine Dampfer aus der Bucht und dem Fjorde hinaus und stob auf dem offenen Meere dahin. Und bald zitterte und krachte es in allen Fugen vom Brodeln der Kessel und überspanntem Rasen der Kolben. Der Wind fuhr in die Schonertakelei und hob das winzige Schiff fast aus den Wellen. Oft lag es sekundenlang so schräg im Winde, daß die Wellen ins Deck wie in eine Mulde hineinspülten. Vorwärts, vorwärts – atemlos – fiebernd – irrwischhastend.

Helga Helaason stand am auf- und niedersausenden Bug, preßte vorwärtsdrängend die Brust gegen die Reling, daß die Rippen sie schmerzten, spürte den knatternden Wind wohltuend kühl um ihre heiße Stirn brausen und hatte keinen klaren Gedanken. Sie hatte nur das Lustgefühl des Fliegens und wußte, daß sie dahinsauste, dem Schurken und ihrer Rache nach.

Wütende, sich überstürzende Wogen brachen über sie herein, rissen sie vom Bug zurück, zwangen sie auf die Knie. Sie richtete sich triefend auf und starrte wieder hinaus auf den bleigrauen Horizont.

Die See war grün, durchrissen von riesigen weißen Streifen. Möwen flogen gehetzt, ganz tief über dm Wogenkämmen dahingleitend. Ihr qualvoller Schrei durchgellte das Brausen der Fahrt.

Weiter ging's – immer weiter, dem Schurken nach. Ein besinnungsloses Dahinstürmen war es. Das Meer schauerte auf, wie in todesbanger Ahnung der kommenden grauenschweren Dinge. Welle auf Welle spülte über Bord, die eine die nächste jagend, daß Helga nicht Zeit blieb, das Salzwasser auszuspeien, ehe der nächste Schwall ihr wütend ins Gesicht schlug. Sie konnte die Augen nicht öffnen, nicht Ausschau halten, nicht Atem schöpfen, so stürmte die Flut auf sie ein. Doch sie raffte sich mit verbissener Kraft immer wieder zur Reling zurück und beugte sich weit vor und fegte dahin, vorwärts, vorwärts.

Auf Deck ging Arni Einarsson auf und nieder, die geballten Fäuste in den Hosentaschen. Stunde um Stunde. Jetzt, da die Segel gesetzt waren, gab es für ihn keine Arbeit. Sein Tätigkeitsbezirk an Bord war der Kampf mit dem Wale. Ihm lag das schwierige Werk des Harpunierens ob. Diese bangen Stunden der tobenden Hatz hatten für ihn keine Beschäftigung.

Bjarni Thorlaksson stand bei seiner Maschine und beobachtete wachsam ihren keuchenden Atem. Jon Jonsson verließ nur einmal die Brücke. Mit einer langen Stange hob er vorn am Kiel das Brett mit der weißen Nummer »Z 3« über Bord herein. Besser war besser. Es brauchte keiner zu wissen, wer da wie ein gescheuchtes schwarzes Gespenst durch die See spukte.

Der Nachmittag verrann. Der frühe Abend stieg grau aus dem aufgewühlten Meer. Helga Helaason hielt noch immer im Bug neben dem Geschütz die Wacht.

Da kam Arni zu ihr. Er trug balanzierend einen Topf Suppe vor sich her. »Hier,« sagte er bittend. Helga schüttelte den Kopf. »Danke, Arni. Ich kann nicht. Wann denkst du, werden wir ihn haben?«

»Gegen Mittemacht, Helga, vielleicht auch früher. Wir müssen bei Tageslicht noch durch die Vestmännerinseln, damit wir sehen, ob er sich nicht dort in einer Bucht verkrochen hat.«

Er stand unschlüssig. Wollte gern gehen, weil er zartfühlend empfand, daß seine Gegenwart ihr heute peinlich sein mußte, fand aber keinen passenden Abgang.

»Wenn du müde bist, Helga – meine Koje habe ich für dich hergerichtet. Dort findest du auch deine Reisetasche.«

»Dank dir, Arni. Ich bin nicht müde.«

Und nach einer Pause fügte sie bei: »Wenn er uns nur nicht vorher bemerkt!«

»Wir blenden alle Lichter ab,« belehrte er. »Und wenn er uns merkt! Was hilft ihm das! Wenn wir ihn erst gesichtet haben, entgeht er uns nicht.« Seine Augen glänzten angriffswild wie damals im Ansturm auf den Grönlandswal. »Unser Kiel, der die Eisschollen zu zerschneiden gewohnt ist – wie durch Talg werden wir durch ihn hindurchfetzen.«

Und dann bahnte er sich unbeholfen den Rückzug: »Ich werde dir die Suppe warm stellen, Helga, für später vielleicht.« Und ging davon.

Im letzten matten Schimmer des Tages zogen sie ihre dickqualmige Rauchfahne an den Vestmännerinseln vorüber. Groteske hohe Steinmassen mit weit auslaufenden gefährlichen Riffen hoben sich steil und drohend jäh aus dem Meere hervor. Zwischen ragenden glatten schwarzen Wänden ging es hin, auf engen grün durchbrandeten, schauerlich dunkel bedrohlichen Gassen.

Nie hatte Helga etwas so Dräuendes erlebt wie diese Vestmännerdurchfahrt im Einbruch der Nacht. Plötzlich klaffte in diese Unheimlichkeit hinein zur Rechten eine Lichtung, eine breite Helle strömte heraus auf das Meer: in sanftem Abendglanze träumte dort in grüner Au ein trauliches weißes Dorf mit abendrot-umflossener Kirche. Ein liebliches Idyll mitten im Meeresgrauen.

Wie die Falken durchforschten die beiden Seeleute an Bord die stille Bucht. Nein, dort war der Schuft nicht untergekrochen.

Vorwärts, vorwärts, hinaus in die brausende Dunkelheit!

Es war, als stoße das Schiff mit noch vergrimmterer Wucht in die schwarze Endlosigkeit dort draußen hinein.

Jetzt stand Arni Einarsson neben dem jungen Weibe am Geschütz, das spähende Glas am Auge. Der Mond kroch klein und blutig hervor. Vorwärts, vorwärts. Mit abgeblendeten Lichtern, wie das schwarze Schicksal, stürmte das Schiff voran.

Helga blickte sich sekundenlang um. Geisterhaft unklar umrissen huschte die Takelei hinter ihr her durch den grauschwarzen Luftraum. Jetzt glomm eine stille Helle zur Linken. Das war die Südküste Islands mit ihren nachtleuchtenden Riesengletschern. Ein bläulicher Luftschleier hing über den Felsenwänden, die steil ins Meer hinabsanken.

Dann stand grad voraus ein rotes Licht in der See. Ein kurzes Kommando hinab zur Maschine – Helga krallte sich ans Geschütz – das Blut sauste hellklingend in den Ohren – es war, als rissen die Nerven, sekundenlang war sie ohne Bewußtsein.

»Nichts,« Arni schüttelte den Kopf. »Holzdampfer nach Norwegen.«

Sie hetzten an ihm vorbei. Vorwärts – vorwärts – dem Schurken nach!

Und plötzlich wetterte grell durch Helga Helaasons Hirn der Gedanke, daß nicht nur er, der feige Hund, in den Wellen verrecken würde – nein, auch – sie sah das verträumte gute Gesicht des Dichters. – Und die lustige behäbige Beleibtheit des Sängers. Und die schuldlose Bemannung! – Eine lähmende Angst schraubte sie an ihren Platz. Mein Gott – mein Gott – in der nächsten Sekunde konnte das rote Licht der Jacht am Horizont stehen – dann dauerte es noch Minuten. Sie fühlte den Anprall – Splittern – entsetzensgelle Todesschreie – und plötzlich stand vor ihren Augen das Boot, das der Wal zerschlug. Nein – nein. Mit übernatürlicher Kraft entwand sie sich der Umklammerung des Grauens, tastete ins Dunkel hinein nach Arnis Arm: »Arni – nein – nicht! – Es sind Schuldlose an Bord!«

»Alle sind schuldig!« stieß er hervor und starrte geradeaus.

»Nein – nein, Arni, er allein ist schuldig. Die Bemannung. Deine Kameraden!«

»Ja – was?« knurrte er trotzig, ungeduldig.

»Könnten wir nicht ihn allein –?«

»Unmöglich.«

»Wenn wir dicht neben sie fahren und sie anrufen und ihnen drohen –?«

»Wie denn, Helga? Laß nur. Sie haben alle dabei geholfen.«

»Nein, Arni. Überlege, schnell – schnell! Gleich können wir heran sein. Dann nimmt Jon Jonsson seinen Kurs. Wir zwingen sie zu stoppen und ihn auszuliefern. Und wenn sie nicht gehorchen – dann – dann –«

»Dann ist es zu spät,« grollte Arni.

»Warum –? Wohin sollen sie uns entrinnen?«

»Sie werden uns ausweichen.«

»Arni, diese Lustjacht einem isländischen Walfänger ausweichen, der wie eine Möwe um den Wal herumzukreisen gewohnt ist! Lauf – lauf, Arni. – Sag es Jonsson. Ich eile hinab und sag es Bjarni Thorlaksson. Schnell, schnell.«

Im nächsten Augenblick schrie sie auf. »Da – da! Rot! – Das ist die Jacht – das ist die Jacht!«

Sie fiel wie ein Sack in den Maschinenraum hinab.

»Bjarni,« schrie sie, doch die Stimme klang kaum vernehmlich, wie in einem bösen Angsttraume war es, »stopp sofort, wenn das Kommando kommt. Wir wollen die Jacht anhalten.«

Und hinauf stürzte sie, sich bei der heftigen Schwankung des Schiffes mit ganzem Körper die Treppe hinaufwälzend.

Vorwärts ging's, dem roten Lichte nach. Mit letzter verzweifelter Kraft keuchte die Maschine. Unbeweglich standen sie nebeneinander im Bug und starrten auf das wachsende rote Licht.

Die Entfernung zerfetzte es in blutige Streifen mit schwarzen Zwischenlinien. Reißend kamen sie näher. Schon war das Licht eine längliche rote Scheibe. Jetzt sah man deutlich die Bogenlampe am Top. Der Wind trieb den Rauch weiß-wolkig über den Lichtkreis hin. Immer schärfer wuchsen die Einzelheiten aus dem Dunkel heraus.

Da war die erleuchtete Brücke – zwei Mann standen darauf – Kapitän und Steuermann. – Vorwärts – vorwärts. – Jetzt hielten sie den Schurken umklammert.

Wie sie den schwimmenden Wal hundertmal beschlichen hatten, schossen sie an die Jacht heran. Mit dem verwegenen wilden schaukelnden Bogen, mit dem sie haarscharf an das ahnungslose Tier heranpirschten, wenn die Harpune schwirrte, stürmten sie auf Meterbreite an die Seite der Jacht heran.

Blendende Helle fiel von drüben herüber über das dunkle Deck des Walfängers – schrill schrie sein Nebelhorn, aufjagend, dicht neben der Bordwand der schlafenden Jacht durch die Nacht.

Drüben auf der Brücke prallten die beiden Männer, wie körperlich von dem Mark durchbebenden Tone getroffen, gegeneinander, taumelten dann zur Seite gegen das Geländer des Laufsteges und schrien hinein in das Dunkel. Eine gleitende Unheimlichkeit sahen sie neben sich in ihrem eigenen Lichte.

Gefahrdrohend dicht rannten die beiden Schiffe nebeneinander dahin. Jetzt verlangsamte sich drüben die Fahrt, auch Jonsson stoppte ab. Wenige Augenblicke später glitten sie, von den Wellen torkelnd auf und niedergeschleudert, Seite an Seite her.

Nun hatte der Kapitän drüben das Sprachrohr am Munde: »Seid ihr des Teufels, ihr da drüben,« klang es gröhlend auf Englisch aus dem Schalltrichter herüber. »Wo habt ihr eure Lichter?«

»Schert euch nicht um unsre Lichter,« drang Jon Jonssons Stimme aus dem Rohre durch den heulenden Sturm, »holt euren Herrn an Deck.«

»Wer seid ihr?« schallte es zurück.

»Schert euch nicht darum. Holt den Herrn.«

»Seid ihr ein Regierungsschiff?«

»Fragt nicht. Holt den Herrn. Rasch, sonst geschieht ein Unglück.«

Dem Kapitän drüben graute vor dem schwarzen Gespensterschiffe, das, jäh aufschreiend, neben ihm aus der Nacht herausgewachsen war. Er schickte den Steuermann zu des Herrn Kabine.

Einige Augenblicke schaukelten die Schiffe nebeneinander auf und nieder. Dann trat drüben aus dem erleuchteten Eingang zum Unterdeck Karl Foehre hervor. Sein schwarzes Haar hing, von den Kissen zerwühlt, in sein verschlafenes hübsches Gesicht, um seine Glieder schlotterte in der Nachtbrise ein langer Schlafrock.

Bei seinem Anblick schlug Helga Helaason in aufschäumender Wut mit den geballten Fäusten auf die Eisenstange des Geländers, daß sie in hellem Klange aufsang. Sie beugte sich in die Dunkelheit hinaus und schrie hinein in den Sturm: »Du Hund – du Hund!« Und sie spie haßtoll hinüber. Die Worte verwehte der Sturm. Die Liebe zu ihm war tot. –

Arni Einarsson packte in eisiger Ruhe den Hebel seines Geschützes.

Der Kapitän rief seinem Herrn jetzt von der Brücke aus etwas zu und deutete auf den irrenden Schatten dort in der See. Foehre starrte begriffsstutzig.

»Sie Mensch,« rief Jon Jonssons Rohr, »ins Boot mit Ihnen, Sie sind unser Gefangener.«

Foehre tastete halt suchend hinter sich gegen die Wand des Treppeneinganges. Es schien Helga, als würde er grün von Grauen ob der aus dem stürmenden Dunkel gebietenden Geisterstimme. Sein Schuldbewußtsein ahnte die Verfolger. Er blickte mit angstgehetzten Augen hilfesuchend umher.

»Sputen Sie sich, Mensch,« rief die furchtbare Dröhnstimme vom Meere wieder, »in drei Minuten sind Sie hier oder wir rammen Ihren Kahn.«

Jetzt trat drüben der Tenor mit schlafrotem neugierigem Gesicht aufs Deck. Der Dichter folgte, ein langes Ausrufungszeichen des Schreckens, ihm auf den Fersen. Die gesamte Mannschaft kroch hervor aus ihren Hängematten und Verschlägen. Einer brachte dem Herrn ein Megaphon. Er setzte es an die Lippen.

»Was wollt ihr von mir?« tönte die Stimme, vor Furcht gebrochen herüber.

»Das werden Sie hier erfahren. Marsch ins Boot und herüber.«

»Kommen Sie aus Reykjavik?« schrie sein furchtgerütteltes Gewissen.

»Eine Minute,« kam hart die Antwort.

Da rief Foehre etwas zur Brücke hinauf. Drüben begann die Schraube zu arbeiten, sachte drehte der Bug nach rechts hinüber, von dem Verfolger ab. In vier Sekunden war Jonsson nach.

»He, ihr,« drohte er hinüber, »wenn euch euer Leben lieb ist, alle zusammen, laßt die Scherze! Wenn der Kerl nicht in zwei Minuten im Boot ist, wird gerammt!«

Drüben scharrte sich die Mannschaft zu hitzig gestikulierendem Kreise. Furcht führte das Wort – Selbsterhaltungstrieb entschied. Der Sänger sprach mit weiten bedrängenden Armbewegungen auf Foehre ein. Der Kapitän eilte von der Brücke herzu. Alles redete und sprudelte durcheinander.

»Noch eine halbe Minute,« schallte es unerbittlich durch die Nacht.

Da schlug Foehre auf die Knie nieder und stieß in entmenschtem Todesgrauen die Hände stehend dem Kapitän entgegen.

»Wir folgen euch alle zusammen, wohin ihr befehlt,« rief der Kapitän herüber.

»Verzichten,« kam prompt die Antwort. »Wollen nur den Herrn. Verbieten auch jede Begleitung, sonst wird gerammt.«

Auf quoll die Schraube, der Walfänger stampfte prustend zurück, den Anlauf zu nehmen.

Da brach Foehre drüben mit der Stirn nieder auf die Bohlen des Verdecks. Man hörte seine würdelosen Angstschreie bis hinüber auf den Walfänger.

Voll Ekel wandte Helga sich ab. Nein, dieser feige Lump war es nicht wert, daß wackere Männer ihre Hände mit seinem Blute besudelten.

»Lassen wir ihn,« sagte sie zu Arni und schüttelte sich. »Der Mensch ist zu ekel für unsre Rache.«

Da stieß Arni Einarsson sie zur Seite, seine haßgurgelnde Stimme schrie: »der Schuft soll nicht leben und sich rühmen, daß er dich berührt hat!«

Rot – blau – gelb blitzte es neben Helga auf – der Donner schlug ihr betäubend aufs Haupt – sie stürzte vornüber auf die Geschützrampe – ein Todesschrei gellte in die Nacht. –

Nie hatte Arni Einarsson besser getroffen. Mitten durch die Brust nagelte die Harpune Karl Foehre auf sein Verdeck.

Als Helga aufkam, war die Leine des Geschosses schon gekappt, der Bug drehte sich nach Steuerbord von der Jacht ab, lautlos verschwand der Walfänger in die Dunkelheit. – – –

Vier Wochen später war die schöne stolze Helga Helaason von Hlidarendi Arni Einarssons Weib und fern in Spitzbergen. Dort jagten sie den Wal.

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