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Himmelwärts und andere Prosa aus dem Nachlaß

Ödön von Horváth: Himmelwärts und andere Prosa aus dem Nachlaß - Kapitel 2
Quellenangabe
typemisc
authorÖdön von Horváth
titleHimmelwärts und andere Prosa aus dem Nachlaß
publisherSuhrkamp Verlag
seriessuhrkamp taschenbuch
volume3347
printrunErstausgabe
editorKlaus Kastberger
year2001
firstpub2001
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070212
projectidc75e4f6f
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Zwei Liebeserklärungen

I.

»Madame! Meine Liebe ist Sehnsucht nach Romantik und Wille zur Sachlichkeit. Madame, ich möchte mit Euch in einem melancholischen Parke spazieren, [mich] in einem Urwald verirren – aber mitten in dem Urwald müßte ein breites Bett stehen, warmes und kaltes fließendes Wasser, fern von Külz, so lieblich schizophren müßte die Landschaft sein. Madame, ich bin verzückt, entrückt, verrückt! Bleibt! Bitte – Madame! Jedesmals, wenn Ihr Euch erhebt, überrieselt es mich, wie beim Klange der Marseillaise. Ihr seht so gottbegnadet majestätisch aus, eine blonde Aphrodite, wenn Ihr Euch erhebt – Bleibt sitzen! Bleibt, bitte! Ich will Euch doch noch erklären – das, was man nicht erklären kann. Wäre ich nur ein Dichter, würde ich dafür Reime finden, formvollendete, für das, was sich nicht ausdrücken läßt – aber so bleibt mir nur die Hoffnung, die bange, daß Ihr mich versteht, was ich nicht verstehe – Ja? – Nu eben – –«

(er küßt sie)

II.

Na, was ist denn schon wieder? Was ist denn los?! So sprich doch! Wie? (er steht vor dem Spiegel und kämpft mit dem Kragenknopf) –. Na los, ich kann es doch nicht erraten! Was hab ich Dir denn getan? Was? Wie? Ich hätte Dich nicht lieb? Aber Kind! – – wie? Ich liebte nur Deinen Körper – ? – Aber, aber! Seit wann kültz Du denn? Was? Also: Gut! Im Ernst: Abgesehen davon, daß ich Deinen Körper liebe, tatsächlich liebe, abgesehen davon – also: Wie bitte? Du lachst! Jetzt wird es mir zu dumm! Ja, was denkst Du denn?! Nicht genug, was ich für Dich tue? – – – – (er hält in seinem Krawattenbinden inne) Also, höre: Weine nicht! Weine nicht!

Ich kann das Geräusch nicht hören! – Du liebst mich? Meine »Seele«? Schön. Und ich liebe Dich. Der Mann hat Seele, die ist Körper. Mutter Erde. Verstehst Du? – Nein, das kannst Du nicht verstehen – – Und dann, wei[n]st Du, ich bitte Dich: Sprechen wir nicht mehr darüber. Ich meine, die Liebe ist etwas so Erhabenes, daß man es nur zu leicht entheiligt, profaniert. Man entheiligt das Göttliche durch unsere mehr oder minder doch nur barbarischen Laute – – – – man soll so etwas gar nicht in den Mund nehmen – – – –

Guten Morgen!

(ab)

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