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Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau

Elisa von der Recke: Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau - Kapitel 25
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authorElisa von der Recke
titleHerzensgeschichten einer baltischen Edelfrau
publisherVerlag Robert Lutz
printrunVierte Auflage
editorHeinrich Conrad
year1918
firstpub1900
correctorreuters@abc.de
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Antrag von meines Vaters Schwester. Einwilligung des alten Grafen. Meine Erklärung an meinen Vater, daß der junge Graf mir zuwider sei. Beistand meiner Stiefmutter. Reise meines Vaters nach Essern. Schmerz und Anerbietungen der Gräfin. Der junge Graf hofft, sich mir lieb zu machen, kommt wieder zu uns – wird von mir ganz abgesagt.

Je näher die Zeit heranrückte, daß die Antwort aus Wien kommen sollte, desto drückender wurde mir mein Verhältnis mit Kettler. Meine Stiefmutter machte mich immer auf seine Schwächen aufmerksamer. Seine Gutmütigkeit selbst schien mir nur Kraftlosigkeit des Charakters, und da von Recke nicht mehr die Rede war, so bekam ich mehr Mut, diese Heirat zu zerreißen. Von meiner Großmutter waren an meinen Vater und an mich Briefe wie ein päpstlicher Bannstrahl auf den Fall gekommen, falls auch diese glänzende Heirat sich zerschlagen würde. Kettlers sanfter, kindlicher Sinn hatte meiner Großmutter gefallen. Indessen brachte die Post meinem Vater einen Brief von seiner einzigen, innigstgeliebten Schwester, der Frau von Behr auf Popen, mit der Nachricht, daß beide ihre Söhne von Reisen zurückgekommen wären, und daß vorzüglich der Älteste ihrem mütterlichen Herzen nichts zu wünschen übrig ließe, als daß er ihr eine Schwiegertochter gebe, die das Glück ihres Lebens vermehre. Sollte meine Heirat mit Kettler rückgängig gehen, dann wünsche sie ihrem Sohne das Recht, sich um mich zu bewerben. Dieser Brief meiner Tante gab mir neuen Mut, mit Kettler zu brechen; nur wann ich seiner Mutter dachte, dann verließ mich dieser.

Jeder Besuch von Kettler setzte ihn in meiner Seele hinab, denn immer mehr behandelte er mich als ein Wesen, das einst unter seinen Befehlen stehen würde. Selbst mein Vater wurde oft unzufrieden mit ihm, und meine Stiefmutter ließ keine Gelegenheit vorbei, ohne ihn uns mit vieler Feinheit zuwider zu machen. Ich saß an einem Herbstabend am Klavier, dachte über meine gedrückte Lage und über das Unglück nach, vielleicht mein ganzes Leben hindurch wegen des Klavierspielens geschoren zu werden; meine Eltern spielten Schach, mein Vater bemerkte jeden Fehler, den ich machte, und schalt. Ich fühlte bei schwierigen Passagen schon einige Takte zuvor bittere Herzensangst und fehlte umso hörbarer, als eben der Jäger aus Essern mit einem großen Paket Briefe fröhlich hineintrat, denn er wußte, welche Botschaft er brachte, weil die gute Gräfin gleich die Freude verkündiget hatte, daß nun die größte Schwierigkeit gehoben sei, da der alte Graf alles bewilliget, alles unterschrieben habe. Als mein Vater das Paket erbrach, mir einen Brief der Gräfin gab, in welchem sie es mir ankündigte, daß sie nun in drei Tagen mit ihrem Sohne zu uns kommen wolle, um von mir die feierliche Versicherung zu erhalten, daß ich gerne ihre Tochter würde, so stürzte ich zu den Füßen meines Vaters und bat ihn, mich von dem Unglücke zu befreien, mit Kettler verbunden zu werden. Ich flehte um die Erlaubnis, Igelströhm heiraten zu dürfen, falls meine Eltern mich durchaus versorgt wünschten und keine Familienszene mit meiner Großmutter haben wollten. Mein guter Vater war bewegt, meine Stiefmutter zählte eine Menge Züge des Grafen her, die meinen Widerwillen rechtfertigten. Mein Vater durchlas beide vom alten Grafen gerichtlich unterzeichnete Akten; alles, alles, was zur Sicherheit meines Vaters und zu meinem Vorteil gefordert war, hatte der Graf bewilliget. Nur forderte er dagegen, daß 40 000 Taler, die er in Wien schuldig sei, auch noch auf Essern übernommen und im nächsten Jahre bezahlt würden. Diesen Zuwachs an Schulden nahm meine Stiefmutter als gültiges Mittel zum Bruche an. Mein Vater entschloß sich, den anderen Morgen in der Frühe nach Essern zu fahren und so dem Besuch der Gräfin vorzubauen. Meine Stiefmutter machte dem Grafen gegen mich und meinen Vater auch daraus ein Verbrechen, daß er nicht selbst der Überbringer des Wiener Pakets gewesen wäre. Sie setzte hinzu: »Im ganzen beträgt Kettler sich so, als wäre es eine Ehre und ein Glück für uns, daß er unser Kind heiratet, und Lottchen behandelt er als ein unbedeutendes Kind, gegen das er schon jetzt den Herrn spielt.« Unter der Anleitung meiner Stiefmutter schrieb ich der Gräfin, daß sie als Mutter zu lieben mein Lebensglück gewesen wäre, und daß nur dieser Wunsch meines Herzens in mir die Hoffnung erweckt habe, ich würde ihren Sohn als Gatten lieben können. Aber je mehr wir uns gesehen und gesprochen hätten, umso mehr habe ich eine solche Disharmonie unserer Charaktere entdeckt, daß bei mir alle Hoffnung, mit ihm glücklich zu sein, verschwunden sei. Ihre eigene mütterliche Äußerung, daß sie durchaus nicht wolle, daß ich ihren Sohn um ihretwillen nehme, bestimme mich umso mehr zu diesem Entschlusse, der mir daher schwerer würde, weil ich sie mit wahren kindlichen Gefühlen verehrte.

Mit diesem Briefe versehen, trat mein Vater in der fünften Morgenstunde die Reise nach Essern an und war zum Frühstück dort. Seine Erscheinung erschreckte die gute Gräfin, und ihre ersten Worte sollen gewesen sein: »Medem! die 40 000 Taler werden doch keinen Bruch unter uns veranlassen? Wenn nun auch unsere Kinder 40 000 Taler ärmer sind, was tut das! Verkaufen Sie eins unserer Nebengüter, so sind die 40 000 Taler gleich bezahlt!« Mein Vater hat der guten Frau bewegt meinen Brief überreicht, sie hat im Lesen zu zittern angefangen und ist so ohnmächtig hingesunken. Als sie sich erholt hat, hat sie gleich nach Altautz reisen und mit mir sprechen wollen. Hätte sie diesen Vorsatz ausgeführt, ich wäre zu schwach gewesen, ihrem Wunsche zu widerstehen. Mein Vater hat sie gebeten, sich zu beruhigen, und da eigentlich der Sohn und ich miteinander leben müßten, so sollte sie diesen mit ihm reisen lassen.

Als der junge Graf meinen Brief an seine Mutter gelesen hat, ist er ernst und nachdenklich geblieben, hat endlich ausgerufen: »Sie liebt mich nicht! das dachte ich von Anfang an! Wäre ich nicht meiner Mutter Sohn, sie hätte längst gebrochen! Aber wer weiß, wenn ich jetzt recht um sie werben würde, wenn auch ich sie mehr suche: vielleicht gewinne ich sie durch mich selbst. Doch Sie, liebe Mutter, müssen nicht nach Altautz; ich will sie nicht bloß, weil ich Ihr Sohn bin! Nimmt sie mich nicht um meiner selbst willen, nun, so ist es besser, daß die Heirat zurückgeht.« – Die Mutter hat geseufzt, geweint, gesagt, das Glück ihres Lebens sei dahin, wenn die Heirat sich zerschlüge! – sie würde keine Schwiegertochter lieben, wie sie mich liebe, und so nur könnte ihr Sohn gerettet und das Vermögen erhalten werden. Denn so sehr sie diese Heirat wünsche, so müsse sie doch meinem Vater offenherzig sagen, daß der Geist der Verschwendung ihres Sohnes sie unglücklich mache, und nur durch das Verhältnis mit meinem Vater könne er gerettet und im Zaum gehalten werden, denn sie wolle es meinem Vater nicht verbergen, sie habe es erst kürzlich erfahren, daß ihr Sohn seit den vier Monaten, daß sie mit uns in Verhandlungen stehe, über 4000 Taler Schulden gemacht und nichts als Lumpereien für dies Geld gekauft habe. Wenn es nur möglich sei, mich zu dieser Heirat zu bestimmen, so wolle sie ihren Sohn auch so durch Gesetze binden lassen, daß er nie über das ganze Vermögen zu disponieren bekäme, daß alles mir und meinen Kindern zugesichert würde, und daß ihr Sohn in seinen Ausgaben mehr von ihr, als von sich, abhinge. Vor vier Jahren wünsche sie die Hochzeit nicht, und mein Vater sollte sogleich über das Ganze disponieren. Stürbe ihr Sohn vor unserer Heirat, so sollte die Hälfte des Vermögens mir, die andere nur den Eltern zufallen. – Mein Vater hat der Gräfin Vorstellungen gemacht, daß es nie eine glückliche Ehe geben könne, wenn der Mann auf immer durch den Ehekontrakt von der Herrschaft seines eigenen Vermögens ausgeschlossen sei und sein Eigentum von der Frauen Vater und der Frau abhängig gemacht, ja sogar gewissermaßen unter der künftigen Vormundschaft seiner Kinder stünde. Entweder würde die Frau aus Liebe und Achtung für den Mann Mitverschwenderin, oder die Eheleute lebten in beständiger Uneinigkeit. – Die Gräfin erwiderte: Ihr Sohn sei der beste Mensch von der Welt, nur aus Schwäche zu gutherzig; dies gestünde er selbst ein und hätte ganz eigene Ideen darüber, daß eine solche Schwäche selbst eine Ehre eines Mannes von Stande und großer Familie sei. Sie habe bei dem letzten Vorfalle der gemachten 4000 Taler Schulden ernsthaft mit ihm über seine Zukunft gesprochen, und treuherzig habe er da geantwortet: »Ich wünschte, ich hätte schon meine Frau, die mich bewachen könnte, nie mehr auszugeben, als ich soll. Ein Mann von großer Familie, der solche Herrschaften besitzt, gibt sich ein schmutziges Ansehen, wenn er knausert und nicht großmütig ist. Hat er aber ein liebes Weib, das ihm keine große Aussteuer zubrachte, so zeigt es einen guten Charakter an, daß er, um sein Weib nicht zu betrüben, sich den Genuß seines Vermögens versagt, und die Welt sieht, daß er nicht filzig, aber gutmütig ist!« – Mein Vater staunte über die Äußerung des Grafen, und als seine Mutter mit ihm in Gegenwart meines Vaters sprach, alle gemachten Anbietungen erneuerte, mein Vater die üblen Folgen berechnete, die in der Ehe aus solchen Charakteren entstehen können, da hat Kettler sehr pathetisch geantwortet: Nimmermehr würde er eine solche Verschreibung eingehen, wenn mein Vater diese fordere! Selbstkenntnis sei eine Tugend, ein Mann könne ohne Scham eingestehen, daß er eine solche Großmut in der Seele fühle, daß, weil er gerecht zu sein wünsche und seiner Familie seine Herrschaften beibehalten wolle, dieser Neigung zu Ausgaben gesetzliche Zügel angelegt werden müssen. Nie würde er sich bei einer reichen Frau solche Ehepakten gefallen lassen, nun aber sähe die Welt, daß, um seiner künftigen Familie das großväterliche Erbteil zu sichern, er selbst solche Ehepakten fordere, weil er aus Liebe und Konvenienz eine Frau nehme, die ihm einen Schwiegervater zuführe, dessen Ordnungsgeist und Finanzoperationen seine großen Herrschaften von Schulden befreiten, und durch sein Vermögen und seinen Kredit die gesamten Güter seinen künftigen Kindern erhalten würden. Die Gefahr, die mein Vater und seine anderen Kinder dabei liefen, wenn mein Vater das Ganze übernähme, mache es notwendig, daß auch unsere Familie bei diesen Traktaten solche Vorteile erhielte, die meinen Vater bewegen könnten, sein Vermögen und seine Tätigkeit den Esserschen Kreditoren anzubieten. – Mein Vater blieb dabei, daß er für mich und für seine Sicherheit nichts mehr annehmen würde, als was der alte Graf schon unterzeichnet habe. Alles würde auf zwei Dinge ankommen. Erstlich, daß ich ohne Widerwillen in diese Verbindung willige, und zweitens, daß der Graf meinem Vater allmählich die Überzeugung gebe, daß er auch, ohne sich unter eine selbstgewählte Vormundschaft zu setzen, aufhöre, ein Verschwender zu sein, und daß er als Besitzer so großer Güter auch guter Landwirt, würde. – Mein Vater hoffte, durch Ordnungsgeist und richtige Spekulation die Güter zwar in fünfzehn Jahren von der drückenden Schuldenlast zu befreien, aber er würde mich, selbst wenn ich den Grafen liebte, diesem nie geben, wenn er nicht die Überzeugung hätte, daß, wenn mein Vater auch vor der Zeit stürbe, der Graf seine Güter und sein Vermögen selbst durch Ordnungsgeist, Sparsamkeit und kluge Landwirtschaft zu vermehren und zu erhalten wisse. – Nach dieser Erklärung, durch welche die Gräfin einigermaßen beruhigt war, fuhr mein Vater noch nämlichen Tages mit dem Grafen nach Altautz zurücke.

Die Erscheinung des Grafen war mir drückend, und er überhäufte mich nun mit kleinen Aufmerksamkeiten, wie ich es gewöhnt war, von denen behandelt zu werden, die meinen Besitz wünschten. Doch mit Klavierspielen plagte er mich selbst da! Ich würde die Sache unterdessen noch länger hingehalten und Kettler am Ende seiner Gutmütigkeit und seiner Mutter wegen geheiratet haben, hätte meine Stiefmutter mich nicht auf seine Schwächen aufmerksam gemacht und mich dazu ermahnt, ihn ja nicht hinzuhalten, sondern die Sache ganz zu beendigen, weil man mich für ein leichtsinniges, kokettes Geschöpf halten würde, wenn ich jetzt, wo die Sache auf meiner Entscheidung beruhe, sie ferner schleppen würde, um ihn am Ende doch nicht zu heiraten. Auch überredete meine Stiefmutter mich, daß er mich im Grunde nicht liebe, sondern nur aus Gehorsam gegen seine Mutter so handle; dann setzte sie hinzu: »Wünschte er es nicht selbst in seinem Herzen, daß du ihm absagest, würde er dich noch jetzt so mit Klavierspielen scheeren? Auch hätte er, wenn er dich wirklich liebte, es nie gehindert, daß seine Mutter mitgekommen wäre, aber gewiß tat er dies aus Furcht, du könntest durch seine Mutter bewogen werden, Ja zu sagen, denn glaube mir, im Grunde seines Herzens ist ihm dein entscheidendes Nein lieber, als dein Ja oder eine bestimmte Erlaubnis, um dich zu werben.« – Mit meinem Vater sprach meine Stiefmutter in einem anderen Geiste; sie zeigte ihm den Grafen immer als unverbesserlichen Verschwender. – Mein Vater blieb in unseren Konferenzen immer dabei, er habe sein Wort gegeben, daß, wenn der Graf guter Wirt würde und mein Herz gewönne, die Heirat vor sich gehen solle. Einst, als mein Vater so sprach, sagte meine Stiefmutter mit betränten Augen: »In meinen alten Tagen werd' ich allein und verlassen sein! Du wirst mehr für die Gräfin und für die Esserschen Güter, als für mich und deine anderen Kinder leben, falls Lottchen Kettler heiratet.« – Diese Rede meiner Stiefmutter fiel mir aufs Herz. Mein Vater versicherte mit innigster Herzlichkeit, er würde sich nie in dies Verhältnis eingelassen haben, wenn meine Stiefmutter nicht ihren Beifall gegeben hätte. Diese erwiderte: da habe sie noch nicht den zum ewigen Leitbande bestimmten Grafen gekannt. Diese Äußerung befestigte meinen Entschluß, dem Wunsche meiner Stiefmutter gemäß, die ganze Heirat bestimmt zu zerreißen, doch eine Kleinigkeit erschwerte meinem Herzen die Ausführung. Den Tag vor seiner Abreise erschien der Graf ohne Perücke. Er hatte von dem Tage an, da er meine Abneigung gegen Perücken bemerkt hatte, den Entschluß gefaßt, sein Haar wachsen zu lassen, dies aber bis zu dem Tage unter seiner Perücke zu verstecken, da wir wären versprochen worden. Dann hätte er in eigenem Haar erscheinen wollen, um mir den Beweis zu geben, daß von dem Tage an, wo es festgesetzt worden sei, daß wir uns gewiß angehören werden, das Geschäft seines Lebens, in kleinen, wie in großen Dingen, dies sein sollte, daß er sich mir zu gefallen bestrebe. Die gewöhnliche Art der Freier sei die, in allen Neigungen und Wünschen der Geliebten zu schmeicheln, um als Ehemänner zu herrschen. Er habe bisher als Liebhaber einen ernsten Weg genommen, um als Gatte einst Liebhaber und Freund zu bleiben. – Mich rührte dieser Zug von Kettler, aber meine Stiefmutter machte die Geschichte der Perücke gegen mich so lächerlich, daß ich mich vor mir selbst schämte, daß, wie meine Stiefmutter sich ausdrückte, eine solche kindische Fratze mich gerührt habe. – Ich erklärte dem Grafen in Gegenwart meiner Eltern unablässig, daß ich es fühle, daß wir zwei zu heterogene Wesen wären und daher nie durch einander glücklich sein könnten; ich bäte also, daß er um unser beider Zufriedenheit willen seine Bewerbung aufgebe. – Wenn ich den wirklichen Schmerz des Grafen sah, dann war ich in Gefahr, weich zu werden, aber ein Blick von meiner Stiefmutter gab mir die Kraft, meinen Ausspruch zu wiederholen. Auch dachte ich nun wieder oft an Brinck, und da mußte ich es mir gestehen, daß Kettler mit ihm durchaus nicht zu vergleichen sei. Auch durchkreuzte der Gedanke meine Seele bisweilen: Vielleicht ist Behr aus Popen ebenso interessant als Brinck, und diese Heirat würden deine Eltern lieber als die mit Kettler sehen! – Kurz, Kettler wurde förmlich abgesagt, er aber versicherte, er könne den Gedanken noch nicht ganz aufgeben. So reiste er ab, schrieb mir zärtliche Briefe in Versen, die meine Stiefmutter lächerlich machte. Als er fort war, verdoppelte meine Stiefmutter ihre Zärtlichkeit gegen mich; sie unterließ keine Gelegenheit, ohne es mir deutlich zu machen, von welchem Abgrunde sie mich gerettet hatte. Dies glaubte ich am Ende selbst und hing mit noch innigerer Liebe an ihr.

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