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Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau

Elisa von der Recke: Herzensgeschichten einer baltischen Edelfrau - Kapitel 24
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authorElisa von der Recke
titleHerzensgeschichten einer baltischen Edelfrau
publisherVerlag Robert Lutz
printrunVierte Auflage
editorHeinrich Conrad
year1918
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Gespräch mit meiner Stiefmutter. Selbstprüfung. Brinckens Bild erwacht in mir. Der Graf kommt wieder. Kleine Mißhelligkeiten. Meine Stiefmutter äußert gegen meinen Vater und gegen mich ihre Bedenklichkeiten.

Ich war den Abend unserer Rückkunft ungewöhnlich ernst, nachdenkend und fast trübsinnig, denn in meinem Kopfe und Herzen ging es bunt durcheinander. Ich fand alles um mich her so leer und freute mich dieses Mißbehagens, denn ich glaubte, dies entstünde daher, weil ich den Grafen liebte und seine Entfernung diese Leere in mir zurückließe; denn lieben wollte ich ihn, weil ich ihn heiraten wollte; und heiraten wollte ich ihn, weil meiner Stiefmutter Neffe im Hintergrunde meiner Seele als fürchterliches Schreckbild stand. Auch rief ich mir es oft zurücke, wie sein Herz an meiner Hand geschlagen, wie er mich so zärtlich angesehen und dann mit Herzlichkeit den Wunsch geäußert, mir mehr als seiner Mutter Sohn zu sein! So manche seiner Schwächen war mir nicht entgangen, sein kleinlicher Stolz auf den Grafentitel, auf den Namen Kettler; seine fast kindische Liebhaberei an Uhren, seine mich drückende Neigung zur Musik – aber Schwiegermutter und die Aussicht, Wien und mehrere große Städte zu sehen, überwog in meiner Seele alles, was mir am Grafen mißfiel, und ich war fest entschlossen, ihn zu lieben, unterhielt also mit Wohlgefallen die Schwermut in mir, welche die ersten Stunden nach der Trennung von dieser fröhlichen Gesellschaft sehr natürlich, in der Folge aber durch Kunst in mir gepflegt war.

Meine Stiefmutter bemerkte meinen ungewöhnlichen Ernst; sie machte einen Spaziergang mit mir allein zum Nachtigallenwäldchen hin, sagte, als wir uns unter einen Baum setzten und ich ihr eben etwas vorlesen wollte, sie fühle das Bedürfnis, mit mir zu sprechen, denn sie sehe mich so ernst und nachdenkend. Drei Dinge nur könnten diese Umwandlung bei mir hervorgebracht haben. Wirkliche Liebe zum Grafen – dies wünsche sie; verborgne Abneigung – dies fürchte sie; völlige Gleichgültigkeit gegen den Grafen, Liebe zur künftigen Schwiegermutter und Wohlgefallen an allen äußeren Verhältnissen, die mit der bevorstehenden Verbindung vereinigt wären, könnten auch in meiner Seele diese Umwandlung hervorgebracht haben, und das sei ihr am wahrscheinlichsten. Ich möchte sie auch jetzt als die Vertraute meiner Seele ansehen, die mit jedem Gefühle meines Herzens bekannt machen, auf daß sie als meine erfahrene und wahrhaft mütterliche Freundin mich zu dauernder Glückseligkeit führen könne. Mit liebevoller Dankbarkeit küßte ich ihre Hand, versprach Zutrauen und Offenherzigkeit und sagte, Abneigung hätte ich durchaus für den Grafen nicht; ich glaubte, ihn lieben zu können, und hoffe, daß mein Gefühl für ihn durch beständigen Umgang noch inniger werden könnte. Meine Stiefmutter erwiderte: »Wo innige, wahre Liebe zwei Herzen miteinander verbindet, da wächst diese durch die Gewohnheit des täglichen Umganges; wo aber die Sinnlichkeit oder unsere Einbildungskraft Gefühle erzeugen, die man irrigerweise für Liebe nimmt, da entzaubert der tägliche Umgang, und man wird sich in kurzer Zeit gegenseitig zur Last.« Sie wolle mir zu meiner Selbstprüfung eine Frage vorlegen, und diese, offenherzig beantwortet, würde entscheiden, ob ich auf dem Wege sei, den Grafen in Zukunft zu lieben, oder ob meine Einbildungskraft und mein gutes Herz wechselseitig arbeiten, um mich zu überreden, daß ich ihn lieben werde, weil unsere Eltern auf diesen Fall unsere Heirat beschlossen haben. Wäre der Graf unter allen Männern, die ich kenne, derjenige, den ich am liebsten wählte, würde er, wenn Brinck der einzige Sohn der Gräfin wäre, dennoch in meiner Seele den Preis behalten – , dann liebte ich ihn wirklich, und dann nur könne sie mir eine glückliche Zukunft versprechen. – Ich erschrak vor mir selbst, fühlte es tief, welche Vorzüge der Seele Brinck vor dem Grafen hatte, und ein paar Tränen entfielen mir. Meine Stiefmutter drückte mich liebreich an ihr Herz und sagte mit einem Seufzer: »Auch ich wünschte, daß Brinck an des Grafen Stelle wäre, und dachte mir es wohl, daß Kettler den Eindruck nicht wegwischen könne, den Brinck auf dich gemacht hat, denn dazu hast du zu viel Verstand und zu viel Bildung, um nicht zu fühlen daß der Graf nur erst ein niedlich ausstaffiertes Männchen ein gutmütig großes Kind ist, das auf einige Stunden wie ein erwachsener Mensch aussieht, weil er in der größten Hauptstadt Deutschlands erzogen worden ist, von Kindheit an den kaiserlichen Hof und die große Welt gesehen hat. Aber ohne Leitband kann er keine Stunde gehen, ohne immer zu fallen. Wir wollen ihn einmal beobachten, wie er sich betragen wird, wenn das große Windelkind ohne seine Mutter zu uns kommt. Durchdenke und prüfe alles, was ich dir gesagt habe. Willst du ohne Liebe heiraten, bloß um große Güter zu besitzen, einen schönen Namen zu führen und einen Mann zu beherrschen, dann wirst du vielleicht mit Kettler glücklich sein. Und doch, die kindischen Männer sind oft am schwersten zu beherrschen. Sie haben weniger Gefühl für ein Weib, als Anhänglichkeit an ihre läppischen Ideen.« – So schloß diese Unterhaltung, die einen nagenden Wurm in meine Seele legte.

Ich wurde noch nachdenklicher; alles, was meine Stiefmutter gesagt hatte, weckte ein Meer von Gedanken in mir, die gleich unruhig stürmischen Wellen sich in meiner jungen Seele wälzten! Ich durchging noch einmal alles, was in den verflossenen acht Tagen vorgefallen war, und jedes Wort meiner Stiefmutter wurde ein zweischneidiges Schwert in meiner Seele; war es doch, als hätte sie ganz in dieser gelesen, als wisse sie es, daß ich mich Kettler zu lieben, zwingen wolle. Ich erschrak vor dem Bild, was sie mir von meiner Ehe ausmalte, wo man zu lieben glaubt, nicht liebt und dann durch täglichen Umgang bitter aus seiner Täuschung erwacht. Herrschen wollt' ich nicht; lieber vor Langerweile gesichert sein, dies war das Ziel, wonach ich strebte.

Brinckens Bild erwachte wieder in mir, das Andenken der Plahnschen Hochzeit, alles, was Brinck gesprochen, getan hatte; alles, alles dies hatte ein ganz anderes Gepräge. Nichts mißfiel mir an Brinck, an Kettler so manches! Zwar stellte Kettler sich mir oft mit dem Blicke der Liebe dar, wie er meine Hand an sein Herz gedrückt, mir die Worte gesagt hatte: »Hier, hier bleibt Ihr Bild haften! O, wäre ich Ihnen doch mehr, als meiner Mutter Sohn!« Aber dann rief ich mir wieder Brinckens Blick und hinreißenden Ton der Stimme zurück, mit welchem er das einzige Wort »Lieben?« fragend ausgesprochen hatte, und Kettler verlor bei diesem Vergleich. Meine Phantasie sagte mir: »Brinckens Herz mag da wohl noch inniger geschlagen haben!« Schlippenbachs glückliche Braut wurde mir gegenwärtig, und ein Tumult entstand in mir, der mich zu Tränen brachte. ›Aber Brincken soll ich ja nicht heiraten! Mama sagte: er ist kränklich, ist nicht reich! Und wenn ich Kettler nicht nehme, dann kommt Recke!‹ – ein kalter Schauer überfiel mich! Die Schwiegermutter, die Reise nach Wien, die Gutmütigkeit des Grafen und wie sein Herz an meiner Hand mit starken Schlägen gepocht hatte, dies alles sprach für ihn, dann aber erschrak ich vor dem Gedanken, daß ich seine Frau sein und vielleicht Brinck im Herzen lieber haben könnte. – Kurz, ich wußte am Ende selbst nicht, was ich wollte, und wurde immer tiefsinniger.

Mein Vater bemerkte diese Veränderung an mir und fragte, woher sie käme. Ob ich mich nach dem Grafen sehne, oder die Verbindung mit ihm scheue? Ich sagte, ich glaube weder das eine noch das andere, aber nachdenkender würde ich durch die bevorstehende Veränderung meines Schicksals.

Noch waren keine vierzehn Tage verflossen, so war Kettler wieder da und bat meinen Vater im Namen seiner Mutter, wegen einer wirtschaftlichen Angelegenheit mit ihm in ein paar Tagen nach Essern zu reisen. Ich freute mich im ersten Augenblick, als der Graf kam; aber als er in Gegenwart meines Vaters das Examen anstellte, ob ich auch fleißig Klavier gespielt hätte, und als er nun fand, daß ich in Wahrheit die Musik vernachlässigt hatte, so fing er an, mir Vorwürfe zu machen; zu seinen Vorwürfen gesellte sich Schelte von meinem Vater. Kettler sagte in einem etwas herrischen Tone, da ich doch bestimmt sei, seine Gattin zu werden, so müsse ich auch die Talente zu erlangen suchen, die ihm Vergnügen machen. Aus dem Tanze mache er sich nichts, und dies Talent studiere ich, als wolle ich Tänzerin werden; für eine Dame von Stande wisse ich in diesem Fache genug; aber wenn er mich in Wien, wo die Damen so herrlich Klavier spielen, aufführen würde, dann müsse es ihn doch schmerzen zu sehen, daß ich da so im Schatten stände. Mein Vater gab dem Grafen recht, las mir auch den Leviten, rief meine Schwester, und als die sich zum Klavier setzte, so staunte Kettler mit Recht über ihre Fortschritte, Kettler und mein Vater überhäuften sie mit Liebkosungen. Kaum beobachtete Kettler meinen stillen Mißmut, so brachte seine natürliche Gutmütigkeit ihn umso inniger zu mir zurück, und er wollte mir es nun auseinandersetzen, daß es ihn dreifach geschmerzt habe, daß ich so wenig Klavier gespielt hätte: erstlich sei es ihm Beweis, daß sein Andenken mich nicht beschäftiget habe; zweitens sehe er, daß er in unserem häuslichen Leben wenig musikalische Freuden genießen würde, und drittens ginge ihm die Freude verloren, mit mir in Wien zu glänzen. – Der Gedanke, in Wien zu glänzen, gefiel meiner Eitelkeit, aber das Klavierspielen war mir äußerst zuwider, denn mein erster Lehrer war sehr auffahrend und hatte durch seine Donnerstimme, sobald ich einen Fehler machte, meinen Mut erstickt; mein guter Vater schalt mich dann auch immer, und so war die Klavierstunde mir Pein, die ich nun doppelt fühlte, weil, wenn auch der Graf nicht in Altautz war, mein Vater mich mehr als jemals zum Klavier trieb, mich, wenn ich fehlerhaft spielte, doppelt schalt, denn auch er wünschte, daß seine Tochter in Wien als Klavierspielerin glänzen möchte. Nur meine Stiefmutter bedauerte mich, daß mir der Zwang aufgelegt wurde, und sah das Klavier als eine künftige Plage in meiner Ehe mit Kettler an. Der zweite Besuch des Grafen hatte mir ihn nicht lieber gemacht, und meine Stiefmutter war auch darüber unzufrieden, daß mein Vater nach Essern verlangt wurde, um etwas in der Wirtschaft anzuordnen.

Sie gab meinem Vater zu erkennen, daß es unanständig sei, ihn so zu behandeln, als sei er angestellter Verwalter über die Güter. Mein Vater hingegen sah eine Delikatesse der Gräfin darin, daß sie nun nichts mehr nach ihrem Kopfe abändern und anordnen wolle. Er reiste nach Essern, kam äußerst zufrieden mit der Gräfin, sehr eingenommen vom inneren Werte der Esserschen Güter zurücke und versicherte, daß sie seine erste Erwartung bei weitem überträfen. Die Gutmütigkeit des jungen Grafen hatte ihn meinem Vater auch lieber gemacht, und die Liebe der alten Gräfin, die mir alles Mögliche zuzuwenden wünschte, nahm meinen Vater noch mehr für diese Heirat ein.

Er brachte den jungen Grafen wieder mit, den er zur Landwirtschaft anführen wollte. Aber dem Grafen ging es mit der Landwirtschaft, wie mir mit dem Klavierspielen. Ein Stündchen ritt er mit meinem Vater umher, dachte an hundert andere Dinge, nur nicht an Abgraben der Moräste, an Teiche, die gemacht werden können, an Pflege der Wälder, Viehstand und Feldbau! Kurz, er gab es meinem Vater zu erkennen, daß dies alles kein Interesse für ihn habe. Auch fühlte er sich, wenn er ein Stündchen umhergeritten war, ganz ermüdet, eilte nach Hause, plagte mich dann am Klavier, war bisweilen übellaunig am Schachspiele, und wenn der Geist des Vornehmtuns sich seiner bemeisterte, so sprach er gegen mich, und meine Stiefmutter so, als wenn er uns alle durch die Verbindung mit ihm glücklich zu machen dächte. Meine Stiefmutter gab ihm immer mehr Gelegenheit, seine Schwächen zu zeigen; diese wurden mir täglich drückender, doch schimmerte bei allen seinen Torheiten eine Seelengüte hervor, die unverkennbar war; an diese hielt mein Vater sich und zeigte, daß ein solcher Charakter doch zu allem Guten zu bringen sei. Das einzige, was auch meinem Vater mißfiel, war, daß er sich durchaus nicht zur Wirtschaft anführen ließ, sich im Ganzen mit nichts Ernstlichem beschäftigte und nur Sinn für Lappalien hatte. Jeder Besuch von Kettler setzte ihn in meiner Seele herab; wäre nicht die Liebe zu seiner Mutter in meinem Herzen so fest gewesen und hätte ich mich nicht vor einem neuen Antrag von Recke gefürchtet, ich würde es meinem Vater, von meiner Stiefmutter unterstützt, früher erklärt haben, daß ich mein Schicksal nicht mit Kettler verbinden könne.

Nachdenkender und trauriger wurde ich immer mehr; mein Vater bemerkte dies, sprach viel von der Gräfin, von meinen Vorteilen, die meiner in Essern erwarteten, und vom dankbaren Charakter des jungen Grafen. Meine Stiefmutter bedauerte mich im Stillen, machte mich auf alle Fehler des Grafen immer aufmerksam; seine Gegenwart wurde mir immer drückender, immer quälte er mich mehr durch Klavierspielen, und ich wünschte sehnlich, daß der alte Graf die Ehepakten nicht unterschreiben möchte, auf daß wir zurücktreten könnten, ohne daß meine liebe Gräfin auf mich böse würde. – Noch ein Besuch des Grafen machte, daß mein Vater auch mit ihm unzufrieden wurde. Er kam wieder mit einer Menge Uhren an. Eine Uhr im Wagen, eine für den Nachttisch, eine in der Dose und zwei neue Taschenuhren. Mit Vergnügen kramte er alle diese Dinge, die er teuer bezahlt hatte, als prächtigen Fund meiner Stiefmutter aus, die seine Torheiten herauszulocken wußte, diese nie tadelte, so sein Vertrauen gewann. Mein Vater erschrak nicht wenig, als er sah, daß so eine Menge Geld für nichts und wieder nichts ausgegeben war. Er sagte ihm, daß er mich nie bekommen sollte, wenn er kein besserer Wirt würde. Und wenn mein Vater auch alle seine Tätigkeit und seinen Kredit aufböte, um ihn zu retten, so müsse er doch zugrunde gehen, so lange er so kindisch verschwende. Der Graf suchte sich zu entschuldigen, versprach Besserung. Nun aber suchte meine Stiefmutter meinem Vater die Gefahr auszumalen, in die er mich, sich und seine anderen Kinder stürze; denn es wäre doch möglich, daß mein Vater bald nachdem stürbe, daß er die Esserschen Güter übernommen und den Schuldnern seine Güter mit als Hypothek verschrieben hätte, dann wäre niemand da, der diese ungeheuren Wirtschaften führen könnte, denn der Graf wäre nach seinem Charakter, bei allen seinen guten Seiten zur ewigen Kindheit verdammt, und so würden die Güter meines Vaters in Konkurs kommen, meine Geschwister würden verarmen, weil mein Vater mich reich machen wollte. Wenn nun aber auch, wie es wahrscheinlich sei, mein Vater fünfzehn Jahre leben und die Güter von Schulden befreien würde, dann sei es doch noch nicht gewiß, daß mein Vater die Esserschen Güter seinem Kinde und seinen Großkindern erhalten habe, weil der Vater seiner Großkinder das in zwei drei Jahren verschwenden würde, was er in fünfzehn schweren Jahren mit Angst und Sorgen erworben hätte. – Diese hingeworfenen Gedanken wurmten meinen guten Vater; auch er fing an nun zu wünschen, daß der alte Graf die Ehepakten nicht unterschreiben möge. Der junge Graf fühlte sich von seiner Seite auch gedrückt, und ihm war es, wenn er bei uns war, als sei er in der Schule, und kam er nach Hause und merkte seine Mutter es den Briefen meines Vaters ab, daß er mit ihrem Sohne nicht zufrieden war, dann hatte der arme Graf keine guten Tage.

Ich sah und fühlte seine Schwächen, war oft höchst unzufrieden mit ihm, vorzüglich, wenn er mir sagte: »Warten Sie nur; wenn Sie erst meine Frau sind, so sollen Sie mir schon ganz anders Klavier spielen!« Aber wenn ich ihn bisweilen traurig sah, wenn er mir seine Not klagte, daß mein Vater ihn durchaus zum Landwirt machen wolle, und daß er mich doch sehr lieben müsse, da er sich so viel gefallen ließe, dann hatte ich Mitleiden mit ihm. Aber manchmal betrug er sich wieder so stolz gegen mich, behandelte mich so als Kind, das, wenn beide Familien über unsere Heirat eins wären, nichts dagegen sagen dürfe, sondern durchaus der Konvenienz folgen müsse, wie auch er sich der Konvenienz unterwürfe. Hätt' ich, wenn er so sprach, meinem Willen folgen dürfen, auf der Stelle wäre die ganze Heirat durch mich zerrissen worden; aber dann ermahnte meine Stiefmutter mich immer zur Geduld und sagte: »Wir müssen sehen, wie wir uns mit guter Art aus dem Handel ziehen.«

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