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Herzog Theodor von Gothland

Christian Dietrich Grabbe: Herzog Theodor von Gothland - Kapitel 26
Quellenangabe
typetragedy
titleHerzog Theodor von Gothland
authorChristian Dietrich Grabbe
year1993
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000201-X
pages3-211
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1822
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Zweite Szene

Ein offner Platz zwischen dem finnischen und schwedischen Lager. – Nacht

(Irnak tritt auf; gleich darauf kommt Usbek.)

Irnak.
Wer geht da? – Wie? Bist du es Usbek?
Es ist mir lieb, daß ich dich treffe!

Usbek.
Mein Diener hat mich aufgeweckt; er sagte,
Man säh am Himmel blutge Meteore
Und gräßliche Erscheinungen!

Irnak.
Ja,
Die Nacht ist unheilschwanger –
– Wisse! die Schweden haben etwas vor; sie
Sind alle wach; – schon seit 'ner Viertelstunde
Umschleiche ich ihr Lager –
Sie legen sich die Panzer an!

Usbek.
Die Panzer?
Irnak! mir ahnt nichts Gutes!

Irnak.
Und
Mir auch nicht! Dieser Gothland, den
Wir uns in unsrem Wahnsinne
Zum König wählten, haßt uns, und
Ich traue ihm das Schlimmste zu – Doch still!
Ich höre Schritte! (Gustav tritt auf.) Es ist Gothlands Sohn!

Usbek.
Den senden uns die Götter! Ich
Will ihn verhaften!

Irnak.
Laß das erst!
Er kommt vielleicht um seinen Vater zu
Verraten.

Usbek.
Wie? So unnatürlich schurkisch wird
Er doch nicht sein?

Irnak.
Wer weiß, Berdoa hat
Ihn in der Schul gehabt!

Gustav (die beiden gewahrend).
Ha, seid ihr es?
Ich hab euch Wichtiges zu sagen!

Irnak.
Was denn?

Gustav.
Ihr wißt auf welche schnöde Art mein Vater
Durch Rossan mich beschimpfen ließ!

Irnak.
Wir wissen es nur allzu gut!

Gustav.
Jetzt räch ich mich an ihm und zwar durch euch!

Irnak.
Durch uns?

Gustav.
Ja, Irnak! Höre nur!
Mein guter Vater hat den Plan gefaßt,
Das ganze Finnenheer noch heute nacht
Dem Schwerte seiner Schweden auszuliefern!

Usbek.
Entsetzlich! greulich! greulich!

Irnak.
Was?
Das ganze – (O die Zunge wird mir lahm!)
Das ganze Heer der Finnen?

Gustav.
Rossan ist
Der Einzge, welchen man vielleicht
Verschont!

Usbek.
O wenn der Mohr nur noch
An unsrer Spitze stände!

Gustav.
Rossan hat
Befehl, ihn hinzurichten.

Usbek.
Wohl,
So gilt es, daß wir uns auch ohne ihn
Verteidgen! (Er will abgehn.)

Irnak (hält ihn zurück).
Geh nicht!
Dort in dem nächsten schwedschen Zelte
Spricht jemand! Horch!

Rossan (im Zelte).
Mohr, wache auf!

Berdoa.
Wer weckt mich?

Rossan.
Dein Feind, du afrikan'scher Affe! Er
Will dir den übermütgen Kopf abschneiden!

Usbek, Irnak und Gustav.
Ho, Hund! das wollen wir dir wehren!

(Sie stürzen mit gezogenen Schwertern in das Zelt; kurzes Gefecht; Rossan fällt und stößt einen Todesschrei aus; Usbek, Irnak und Gustav kommen mit Berdoa, welcher noch gefesselt ist, zurück.)

Berdoa.
Reißt mir die Ketten ab! (Es geschieht.) Ich bin befreit!
Ich werd euch ewig dankbar sein!

Usbek.
Wir haben dich gerettet,
Jetzt rette uns!

Berdoa.
Wovon?

Usbek.
Vom Untergange!
Der König Gothland will heut nacht
Die finnische Armee ermorden lassen!

Berdoa.
Von wem erfuhrt ihr das?

Usbek (auf Gustav deutend).
Sein Sohn verriet ihn.

Berdoa.
Sein Sohn? Das ist ja herrlich! (Zu Gustav.) Laß
Dich küssen, Goldjunge! (Beiseit.) Das muß ich sagen!
Dem Rangen hat meine Lehr gefruchtet!
Er ist ein wahrer Bösewicht
Gewor – (laut, indem er ihn umarmt) An meine Brust! an meine Brust!
Du bist mein Herzblatt! (Beiseit.) Sicher höre ich
Ihn einstens in der Hölle jammern!
(Laut.) An dir erlebe ich noch meine rechte Freude!
(Beiseit.) Der kleine sechzehnjährge Teufel! (Laut.) Ei, du Engel!
Du Zuckerpüppchen!

(Er streichelt und liebkoset ihn. – Geräusch hinter der Szene.)

Usbek.
Horch! welch seltsames
Geräusch! Es klingt beinah, als wenn
Zehntausend Schnitter ihre Sensen schliffen!

Irnak.
Es sind Arbogas Scharen!
Sie wetzen sich zu unsrem Mord die Degen!

Berdoa (horcht auf).
Fürwahr, so ists! – Es gilt Entschlossenheit:
Harnische angezogen, – Äxte in
Die Fäuste! Dolche an die Hüfte!
Erweckt die Finnen aus dem Schlafe!
Stellt sie in Schlachtordnung zusammen!
Und während (zu Usbek) du mit ihnen dem
Arboga widerstehst, will ich
Mit Irnak und sechs andren Hauptleuten
Mich durch das Schwedenlager schleichen,
Den König Gothland, eh er sichs versieht,
In seinem eignen Zelt umzingeln, und
Gefangen ihn von dannen führen!

Gustav.
Hihihi! dann wird der Herr Vater einsehn, daß
Man mich nicht ungestraft verletzt!

Berdoa.
Ja!
Dann wird ers einsehn! – – O du Zuckerpüppchen!
Du Engel! Wie du mich entzückst! Ich könnte
Dich jahrelang umarmen! – – Kommt!

(Gehen ab.)

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