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Hinter der Welt

Alfred Schirokauer: Hinter der Welt - Kapitel 6
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typefiction
authorAlfred Schirokauer
titleHinter der Welt
publisherJ. Engelhorns Nachf. Stuttgart
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5

Eine törichte summende Helligkeit und Freude war in Helga Helaason, während sie ihren von der Reise strapazierten Körper im Bade erfrischte. In dem großen Holzbottich, den man ihr in Astas freundliches Zimmer gestellt hatte, ließ sie die Wärme des Wassers wohlig über ihre Haut rieseln, die der Regen und der Wind arg mitgenommen hatte, und lächelte glücklich vor sich hin.

Draußen auf der Reede lag ja »ihre« weiße Jacht.

Nein, das war kein Zufall. Das konnte kein Zufall sein! Schicksal war es, das sie, die junge weltbange Helga Helaason, und das schmucke Schiff hier zusammengeführt hatte. Das wußte sie.

Sie lächelte nachsichtig vor sich hin und dehnte die Glieder kraftbewußt in der molligen Wärme. Sie belächelte sich selbst, mild und gewährend. Denn die kluge junge Helga Helaason war im Grunde viel zu vernünftig und wußte viel zu gut, daß all ihr Wähnen von der Verkettung des Zufalls und des Schicksals nur törichte Einbildung war.

Aber es war doch hold und ergötzlich, von einer gütigen Fügung des Geschickes zu phantasieren. Ja, das war hold und gut.

Sie nahm ihr bestes Kleid aus der Manteltasche, die während der Reise auf Grànis Kruppe auf und nieder gehüpft war. Dieses arme gute Kleid aus hartem dunklen Stoff, das wie ein Sack um ihren Körper hing. Doch die weiße Halskrause schmiegte sich zärtlich an ihren stolzen Nacken, und prangend hob das lila Band das satte Blond der Haare.

Als Asta ins Zimmer trat, stand Helga vor dem Spiegel und befestigte das schwarze Käppi fesch auf dem Scheitel. Es kleidete sie gut, dieses handtellerrunde isländische Frauenmützchen, mit seiner langen Seidenschnur, die sie kokett hinter das Ohr zurückstrich, mit seiner hülsenförmigen Schnalle und der breiten, bauschigen Quaste, die vorn auf die Brust herniederfiel. Sie war sehr stolz auf ihr hübsches Käppi. Seine Schnalle war ein kostbares Erbstück der Helassons von Hlidarendi: ein langgestreckter goldener Ring mit eingegrabenen Runen.

»Thyri hat recht, du bist sehr hübsch geworden,« staunte Asta Asmundsdatter.

»Unsinn,« lachte Helga und warf einen letzten befriedigten Blick in den Spiegel. –

Bald nach dem Frühstück drängte sie zum Aufbruch. Sie wollte »Weltstadt schlemmen«.

»Bist du nicht müde von der Reise, Helga?« bedachte Frau Asmundsdatter. Sie war welk und pergamenthäutig wie alle isländischen Frauen von vierzig.

Doch Thyri Thorarinsson rief: »Was ist solche Reise für eine, die wochenlang hinter dem Wale her war! Auf, auf zur Fremdenhatz!«

Frau Asmundsdatter lächelte mild. Man ist dort oben nicht gerade prüde, weiß Gott nicht. Und man gönnt den jungen Mädchen in der Einsamkeit des Islandlebens gern eine Abwechslung und vertraut ihrem Stolze und der Redlichkeit des Mannes.

Sie gingen mit verrankten Armen durch die Gassen, wie in alten Schultagen. An dem murmelnden Bache mit seinen hübschen kleinen Holzbrücken, der durch die Laekjargata fließt, schlenderten sie dahin und kamen zu dem seichten viereckigen See, der sich inmitten dieser sonderbaren Stadt zwischen die Häuser eindrängt.

Da streckte Thyri den Arm aus und zeigte gassenbubenhaft auf die drei Männer, die jenseits an der Seeseite standen.

»Nicht doch!« bat Asta.

»Da spinnt das Wild,« rief Thyri.

Helga Helaason blickte hinüber. Wie die Orgelpfeifen standen sie nebeneinander gereiht: ein ganz langer Dürrer, ein großer Schlanker und ein rundlicher Dicker.

»Sie langweilen sich, wie alle Fremden,« sagte Helga.

»Wir sind ihnen angenehm aufgefallen,« meinte Thyri, als sich das Kleeblatt drüben rasch in Gang setzte und auf sie zubewegte.

»Wir wollen gehen,« drängte Asta.

»Ihnen entgegen?« fragte Thyri, arglos tuend.

»Abwarten,« entschied Helga. »Fortlaufen wäre ungastlich. Vielleicht wünschen sie eine Auskunft. Entgegen zu gehen, wäre zu entgegenkommend.«

Die jungen Damen bildeten einen lachenden Kreis und taten nach außen angeregteste Unterhaltung kund. Thyri, die mit dem Gesicht den Kommenden zugewendet war, gab genaue Auskunft über die Bewegung des Feindes.

»Der rundliche Dicke ist sehr drollig,« flüsterte sie, »er trippelt wie eine lüsterne Elster. Der übergroße Dürre scheint ein Skalde. An der Länge der Mähne gemessen, ein gewaltiger. Auf dem Dicken wackelt ein Mimenkopf.«

»Wie ist der in der Mitte?« erkundigte sich Helga.

Sie hatte in der heiteren Laune des Augenblicks ihre Träume von der weißen Jacht fast vergessen. Ihr Sinn stand auf einen fröhlichen Jungmädelstreich, wie sie ihn hier in diesen Gassen mitsammen früher oft vollführt hatten.

»Sehr hübsch und weltstädtisch. – Etwas für dich, Helga,« berichtete Thyri. »Ein echter Europäer. Der lange Haarige sieht verträumt drein. Den kriegt Asta. Ich nehme den Mimen.«

»Sei doch still,« flehte Asta. »Sie verstehen ja jedes Wort.«

»Glaubst du, die haben Isländisch gelernt, um uns zu belauschen?« lachte Helga, froh erregt über das nahende kleine Abenteuer.

Jetzt waren die Fremden bei ihnen angelangt. Der kleine Rundliche trat ohne weiteres auf sie zu, lüftete die Reisemütze von einer spiegelnden Glatze und fragte mit fettiger Tenorstimme: »Sagen Sie, verehrte schöne Eingeborene, was treibt der Fremde an diesen lieblich duftenden Gestaden?«

Und Thyri erwiderte in ihrem saubersten Deutsch, das sie nicht umsonst in Berlin chemisch gereinigt hatte: »Die Hauptbeschäftigung der Fremden besteht hierzulande im schleunigen – Entweichen.«

Alle lachten.

Da fragte Helga: »Waren die Herren schon im Museum?«

»Von dort kommen wir,« mischte sich hier der Mittlere ein. »Sehr schönen alten Schmuck haben wir dort gesehen. Aber der wahre Schmuck dieser Insel, den wir erst jetzt sehen, ist ebenso schön und erfreulich jünger.«

Er verbeugte sich huldigend gegen Helga.

»Wir freuen uns,« entgegnete Helga schlagfertig, »daß Sie die Schätze unsrer Insel zu würdigen wissen.«

»Ob wir würdigen!« schmunzelte der Dicke und leckte sich die feisten Genießerlippen, »zumal wenn wir hoffen dürfen, daß solch kostbare Schätze des Landes womöglich für uns – – Schätze werden.«

»Laß deine dummen Witze,« wehrte hier der Lange und starrte anbetend auf Astas strenge nordische Schönheit.

»Waren Sie schon in der Kathedrale?« fragte Helga.

»Nein,« gestand der Mittlere.

»Es ist ein schönes Taufbecken unsres großen Landsmannes Thorwaldsen darin.«

»Thorwaldsen? – Hinwalzen,« entschied der Tenor.

»Wollen Sie uns führen?« bat artig der »Weltmännische«.

»Gern,« willigte Helga mit isländischer Gastfreundlichkeit ein.

Als sie aus dieser kleinen kahlen Kirche heraustraten, sagte Helga: »Wenn Sie das wahre Island sehen wollen, müssen Sie ins Land hinein. Dort –« sie zeigte nach den blauen Bergen – »liegt unser Island mit seinem Schweigen und seiner Öde. Mieten Sie Ponys und reiten Sie einige Stunden in die Lavamassen hinaus.«

»Ei weh, reiten!« entsetzte sich der Dicke.

»Prachtvoll,« rief der Mittlere.

»Hinein in die Einsamkeit!« bat der Lange.

»Sie haben uns in dieses Heiligtum des Wortes geführt,« lächelte der Weltstädtische, »würden Sie uns auch in das Heiligtum des Schweigens Führer sein?«

In Astas stahlblauen Augen stand ein »Nein«. Thyri aber fällte kurz und bündig die Entscheidung. »Schön,« lachte sie, »bringen wir sie auf den Trab.«

»Donnerwetter, sprechen Sie ein Deutsch!« staunte der Kleine. »Das können Sie nur in Berlin gelernt haben.«

»Sache,« gab sie prompt zur Antwort.

Und dann wurde Kriegsrat gehalten. Der Hübsche wollte auf die Jacht zurück, sein Reitdreß anzulegen. Der Tenor meinte zwar, ein Reitdreß in Verbindung mit diesen ruppigen Kleppern sei eine lächerliche Zusammenstellung. Doch der junge Mann beachtete die Einwendung nicht. Er blickte verächtlich über den Dicken fort. Der Mähnhaarige aber sagte: »Ich bleibe hier. Ich möchte noch einmal allein durch die Straßen gehen.«

»Gut,« entschied der Mittlere, »geh du deinen Gedanken nach. Also, meine Damen, in einer halben Stunde am Hafen. Ah, Sie kommen noch bis zur Brücke mit? Desto besser. Aber gestatten Sie, daß ich mich endlich vorstelle: Karl Foehre aus Berlin. Und das sind meine Freunde: Wilhelm Schlegel, genannt der dicke Wilhelm, und Harri Caro, genannt Haaro.«

Die Mädchen nannten als Gegengabe ihre Namen.

An dem Landungssteg lag ein weißes Boot. Der Dicke wälzte sich vorsichtig und schwerfällig hinein. Foehre sprang gewandt hinab. Und während die Matrosen anzogen, hob er halb ehrerbietig, halb zutraulich noch einmal grüßend die blaue Mütze.

»Schick ist er,« gestand Thyri.

Die liebe törichte Helga mit der Wandervogelseele aber dachte: »Wie fein und anders als unsre jungen Männer sieht er aus!« und winkte sehr freundlich hinüber –

Dann ging sie zum Konsul Thomsen, vier Ponys zu mieten. Gràni bedurfte heute der wohlverdienten Ruhe. Die Freundinnen eilten heim, ihre Pferdchen zu satteln.

Haaro wanderte allein durch die Gassen. Er liebte die Einsamkeit. Denn er war ein Dichter. Kein bekannter, nein. Seine Gedichtsammlung: »Blaue Stunden« waren nicht eben durchgedrungen. Das konnte man wohl nicht behaupten. Aber er meinte es mit seinen Reimen herzlich gut und ehrlich mit seinen in ihr Gehege eingekerkerten Gefühlen.

Er ging durch die geraden Straßen Reykjaviks und lauschte auf das Klappern der Pferdehufe auf dem Steinpflaster, das diese Stadt an allen Enden durch tönt, und das leise Rinnen der Brunnen. Er sah diese kleinen Häuser mit ihren Balkons und Gärten und den Lavablöcken auf dem kümmerlichen reudigen Rasen. Und er schüttelte die Mähne und wunderte sich in seinem Dichtersinn baß ob dieser »Hauptstadt«. –

Helga Helaason hatte bald vier hübsche kräftige Tiere gefunden. Sie setzte sich auf die Treppe vor Konsul Thomsens Magazin und wartete.

Und da erst ward ihr plötzlich bewußt, daß es ja doch die Bewohner »ihrer« weißen Jacht waren, derer sie hier harrte. Und plötzlich spannte eine grelle Enttäuschung ihre Brust. Diese drei Männer standen ihren phantastischen Träumen so fern! So fern! Der kleine Dicke war ja gewiß sehr drollig. Gewiß. Aber geistreicheln konnten die Isländer auch, redlich sogar. Der Langhaarige hatte schöne Träumeraugen. Doch solche gab es in der Heimat die Fülle.

Freilich der Dritte! Der hatte in seiner Liebenswürdigkeit, in seiner brünetten Schönheit, in der Art des Sprechens und Lachens, in seiner Kleidung etwas, das ihr hier zu Lande noch nicht begegnet war. Und solch feiner zierlicher Kulturkopf saß auf keines Isländers Schultern.

Doch da war etwas in seinem Gesicht – ein Zug um den bartlosen Mund, der ihr nicht gefiel.

Sie hatte sich niemals ein klares scharfumrissenes Bild von den Menschen ihrer Jacht geformt. Und doch schien ihr jetzt, daß sie anders – sie wußte selbst nicht recht, in wiefern anders – aber sie hätten fremder sein müssen, schien ihr, umwittert von einem atembeklemmenden Hauch einer andern Welt, nicht drollig und nett und galant und hübsch. Und dann waren doch damals viel mehr Menschen an Bord gewesen– und auch Frauen – viele Frauen. –

Hier wurde Helga Helaason aus ihrem grüblerischen Bedenken aufgeschreckt.

»Helga Helaason – du?« rief jubelnd eine verdutzte Männerstimme.

Sie fuhr empor und sah dem Harpunier Arni Einarsson ins wetterzerwirkte Seemannsgesicht. Da stand er plump und perplex mit zwei Kameraden.

»Guten Tag, Arni,« erwiderte sie gelassen.

Arnis Gesicht war noch krebsroter als ehedem. Er dachte an ihr letztes Begegnen in Hlidarendi und rang mit seinem Stolze und seiner Verlegenheit.

»Wie kommst du nach Reykjavik, Helga?« stammelte er.

»Ich bin hier zu Besuch bei Asta Asmundsdatter.«

»Bist du schon lange hier?«

»Seit heute morgen.«

Dann war eine Pause.

Arni blickte zu Boden, blickte die Straße hinauf, blickte die Straße hinab, und da er trotz alles Suchens nichts Redenswertes mehr fand, sagte er endlich: »Das hier sind meine Freunde: Jon Jonsson und Bjami Thorlaksson. Übermorgen gehen wir hinaus.«

Die beiden Seeleute verbeugten sich schwerfällig und bieder.

Da sah Helga plötzlich den jungen Gebieter der weißen Jacht vor sich, wie er bei der Abfahrt des Bootes ihr zugegrüßt hatte. Sie nickte den beiden Männern herablassend zu und sah nach der Landungsbrücke.

Jetzt kam der Mut über Arni. »Wir haben nun unsern Walfänger gechartert, wir drei,« belehrte er. »Dort draußen liegt er. Wenn du aufstehen wolltest, Helga Helaason, könntest du ihn sehen. Siehst du, dort, dicht neben der Jacht.«

Helga blickte hinaus auf das Meer und sah das weiße Boot der Jacht auf die Landungsbrücke zustreben.

»Ist er nicht schön?« fragte Arni in kindlichem Stolze.

»Sehr schön,« bestätigte Helga und blickte flüchtig hinüber zu dem kleinen schwarzen Dampfschiff. Mein Gott, sah das schmutzig und schäbig aus neben dem schlanken schimmernden Fahrzeuge!

»Sehr hübsch, Arni. Und nun wünsche ich dir recht viel Erfolg da draußen. Und euch auch.«

Seelenlos bot sie allen drei die Hand und eilte der Landungsbrücke zu. Denn dort stand nun Herr Foehre und hielt mitsamt dem Dicken Umschau.

Als der junge Herr ihr seinen silberbeschlagenen kleinen Reitstock lustig entgegenschwang, dachte sie: »Vornehm sieht er aus in seinem Reitanzuge. Anders als der gute brave tölpische Arni Einarsson.«

Dann trafen die andern ein. Bald trabte die kleine Kavalkade davon, den »Warmen Quellen« zu. Inmitten der Straße standen die drei Seeleute.

»Heda – Männekins,« rief der Tenor, »Islands Schönheit und Deutschlands Kunst eine Gasse!«

Fast hätte er Arni Einarsson umgeritten.

»Sie Idiot,« fluchte er in seiner Angst, »haben Sie keinen Respekt vor dem Willen eines Ponys?«

Er saß zum erstenmal im Sattel und empfand es arg ungemütlich.

Arni Einarsson blickte dem Reitertrosse nach, bis er im Blau der Landstraße entschwunden war. Geduldig warteten die Freunde. Endlich nahm ihn der alte Jon Jonsson sacht am Arme und sagte: »Komm, Arni. Laß sie mit den Fremden reiten. Es ist wie mit dem Wale. Gerade wenn man sich ganz besonders auf einen verspitzt, fängt man ihn nie. Aber es gibt andere.« –

Zuerst ritten sie nebeneinander auf der breiten Chaussee dahin, und eine ausgelassene Stimmung hielt mit ihnen Schritt. Der »dicke Wilhelm« war ihr Schöpfer. Er saß mit hochgezogenen Pilasterbeinchen auf seinem munteren Tiere, blickte gewaltig um sich und hatte eine gottsjämmerliche Angst, die er mit bleichem Galgenhumors zu übertünchen suchte.

In Todesverachtung bot er seinen rundlichsten Körperteil den erschütternden Stößen des kurzen Trabes dar und prallte wie ein wohlgefüllter Gummiball immer wieder empor von dem harten Sattel.

Der lange Karo berührte mit seinen Stangenbeinen fast den Boden, sein Oberkörper ging steif und starr über dem kleinen Pferderücken auf und nieder, wie der Kolben einer Maschine.

Foehre saß nonchalant im Sattel. Seine firme Haltung verriet die tägliche Übung.

»Sehen Sie nur,« rief der Sänger, »wie die Bestie mich anschielt. Ich bin überzeugt, der Geist eines meiner Berliner Kritiker ist in sie gefahren. – Heda, langsam – langsam, Ponychen!«

Er zerrte wild am Zügel, daß das Tier unruhig zu tänzeln begann.

»He – Sie – Fräulein Thyri, sprechen Sie dem Biest in seiner Landessprache zu – hallo – langsam – Tierchen! – Donnerwetter! – Meine Damen, gebrauchen Sie die Landesidiome! – Sachte, Pferdchen! Verdammt unkultivierte Tiere! – Donnerwetter – ich falle ja 'runter! – Stopp. – Abstoppen! – Wo bleibt die vielgerühmte isländische Bildung, wenn die Pferde nicht mal Deutsch verstehen? – Brrr – Ponychen – brrr!!«

Und da hatte er mit seinen zappeligen Fersen dem Tier eins derb in die Weichen geschlagen.

Es schüttelte die struppige Mähne, warf den gedrungenen Kopf schräg auf – und fort gings in gestrecktem Galopp. Die andern Pferde fielen sofort mit ein. Dahin stürmte alles in schnaubender Karriere.

»Hilfe – Hilfe!« brüllte der Sänger und umklammerte den Hals des Pferdes. »Das Vieh ist wie sein Vaterland vulkanischen Ursprungs – es bricht aus. – Hilfe! – Halten Sie doch das Satanspferd an! – Dazu hat meine arme Mutter mich nicht unter Schmerzen geboren, daß ich auf Island mein Leben vergaloppiere! – Foehre, halte an – so geht es nicht weiter. – Ich schwöre dir – so geht es nicht weiter!«

Trotz seines Eides ging es so weiter, immer schneller, allen andern voraus bis zu den »Warmen Quellen«. Dort stemmte das Tier die Vorderbeine in den Sand und stand.

In hastiger Erfüllung des Beharrungsgesetzes flog Schlegel über seinen Kopf weg auf die heiße Umfriedung des kochenden Wassers, zum Gaudium der Weiber, die in dem qualmenden Wasser wuschen.

Als die andern die Ponys parierten, erhob er sich gerade und rieb den zerschundenen Teil seiner Leiblichkeit.

»Gottlob,« stöhnte er, »ich bin unten. Die Erde hat mich wieder.«

»Jedenfalls hatten Sie eben hier einen warmen Empfang,« lachte Thyri und zeigte auf das dampfende Gitter.

Die »Warmen Quellen« boten eine große Enttäuschung. Die Herren hatten etwas anderes erwartet als dies längliche Becken mit dem trägsprudelnden Wasser.

»Ja,« sagte Helga, »der Geysir ist es nicht. Der ist im Binnenlande. Aber diese Quellen tun auch ihre Dienste.« Sie zeigte auf die waschenden Frauen.

»Hier wird die schmutzige Wäsche von ganz Reykjavik gewaschen.«

»Man merkt es,« nickte Foehre, »die Weiber schwatzen sehr eifrig.«

»Ah,« machte Helga und sah ihn mit hell aufleuchtenden Augen an. Sie hatte immer viel Sinn und Anerkennung für einen guten Witz.

Nach kurzer Rast saß man wieder auf, nachdem der Dicke dem Pferdchen die schrecklichsten Strafen für neue Eigenmächtigkeiten in furchtbare Aussicht gestellt hatte und mit viel Mühe und Lachen wie ein Ballen auf den Sattel verfrachtet worden war.

Und jetzt ging es auf schmalen Pfaden ins Land hinein.

»Bitte sehr, dolce – dolce,« mahnte Schlegel sein ruhig trabendes Tier und hob beschwörend den Arm.

Das Pony hielt das Zeichen wohl für ein Alarmsignal. Denn es setzte sich sofort in anmutigen Galopp. Thyri folgte ermunternd.

Asta aber zügelte mit ihrer Linken ihr angaloppierendes Pferd zurück, mit der Rechten fiel sie dem willenlos losstürmenden Dichter in die Trense. Seine stummragende Opferfreudigkeit dauerte sie.

Helga und Foehre nahmen einen linden englischen Trab und hielten zwischen dem Wirbelsturm in der Front und der schreitenden Sanftmut im Rücken die frohbewegte Mitte. Eine Weile trabten sie stumm nebeneinander her und genossen die Freude der Rhythmik der Bewegung und die erfrischende Klarheit der nordischen Luft.

Ganz leise klang in das harmonische Klappern der Hufe das helle Klirren des goldenen Armbandes, das bei der Bewegung aus Foehres Manschette herausgeglitten war. Helga blickte gebannt auf die breite goldene Kette, die sein Handgelenk umschloß. Nie hatte sie dergleichen bei einem Manne gesehen. Etwas in ihr wehrte sich gegen diesen Schmuck als gegen etwas verzärtelt Unmännliches. Doch zugleich schien ihr Unbehagen dem befangenen Mädel sehr weltfremd und hinterwäldlerisch.

»Das ist der schönste und eigenartigste Ritt meines Lebens,« sagte er plötzlich. »Auf steinigen Wegen mitten in Island hinein. Es erscheint so unwirklich. Vor acht Tagen bin ich noch in Berlin im Tiergarten getrabt.«

Bei dem Wort »Berlin« blickte sie rasch auf, aber ehe sie etwas sagen konnte, fuhr er fort: »Wie seltsam ist das Leben in seinen unvermittelten Übergängen. Gestern noch war mir Island ein Wort, mehr nicht. Ein geographischer Begriff. Und heute reite ich neben Ihnen hinein in dieses wunderbare Land, und alles scheint selbstverständlich und begreiflich. Und der geographische Begriff hat einen wunderbaren Inhalt erhalten.«

»Wie weich seine Stimme klingt,« dachte sie. Und nur, um etwas zu erwidern, sagte sie: »Das kommt wohl daher –«

Er unterbrach hastig: »Nicht, nicht! Bringen Sie nicht irgend eine klippklare Erklärung. Natürlich kommt alles irgend woher. Wenn man durchaus will, kann man das holdeste Wunder banal erklären. Denken wir uns lieber, es wäre ein isländisches Märchen, in das wir verzaubert sind.«

»Gut,« lachte sie, »denken wir uns das. Es ist wohl auch etwas Ähnliches, wenigstens mit uns beiden!«

»Mit uns?« fragte er erstaunt. Ein herber Parfümhauch strömte von ihm aus. Es schien der sehnsüchtigen kleinen Helga ein Duft von Europa und der Welt, aus der er kam. Plötzlich errötete sie in Scham ob ihrer halbbäuerlichen Kleidung.

Er mußte sie noch einmal fragen: »Weshalb meinen Sie, daß gerade zwischen uns beiden eine Art Verzauberung –?

»Weil unser Begegnen so seltsam war.«

»Hm, drollig war es. Überhaupt sind die isländischen Mädchen von einer bestrickenden Vertraulichkeit.«

»Ja, das sind wir,« nickte Helga. »Das macht die abgeschiedene Lage unsrer Insel und die Freude über jede Belebung unsrer Einsamkeit von außen. Sie können nicht ahnen, wie farblos unser Leben im Binnenlands verläuft. Aber ich meinte nicht unser Begegnen heute. Da waren wir ja schon alte Bekannte,« fügte sie schelmisch bei.

»Nanu?«

»Vom vorigen Jahre her.«

Er starrte verwundert und zog die Zügel an.

»Sie irren. Ich bin noch nie in Island gewesen.«

»Warm Sie im vorigen Jahr mit Ihrer Jacht im Polarmeer?«

»Allerdings, aber –«

»Erinnern Sie sich einer bezaubernden Mitternachtsonne in der Nähe von Spitzbergen? Sind Sie da nicht einem großen Walfänger begegnet?«

»Mit vier Walfischen im Schlepptau. Ja – natürlich. – Es war – aber mein Gott – da können doch nicht Sie –«

Sie nickte triumphierend. »Doch. Ich war auf dem »Eisvogel«.

»Auf diesem schmierigen Kasten waren – Sie?«

Sie errötete heiß. Aller Triumph verflog.

»Um alles in der Welt, was haben Sie dort gesucht?«

»Die Welt,« sagte sie ganz leise und rang tapfer mit den Tränen. Sie wußte selbst nicht, was sie ihr in die Augen trieb.

»Die was –?«

Sie gab ihrem Pferde einen leichten Schlag und galoppierte eine Zeitlang stumm neben ihm her. Er blickte sie mit seinen scharfen schwarzen Augen an. Und dachte: »Donnerwetter, sollte in diesem gesunden nordischen Mädel etwas von der sehnsüchtigen Bleichsucht unsrer Berliner Weiber stecken?«

Er verlangsamte die Gangart zum Schritt und lächelte: »Dann sind wir also alte Bekannte und haben uns da draußen schon recht herzlich und patriotisch begrüßt.«

Sie sah stumm vor sich nieder. Doch plötzlich hob sie die blauen Augensterne zu ihm auf.

»Wie eine Sage strahlte damals die weiße Jacht im Glanz der Sonne.«

Und nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu: »Waren auch die beiden andern Herren damals –?«

»Nein,« unterbrach er. »Ich wechsle meine Begleitung jedes Jahr.«

»Damals waren auch Damen an Bord.« Irgend eine treibende Macht zwang sie zu dieser Feststellung der Eifersucht.

»Ja,« nickte er leichthin. »Es waren einige Bekannte mit ihren Frauen.«

»Aber nach Island sind Sie damals nicht gekommen? Sie waren doch so nah.«

»Nein,« sagte er langsam, »wir hatten keine Zeit. Wir fuhren nach Hammerfest hinüber.«

Er schwieg. Konnte die Wahrheit auch wohl nicht gut eingestehen. Sie war nicht sehr rühmlich für ihn.

Sollte er etwa dem jungen Mädchen da erzählen, daß er plötzlich eines Nachmittages die Siesta der einen Dame peinlich gestört hatte in einem fatalen Mißverständnisse; daß die Törin sich ganz unbegreiflich gewehrt und geschrien hatte, bis ihr Mann, sein bester Freund, hinzugekommen war; daß eine handgreifliche Unstimmigkeit geherrscht; daß seine Begleiter ein heftiges Verlangen nach Hammerfest und der Beendigung seiner Gastfreundschaft ergriffen hatte? Sollte er alles dies berichten? So etwas erzählt kein vernünftiger Mensch, wenn er zum erstenmal an der Seite einer jungen Dame durch Island reitet.

Nach einer Weile griff Helga den nachschleifenden Faden des Gespräches wieder auf.

»Es muß sehr angenehm sein, Ihr Freund zu sein, wenn Sie mit Ihrer Jacht so gastfrei sind.«

»Gott,« meinte er geringschätzig, »ich tue es doch vor allem meinetwegen, um nicht so einsam zu treiben. Gewiß ist es auch ein Mittel, Freude zu bereiten. Zum Beispiel dieses Jahr diesen beiden armen Schluckern, dem Dichter und dem Sänger. Es ist keine sehr vornehme Begleitung. Sie werden sich gewiß wundern.«

Sie schüttelte heftig den Kopf.

Er fuhr fort: »Ich weiß selbst nicht, wie es kam. Eine Laune von mir. Ich lernte sie zufällig kennen und wollte ihnen eine Freude bereiten. Ihnen die Möglichkeit geben, die Herrlichkeit dieser Erde zu sehen.«

Da sah die weltkluge Helga Helaason, die wie ein Falter um die Flamme flatterte, ihn mit warmen, leuchtenden Augen an. »Sie sind sehr gut, glaube ich,« gestand sie leise, überzeugt.

Er lachte auf, daß sie zusammenschrak.

»Habe ich etwas Dummes gesagt?« fragte sie naiv.

»Nein, nein. Etwas sehr Liebes. Aber wir wollen davon nicht sprechen. Denn wir wissen im Grunde doch alle nicht, was ›gut‹ ist. Halten wir lieber einmal Umschau in diesem Wunderlande.«

Er hielt das Tier an und stand, sich umwendend, in den Steigbügeln.

»Herrlich! Diese Berge rings in der Runde und der zarte schwarz-blaue, purpurgetränkte Hauch, der darüber liegt. Diese edlen Linien der Gebirgskämme! Und kein Mensch und kein Baum und nur endloses Schweigen.«

»Das ist unser Island,« sagte sie innig und dachte, daß nur ein guter und feiner Mensch die Natur so zart erfassen könne.

»Man hat das Gefühl,« sprach er fort und setzte sein Pony wieder in Gang, »daß man Tage so fortreiten könnte oder Wochen, immer tiefer hinein in diese Einsamkeit.«

Nach einer Weile spann er laut einen stillen Gedanken weiter: »Es ist seltsam, zu denken, daß diese Berge dort drüben seit Jahrtausenden so klar umrissen in den blauen Himmel starren. Und daß man all die Zeit, die man selbst lebt, nichts von ihnen gewußt hat. Und doch waren sie immer da in ihrer ergreifenden Schönheit, fern, fern von unserm Leben. Und werden dort stehen, unbewegt, dämmerblau überhaucht, als hätten sie einen nie entzückt, wenn man längst im Grabe vermodert ist.«

»Möchten Sie hier wohnen?« fragte sie unvermittelt.

Er schüttelte den Kopf, dessen reines Profil sich scharf in der hellen Lust abzeichnete.

»Nein. Ich bin Weltkind. Ich gehöre hinein in den Strudel des Lebens. Auf Stunden ist diese Einsamkeit eine feierliche Einkehr in das ruhelose Gemüt. Aber immer –? Dagegen würde mein sensationslüsternes französisches Blut revoltieren.«

»Ihr französisches Blut!?«

Helga riß heftig ihr Tier dicht zu ihm hinüber.

»Ja. Meine Mutter war Französin.«

»Ihre Mutter –?«

»Ja. Aber – was haben Sie –?«

Mystisch umhaucht rang sie mit ihrer Erregung und Ergriffenheit nach Worten.

»Ihre Mutter –!« stieß sie mühsam hervor.

»Ja, meine Mutter. Ich begreife nicht –«

»Auch meine Mutter war Französin,« flüsterte sie, aufgewühlt und erschüttert von dem unerforschlichen Walten des Schicksals, das den Herren ihrer Zauberjacht durch so wundersame geheimnisvolle Bande mit ihr verknüpfte.

»Ihre Mutter war Französin?«

Die Rollen waren plötzlich vertauscht. Jetzt war er es, der über die Abstammung seiner Begleiterin staunend die Augen aufriß.

Sie nickte stumm und stolz beglückt über diese traute, sie beide wundersam einende Offenbarung.

Er betrachtete sie forschend.

»Ihr Äußeres dürfte aber kein Erbteil ihrer Mutter sein,« erwog er.

Sie schüttelte traurig den blonden nordischen Kopf. »Äußerlich gleiche ich meinem Vater –«

»Der ein Isländer ist?«

Sie nickte wieder und fuhr leise fort: »Aber in mir lebt meine arme Mutter.«

»Sprechen Sie ihre Sprache?« fragte er, unvermittelt in seine Muttersprache übergehend.

Ihr schönes Gesicht verklärte sich mild.

»Ja,« sagte sie auf französisch. »Sie hat sie mich gelehrt, als ich noch auf ihrem Schoße spielte. Das vergißt man nie. Ich lese auch viel französisch.«

»Erzählen Sie mir von Ihrer Mutter,« bat er.

Sie erzählte ihre letzten Geheimnisse und fühlte sich diesem Fremden näher, als sie sich jemals einem Mann gefühlt hatte. Von der Einsamkeit der jungen Provencerin berichtete sie und ihrem Heimweh und ihrem frühen Tode. Sie sprach in den Lauten der toten Mutter zu dem Manne, dem diese Worte Heimatsklänge waren.

Stark und zart ward das Band, das sich zwischen ihnen schlang auf dem rauhen engen Pfade, der hinein führte in Islands Herz.

Als sie geendet hatte, schwiegen beide in sinnender Erschütterung. Stumm trabten sie nebeneinander her. Endlich begann er wieder: »Eigentlich bin ich Vollblutfranzose. Auch mein Vater war ein Pariser. Doch meine Mutter heiratete später einen Deutschen, der mich adoptierte. So kam ich zu dem deutschen Namen und der deutschen Staatsangehörigkeit.«

»Das muß Sie im Kriege doch in schwere Konflikte gestürzt haben,« bedachte sie klug und teilnahmsvoll.

»Das tat es,« bestätigte er. »Doch ein gütiges Geschick hat mich vor dem Zwange bewahrt, auf meine Brüder zu schießen. Meine Werke haben mich reklamiert. Ich besitze eine Schiffswerft in Hamburg und eine Automobilfabrik in Berlin.

Sie blickte scheu zu ihm und seinem märchenhaften Reichtume hinüber. Dann sagte sie: »Auch mich hat dieser böse Krieg in arge Wirrnis gebracht. Unser Herz – das Herz von ganz Island – war bei dem tapferen deutschen Volke, über das die ganze Welt herfiel, das sich heldenhaft gegen diese gigantische Übermacht vier Jahre lang verteidigte. Aber mein Gefühl war doch auch sehr bei dem Vaterlande meiner Mutter – sehr.«

»Das ist begreiflich,« bedachte er. »Es mag sehr viele solche Zwiespältigkeit der Parteinahme gegeben haben bei Menschen, die so zwischen den Nationen stehen, wie wir beide.«

»Warum müssen die Völker sich zerfleischen und vernichten?« rief sie, in einem Nachklang der Trauer, die sie damals während des Krieges schmerzlich erfüllt hatte.

»Weil die Menschen Bestien sind,« erwiderte er. »Weil sie grausamer und beutegieriger sind als das blutigste Raubtier. Man spricht immer von der Verführung der Völker durch die wenigen leitenden Staatsmänner. Aber halten Sie das für möglich? Könnten wirklich einige wenige gewissenlose Kriegstolle ganze Völker hineinreißen zum gegenseitigen Morden und Totschlagen, wenn sie nicht bestialischen Instinkten entgegenkämen, die in den Hunderttausenden schlummern?«

So sprach er lange fort. Sie lauschte andächtig seinen Worten. Sein Pariser Französisch klang ihr wie Gesang der Heimat. Sie lauschte auf seine Klugheit, seinen lodernden Abscheu vor den Greueln dieses Krieges, seine bebende Liebe zur Menschheit.

»Wie gut er ist,« dachte sie wieder.

Dann bat sie ihn, ihr von seiner Mutter zu erzählen.

Er blickte sie kurz an und begann. Er dichtete ihr das Märchen seiner Mutter, wie er fast immer dichtete, wenn er sprach. Es war sein Erbteil vom Vater her.

Die Wahrheit über Madeleine Gomelin, die ihn geboren hatte, war häßlich und gemein. Doch jetzt verklärte ihm der Tod ihr Bild.

Bei Lebzeiten hatte er sie bitter verachtet. Erst nach ihrem Hinscheiden hatte er ihr Traueraltäre in seiner Seele gebaut, vor denen er jetzt ernsthaft betete, in der selbstbetrügerischen Verherrlichung, die er ihr und sich erdichtete.

Er gestaltete die Wirklichkeiten des Lebens um, log – wie seine Bekannten sagten – aus einem Schönheitsbedürfnis heraus, in der erschreckenden Erkenntnis, daß die Wahrheit oft unschön und unkünstlerisch ist. So vergewaltigte seine schöpferische Kraft, die brach lag, ihm selbst fast unbewußt, des Lebens nüchtern gewürfelte Tatsachen zu farbenblühenden Phantastereien.

Denn das Leben arbeitet oft abscheulich, so abscheulich, daß es Madeleine Gomelin als große Kokotte geschaffen hatte.

Ursprünglich freilich war sie Sängerin an einer kleinen Pariser Operettenbühne gewesen. Doch nur im Chor erklang ihr wenig ausgebildeter kleiner Alt.

Hier im Kreise der Chordamen fiel sie wenig auf, obwohl sie eine von jenen kleinen rassigen brünetten zauberhaft geschmeidigen Frauen war, von sinnbetörender Schmiegsamkeit der Glieder, einem erregenden Dufte der dunklen glatten Haut, mit großen verwirrenden schwarzen Augen, die – wenn sie erobern wollte – und sie wollte immer erobern – in einem bestrickenden wehmütigen Schmelze brannten. Dazu war sie voller Esprit.

Leider hatte sie sehr wenig positive Kenntnisse in der Gosse von Mont Martre gesammelt, in der sie aufgewachsen war. Ihr Schulbesuch war etwas unregelmäßig gewesen. Doch sie war mit einer natürlichen Klugheit und einem Witz begabt, der die angeborene Gerissenheit des Pariser Gassenmädels weit übertraf.

Für alle diese wertvollen und lockenden Gaben aber fand sie keinen Liebhaber, jedenfalls keinen würdigen. Sie hatte freilich, wie die andern Damen vom Chor des kleinen Operettentheaters, ihre Freunde. Doch nur kleine Kommis, Studenten, geringe Beamte. Das Hochwild fehlte. Sie war nicht in der richtigen Assiette.

Da kam der große Zufall ihres Lebens, die Glücksfontäne, die sie hoch empor schleuderte. Regisseur Schicksal packte sie, stellte sie ganz vorn an die Rampe der Lebensbühne, in grellste rosarote Scheinwerferbeleuchtung, in einer fulminanten Solorolle. Und das Publikum, ganz Paris, richtete die Augen auf die junge Debütantin.

Es kam ihr großer Sensationsprozeß.

Eine Choristin des Theaters wurde in der Garderobe tot aufgefunden. Erstochen. Madeleine Gomelin hatte am Abend zuvor einen erbitterten Streit mit ihr gefochten. Eine Eifersuchtsgeschichte. Die Garderobe der Chordamen hatte von unflätigen Schimpfworten und blühenden Gehässigkeiten widerhallt. Tätlichkeiten flackerten auf, Haarbüschel wurden als Siegestrophäen geschwungen.

Am nächsten Morgen fand die Reinmachefrau die Gegnerin erdolcht am Boden.

Es wurde eine romantische Sensationsaffäre. Die Boulevardblätter brachten dicke Überschriften. Die Kamelots brüllten sie auf den Straßen aus.

»Der Mord in der Garderobe« – »Der Chor der Eifersüchtigen« – »das Liebesdrama hinter den Kulissen!« Wie Byron erwachte Madeleine am Morgen und – war berühmt. Mit einem Schlage oder vielmehr einem Dolchstoße stand sie im Mittelpunkte des Interesses.

Alles sprach gegen sie. Alle Indizien stempelten sie zur Täterin. Freilich nur Indizien. Direkt konnte man ihr den Mord nicht nachweisen.

Sie leugnete. Sie beteuerte ihre Unschuld.

Es half ihr nichts. Sie kam vor die Geschworenen. Paris lief zu der Verhandlung wie ins Theater.

Theater im Theater zieht immer. Die Zeitungen, die sie früher völlig übersehen hatten, brachten ihr Bild. Nicht nur in Paris. Alle Lebemänner wurden auf sie aufmerksam, sahen sie und ihre pikante Schönheit in der Gloriole einer bewegten Lebensgeschichte.

Der Vorsitzende behandelte sie mit weltmännischer Ritterlichkeit. Die Damen waren gegen sie. Sie war zu hübsch, zu klug und allzu feminin. Die Männer aber riß sie elementar auf ihre Seite.

Doch ihre Sache stand schlecht. Sehr schlecht. Die Beweise gegen sie häuften sich zu einer Lawine, die sie begraben mußte. Sie hatte als Letzte an jenem Abend die Garderobe verlassen. Der Portier erinnerte sich, daß sie erregt an ihm vorbei gerannt war. Die wilden Drohungen, die sie nach dem Kampfe gegen die Getötete ausgestoßen hatte, standen gegen sie auf. Ihre Sache lag – trotz ihrer ruhigen, gewandten eigenen Verteidigung und den Bemühungen des jungen Maitre, der ihr Anwalt war, sehr bedenklich.

Da geschah die große Sensation in der Sensation.

Der Procureur de l'état hatte gerade seine flammende Anklagerede beendet und haarscharf nachgewiesen, daß sie, und nur sie, die Täterin sein konnte. Er hatte die Jury gebeten, sich nicht von chevaleresken Motiven leiten zu lassen, nicht über die unbeugbare Schönheit, den Charm und die Klugheit der Angeklagten zu richten, sondern über ihre raffinierte Tat. Er plädierte auf Tötung mit voller Überlegung, auf Mord.

Da geschah es.

Etwas, das in der Geschichte des Strafprozesses unerhört ist.

In dem überfüllten Zuhörerraume, in dem die Ministerfrau neben dem Zuhälter, die Vorstadtdirne neben dem Gesandtschaftsattaché dicht gepreßt saß, erhob sich ein junger Mann mit lang wallenden Haaren.

Er reckte die Arme hoch auf und bat um Gehör.

Gerichtsdiener drohten, ihn hinaus zu befördern. Doch er schrie laut in das Staunen, das er hervorrief, er habe etwas zu sagen. Er wolle bekennen.

Man führte ihn vor den Tisch der erstaunten Richter. Die Neugier und die Spannung hob die Zuschauer von den Sitzen.

Da beichtete Henri Fordier, daß er – der Täter sei.

Sekundenlang war Gericht und Auditorium vor Überraschung gelähmt. Dann brach im Zuhörerraum ein Orkan los. Zweifel und Glauben wüteten gegeneinander.

Endlich brachte die gellende Glocke des Präsidenten Ruhe in das Chaos.

Keiner war erstaunter als Madeleine. So ganz unschuldig, wie sie sich hinstellte, war sie ja nicht am Tode Juliettes. Wie es gekommen war, wußte sie selbst nicht. Die freche Juliette war mehr in den Dolch gelaufen als daß sie, Madeleine, zugestoßen hatte. Aber dieser junge hübsche Mann da – mit den langen Künstlerlocken? Was wollte der? Wie kam er dazu, sich als Mörder zu bekennen?

Da traf sie ein heimlicher blitzrascher Blick aus seinen Schwärmeraugen. Den verstand sie. Und wußte sofort alles. Begriff, daß dieser junge Kerl sich in sie verliebt hatte in allen diesen langen Tagen der Verhandlung und seine Liebe mit dem Leben bezahlen wollte. Das wußte sie im selben Augenblicke. Und ein Stolz blühte in ihr auf, daß ein junger schöner Mensch, vor dem prangend das Leben lag, dieses herrliche Leben hinwarf, um sie zu retten.

Doch Skepsis waltete am Richtertische.

Auch der Staatsanwalt ahnte die Zusammenhänge und verlieh seinen Mutmaßungen beißende Worte.

Aber Henri Fordier war nicht umsonst ein junger Dichter, dessen erster Roman berechtigtes Aufsehen geschürt hatte. Er erzählte seine Dichtung.

Er hatte Juliette geliebt, sie war ihm untreu geworden, er hatte sich gerächt, in die Garderobe geschlichen, in der sie allein zurückgeblieben war, hatte sie getötet.

Das Publikum siedete vor trächtiger Erregung.

Der Vorsitzende forderte Beweise von dem Selbstankläger.

Ehe er sie noch nennen konnte, hatte Madeleine Gomelin den höchsten Moment ihres Lebens.

»Er will sich für mich opfern!« rief sie. »Was er sagt, ist nicht wahr. Ich habe es getan.«

Das Publikum fieberte.

Und nun geschah das Seltsame. Zwei Menschen kämpften um die Täterschaft, rangen um den Tod. Jeder bezichtigte den andern der Unwahrheit.

Schließlich machte der Präsident dem Aufopferungsduell ein Ende. Er gebot dem jungen Dichter, in den sich fünfundsiebzig Prozent der Damenschaft verliebt hatte, sich zu setzen.

Die Geschworenen zogen sich zur Beratung zurück. Ihr Herz gehörte der Angeklagten. Keiner glaubte der Selbstbezichtigung Henri Fordiers. Aber er hatte ihnen den Ausweg gewiesen. Bis zu seinem jähen Auftreten war die Schuld Madeleines so unwiderleglich bewiesen, daß ein Freispruch einer Rechtsbeugung verzweifelt ähnlich gesehen hätte. Nun hatten sie einen Handgriff, das erlösende Urteil zu packen. Alle Sympathien waren jetzt bei der Frau, die ihr Leben freiwillig hingeworfen hatte, ihren Retter zu retten. Jetzt konnten sie behaupten, die Sache sei nicht aufgeklärt, da zwei Personen den Tod für sich in Anspruch nahmen. Sie glaubten dem Dichter nicht – gewiß. Aber sie wollten auch nicht an Madeleines Schuld glauben. Ein Irrtum war immerhin möglich. Und jeder Zweifel gilt zu Gunsten des Angeklagten.

Das verkündete der Obmann und verneinte die Schuldfrage. Beim Verlassen des Justizpalastes wurden Madeleine Gomelin und Henri Fordier rauschende Ovationen dargebracht. Beide waren auf zwölf Stunden die Helden von Paris.

Dann spülte die Sturmflut der Ereignisse und neuer Sensationen ihre Berühmtheit hinweg.

Doch der Prozeß blieb nicht ohne Folgen.

Madeleine erhielt Anträge. Von ersten Bühnen als Sängerin, von ersten Männern als Geliebte. Sie war die interessanteste Frau geworden, auf den Brettern, die die Welt und die Halbwelt bedeuten.

Klug und geschäftstüchtig nutzte sie die gewonnene Stellung bis ins Letzte aus. Sie wußte, ihre Stimme reichte nicht aus, die Sensation lange zu überleben. Doch ihre übrigen Gaben reichten dazu schon aus. Sie wurde die begehrteste Kokotte von Paris. Dies fiel ihr umso leichter, als sie mit dem Herzen niemals beteiligt war.

Nur einen liebte sie ehrlich, soweit sie lieben konnte. Ihre Liebesfähigkeit war – wenn das Gemüt in Betracht kam – nicht allzu groß. Doch in ihrer egoistischen kühlen Art liebte sie den Mann, der sein Leben für sie in die Schanze geschlagen hatte.

Von ihm bekam sie – soweit sie selbst dieses feststellen konnte – ihr Kind. Dann verlor sie ihn. Er konnte es nicht ertragen, sie mit andern zu teilen. Sie zuckte die Achseln. Ihm Vernunft und Klugheit zu predigen, war vergeblich. Er war ja nun mal ein Dichter.

Das Kind war Charles. Er wuchs heran in dem parfümierten schwülen Heime der Mutter. Er sah die vielen Männer der Mutter, er wurde ihnen als Wunderkind vorgeführt, wurde von ihnen verwöhnt und verhätschelt. Erzogen wurde er kaum.

Vom ersten Tage seines Begreifens an sah er Intrigen, Lügen, Verstellung. Frühzeitig zeigte sich das Erbteil des Vaters: eine üppige Phantasie, ein Hang zum Fabulieren, eine Lust am Umgestalten der Wirklichkeit. Die Mutter und ihre Zofe lachten zu diesen Unwahrheiten. So wurde Charles Gomelin ein Gewohnheitslügner. Aber auch des Vaters Zartsinn, seine Liebe zur Natur lebte in seinem Kinde.

Und dann trat Victor Foehre in das Leben der großen Amoureuse Madeleine Gomelin.

Der Großindustrielle kam zu wichtigen geschäftlichen Verhandlungen nach Paris. Er war zweiundsechzig. Ein Geschäftsfreund führte ihn Madeleine zu. Blind verliebte er sich in sie. Kopflos, wie alternde Männer, die nie Zeit zur Liebe gehabt haben, sich an der Neige des Lebens vergessen.

Er wußte alles über sie. Ihr Ruf war ihm gleichgültig. Er konnte sich einige Unabhängigkeit leisten. Er verachtete die Menschen nicht erst seit gestern. Noch in Paris heiratete er die junge Frau und führte sie in seine Villa in den Grunewald.

Den Knaben nahm er mit, kümmerte sich aber weiter nicht um ihn. Freilich mußte er ihn auf Madeleines Drängen adoptieren. So wurde Charles Gomelin Karl Foehre und der Sohn eines der reichsten Industrieherren Deutschlands.

Die neue Umgebung übte auf das heranwachsende Kind keinen günstigeren Einfluß, als das unruhige Kokottenheim in Paris. Denn Madeleine war ihrem Gatten ebenso wenig treu, wie sie ihrem jeweils erklärten Souteneur die Treue bewahrt hatte. Sie neigte zu Nebenbelustigungen.

So ward auch die prunkhafte Villa zu einer Stätte der Kabale, des Geheimnisses, der Ausreden und der Betölpelung. Der verwöhnte frühreife Knabe aber war in allen Lebensfragen der Vertraute der Mutter. Oft mußte er Mittlerdienste tun, oft hastige Botengänge eilen, im letzten Augenblicke folgenschwere Begegnungen und Überraschungen abwenden.

Als Victor Foehre die arbeitsmüden Augen für immer schloß, die er beide in den letzten Jahren oft geflissentlich zugedrückt hatte – bei dem Betriebe Madeleines hätte der ruhebedürftige alte Mann sonst manche peinliche Erörterung heraufbeschworen – wurde Madeleine Foehre, née Gomelin, Alleinherrscher in den Foehrewerken in Berlin und Hamburg und eines unermeßlichen Vermögens.

Jetzt begann eine lustige Zeit. Schon zu des Gatten Lebzeiten hatten sich allerhand Schmarotzer an die reiche Frau herangedrängt. Theater, Varieté, Film und zweifelhafte ganze, unzweifelhafte halbe Welt. Doch damals nur insgeheim und in Abwesenheit des Großindustriellen.

Nun wurde die Grunewaldvilla ein Asyl allerlei seltsamen Gelichters.

Aber Madeleine ward ihrer Freiheit nicht lange froh.

Ihr Automobil sauste gegen einen Baum, das kluge Hirn versickerte im Straßenkote.

Und Karl war seit nun fünf Jahren emsig beschäftigt, die Gaben des Fleißes seines Adoptivvaters in alle Winde zu verschleudern. Man muß sagen, mit vielem Erfolge.

Von der Mutter hatte er die Pflege eines schmeichelnden Schmarotzerhofhaltes geerbt. So kam er zu seiner diesjährigen Reisebegleitung.

Das war Karl Foehre, der verdorbene Großstadtmensch, den das Geschick der lebenshungrigen jungen Helga Helaason zugeführt hatte. Ein zart empfindender, verlogener Lebensschlürfer. Aber wie sollte die arme Helga mit ihren unerfahrenen, von Sehnsucht umflorten Augen die gleißende Firnis seiner Schale durchschauen! Ach, es hatten sich schon ganz andre, weltkundige Frauen durch Herrn Karl Foehres Seelengeklimper betören lassen. Ganz andre.

Ein herzliches warmes Gefühl riß Helga zu diesem eleganten Manne hin, den, gleich ihr, eine französische Mutter getragen hatte. Eine Schicksalsbrücke schien ihr diese Abstammung, die sich eng verbindend schlug von ihr, dem isländischen Mädchen, zu dem Manne des großen Lebens.

Sie sah sein bewegtes Gedenken der Mutter und wagte nicht, seine stille Versunkenheit zu stören.

»Ja,« raffte er sich endlich auf, »ihr Blut ist in mir lebendig. Deshalb muß ich draußen leben in der Welt. Ich brauche Anregung und Zerstreuung. Ohne das Treiben der Großstadt könnte ich auf die Dauer nicht sein.«

Er schüttelte den Kopf.

Sie senkte das Gesicht. Ja – ja, er mußte draußen in der Welt leben. Er durfte und konnte es. Ihre Augen wurden feucht vor Schmerz, daß er, der auch eine französische Mutter hatte und ihr deshalb so schicksalsverwandt war, es durfte und sie nicht.

Er beobachtete sie und sagte plötzlich: »Wenn ich nicht irre, gehören auch Sie, trotz Ihres isländischen Äußeren, nicht mit der Seele hierher. Das Blut Ihrer Mutter ruft Sie hinaus aus diesem Winkel hinter der Welt.«

Da bog sie sich auf ihrem Sattel vor und flüsterte mit zitternden bleichen Lippen: »Nein, ich gehöre nicht hierher. Es ist die ruhelose Sehnsucht meines Lebens, hinauszukommen in die Welt. Davon träume ich Tag und Nacht.«

»Und warum bleiben Sie hier?«

»Mein Vater hält mich.«

»Laufen Sie davon!« riet er kurz.

Sie starrte auf. »Wie?«

»Nun, wie man eben davonläuft.«

Sie hob verzweifelt die Hände, daß ihr Tier auf den Hinterbeinen stieg. »Island ist eine Insel.«

»Schiffe liegen im Hafen.«

Da schüttelte sie hoffnungslos den Kopf. »Welches Schiff nähme mich wohl mit?«

»Ich wüßte eins,« lächelte er und drückte dem Pony die Sporen in die Weichen.

Helga folgte im Galopp. Sie sprachen nicht mehr, denn ihnen entgegen kamen Thyri und der Tenor. Aber jetzt wußte Helga, daß er wert war, auf ihrer weißen Jacht zu fahren.

Sie hatten sich vortrefflich unterhalten, die lustige Thyri und der drollige »dicke Wilhelm«, und sich gegenseitig trotz des »ekelhaft unersprießlichen« Galopps eine wahre Konfettischlacht mit Witzen geliefert. Auf einer Anhöhe machten die beiden Paare Rast und erwarteten die Nachzügler. Endlich kamen sie in Sicht. Sie waren langsam nebeneinander hergeritten, sinnig und schweigsam. Doch der gute Haaro hatte die rassige Schönheit des Landes und seiner Begleiterin empfindsam in sich eingesogen. Ihm schwante etwas wie ein nordisches Heldenepos.

Nun zogen sie allesamt weiter, immer tiefer hinein in dieses stille Land. Hier und dort grasten einige bescheidene Pferde das kärgliche Moos zwischen dem Lavageröll ab. Sonst atmete weit und breit nichts Lebendes. Und wenn Schlegel und Thyri, die fast allein die Unterhaltung bestritten, just keine Kugel aus ihrer Witzflinte verschossen, kroch ein beängstigendes Schweigen hervor aus den weiten Steinflächen und unwegsamen Lavafeldern, von den dunklen Höhenzügen ringsum und aus dem Meere weit da draußen, und breitete sich über die Ebene wie eine tief hängende schwere Decke, unter der sie gebeugten Hauptes dahinritten. Und ihr gezwungenes Lachen fiel hinein wie in eine luftlose graue Leere.

Es dämmerte bereits, als sie die Heimkehr antraten. Und an diesem Nachmittage geschah, um in dem hübschen naiven Tone der isländischen Chroniken zu berichten: »nichts besonderes weiter.«

Am Abend waren die drei Mädchen zu Gaste geladen auf die weiße Jacht. –

Thyri Thorarinsson legte rasch ihr bestes Kleid an und sprang zu den Freundinnen in der Laekjargata hinüber. Als sie in Astas Zimmer trat, blieb sie überrascht in der Tür stehen.

»Nanu – Helga! In isländischer Festtracht?«

»Auch ich finde es seltsam,« bestätigte Asta, »da wir doch zu einem ganz weltstädtischen Diner geladen sind.«

Thyri schloß sacht die Tür.

»Laß nur, Asta,« sagte sie zufrieden nickend.

Sie hatte zwar ihre Augen draußen in Deutschland geschärft, die kluge kleine Thyri Thorarinsson, und doch war sie blind gegen die traurig-grotesken Greuel, die ihre »besten« Kleider wider den heiligen Geist des Geschmackes sündigten. Aber das sah sie auf den ersten Blick, daß Helga Helaason in dem weiten schwarzen Friesrock und der schwarzen Jacke mit ihrer kostbaren Goldstickerei, die straff die Büste umspannte, ganz wunderfremd und rührend schlicht und lieblich ungekünstelt mitten im Zimmer stand. Und es entging ihr nicht, wie der alte wertvolle Silberplattengürtel die junge Gestalt züchtig-stolz umschloß.

Da Neid ihr fremd war, half sie mit kundigen Fingern, die absonderliche Kopfbedeckung, die diese festliche Nationaltracht krönt, auf dem üppigen blonden Haar befestigen. Als von der weißen hohen phrygischen Mütze der lange Schleier wie ein duftiges Ahnen über Nacken und Rücken niederträumte und um die Stirn der goldene Reif mit seinen kostbaren silbernen Filigranrosetten sich schmiegte, trat sie von ihrem freudigen Werke zurück, klatschte schallend in die Hände und rief: »Weißt du, Helga, heute abend siehst du aus wie der gute Geist von Island.« –

Helga wußte, daß sie heute nacht schön war. Das sah sie sehr klar im Spiegel, das empfand auch untrüglich ihr Gemüt. In ihr schwelgte eine glückselige Freude, wie nie zuvor in ihrem ereignisbaren Leben. Seit Foehre ihr gesagt hatte, er wüßte ein Schiff, das sie mitnähme, kreiste ihre Hoffnung zag und scheu und keck um diese Verheißung.

Er wüßte eins! Je länger sie darüber sann und grübelte, desto sicherer wußte sie, daß es ihr Schicksal war, auf der weißen Jacht hinauszufahren ins Leben. Jetzt war es ihr, als ob sie das schon immer, immer schon erwartet hätte. Schon lange, ehe ihr die Jacht im sonnenroten Polarmeere begegnet war.

Sie hörte kaum auf Thyris drolliges Nachäffen des Dicken und des langen Karo. Es ging an ihrem inneren Gehör vorbei, daß Asta den guten Dichter warm in Schutz nahm. In fernem Traume saß sie dann in dem weißen Boote der Jacht und fuhr hinaus in die heftig wallende See.

Auf dem Wasser lagerte schwer die graue Dunkelheit. Sie glitten an einigen Schiffen vorüber, dann lag die kleine Jacht mit ihren zahllosen sprühenden Glühbirnen wie ein Feenkästchen vor ihnen. Daneben ragte lichtlos und schwarz der Walfänger Arni Einarssons in die Nacht. Ein banger Schauer rieselte über Helgas Körper, als sie an ihm vorbeiglitten. Fester zog sie den Mantel um die Schultern.

Dann legten sie am Fallreep an und stiegen die Treppe hinauf. Oben stand Karl Foehre, reichte ihnen die Hand und zog sie vollends an Deck.

Dicht vor ihnen öffnete sich die Tür des Salons. Dort hinein geleitete er sie. Als Helga Helaason den Mantel ablegte, und, vom Lichte überstrahlt, unter dem Lüster stand, gafften die drei Herren wie die Toren.

»Donnerwetter!« entfuhr es dem Sänger. Dem Dichter entkeimte plötzlich eine neue Figur für sein Epos, freilich nur eine Nebenfigur, da der Heldenthron bereits von Asta Asmundsdatters wohlgefügter Persönlichkeit voll besetzt war.

Foehre sprach kein Wort. Er reichte ihr noch einmal, fest und vertraulich die Hand. In seinen schwarzen Augen stand ein weißglühender Funke. Da errötete Helga und sagte leise: »Es ist die Festtracht, die wir in unsern Feierstunden tragen.«

Ein Blick liebkosender Dankbarkeit traf sie, der ihr das Blut pochend durch die Adern trieb.

Als er sich fortwandte, dem Diener eine Anweisung zu geben, beobachtete sie ihn schnell und heimlich. So natürlich in den Frack hineingeboren war ihr noch kein Mann erschienen. Nein, so trugen die »Herren« in Island nicht ihre festliche Tracht. Eher so, wie dem dicken Sänger sein fettig glänzender Smoking um die Schultern prallte. Oder noch mehr glichen sie dem langen Dichter in seinem zugeknöpften Lehramtskandidaten-Bratenrock. Ihr Freund – ja, ihr Freund, kam aus einer andern Welt, einer Welt der Schönheit und des Schwelgens, und darum hatte er heute mit ihr gesprochen, innig, gut, klug und nahverwandt wie nie ein Mensch zuvor.

»Wollen Sie zunächst das Schiff besichtigen?« fragte Foehre gastfreundlich.

Als alle einstimmten, erklärte er: »Also, das hier ist unser Salon und Wohnzimmer.« Es war ein zierlicher Raum im Sheratonstil, das helle Zitronenholz mit zarten Silberintarsien ausgelegt. Dann gingen sie in das antik gebeizte schwarz-eichene Speisezimmer, mit seinem silber- und kristallglitzernd gedeckten Tische.

Sie stiegen hinab in die Kabinen. Lichte Traumstätten waren das mit ihren Wandbekleidungen aus weißlackiertem Peddigrohr. In Foehres glattem englischen Schlafzimmer atmete Helga wieder dieser herbsüße Parfümhauch entgegen, der ihr heute mittag auf der Landstraße entgegengeweht war. Staunend glitt ihr bewundernder Blick über die spiegelnde Batterie von Flakons und Fläschchen auf dem blinkenden Waschtische. Und alles dünkte sie wundersam und weltenherrlich.

Als sie ins Eßzimmer zurückkehrten, platzte Thyris gerade Art heraus: »Herr Foehre, das ist eine Pracht! Sie müssen ja ein Krösus sein.«

»Es ist nicht so schlimm,« beschwichtigte er huldvoll zustimmend. »Wie gefällt es Ihnen, Fräulein Helga?«

»Es ist wie ein Märchen,« sagte sie mit solch ehrlicher Überzeugung, daß alle fröhlich auflachten. Verdutzt blickte sie drein. Was denn? Warum lachten sie bloß? Ihr, die nie dem Kultuskreise Islands entronnen war, schien es wie ein Märchen und eine traumselige Wirklichkeit aus der andern Welt.

Dann saß man um den runden Tisch, und ein glattrasierter Diener servierte mit unbeweglicher Miene ein ausgeklügelt feines Diner. Im Kühler standen dickbauchige Flaschen, wie Helga Helaason sie in ihrem alkoholfeindlichen Lande nie gesehen hatte. Als der Diener den schäumenden Sekt einschenken wollte, wehrte Asta Asmundsdatter hastig ab: »Danke sehr. Wir trinken keinen Wein in Island.«

Da rief der »dicke Wilhelm«: »Unsinn, Jean, gießen Sie ein! Lassen Sie uns aus mit Ihrem gries- und weingrämigen Land. Wer den Weinen Feind ist, ist zum Weinen. Hier ist deutscher Boden und auf dem wird gepichelt.«

Und Thyri ergriff den Kristallkelch, hielt ihn hoch empor und rief: »Europa und die Welt!« und goß den Inhalt in einem Zuge hinunter.

»Bravo,« klatschte der Dicke Beifall. »Sie sind zum Küssen.«

»Nein,« lachte Thyri, »nur zum Ansehen.«

Foehre hob sein Glas und sagte leise zu seiner Nachbarin: »Das hier ist in Frankreich gewachsen. Auf unsre Mütter!«

Wie einen Weihetrank schlürfte Helga den nie gekosteten blutaufpeitschenden Wein der Champagne.

Bald tollte eine kecke Ausgelassenheit um die Runde. Wieder war sie Thyris und des Sängers Werk. Die andern bildeten den dankbar allen Späßen zujubelnden Chor. Und als nach dem Dessert Thyri ihre Zigarette kokett in den Mundwinkel spießte und dem in Verdauung fauchenden Dicken den Rauch neckend ins weinrote Gesicht blies, sprühten auch Helgas Wangen. In ihrem Kopfe war ein sektseliges schwingendes Summen.

»Mir ist so heiß,« sagte sie, »ich möchte ins Freie gehen.«

»I, bleiben Sie hier, jetzt wird's gemütlich,« rief der Sänger. »Wir können auch hier drin das Freie haben, so frei Sie nur wünschen.«

»Laß das,« bat der Dichter.

Da ging Foehre mit ihr an Deck.

»Ist Ihnen nicht zu kühl?« fragte er mit zärtlich bewegter Stimme.

»Nein,« dankte sie, »die frische Luft tut so wohl.«

Sie traten zur Reeling und blickten stumm zum Lande hinüber. Drüben hinter der Stadt war der Himmel noch purpurrot.

Ganz in der Ferne zeichnete sich der Kegel eines rauchenden schwarzen Berges mit deutlich erkennbarer Kratermulde in zarter Linie von dem lohenden Hintergrunde ab.

»Sehen Sie!« deutete er leise.

Sie nickte und schaute mit freudeverklärten feuchten Augen. In ihrem Hirn war es weit und wogend schwer.

Das tiefe Rot drüben zerfloß mählich in Lila und Blau und durchsichtiges Grün. Und dann stand aus der Unendlichkeit niedergetropft hoch oben am Himmel ein einsamer Stern. Über das Wasser senkte sich ein violetter Dunst.

»Wie schön ist das,« wiederholte er, »wie unwirklich ist diese Nacht. So ganz aus meinem tollen Leben herausgehoben.«

Seine Stimme vibrierte. Er war ehrlich ergriffen. Sie antwortete nicht. Hatte die Wangen in die aufgestützten Hände geschmiegt und blickte grade vor sich hin. Er sah ihre feucht schimmernden Augen diamanten strahlen durch dieses Helldunkel der nordischen Nacht. Seine Nasenflügel bebten. Von ihr strömte ihm ein süßer warmer Duft erblühter Weiblichkeit entgegen. Er legte seine Hand neben sie auf das Geländer und streifte leicht ihren Arm. Sie fühlte es. Hatte aber nicht die Kraft, ihm auszuweichen. Ein wohlig erregendes Gefühl überrieselte ihre Glieder. Ihr war anschmiegungs-sehnsüchtig zu Sinn wie nie zuvor.

»Scheint es Ihnen nicht seltsam, daß ich ohne Frauenbegleitung fahre?« fragte er plötzlich.

Sie hob den Kopf aus der Mulde, die ihre Hände schufen. »Nein, weshalb?«

»Nun – ich meine –«

»Unsre Fischer fahren monatelang ohne Weib.«

»Ihre Fischer!« lachte er heiser auf.

Sie errötete ins Dunkel hinein.

»Sie haben Recht,« entschuldigte sie sich kindlich, »man darf unsre rauhen Fischer nicht mit Ihnen vergleichen.«

»Es hat bei mir seinen besonderen Grund,« begann er und wußte kaum, daß er dichtete. »Ich habe viele Frauen gekannt. Ach, so viele! Aber nun habe ich einen Abscheu vor den vielen. Jetzt fahre ich einsam durch die Welt und suche die Eine.«

Sie fühlte, wie ihre Knie gegen den Rock zitterten.

»Die Eine, die ganz anders ist als alle, die mir begegnet sind. Die Eine, die ganz Weib ist, fruchtbar und duftend wie schwarzes Erdreich – ein Weib mit diesem Hauch der Mütterlichkeit und diesem bestrickenden odeur de femme – diesem je ne sais quoi – Sie werden das als halbe Französin nachfühlen – und die dabei doch ungeschaut lieblich ist wie eine Fee aus einer Fabelwelt. Die suche ich jetzt.«

Er schwieg. Sie empfand den Druck seines Armes wie ein kosendes Streicheln. Er sah ihr Profil als Schattenriß gegen den Nachthimmel, dieses kluge, schöne, weich zerfließende Profil, und glaubte an seine tönenden Worte.

Doch in einem sonderbaren triebhaften Gedankensprunge von seinen Worten zu seinen Wünschen fragte er: »Wie sind die Mädchen hierzulande?«

»Wie meinen Sie das?«

»Sind sie – sehr – weiblich?«

»Es sind fühlende Menschen.«

»Vulkane?« lächelte er.

»Vielleicht,« antwortete sie und richtete sich abwehrend auf.

»Ich habe ein kulturelles Interesse,« erklärte er, beruhigend. Sein wacher Instinkt hatte sofort ihre aufkeimende Entfremdung empfunden. »Ich möchte gern wissen, ob es hierzulande, wie bei uns, vorkommt, daß Mädchen – Sie sind ja solch verständiger lieber Kerl – auch außerhalb der Ehe –«

Sie unterbrach: »Ja. Das kommt sehr häufig vor, wenn der Mann die Familie noch nicht erhalten kann.

Aber das Mädchen erwartet dann immer, daß es geheiratet wird.«

»Selbstverständlich,« nickte er. »Und wenn er sie dann nicht heiratet?«

»Dann rächt sie sich. Aber das kommt kaum vor.«

Da sprach Karl Foehre mit warmer Emphase: »Das ist sehr schön. Bei uns in Deutschland geschieht es leider oft, daß Mädchen verlassen werden, die einem Manne alles gegeben haben, was sie zu schenken vermögen. Es ist sehr schön, daß es hierzulande anders ist.«

Da tastete Helga mit ihrem Arm nach seiner Berührung.

Eine Weile schwiegen sie wieder. Dicht neben ihnen schwankte Arni Einarssons schwarzer Walfänger dunkel drohend auf und nieder. Ein tückisches Glucksen des Wassers gurgelte von dort zu ihnen herüber.

Jetzt sagte Karl Foehre sehr zart mit seiner weichen verführerischen Stimme: »Helga Helaason, Traum ist mir diese Nacht. Da stehen Sie neben mir in dieser blütenkeuschen Tracht wie eine Fee der schwarzen Berge dort hinten, und aus ihren Augen starrt der Hunger nach dem Leben der Menschen. Helga, ich habe dich sehr lieb!«

Sie löste sich halb vom Geländer und stand ratlos und verwirrt vor ihm. So rührend hilflos war die Bewegung, daß Foehre die Arme scheu um ihre Schultern legte. Alles Warme und Sehnsüchtige in ihr quoll auf. Es zog und drängte sie zu diesem Manne aus der fremden Welt, der ihr so traut und zart begegnete, der mit ihr verbunden war durch geheimnisvolle Bande des gleichen Blutes. In ihrem Kopfe war es schwer und vergehend. Sie schmiegte sich in willenloser Hingabe an ihn und bot ihm verlangend die nachtfeuchten Lippen.

Er küßte sie zag auf Mund und Augen und streichelte ihr heißes Gesicht und strich ihr die gelösten Haare unter den goldenen Reif, und war gut und mild zu ihr wie zu einem schlafbefangenen Kinde. Sie empfand seine erobernde Zärtlichkeit und konnte die Tränen nicht zurückhalten und hatte ein Gefühl, als löse sich diese jahrelange Sehnsucht in der Brust und ströme heraus in einem weiten schwimmenden Seligkeitsergießen.

Er sprach von seiner Liebe und seinem Glücke, das ihm nie zuvor so sternenrein geleuchtet habe wie in dieser Zaubernacht mit seiner großen, kleinen, törichten klugen, wunderholden Helga Helaason im Arme unter dem einsamen Sterne Islands.

Sie verloren den Sinn für Raum und Zeit, bis Thyri Thorarinssons sektkeckes Lachen vom Steuerbord herüberschallte.

Dann standen die Freundinnen vor ihr und erklärten, nun wäre es höchste Zeit zum Aufbruch.

Im Salon legte Foehre ihr behutsam – es war wie ein letztes Kosen – den Mantel um die Schultern. Im Spiegel sah sie ihre in Erregung glühenden Wangen und den zerknitterten Schleier. Jeder mußte das Geheimnis dieser reichsten Stunde ihres Lebens erraten. Doch eine frohe Gleichgültigkeit gegen alle erdenschwere Vermutungen und neugierigen Gewißheiten feite sie gegen kleinliche Scham. Dann nahm er ihre Finger abschiednehmend in seine kleinen nervigen Hände und drückte sie, daß ihr das Blut noch einmal durch die Adern tobte.

Wenige Augenblicke später saßen sie im Boot. Raummangel verbot das Geleit der Herren. Die Ruder tauchten schattenhaft leise ins Wasser. Wieder fuhren sie dicht an dem Walfänger vorüber. Oben an der Reeling lehnte eine stumme Gestalt. Helga sah sie nicht. Ihre Augen hingen gebannt an der stillglühenden Lichterperlenkette des weißen Schiffes.

Dort stand Foehre, sie fühlte körperlich seinen ihr nachjagenden Blick. Neben ihm winkte der Sänger clownhaft mit einem Tuche und sandte mit weinrauher Kehle einen rührseligen Abschiedskantus hinter ihnen her durch die tiefe Islandsstille. Lang und stumm ragte an seiner Seite der Dichter. Jetzt bogen sie um den Walfänger herum und Dunkel umfing sie.

»Famos war's,« schwelgte Thyri. Sie sprach isländisch. »Mein Dicker wollte zwar zutraulich werden, als er hinter mir zur Kommandobrücke hinaufkletterte, und faßte mich an die Waden. Hab ihm aber Bescheid getan. Da ist er vernünftig und sehr spaßig geworden.«

»Der Dichter war sehr lieb,« sagte Asta. »Er hat die ganze Zeit meine beiden Hände gehalten und mich angesehen. Und immer geflüstert: »Du Norne – du Norne.«

»Hm,« machte Thyri, »es bleibt Temperamentssache, das spannend zu finden. Und grade Norne! Aber du, Helga, du bist ja so still?«

»Laßt mich,« bat sie leise, »ich kann nicht sprechen von dem Glücke dieser Nacht.«

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