Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Elisa von der Recke >

Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau

Elisa von der Recke: Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau - Kapitel 26
Quellenangabe
pfad/recke/edelfrau/edelfrau.xml
typemisc
authorElisa von der Recke
titleHerzensgeschichten einer baltischen Edelfrau
publisherVerlag Robert Lutz
printrunVierte Auflage
editorHeinrich Conrad
year1918
firstpub1900
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100312
projectid79c67d49
Schließen

Navigation:

Vierundzwanzigstes Kapitel

Besuch von Recke. Reise nach Remten. Recke zerreißt eine alte Obligation. Nachricht, daß Brinck in den letzten Zügen liegt. Ich gebe meiner Stiefmutter das Versprechen, Recke zu heiraten. Wir werden versprochen.

Meine Stiefmutter machte den Vorschlag, daß es schicklicher sei, Altautz zu verlassen und nach Remten zu reisen, um dem Grafen auch durch diese Entfernung zu verstehen zu geben, daß selbst meine Eltern wünschten, daß er seine Bewerbung aufgeben möge. Die Reise wurde festgesetzt, und auch zugleich beschlossen, daß wir den ganzen Herbst und Winter in Remten bleiben wollten, weil es mit meiner Großmutter eine starke Familienszene abgeben würde, daß eine so glänzende Heirat ausgeschlagen worden sei. Nun gewohnt, des Winters in der Hauptstadt zu glänzen, war es mir ein drückender Gedanke, den ganzen Winter in ländlicher Einsamkeit zu verbringen. Ich dachte eben an einem trüben Novemberabend über den langen, traurigen Winter nach, der mir bevorstünde, als das Gebell der Hunde mich aus meinen Gedanken weckte, man uns Fremde ankündigte und gleich darauf Recke und sein Freund Lieven in den halb dunklen Saal traten. Ich erkannte den langen, starken und den kleinen Mann sogleich, trotz der Abenddämmerung; ein kalter Schauer überfiel mich, ich glaubte in die Knie zu sinken, eine ängstliche Vorstellung folgte der anderen, doch suchte ich mich zu fassen. Licht wurde gebracht, meine Eltern bewillkommneten ihre Gäste mit Herzlichkeit, Lieven unterhielt sich mit mir, und Recke sprach mit meinen Eltern. Nie hatte ich einen so langen und ängstlichen Abend im Hause meiner Eltern gehabt. Ich segnete den Augenblick, als ich in mein Zimmer trat und mich zu Bette legte. Die Freude, die Recke über unsere Reise nach Remten geäußert hatte, erschreckte mich. Des anderen Morgens frühstückte meine Stiefmutter nur mit mir und meiner Schwester, denn mein Vater frühstückte mit seinen Gästen. Meine Stiefmutter ergoß sich im Lobe ihres Neffen, sagte, der habe doch noch echten teutschen Biedersinn; ihm fehle nichts als Politur, um einer der interessantesten Männer zu sein. Sie fand, daß er ihrem verstorbenen Manne sehr ähnle! Dann sprach sie von den herrlichen Gegenden um Neuenburg, den seligen Tagen, die sie da gelebt habe. Ich hörte, ängstlich schlug mein Herz, aber ich erwiderte nichts. In der elften Morgenstunde saß ich in meinem Zimmer allein, schrieb meiner Freundin Lisette meinen Schmerz, daß ich weder sie noch unseren lieben Bruder Taube diesen Winter sehen würde; da ging meine Türe auf, meine Stiefmutter trat mit ihrem Neffen hinein, machte die Türe hinter sich zu und sprach so ungefähr zu mir: »Urteile du selbst, mein Kind, wie ich als Mutter gegen dich gehandelt habe. Wärst du mein leibliches Kind, ich könnte dich nicht mehr lieben. Dein Glück ist mir heilig! Aber du weißt es auch, wie sehr ich meinen verstorbenen Mann liebte. Dieser Neffe war sein Liebling, er liebte ihn als seinen Sohn! Ich ehre noch die Asche meines verstorbenen Mannes dadurch, daß ich in diesem Augenblicke den Wunsch seines Neffen erfülle. Er liebt dich, du bist seine erste Liebe, wirst seine letzte Liebe sein! Ich weiß, daß er jetzt noch keine Interesse für dich hat. Auch kann ein Mann von soliden Eigenschaften einem so jungen Kinde, als du bist, jetzt noch nicht gefallen, aber da wir dich nicht vor dem zwanzigsten Jahre verheiraten wollen, so kann deine Neigung bis dahin sich noch verändern. Alles, was ich von dir fordere, ist, daß die Absicht meines Neffen niemanden bekannt werde. Dein Vater, der sich keinen Schwiegersohn so sehr, als diesen wünscht, ist darin mit mir übereingekommen, daß, falls dein Herz sich in der Folge nicht für Recken bestimmen kann, es wenigstens nicht bekannt werde, daß er um dich geworben hat. Ich bin es der Asche meines verstorbenen Mannes schuldig, daß ich durch diese Delikatesse für seinen Neffen sein Andenken in der Gruft ehre, aber wenn Recke auch mein einziger Sohn wäre, so würde ich dich, mein Lottchen, nie zu dieser Heirat bereden, sondern dich immer bitten, dein Herz recht zu prüfen und dann nur den Gründen der Vernunft zu folgen,«

Ich zitterte am ganzen Leibe, aber auch Recke wurde blaß und zitterte. Doch suchte ich mich zu fassen und versicherte, daß ich gewiß nie über den Antrag, der mir gemacht worden sei, irgend jemanden etwas sagen würde. Recke selbst sprach kein Wort, sondern küßte meine Hand, wedelte sich mit seinem blauen, großen Schnupftuche, und so war der mir fürchterliche und bittere Antrag erneuert worden. Meine Stiefmutter und Recke verließen das Zimmer. Ich stürzte, als ich allein war, auf die Knie, flehte mit Tränen gen Himmel und bat Gott, mir aus diesem übeln Handel hinauszuhelfen. Indessen ritt mein Vater mit Recke in der Wirtschaft umher, Lieven blieb bei uns; ich war ernst und nachdenkend, hätte mir nun gerne Kettler zurückgewünscht, doch fehlte mir es an Herz, meinen Eltern dies zu sagen. Aber das Herz faßte ich, meine Stiefmutter flehentlich zu bitten, mich von dem Leiden zu befreien, daß Recke mir jemals seinen Antrag erneuere. Meine Stiefmutter sagte, sie würde ihr Möglichstes tun, um meinen Wunsch zu erfüllen, aber meinem Vater sollte ich diese kindische Abneigung gegen einen Mann, den er hochachte, nie zeigen, denn das würde ein Nagel zu seinem Sarge sein. Auch wäre die ganze Sache so eingeleitet, daß noch beinahe sechs Jahre Zeit wären, ehe ich zu entscheiden brauche, und in sechs Jahren könne sich viel verändern. Vielleicht wäre es auch nur ein flüchtiger Gedanke von Recke, den die Zeit in seiner Seele verwischen würde; ich sollte nur wieder heiter und so vertrauungsvoll, wie sonst, gegen sie sein. Dies Gespräch mit meiner Stiefmutter hatte mich beruhigt. – Nach Mittagstafel ritten die beiden Freunde nach Neuenburg zurück, und mein Vater sprach mit vieler Achtung von Recke und seinen wirtschaftlichen Kenntnissen und setzte das hinzu: »Ja, wenn Kettler ein Mann von solchem Charakter gewesen wäre, dann hätte ich die Heirat als das größte Lebensglück für mich betrachtet, denn Lottchen gut versorgt zu wissen, gehört unter meine innigsten Wünsche.« – Ich antwortete nichts, aber abends und morgens hörte ich meinen Vater den Wunsch äußern, daß Recke sein Schwiegersohn würde; bisweilen entfielen mir einige Tränen. Meine Stiefmutter schloß mich, wenn sie dies bemerkte, in ihre Arme und sagte, sie wisse gar nicht, wie sie ohne mich würde leben können. Freilich, Neuenburg sei nur zwei Meilen von Remten, vier von Altautz; diese Nähe würde sie beruhigen, und wir könnten, wenn ich Frau von Neuenburg wäre, uns wenigstens wöchentlich sehen. Aber vor dem zwanzigsten Jahre gebe sie mich durchaus nicht von sich.

Unsere Reise nach Remten wurde angetreten, aber ehe wir abreisten, hatte Recke in der Zeit von sechs Tagen durch Boten zweimal an meine Eltern und mich geschrieben. Er schrieb sehr gut; seine Briefe waren voll leidenschaftlicher Liebe und voll der Versicherung, daß mein Glück das Studium seines Lebens sein sollte. Meine Antworten leitete meine Stiefmutter, der ich dann immer offenherzig sagte, daß ich sie um Gotteswillen bäte, die Sache mit Recke so bald und still als möglich zu beendigen. Ich wollte Igelströhm, Rönne oder Grotthuß nehmen, welchen meine Eltern wollten; Behr aus Popen wäre doch auch noch da. Alle diese Herren wären reich, sie würden sich es gewiß auch gefallen lassen, bis zu meinem zwanzigsten Jahre zu warten, denn Kettler und seine Mutter hätte ja auch mein achtzehntes Jahr erwarten wollen. Aber wenn ich nur von ferne Recke seinen Fußtritt hörte, wenn er spräche, auch ohne daß ich ihn sähe, dann ergriffe mich ein unangenehmes Gefühl, und ich wünschte, Gott weiß wo lieber, als in seiner Nähe zu sein. Und wenn ich seine wilde, gebieterische Figur obendrein erblickte, nun, dann wäre mir recht so zumute, wie in meiner Kindheit, wenn Großschwester mich gepeiniget habe. – Meine Stiefmutter lächelte und sagte, ich sollte nur fortfahren, ihr alles, was in mir vorginge, auseinanderzusetzen; sie würde mich bis zum Ziele meiner Verheiratung, und wenn ich wolle, auch weiter hinaus so lenken, leiten und führen, wie von dem Augenblicke an, da ich es nicht gewagt hätte, zum offenen Wagenfenster hinauszusehen, und da ich überzeugt gewesen sei, kein Gedächtnis zu haben. Ich sollte nur bedenken, wie eingeschränkt mein Gedankenkreis da gewesen, und welche Genüsse und welcher Beifall der Menschen seitdem mein geworden wären. So würde mir es auch gewiß in der Folge meines Lebens ergehen, wenn ich mich ihrer Leitung, so unbedingt wie jetzt überlassen wollte. Daß Recke mir durch sein rohes Wesen zuwider sei, wäre natürlich, denn er habe ein ganz vernachlässigtes Äußere und so bekäme seine schöne, männliche Figur etwas rauh Gebieterisches, aber ich sollte nur bedenken, daß er nie eine gute Erziehung gehabt hätte, von seinem ersten bis zu seinem siebzehnten Jahre bloß unter Hunden und Dienstboten gelebt und es gesehen habe, wie seine Eltern im beständigen Zwist lebten. Da habe sein Vater ihn in preußische Dienste geschickt, dort sei sein erstes Leben in einer kleinen, preußischen Garnison dahingeflossen. Dann habe er den Siebenjährigen Krieg mitgemacht, sei als russischer Gefangener nach Kurland gebracht, habe bald darauf seinen Vater verloren und von seinem siebenundzwanzigsten bis jetzt zu seinem vierunddreißigsten Jahre habe er bloß als Sultan auf seinen Gütern gelebt, ohne alle seine Gesellschaft. Dazu gehöre wirklich eine starke Geisteskraft, um sich bei der Lebensart so zu bilden, daß man Briefe schreiben könne, wie Recke. Ein paar Jahre Umgang mit der großen Welt würden Recke gewiß so interessant machen, als Brinck und Taube wären, und dann würde sein wildes Äußere anmutsvoll werden. Ich sollte nur bedenken, was durch die Politur der großen Welt aus mir geworden sei, und so würde auch Recke eine ganz andere Figur spielen, wenn auch nur für das erste Schuster, Schneider und Friseur seine äußere Form umbilden. Ich möchte ja nicht durch vorgefaßte Meinungen meinen Entschluß leiten lassen, sondern sehen, was die Zeit bewirkt. Bereden würde sie mich zu dieser Heirat nie, aber sie selbst würde neu aufleben, wenn ihr liebes Lottchen einst ihren Namen führen würde, unter welchem sie so glückliche Tage genossen und den Namen der klugen Frau von der Recke erworben habe. Welche Ehre im Lande würde es mir machen, wenn ich den wilden, menschenscheuen Einsiedler zum liebenswürdigen Gesellschafter umbilden könnte. Solche und ähnliche Gespräche hielt meine Stiefmutter täglich.

Kaum waren wir in Remten, so war auch Recke mit seinem Freunde Lieven bei uns, denn nun zog er von Neuenburg auf sein Nebengut Georgenhof hin; dies lag nur eine Meile von Remten, und da kam er jagdweise oft zu uns. In seiner Kleidung war eine merkliche Veränderung vorgefallen, die meiner Stiefmutter große Freude machte; mir aber blieb Recke durchaus zuwider. Auch sprach er nie mit mir, sah mich mit seinen großen, feurigen Augen so starr an, daß mir angst und bang wurde. Meine Stiefmutter erklärte sein Stillschweigen, das an Stummsein grenzte, für Übermaß der Liebe, die selbst klugen Leuten etwas Tölpisches gebe.

Sie versicherte, daß noch keiner mich so innig, als Recke, geliebt habe; dies könne sie am besten beurteilen, da sie wisse, was Liebe ist, und dreimal geheiratet hätte. Dann sagte sie mir wieder, welche Obergewalt eine Frau habe, die mehr geliebt würde, als sie liebe; die könne dann ihren Mann ganz beherrschen. Wenn ich dagegen mit Wehmut versicherte, daß ich nicht herrschen, sondern einen klugen Mann lieben und ehren, auch von ihm wieder geliebt werden möchte, dann versicherte sie mir, daß sich dies in Romanen und Schauspielen gut lesen ließe, aber in der wirklichen Welt wären die Ehen anders beschaffen. So reich sein, daß man immer ein gutes, offenes Haus halten, interessante Menschen um sich her versammeln könne, sei der eigentliche Lebensgenuß. – Ein alter Verwandter von Recke und von meiner Stiefmutter war auch bei uns. Dieser hatte durch seinen Hang zur Alchimie sein ganzes Vermögen verloren und war Recke seit langen Jahren zehntausend Gulden schuldig. Als Recke einen Mittag zu uns herübergeritten kam, brachte er die Obligation des alten Buttlar mit, überlieferte sie ihm mit dem Ausdruck ›Zerreißen‹; er freue sich, daß er reich genug sei, um seine Sorgen etwas zu vermindern. Die Freude des Alchimisten war ausnehmend und Recke gewann durch diesen Zug mehr bei mir, als durch seine veränderte Toilette, die doch immer noch sehr geschmacklos blieb. Zum ersten Male gab ich dem Gedanken Raum, daß meine Stiefmutter doch wohl Recht haben könne, und daß an Recke nur die äußere Schale rauh, der Kern aber mild und gut sein möge. Meine Stiefmutter und Buttlar ergossen sich täglich in Lobsprüchen über Recke, und mein guter Vater versicherte dann, daß er nur wenige Menschen so innig, als Recke, liebe.

Wenige Tage nach der Geschichte der Obligation bekam mein Vater von Schwander einen Brief, in welchem dieser ihm im Ausdrucke des tiefsten Schmerzes mitteilte, daß Brinck einen so heftigen Blutsturz gehabt hatte, daß es nun entschieden sei, daß sein Freund den Frühling nicht erleben könne. Er habe nicht mehr die Kraft, seinen Körper umherzutragen, aber seine Seele sei heiter und gefaßt, und die Stunden mit seinem sterbenden Freunde wären für ihn wahre Sokratische Genüsse; so gepreßt sein Herz durch den Gedanken seines nahen Verlustes sei, so gestärkt fühle er sich nach jedem Gespräche mit seinem langsam sterbenden Zögling. Mein Vater konnte sich, als er uns den Brief vorlas, der Tränen nicht enthalten; die meinigen flossen wider meinen Willen; als mein Vater den Brief geendiget hatte, stand er auf, drückte mich bewegt an sein Herz und verließ das Zimmer; nun schluchzte ich laut, warf mich meiner Stiefmutter in die Arme. Sie tröstete mich und weinte mit mir, sagte: nur darum sei sie dieser Heirat entgegengewesen, weil sie immer Brinckens frühen Tod gefürchtet habe.

Nun kam sie wieder auf Recke, sagte, ich hätte meinen Vater so betrübt über den nahen Tod seines Freundes gesehen; in meiner Macht stünde es, seinen Schmerz in Freude zu verwandeln, wenn ich ihm den Schwiegersohn gäbe, den er sich wünsche. Der Mann, den ich hätte lieben können, stürbe jetzt, alle anderen Männer wären mir doch gleichgültig. Ich hätte ja sogar Kettler aus Liebe zu seiner Mutter heiraten wollen, die Neuenburgschen Güter wären so nahe bei Remten, Recke hätte einen so großmütigen Charakter und würde, wenn wir öffentlich versprochen wären, bald die Politur der großen Welt annehmen, und meine Ehe würde gesegnet sein, weil ich als ein gutes, folgsames Kind den Wünschen meiner Eltern Gehör gegeben hätte. Weinend sagte ich: »Ja, Mutterchen! ich will Recke heiraten, wenn Sie glauben, daß ich glücklich sein werde, und wenn Sie mir versprechen, daß die Hochzeit nicht vor meinem zwanzigsten Jahre ist,« Mit innigsten Segenswünschen drückte meine Stiefmutter mich an ihr Herz, rief meinen Vater, sagte diesem meinen Entschluß; mein Vater küßte meine Hände, segnete mich liebevoll. Schnell fertigte meine Stiefmutter den Boten nach Georgenhof ab; ehe zwei Stunden verflossen, war Recke da. Die Freude meiner Eltern, der Schmerz über Brinck seinen Tod hatten mich so übertäubt, daß ich selbst nicht wußte, wie mir war.

Als ich Recke sah, ergriff mich meine alte Furcht und Angst, mein Widerwillen gegen ihn; aber ich hatte nun das Herz nicht, mein Wort zurück zu nehmen. Meine Stiefmutter sagte Recke, die Geschichte der zehntausend Gulden habe mein Herz erweicht, mir eine solche Achtung für ihn eingeflößt, daß ich ihm mein Jawort gebe. Aber vor meinem zwanzigsten Jahre sollte die Hochzeit nicht sein, und da sie mich für die große Welt erzogen habe, so fordere sie von ihm die feierliche Versicherung, daß er alle Winter ein paar Monate mit mir in der Stadt lebe und Haus hielte, wie mein Vater und sein verstorbener Oheim mit ihr Haus gehalten habe. Auch sollte er von dem Augenblicke an, da er mit mir versprochen würde, den Hof und große Gesellschaften besuchen. – Recke versprach alles; unsere Hände wurden ineinander gelegt, und beide meine Eltern segneten uns als ihre verlobten Kinder. Ich wußte nicht, wie mir war, und konnte mich der Tränen nicht enthalten. Ich sah die Freude meiner Eltern, dies tröstete mich; aber die schwere Angst meiner Seele verminderte sich nur, wenn Recke sich entfernte. Als ich abends allein in meinem Zimmer war, über die Geschichte des Tages nachdachte, überfiel mich Angst und Grausen bei dem Gedanken, daß ich die Braut von Recke sei. Ich warf mich auf meine Knie, flehte zu Gott um Kraft und Stärke, dachte an meine verstorbene Mutter und schwor es mir da bei dem Andenken ihrer Tugenden, ihrer wert zu handeln.

 << Kapitel 25  Kapitel 27 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.