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Hexengold und andere Erzählungen

Elisabeth Werner: Hexengold und andere Erzählungen - Kapitel 22
Quellenangabe
typenarrative
authorElisabeth Werner
titleHexengold und andere Erzählungen
publisherVerlag von Ernst Keil's Nachfolger G.m.b.H.
year
illustratorM. Flashar
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080923
projectid86a408db
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Edelwild

Die Nebelschleier, die so lange und dicht auf den Bergen gelegen hatten, begannen sich zu lichten, das unaufhörliche Rauschen und Rieseln des Regens war verstummt, und hoch oben am Himmel schimmerte zwischen jagenden Wolken das erste Blau.

In der offenen Glasthür, die auf eine breite, steinerne Terrasse führte, stand ein Herr und blickte in das Nebelwogen da draußen. Von der Landschaft war noch nicht viel zu sehen, ein Stück des Sees, der dort unten lag, halb verschleierte Wälder und die undeutlichen Umrisse einzelner Berge, die auftauchten und wieder verschwanden. Das alles dampfte und gärte im Regendunst, aber der Beobachtende wandte sich nach dem Zimmer zurück und sagte mit voller Bestimmtheit: »Der Wind ist umgesprungen! Der Wetterumschlag ist da!«

»Gott sei Dank!« klang die Antwort einer Dame, die in einem hohen Lehnstuhl saß und jetzt die Handarbeit sinken ließ, mit der sie beschäftigt war. »Diese Landschaft mit ihren endlosen Wäldern ist bei Regenwetter unglaublich melancholisch!«

»Mein Restovicz gefällt dir nicht? Ich habe es vorausgesehen,« entgegnete der Herr, indem er an ihrer Seite Platz nahm.

»Es ist weit großartiger, als ich es mir vorgestellt habe. Du hast dich ja in deinen kurzen, flüchtigen Briefen nie auf Einzelheiten eingelassen, du schriebst nur von einem größeren Gute, das du gekauft hättest. Es klang ja auch ganz stattlich ›Ulrich von Berneck auf Restovicz!‹ Daß du aber hier auf einer förmlichen Herrschaft sitzest, in einem alten Slowenenschlosse und ein ganzes Heer von Leuten kommandierst, das erfahre ich erst jetzt. Wenn das alles nur nicht so düster und fremdartig wäre! Es macht mir einen beinahe unheimlichen Eindruck.«

Die Bemerkung war, wenigstens für die nächste Umgebung, durchaus zutreffend. Das hohe Gemach, mit den dunklen Ledertapeten und tiefen Fensternischen, dessen Einrichtung offenbar noch aus alter Zeit stammte, mochte bei hellem Sonnenschein behaglicher sein. Heut, in dem trüben Lichte des Regennachmittags, sah es sehr düster aus, und der Ausblick in die Nebellandschaft da draußen war auch nicht erheiternd. Die Dame, im dunklen Seidenkleide, ein schwarzes Spitzentuch über dem schon ergrauten Haar, war eine vornehme Erscheinung, aber sehr kühl und gemessen in Haltung und Sprache. Dieselbe kühle beobachtende Ruhe lag auch in dem Blick, der langsam durch das Zimmer glitt und dann auf dem Gutsherrn haften blieb.

Ulrich von Berneck, eine hohe, sehnige Gestalt, war bereits über die Jugend hinaus. Er sah vielleicht älter aus, als er in der That war, und das volle dunkelblonde Haar zeigte schon einen leichten grauen Schimmer an den Schläfen. Das Gesicht wäre anziehend gewesen ohne den Ausdruck herber Verschlossenheit, der ihm ein beinahe feindseliges Gepräge gab. Auch in den dunkelgrauen Augen lag etwas Finsteres, Herbes, und das Lächeln schien diesen Zügen überhaupt fremd zu sein. Er trug die hier allgemein übliche Bergtracht, aber der Anzug wie die Haltung verrieten eine gewisse Nachlässigkeit. Der Mann gab offenbar nicht viel auf äußere Formen, und trotzdem sah man es auf den ersten Blick, daß er den höheren Kreisen angehörte.

»Es ist allerdings nichts für eine verwöhnte Großstädterin,« sagte er, an die letzte Bemerkung anknüpfend. »Ich kenne ja den Geschmack meiner Tante Almers und habe es auch deshalb gar nicht gewagt, sie einzuladen.«

»Nein, du ließest es darauf ankommen, daß ich ungeladen kam – und vielleicht unwillkommen!« erwiderte Frau Almers mit einiger Schärfe.

»Aber Tante, ich bitte dich!«

»Nun, ich wollte doch wenigstens sehen, wo und wie du lebst. Aber, offen gestanden, Ulrich, ich begreife nicht, wie du auf die Idee gekommen bist, dich gerade hier anzukaufen, hier an der Grenze der Kultur, wo du gar keinen Verkehr, gar keine geistige Anregung hast. Wie kannst du das nur aushalten?«

Berneck zuckte die Achseln. »Aushalten? Ich habe bisher so viel zu thun gehabt, daß ich noch gar nicht zum Bewußtsein meiner Einsamkeit gekommen bin. Und ich brauchte vor allen Dingen Arbeit!«

»Die hättest du auch bei uns gefunden. Wenn du nun einmal durchaus nicht in Auenfeld bleiben wolltest, so konntest du ein anderes Gut in der Heimat kaufen und es selbst bewirtschaften.«

»Jawohl, eins von unseren Mustergütern!« spottete Ulrich. »Wo es das ganze Jahr nach der Schablone geht und jeder Inspektor den Herrn ersetzen kann, weil es nur darauf ankommt, die Arbeitsmaschine in Gang zu halten. Das ist ja sehr bequem und behaglich, aber es füllt doch nicht das Leben aus!«

»Es hat doch früher das deinige ausgefüllt,« warf Frau Almers ein.

»Auenfeld war meine Heimat, da war ich geboren und aufgewachsen. Das liebt man doch!«

»Und trotzdem hast du es aufgegeben? Ulrich, ich begreife ja, daß jener unselige Vorfall dich schwer getroffen hat. Aber deshalb Haus und Hof verkaufen, mit all den früheren Beziehungen brechen und in die Fremde hinausgehen – das geht wirklich zu weit. Du warst doch schuldlos an der ganzen Sache und konntest –«

»Schweig! Ich bitte dich!« unterbrach Berneck sie jäh und mit so wild auflodernder Heftigkeit, daß sie verstummte. Er war aufgesprungen und trat mit einer stürmischen Bewegung wieder an die offene Thür. Die Tante schüttelte mehr unwillig als erschrocken den Kopf.

»Hast du das noch immer nicht überwunden?« fragte sie halblaut.

»Nein!« klang es dumpf zurück.

»So lassen wir es ruhen! In dem Punkte ist nun einmal nicht mit dir zu rechten, sprechen wir von anderen Dingen! – Ich begreife nicht, daß Paula sich noch nicht gemeldet hat, sie weiß es doch, daß sie zur Theestunde zurück sein muß.«

Frau Almers wechselte den Gegenstand des Gespräches so ruhig, als sei ihr das jähe Auffahren ihres Neffen völlig entgangen. Er wandte sich langsam um und nahm seinen früheren Platz wieder ein, aber es stand eine finstere Falte auf seiner Stirn.

»Fräulein Dietwald scheut weder Wind noch Wetter,« sagte er, sich zu dem gleichen Ton zwingend. »Ich sah sie vor zwei Stunden fortgehen, mitten im Regensturm, und das schien ihr außerordentlichen Spaß zu machen.«

»Ja, sie ist noch ein halbes Kind, eigentlich viel zu jung für die Stellung einer Gesellschafterin. Ich muß da vieles übersehen und habe oft genug zu tadeln, aber hier lagen besondere Verhältnisse vor. Paulas Mutter war meine Jugendfreundin und hat eine Thorheit, die sie mit siebzehn Jahren beging, ihr ganzes Leben lang büßen müssen. Sie hätte eine sehr gute Partie machen können, aber sie schlug das aus und schloß eine sogenannte Liebesheirat, mit einem blutarmen Künstler. Das rächte sich natürlich. Ihre ganze Ehe war nur eine Kette von Sorgen und Enttäuschungen, und als der Mann starb, blieb sie in voller Armut zurück.«

In der kurzen Schilderung lag das ganze tragische Schicksal einer Frau, die ihre Liebe über die Berechnung gestellt und das nun »gebüßt« hatte. Aber Frau Almers erzählte es so gelassen wie jede andere Geschichte, sie schien diesen Ausgang ganz natürlich zu finden. Berneck erwiderte nichts, aber die Falten auf seiner Stirn vertieften sich nur noch mehr, während seine Tante fortfuhr: »Ich habe mich natürlich ihrer angenommen und sie unterstützt, und als Paula nach ihrem Tode ganz verwaist zurückblieb, nahm ich sie in mein Haus. Die Stelle meiner Gesellschafterin war ohnehin frei geworden, aber mir bleibt da, wie gesagt, noch manches zu wünschen übrig. Es stört dich doch nicht, daß ich das junge Mädchen mitgebracht habe? Ich bin so an eine Begleiterin gewöhnt.«

Sie warf die letzten Worte anscheinend ganz absichtslos hin, aber der scharfe, beobachtende Blick wich dabei nicht von dem Gesicht ihres Neffen, der sich jetzt mit einer raschen Bewegung emporrichtete.

»Spielen wir doch keine Komödie miteinander, Tante! Denkst du, ich weiß es nicht längst, weshalb du nach Restovicz gekommen bist, und weshalb du Paula Dietwald mitgebracht hast?«

»Wenn du es weißt – um so besser!« erklärte die Dame, ohne im mindesten aus der Fassung zu geraten. »Dann darf ich wohl auch offen sein und dir sagen, ich habe es längst bemerkt, daß du nicht gleichgültig geblieben bist.«

Berneck widersprach nicht, aber er antwortete auch nicht, sondern verharrte in seinem Schweigen.

»Du hast noch keinen Entschluß gefaßt? Ich finde das begreiflich, in deinen Jahren entscheidet man sich nicht so schnell; jetzt aber wirst du es doch thun müssen, denn unser Aufenthalt naht sich seinem Ende. Wenn du das Mädchen liebst – es liegt ja kein Hindernis vor – warum sprichst du dann nicht?«

»Weil ich nicht eine bloße Figur sein will in deinem Spiel, die von deiner Hand hin und her geschoben wird.«

»Ulrich!« Die Mahnung klang sehr unwillig, aber er fuhr mit voller Gereiztheit fort: »Nun ja, Tante, dir ist das Leben ja immer nur eine Art Schachspiel gewesen, wo man jeden Zug klug berechnet. Hier aber sind deine Figuren Menschen, die doch auch ihren Willen haben. Nimm dich in acht – du könntest diesmal matt gesetzt werden!«

»Von wem?« fragte Frau Almers mit unzerstörbarer Ruhe. »Willst du den Eigensinn so weit treiben, deine Neigung zu bekämpfen, nur weil der Plan in meinem Kopfe entstand? Das sähe dir schon ähnlich!«

»Ich sprach nicht von mir, sondern von deiner jungen Schutzbefohlenen.«

»Von Paula? Nun, da ist doch sicher kein Widerstand zu erwarten. Sie wird deine Werbung als das aufnehmen, was sie in der That ist für eine arme, abhängige Waise: als ein großes, unverhofftes Glück.«

»O gewiß!« sagte Ulrich mit tiefster Bitterkeit. »Sie wird vermutlich Ja sagen, um dieser Abhängigkeit zu entrinnen und eine reiche Frau zu werden. Der Gatte – nun, der wird dann als unvermeidliche Zugabe mit in Kauf genommen. Denkst du, daß ich das ertragen könnte?«

Frau Almers zuckte die Achseln. »Du mußt immer alles gleich auf die Spitze treiben! Unsere jungen Mädchen sind überhaupt nicht mehr romantisch veranlagt, und ich halte das für ein Glück, denn ich habe an Paulas Mutter ein trauriges Beispiel, wohin diese romantische Liebe führt, die nicht mit der Wirklichkeit und den Verhältnissen rechnet. Ich und deine Mutter, wir folgten bei unserer Vermählung in erster Linie den Wünschen unserer Eltern und haben das nie bereut. Paula wird sich dir völlig unterordnen, und das brauchst du, denn ein Mädchen, das Ansprüche machen kann, vergräbt sich nicht mit dir in diese Einsamkeit und hält nicht deine oft so düsteren Launen aus.«

»Das weiß ich, und deshalb ist es besser, ich bleibe allein!« sagte Berneck herb. »Warum willst du mich denn durchaus verheiraten?«

»Weil du auf dem Wege bist, ein ausgemachter Menschenfeind zu werden,« erklärte Frau Almers mit Nachdruck. »Weil du verwilderst, wenn du dich hier völlig einspinnst und nur mit deinen Untergebenen verkehrst. Du bist der einzige Sohn meiner Schwester und, da ich kinderlos bin, nach meinem Tode auch mein Erbe. Da habe ich wohl das Recht, einzugreifen. Wenn du mir einen Vorwurf daraus machen willst – ich werde ihn tragen!«

Die Worte hatten zum erstenmal einen Anflug wirklicher Wärme und Herzlichkeit. Man sah es deutlich: was diese Frau überhaupt an Herz besaß, das gehörte ihrem Neffen, dem einzigen, der ihr wirklich nahe stand. Das verfehlte nicht seinen Eindruck auf Ulrich, seine Stirn hellte sich auf und seine Stimme klang um vieles milder, als er antwortete: »Verzeih, Tante, du meinst es gut, aber was soll ich denn anfangen mit einer Frau, die nur Sonnenschein und Freude vom Leben verlangt? Paula fürchtet mich ja! Ich sehe es deutlich genug, wie scheu und befangen sie in meiner Gegenwart ist. Wenn ich nicht wüßte, wie sie mit dem alten Ullmann und den Schloßleuten verkehrt, ich würde ihr wahres Wesen gar nicht kennen.«

»Das ist deine eigene Schuld, du bist ihr gegenüber ja noch ernster und schweigsamer als sonst. Das Mädchen ahnt nichts von deiner Neigung. Wenn du es wünschest, werde ich mit ihr reden und dir dann –«

»Nein, nein!« fiel Berneck heftig ein. »Denkst du, ich bin nicht Manns genug, mir selbst die Entscheidung zu holen? Deute ihr nichts an! Ich will ihr Ja nicht der Ueberredung verdanken.«

»Wie du willst!« Frau Almers stand auf und legte ihre Handarbeit zusammen. »Dann zögere aber auch nicht länger mit deinem Entschluß. Ich habe noch einen Brief zu schreiben, werde aber zur Theestunde wieder hier sein. Also um fünf Uhr, wie gewöhnlich.«

Damit verließ sie das Zimmer. Die kluge Frau wußte sehr genau, daß jeder weitere Versuch, ihren Neffen zu beeinflussen, nur die entgegengesetzte Wirkung haben würde, aber sie hatte auch genug gesehen, um zu wissen, daß ihre Berechnung über Erwarten geglückt war. –

Als Ulrich von Berneck allein war, begann er langsam, aber unaufhörlich im Zimmer auf und nieder zu schreiten. Er wußte am besten, wie wenig seine düstere, verschlossene Natur für ein häusliches Glück geeignet war. Er hatte ja allein bleiben wollen, hatte seinen ganzen Lebensplan darauf gegründet, und nun kam solch ein junges Wesen mit lachenden Augen, und alle Vorsätze und Pläne zerstoben wie Spreu vor dem Winde. Man sah es, der Mann kämpfte schwer mit sich selber bei dieser stummen, rastlosen Wanderung. Der Unterschied der Jahre, die grenzenlose Verschiedenheit der Charaktere, der immer wiederkehrende Gedanke, daß er das Jawort, an dem er ja auch nicht zweifelte, nur seinem Reichtum, seiner Lebensstellung verdanken werde, das alles wühlte und gärte in ihm, und endlich sagte er halblaut: »Nein! Das wäre eine Thorheit – würde ein Unglück – Nein!«

Da klang draußen vom Garten her ein Lachen, so hell und frisch, wie es nur die Jugend kennt, und Ulrichs Fuß schien plötzlich am Boden zu wurzeln. Langsam wandte er das Haupt nach jener Richtung, und das herbe Nein!, das er eben gesprochen, wollte nicht standhalten vor jenem Laut. Frau Almers irrte doch, wenn sie nur eine Neigung bei ihrem Neffen voraussetzte. Das war mehr, das war eine Leidenschaft, gegen die sich seine Vernunft vergebens aufbäumte, sie war mächtiger als Wille und Kraft und behauptete auch jetzt ihr Recht. Sie flüsterte ihm zu, daß es feig sei, dem Entschluß aus dem Wege zu gehen, nicht einmal die entscheidende Frage zu stellen, und Ulrich wollte nicht feig sein. Mit einem raschen Entschluß richtete er sich empor und verließ das Zimmer.

Am Fuße der Terrasse stand ein alter weißhaariger Mann und sprach in einem halb respektvollen, halb väterlichen Tone zu dem jungen Mädchen, das sich, ganz unbekümmert um die Nässe, auf den Sockel der steinernen Treppe gesetzt hatte.

»Nein, Fräulein Paula, das ist zu arg! Da oben im Dollinawalde sind Sie gewesen? Bei diesem Wetter? Ich war ein einziges Mal da, aber ich probiere die Geschichte nicht zum zweitenmal. Das ist ja ein wahrer Gemsensteig, der von da zum See hinunterführt, Hals und Beine kann man dabei brechen!«

»Ja, ich habe auch so etwas von einer Gemsennatur!« lachte Paula. »Vorläufig habe ich all meine Gliedmaßen noch beisammen, naß bin ich freilich geworden, naß wie eine Wassernixe! Da schauen Sie nur her, Ullmann!«

Sie nahm das Filzhütchen ab und schwenkte es, so daß das in der Krempe angesammelte Wasser nach allen Richtungen sprühte. Ihr Anzug, ein dunkles, hochgeschürztes Lodenkleid und ein Jäckchen von dem gleichen Stoff, war allerdings reichlich getränkt mit Nässe, denn der Schirm, den sie in der Hand trug, hatte offenbar nur als Bergstock gedient, er zeigte noch die Spuren des aufgeweichten Bodens.

Die zierliche, geschmeidige Gestalt des jungen Mädchens hatte in der That etwas von dem schlanken, scheuen Wild des Hochgebirges. Das krause, dunkle Haar war noch feucht vom Regen, zerweht vom Winde, das Antlitz heiß gerötet von der Kletterpartie, und die Augen strahlten in dem ganzen hoffnungsfreudigen Glück der Jugend, der die Zukunft noch alles verheißt. Paula Dietwald war, ohne eigentlich schön zu sein, doch eine ungemein liebreizende Erscheinung, und als jetzt der erste Sonnenstrahl durch das Gewölk brach und einen leuchtenden Blitz über See und Berge hinsandte, da jubelte sie auf wie ein Kind: »Ach, die Sonne! Da ist sie endlich wieder!« »Es ist auch Zeit, sie hat fast eine Woche lang in den Wolken gesteckt,« sagte Ullmann. »Viel haben Sie nicht gehabt hier in Restovicz, Fräulein Paula, das Wetter war ja immer rauh und unfreundlich.«

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