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Hexenkessel

Rudolf Stratz: Hexenkessel - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/stratz/hexenkes/hexenkes.xml
typefiction
authorRudolph Stratz
titleHexenkessel
publisherAugust Scherl G. m. b. H.
printrunErstes bis zehntes Tausend
year1927
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080909
projectid2cc64912
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10

Also weißt du, Bernd – ich habe sie heute durch Zufall wieder auf der Straße getroffen, und wir sind so ganz gemütlich 'n Eckchen miteinander lang gebummelt. Du... höre, Kerlchen: Das ist ein höchst merkwürdiges Mädchen«, versicherte eine Stunde später in der gemeinsamen Dachstube der Polytechniker Paul Ribbentropp seinem eben eingetretenen Freund. Der Riese saß in der Dämmerung auf seiner wackeligen Bettstelle und schmunzelte behäbig und stillvergnügt vor sich hin. Der andere hörte kaum zu. Er schmiß bleich und erregt den Hut auf den Tisch. Er stellte sich, die Hände in den Hosentaschen, breitbeinig an das Klappfenster in der Deckenschrägung und starrte stumm, an der Unterlippe nagend, auf die abendgrauen Dächer, Schornsteine, Telegraphen- und Telephondrähte des Berliner Häusermeeres hinaus.

»Ein mordsstrammes Frauenzimmer ...«, begann der hemdsärmelige Kraftmensch wieder voll freudiger Anerkennung. Der blonde Student drüben drehte sich langsam, geistesabwesend, herum.

»Ich glaube, du bist übergeschnappt, Kleiner!« sagte er. »Mordsstramm! ... Ausgerechnet die Luja! ... Zu blöde ...«

»Rede ich denn von deinem Püppchen?« Der Riese wiegte träumerisch das gutmütige, kurz geigelte Haupt mit dem kleinen Schnurrbärtchen. »Von ihrer Base rede ich! Von Fräulein Altschüler.«

»Ach so ...«

»Stell' du nur die Luja in den Glasschrank! Da gehört sie hin! An der Lisa hat man 'was Reelles! Die kann 'nen Puff vertragen! ... Das ist 'ne Nummer ...! Und immer Kopf hoch und guter Dinge ...«

»Also den Mann hat's glücklich auch!« sprach der Studiosus Vollbrecht.

»... Ich hab' ja jetzt Geld ... Ich muß mir nächstes Mal ein Paar Galoschen kaufen ... Im Warenhaus ... Lache nicht so dumm ... In der Übergangszeit erkältet man sich am leichtesten ...«, sagte der ungeheure Mensch besorgt. »Da sehe ich sie wieder! Pass' mal auf, wie lange ich da anprobieren muß, ehe sich etwas für meine Größe findet! Wahrscheinlich muß ich noch 'mal hinkommen ... Ich habe das alles schon mit ihr verabredet! Wir verstehen uns überhaupt großartig!«

»Es scheint ...«

»Sie ist doch so eine ehrliche Haut. Sie kann sich nicht verstellen!« Paul Ribbentropp lächelte hoffnungsvoll in die Weite. »Sie hat mir ganz einfach gesagt, ich gefiele ihr auch ...«

»Ich wünsche dir nur, daß dir die deinige nicht den Kopf so heiß macht wie meine mir!« sagte der junge Landwirt unruhig, in finstere Gedanken verloren. Sein Freund wiegte betroffen den kurzgeschorenen Schädel auf dem Stiernacken.

»Das sanfte, schwarze Miesekätzchen?«

»Ja. Das sagst du ...«

»Wenn du mit der schon nicht fertig wirst, Bernd – dann mußt du's überhaupt mit den Frauenzimmern aufstecken! Dann ist die Gesellschaft dir über ...«

»Es ist auch eigentlich gar nicht die Luja! Es kommt nur durch die Luja!« Der Student ging hastig im Zimmer auf und ab. »Ziehe nicht so einen begriffsstutzigen Flunsch, Paule! Du wirst davon nicht schöner! ... Ich kann dir das nicht so begreiflich machen ... Es ist mir selber nicht recht klar ... Aber sieh mal,« er blieb vor dem Freund stehen, »ich bin doch ein waschechter Deutscher. Ich war im Krieg in Rußland. Na – das waren Millionen andere auch! Was geht mich jetzt im Frieden Rußland an?«

»Es schreibt sich Rußland«, versetzte der Polytechniker philosophisch. »Und ausgesprochen wird es Luja!«

»Nun eben! Sie ist doch keine Russin! Sie ist doch eigentlich eine Deutsche – deutsch wie du und ich! Aber seitdem ich die Luja kenne, habe ich das Gefühl, daß Rußland nach mir greift ... Hinter ihr hervor – förmlich unsichtbar ... Ich weiß gar nicht, was Rußland von mir will ... Ich habe das Gefühl, ich komme da immer tiefer und tiefer in etwas hinein ... in etwas Dunkles ... Gefährliches ... ohne Boden unter den Füßen ... so wie im Krieg in so einen polackischen Sumpf bei Nacht ...«

»Jetzt sieht der Mensch schon in seiner Verliebtheit Gespenster!« sprach der cand. ing. Ribbentropp.

»Ist Herr Ssilin ein Gespenst? Na – und da? ... Eben klopft's! Wenn das ein kleiner, deutsch-russischer Herr ist, dann zieh bitte Leine, Paulchen! Er will mit mir unter vier Augen reden! ... Herein! ... Natürlich: ... Wieder 'was aus Rußland ...«

Der alte, Kaiserlich russische Kollegienrat Constant von Kabisch trat ein, peinlich sorgfältig gekleidet. Er setzte sich. Er holte zunächst Atem, während Paul Ribbentropp auf den Fußspitzen die trotzdem in allen Dielen krachende Dachkammer verließ.

»Sie wohnen hoch«, sagte er höflich hüstelnd und sah sich in dem kahlen Raum um. »Glückliche Jugend! Sie macht aus der Not eine Tugend! Sie lacht unter dem Dach, wenn sie Parterre nicht zahlen kann ... Natürlich sind Sie unbemittelt! ... Ja – bitte: Wir alle sind mehr oder minder in Ihrer Lage ...«

»Und trotzdem ...« Der alte Petersburger beugte sich, die flachen Hände zwischen den Knien, plötzlich lebhaft und gewinnend vor. Sein feines, rosig geädertes Antlitz erinnerte auf einmal an einen freundlichen Fuchs. »... Trotzdem bietet sich Ihnen eine Möglichkeit, Ihre ... hm ... bescheidenen materiellen Umstände zu verbessern ... in einer einwandfreien Art ... ça va sans dire – bei einem jungen Gentleman wie Ihnen ...«

Los von Ssilin ... dann brauchte man diesen Ssilin nicht mehr ... dann konnte man ohne diesen Ssilin der Luja helfen ... Es flog dem stud. agr. Vollbrecht durch den Kopf. Der einstige Hofbeamte des Großfürsten Wladimir Michailowitsch fuhr in seinem gedämpften Petersburgisch fort:

»Sie wissen: Berlin wimmelt von russischen Emigranten. Alle Schichten unserer Gesellschaft sind darunter vertreten. Wir waren bei Ausbruch des Krieges in Rußland alle einig, bei feierlichen Umzügen mit Kirchenbannern – bei Schwüren in den Dumas – in allen Klubs – in allen Salons – in allen Komitees: Wir wollten in Berlin einmarschieren! Gott erfüllte unsere Bitte. Wir finden uns am Schluß des Krieges in der Tat alle in Berlin wieder. Wir genießen als Flüchtlinge seine Gastfreundschaft. Was wollen Sie: Der wesentlichste Zug der Weltgeschichte heißt Ironie ...«

Der alte Petersburger machte eine Pause. Dann begann er wieder trocken und höflich:

»Leider haben wir Emigranten alle unsere verschiedenen Rezepte zur Rettung Rußlands nach Berlin mitgebracht – unsere verschiedenen politischen Programme – unsere persönlichen Sympathien und Antipathien. Wir zerfallen in viele Gruppen, die ihr Deutsche nicht seht – für euch sind mir alle gleich, wenn wir mit unsern schwarzen Lammfellmützen auf euren Boulevards herumlaufen. Gut: Eine dieser Gruppen hier besteht aus der ausgewanderten, politisch gemäßigt freisinnigen Intelligenz. Sie war westlich, nach Frankreich und England hin, orientiert. Wir haben durch die Zuchtrute der Weltgeschichte gelernt, daß die jahrhundertalte Logik der Tatsachen Deutschland und Rußland zu guter Nachbarschaft zwingt!«

»Das ist erfreulich!« sagte Bernd Vollbrecht ... »Aber was ich, als simpler Student, mit diesen hohen Staatsgeschäften ...«

»... nun, Sie kennen, dem Namen nach, Asanasjew ... Nein? Wie denn: Einer unserer früheren russischen Industriekönige – einer unserer Führer des aufgeklärten russischen Bürgertums? Er wohnt zurzeit in Berlin. Er möchte Sie sprechen!«

»Mich ...?«

»Versagen Sie es ihm nicht! ... Asanasjew ... Ein moderner Mensch ... Ein tadelloser Ehrenmann – gleich geachtet von Freund und Feind ... In fünf Minuten sind wir im Auto bei ihm! Belieben Sie!«

In einem kleinen, dämmerig von einer fast mannshohen Stehlampe vom Boden aus erleuchteten Salon erhob sich aus dem Lichtkreis des Schreibtischs der Schattenriß eines großen, starkbeleibten Mannes mit schütterem Graubart und wirrem Haarschopf über der tiefgefurchten, hohen Stirne. Auf seinen Zügen lag leidende slawische Intelligenz im Streit mit einer brutalen asiatischen Energie. Seine Stimme war ein tiefer Baß.

»Ich danke Ihnen, daß Sie kamen!« Ein Händedruck. Ein Wink, sich zu setzen. »Nun zur Sache.« Gutes Deutsch. Bedächtig. Bedeutungsvoll. »Sie waren gestern mit Herrn von Laskarew zusammen ...«

»Ich kenne gar niemanden dieses Namens!«

»Und doch sahen wir Sie – Herr von Kabisch und ich. Wir saßen im Hinterzimmer des Slawiansky Basar.«

»Und ich kannte Sie vom Sehen aus der Pension ›Alpenrose‹!« ergänzte der alte Petersburger. »Heute morgen wurde dort beim Frühstück Fräulein Büttner damit geneckt, daß Sie sie nicht nach Hause gebracht hätten. Sie erwiderte. Sie seien von einem Gast des ›Kolokól‹ nach dem Slawiansky Basar eingeladen gewesen. Ich bestätigte das und erbot mich dann, um Ihre Adresse zu erfahren, Fräulein Büttners Brief an Sie zu besorgen. Voilà tout

»Trotzdem! Der Herr, mit dem ich zu Abend aß, hieß absolut nicht Laskowitsch, oder wie Sie ihn nennen ...«

»Sondern ... Nun bitte ... So reden Sie doch ...«

Der Student schwieg. Er überlegte rasch ... Neue russische Händel – neue Schwierigkeiten mit Ssilin – wo er jetzt eben Luja sein Wort verpfändet hatte ... Und wofür? Was hatte man davon? ...

»Ich halte mich nicht für verpflichtet, mich hier von Ausländern verhören zu lassen!« sagte er wenig verbindlich.

Die beiden, der Moskowiter und der Deutsch-Russe, tauschten einen stummen Blick. Dann begann der einstige Kohlen- und Eisenkrösus wieder – sehr höflich – ganz Grandseigneur:

»Selbstverständlich steht es in Ihrem Belieben, uns aufzuklären! Wenn Sie es nur selber sind – Ich fürchte: Sie waren gestern mit einem der gefährlichsten Menschen Berlins zusammen ...«

»Inwiefern ...?«

»Mit einem Menschen, der sich, wie wir besorgen, als Spion in die Emigrantenkreise der liberalen russischen Sphären hier in Berlin eingeschlichen hat und die größte Verwirrung anrichtet ...«

»Mag er ein Spitzel sein ...« Der junge Mann zuckte die Achseln. »Machen Sie das selbst mit ihm aus! Was geht das mich an?«

»Ein Mensch, der sich, wie wir jetzt wissen, Namen un3d Ausweise des in den Kämpfen zwischen der Wrangel-Armee und der Roten Garde in der Krim – wahrscheinlich durch sein Zutun – getöteten ukrainischen Edelmanns Laskarew angeeignet hat! Sie kennen ihn unter einem anderen Namen.« »Betrachten Sie dessen Nennung als eine Bürgerpflicht?«

Der Kollegienrat lächelte vorsichtig und verhalten:

»... Der Entgelt für das, was Sie uns über ihn berichten, ist in der Tat nichts anderes als die polizeiliche Belohnung für die Aufdeckung eines Verbrechens ...!«

»Es tut mir leid ...« Bernd Vollbrecht stand entschlossen auf. »Ich kann nicht kontrollieren, was Sie mir da erzählen! Ich will nicht weiter in den russischen Hexenkessel hineingeraten! Ich habe schon gerade genug ...«

»Aber belieben Sie doch ...«

»Ich brauche kein Geld, Herr von Kabisch! Wenn dieser Mensch ein Spitzel ist, will ich es nicht auch sein! Ich verdiene mir mein Brot ehrlich als Kellner im ›Kolokól‹. Verzeihen Sie: Meine Pflicht ruft mich jetzt dorthin! Bitte, bemühen Sie sich nicht mit Ihrem Auto draußen! Ich komme auch mit der Straßenbahn noch zurecht!«

»Sagen Sie uns bitte wenigstens nur das eine: Wird dieser Herr heute wieder dort sein?«

»Ich glaube wohl! Sein Tisch ist reserviert!«

Aber es wurde zehn und elf Uhr – es wurde Mitternacht, und das Tischchen an der Rampe blieb leer. Die Balalaika-Spieler schauten neugierig herüber. Der dicke Alfons machte sein blödestes Rattengesicht. Der Baron, der Leiter des Ganzen, zischte, das Einglas festgewachsen unter der umwölkten Stirn:

»Fritze: Was haben Sie denn gestern noch mit dem Russen angestellt, daß der heute nicht kommt ...?«

»Vielleicht hat er dringende Geschäfte!« erwiderte der junge Kellner mit einer vor Erregung gepreßten Kehle. Heute, wo es keinen Freisekt einzugießen gab, fand er schwer die Möglichkeit, in die Nähe des Orchesters und zu Luja zu gelangen. Er sah nur, daß sie bleich vor Ungeduld über Ssilins Wegbleiben war. In der Pause benutzte er die Gelegenheit, sich zu ihr heranzudrängen. Er flüsterte ihr zu:

»Ich bringe dich nachher nach Hause! Ich muß dich unbedingt sprechen!«

Spät nachts traten sie zusammen aus dem verdunkelten, leeren Kabarett. Der Student blieb stehen.

»Da ist ja dein gottseliger Schäfer aus der ›Alpenrose‹!« sagte er gereizt. »So fromme Leute gehörten doch um die Zeit längst in die Baba!«

Ein mittelgroßer, wettergebräunter, kräftiger Mann mit dunklem Schnurrbart und tiefliegenden Augen trat heran. Er lüftete kurz den Schlapphut von dem borstigen Haupthaar. Er versetzte finster und knapp:

»Ich werde Sie nach Hause bringen, Luja ...«

»Sie sehen doch, Herr Gritsch!« versetzte der blonde Landwirt, »die Dame ist bereits versorgt!«

»Fräulein Büttner und ich haben den gleichen Weg!«

»Und ich 'nen kleinen Umweg! ... Spaß für 'nen flotten, jungen Mann wie mich!«

»Ich nehme das Recht für mich in Anspruch.«

»Mit welchem Recht beanspruchen Sie denn ein Recht ...? Das ist ja klassisch ...«

»Ich will Fräulein Büttner heiraten ...«

»Na – denken Sie etwa: Ich nicht?« schrie der Student heißblütig.

»Nur mit dem Unterschied, daß ich dazu in der Lage bin und Sie nicht!«

»Was haben Sie denn für eine Ahnung von meinen Finanzen? Die sind überhaupt glänzend! Die bessern sich zusehends von Tag zu Tag! Ich werd' noch der reine Stinnes! Also bitte ... Hier stehe ich – in Lebensgröße – auf dem Kurfürstendamm ... zwischen Fräulein Büttner und Ihnen ...«

»... und ich werde mir trotzdem erlauben, Fräulein Büttner den Arm zu bieten ...!«

»Nun ist es aber genug!« versetzte feindselig die kleine, brünette Schönheit, die bis dahin erbittert geschwiegen. »Ist denn dies hier ein Sklavenmarkt? Wer verfügt denn hier über mich? Wer sagt euch denn, daß ich überhaupt einen von euch haben will?«

»Luja ...«

»Gritsch ... Ich sagte Ihnen in diesen Tagen schon oft: Sie sind aufdringlich wie ein tatarischer Teppichhändler ...«

Der Mennonit ballte die Fäuste.

»Sie werden mich noch einmal brauchen!« sprach er rauh und dumpf. »Wenn erst der Böse Macht über Sie gewonnen hat ...«

»Der Böse? Welcher Böse?«

»Er steht zwischen Ihnen und mir!«

»Hast du gehört, Bernd: Du bist der Antichrist! Lieber Gott ... der gute, dumme, blonde Junge ...«

Die kleine Büttner musterte ihren Freund nicht zärtlich, sondern mitleidig-kameradschaftlich aus ihren schönen, dunklen Augen. Der Schafzüchter aus der Nogaischen Steppe wich erschüttert einen Schritt seitwärts.

»Sie stehen mit ihm schon auf ›du‹ ...« murmelte er.

»Ja. So, wie Sie mit dem lieben Gott, Gritsch! In allen Ehren! Der Bernd ist mein guter Freund. Denn er wird mir helfen! Wie oft hämmerte ich das schon in Ihren harten Schädel! Sie können ja als Gorodowoi hinter uns hergehen und uns bewachen, wenn Ihnen das Spaß macht! ... Komm, Bernd ...«

»Der heilige Menno folgt uns doch wahrhaftig! Ich höre deutlich seine Schritte ...« Die Kleine wanderte leichtfüßig neben dem stud. Vollbrecht her. Ihr spöttisches und schadenfrohes weißes Gesichtchen wurde plötzlich ernst. »Bernd: Warum war Ssilin heute abend nicht da?«

»... weil ich heute Vormittag nicht bei ihm war ...«, erwiderte der Student gedrückt.

»Morgen vormittag aber gehst du hin! Du hast es mir heilig gelobt ...«

»Ja ... Das tat ich ... Aber ... Luja ... Ich hörte vorhin – durch euren Herrn von Kubisch und noch einen zweiten – einen richtiggehenden Russen – irgendein großes Tier – also von denen beiden habe ich vorhin die tollsten Andeutungen über diesen Ssilin verzapft bekommen. Danach scheint das ja eine ausgemachte Kanaille zu sein ... Ja – und da lachst du noch ...?«

»... daß sogar du das endlich merkst ...«, sprach Luja Büttner stillbelustigt ...

»Aber ... Luja, mit solchen Leuten wollen wir zwei doch nichts zu tun haben!«

»Doch!« Die Kleine nickte eigensinnig. »Gerade!«

»Ja – Warum denn?«

»Nun: Es macht mir Spaß ... Er soll uns doch helfen! Das ist, wie wenn jemand im Mittelalter den Teufel beschwört!«

»Mir ist nicht wohl bei der Geschichte zu Mut! Für uns beide nicht! Luja: Ich bitte dich inständig: Gib mir mein Wort zurück!«

Die Musikantin im Reisemützchen und fadenscheinigen braunen Mäntelchen blieb stehen. Sie stampfte erbittert mit dem schmalen Fuß. Sie zeigte die kleinen, weißen Zähne.

»Ich hab' dein Wort ...«, sagte sie wild, mit einem Wetterleuchten über die kindlichen, klassisch feinen Züge. »Das kriegst du nie wieder ...«

»Luja ...«

»Nie! Nie! Nie!« Sie war atemlos. »Der heilige Gritsch dahinten kann mir nicht den Teufel beschwören! Deswegen habe ich ihn gejagt. Du kannst es! Du sollst es! Du wirst es! Du mußt es! ... Denn du hast mir dein Ehrenwort gegeben, daß du mich mit Ssilin zusammenbringst ... Morgen vormittag besuchst du ihn – ja?« ... Gut! ... Und dann werden wir ja sehen, was das Schicksal weiter mit uns will! ...«

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