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Herr Parent

Guy de Maupassant: Herr Parent - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorGuy de Maupassant
titleHerr Parent
publisherEgon Fleischel & Co.
seriesGesammelte Werke
volume6
year1910
firstpub1910
translatorGeorg Freiherr von Ompteda
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051214
projectidc245d89a
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Belhommes Vieh

Die Post nach Havre sollte eben Criquetot verlassen und die Reisenden warteten den Aufruf ihres Namens im Hofe von Malandain juniors »Hotel du Commerce« ab.

Die Post war ein gelber Wagen, der auf ehemals gleichfalls gelben Rädern saß, die aber nun durch den Schmutz beinahe grau geworden waren. Die Vorderräder waren ganz klein; die Hinterräder hoch und schlank. Sie trugen den unförmlichen Kasten, der aussah wie ein fettwanstiges Riesentier. Drei alte Schimmel, deren dicke Köpfe und große runde Kniescheiben einem gleich auffielen, waren vor einander gespannt und sollten dieses Monstrumartige Gefährt schleppen. Die Pferde machten den Eindruck, als schliefen sie vor dem wunderlichen Wagen.

Der Kutscher Cäsar Horlaville, ein kleiner Mann mit Schmerbauch, aber dabei doch ganz beweglich, da er unausgesetzt über die Räder auf das Verdeck seines Wagens klettern mußte, hatte ein rotes Gesicht, das durch die frische Luft, Regen, Sturm und die verschiedenen Schnäpse, die er unterwegs trank, so geworden war. Er hatte sich infolge von Hagel und Wind, denen er ausgesetzt war, angewöhnt, mit den Augen zu blinzeln. Er erschien jetzt in der Hausthür des Hotels, indem er sich den Mund mit dem Rücken der Hand wischte. Große runde Körbe voll ängstlich erregten Federviehs standen vor den unbeweglich wartenden Bäuerinnen. Cäsar Horlaville nahm einen nach dem andern, und setzte sie alle auf das Dach seines Wagens. Dann schob er etwas vorsichtiger noch die hinzu, die Eier enthielten und warf endlich von unten aus ein Paar Getreidesäcke, verschiedene Packete, die in Taschentücher eingeschlagen waren, in Packleinwand oder Papier, auch noch hinauf. Darauf öffnete er die hintere Wagenthür, zog eine Liste aus der Tasche und rief die Namen auf:

– Der Herr Pfarrer von Gorgeville!

Der Priester trat vor: – ein großer, starker, breiter Mann mit violettem Gesicht und liebenswürdigem Ausdruck. Er raffte seinen Priesterrock auf, um den Fuß emporzuheben, etwa wie die Frauen die Röcke zusammennehmen, und kletterte dann in den Wagen.

– Der Herr Lehrer von Rollebosc-les-Grinets!

Der Mann kam eilig herbei, ein langer, schüchterner Mensch in einem endlosen bis zu den Knien reichenden Rock, und verschwand seinerseits in der offenen Thür.

– Herr Poiret! Zwei Plätze!

Nun näherte sich Poiret, groß, krumm, gebückt durch die Arbeit hinter dem Pfluge, wie eine müde Ziege ausschauend, einen mächtigen, grünen Regenschirm mit beiden Händen umspannend.

– Herr Rabot! zwei Plätze!

Rabot, der von Natur ängstlich war, zögerte und fragte:

– Meinen Sie mich?

Der Kutscher, der mit Spitznamen der »Pfiffikus« hieß, wollte irgend einen Unsinn antworten, als Rabot schon mit dem Kopfe voran durch die Thür schoß, weil ihm seine Frau von hinten einen Schubs gegeben hatte. Seine Frau war eine mächtige, viereckige Person, deren großer Bauch wie eine Trommel vorstand. Ihre Hände ähnelten ein paar Schlegeln.

Und Rabot fuhr in den Wagen hinein wie eine Ratte in ihr Loch.

– Herr Caniveau!

Ein dicker Bauer, schwer wie ein Ochse, stieg ein, daß sich die Federn des Wagens bogen, und verschwand im Innern des gelben Kastens.

– Herr Belhomme.

Belhomme ein großer, magerer Mann, trat heran mit schiefer Kopfhaltung und kläglichem Gesicht. Er hielt das Taschentuch gegen das Ohr, als ob er heftige Zahnschmerzen hätte.

Alle trugen blaue Blusen über ihren wunderlichen alten Röcken aus schwarzem oder grünem Tuch, Staatsgewändern, die sie erst in den Straßen von Havre enthüllen würden. Auf dem Kopf hatten sie seidene Mützen, turmhoch, die größte Eleganz des normannischen Bauern.

Cäsar Horlaville schlug die Thür seines gelben Kastens zu, kletterte dann auf seinen Sitz und knallte mit der Peitsche.

Die drei Pferde schienen zu erwachen, schnickten mit den Köpfen und ließen ein leises Schellen erklingen.

Da brüllte der Kutscher: »Hü!« aus voller Kehle und schlug auf die Pferde ein. Sie legten sich ins Geschirr, zogen an und setzten sich dann in kurzem, schleppendem, langsamem Trabe in Bewegung. Hinter sich den Wagen, dessen wackelige Scheiben und verrostete Federn ratterten, daß die sich gegenübersitzenden Reisenden durch die Erschütterung hin und her geworfen wurden und wie Wellen ineinander fluteten bei jedem neuen Stoß.

Zuerst herrschte allgemeines Schweigen aus Achtung vor dem Pfarrer, der nähere Herzensergüsse hinderte. Er fing zuerst an zu reden, da er ein gesprächiger und gemütlicher Mann war:

– Na, Caniveau, wie steht denn's Befinden.

Der riesige Bauer, der eine gewisse Ähnlichkeit in Statur, Haltung und Beleibtheit mit dem Pfarrer hatte, antwortete lächelnd:

– Na, ganz scheen, Herr Pfarrer, ganz scheen, und darf man fragen, wie Ihrerseits 's Befinden ist?

– O, mir gehts ganz gut.

– Und Sie, Poiret? fragte der Pfarrer.

– O, mir wirds schon ganz gut gehen. Aber aus dem Raps wird das Jahr nu eemal nischt und bei die schlechten Zeiten muß man sehen, was man rausschinden kann.

– Ja, die Zeiten sind eben böse.

– Das gloob ich, daß sie böse sein, antwortete mit Wachtmeisterstimme die große Frau Rabot's.

Da sie aus dem Nachbardorfe war, kannte sie der Pfarrer nur dem Namen nach.

– Ah, Sie sind die Blondel?

– Ja, das bin ich. Ich hab' den Rabot geheiratet.

Rabot saß schmächtig, schüchtern und zufrieden da und machte eine Art lächelnde Verbeugung, indem er den Kopf weit vorstreckte, als wollte er sagen: »ja, ja, ich bin Rabot den die Blondel geheiratet hat!«

Plötzlich fing Belhomme, der immer noch sein Taschentuch gegen das Ohr hielt, fürchterlich an zu stöhnen. Er machte immerfort: Au! Au! Au! und stieß mit dem Fuß auf, um seine Schmerzen zu zeigen.

– Sie haben wohl tüchtige Zahnschmerzen? fragte der Pfarrer.

Der Bauer hörte einen Augenblick auf zu jammern und antwortete:

– Nee, das ist es nich, Herr Pfarrer, die Zähne seins nicht, das ist 's Ohr, so da drinnen im Ohr.

– Was haben Sie denn im Ohr? Einen Schwär?

– Das weeß ich nich, obs 'n Schwär ist. Aber ich weeß schon, es ist 'n Tier, 'n großes Viech, das mir rein gekrochen ist, weil ich nämlich auf 'm Boden im Heu geschlafen habe.

– Ein Tier? Wissen Sie das bestimmt?

– Das weeß ich ganz bestimmt, bei meiner Seligkeet, Herr Pfarrer, denn es krabbelt mir doch egal im Ohr rum. Das frißt mir noch den ganzen Kopf ab, ganz sicher, frißt's mir den Kopf ab. Au! O weh! O weh! Au! Au!

Und er stieß wieder mit dem Fuße auf.

Alle Anwesenden zeigten großes Interesse. Jeder äußerte eine Ansicht. Poiret meinte, es müsse eine Spinne sein, der Lehrer, es wäre eine Raupe, das hatte er einmal früher schon erlebt in Campemuret im Département Orne wo er sechs Jahre gewesen war. Die Raupe, die war damals ins Ohr hereingekrochen und zur Nase wieder heraus, aber der Mann war taub geblieben, weil das Trommelfell zerstört gewesen.

Der Pfarrer meinte:

– Es wird wohl eher ein Wurm sein.

Belhomme hielt den Kopf schief und legte ihn an die Thür an, denn er war zuletzt eingestiegen. Er stöhnte noch immer:

– Au! Au! Au! Ich gloobe beinahe, ich fürchte es muß eene Ameise sein, eine große Ameise, weil's so fürchterlich beißt. Wissen Se, Herr Pfarrer, sie läuft rum,, sie läuft rum. Au! Au! Au! Verflucht noch mal!

– Bist Du nich zum Doktor gemacht? fragte Caniveau.

– Nee, das nu nich.

– Warum denn nicht?

Die Furcht vor dem Arzt schien Belhomme schon wieder gesund zu machen.

Er richtete sich auf, ohne jedoch sein Taschentuch loszulassen.

– Wozu soll denn das? Hast Du etwa Geld für diese Faulenzer übrig? So eener wäre eenmal gekommen, zweimal, dreimal, viermal, finfmal, das wäre zuviel Geld gewesen und was hätte er denn gemacht, der Müßiggänger? Was hätt' er dann machen sollen? Weeßt Du's etwa?

Caniveau lachte.

– Nee, das weiß ich nicht. Wo willst De denn also hinmachen?

– Ich will nach Havre zu Chambrelan.

– Was für 'nen Chambrelan?

– Nu, ja, zum Wunderdokter!

– Was für 'nen Wunderdokter?

– Der Wunderdokter, der meinen Vatter kuriert hat.

– Deinen Vatter?

– Nu ja, früher einmal meinen Vater.

– Was hat denn Dein Vater gehabt?

– Der hat 'n Wind in 'n Rücken gekriegt, daß er keen Been mehr vors andere setzen konnte.

– Was hat denn Dein Chambrelan gemacht?

– Der hat den Rücken geknetet, als wollte er Brot machen, mit beeden Händen und in zwee Stunden war's weg.

Belhomme wußte, daß Chambrelan das Leiden auch besprochen hatte, aber das wagte er vor dem Pfarrer nicht zu sagen. Caniveau fing lächelnd wieder an:

– Du wirst wohl 'n Karnickel im Ohr haben. Das hat wahrscheinlich das Loch für seine Röhre gehalten von wegen die Bewaldung rundrum. Warte nur, ich werds schon'rausholen.

Und Cäsar bildete mit den Händen ein Sprachrohr und fing an, zu bellen wie ein Jagdhund. Er kläffte, heulte, klagte und wimmerte und die ganzen Insassen des Wagens fingen an zu lachen, sogar der Lehrer, der sonst nie eine Miene verzog.

Aber da Belhomme wütend zu sein schien, daß man sich über ihn lustig machte, wechselte der Pfarrer die Unterhaltung und sagte zu Rabot's Frau:

– Haben Sie eine zahlreiche Familie?

– Na 's schleicht so, Herr Pfarrer. Ach, ist das schwer, die Würmer ufzuziehen.

Rabot nickte beifällig mit dem Kopfe, als wollte er sagen: ja, ja, die Erziehung ist schwer.

– Wieviel Kinder haben Sie denn?

Sie erklärte bestimmt, mit starker und sicherer Stimme:

– Sechzehn Kinder, Herr Pfarrer: fufzehn von mein Mann.

Und Rabot lächelte noch mehr und nickte. Er, Rabot, ganz allein hatte fünfzehn, seine Frau gab es zu, also war gar nicht daran zu zweifeln und er konnte verflucht stolz darauf sein.

Von wem das sechszehnte sei, sagte sie nicht. Es war wahrscheinlich das erste. Die Leute mochten es wohl wissen, denn niemand wunderte sich weiter, sogar Caniveau verzog keine Miene.

Aber Belhomme fing wieder an zu stöhnen:

– Au! Au! Au! Das bohrt mir mitten drinne! O weh! O weh!

Der Wagen hielt am Café Polyte. Der Pfarrer riet, man sollte ihm ein bißchen Wasser ins Ohr gießen, dann würde das Tier vielleicht herauskommen.

– Wollen wirs nicht versuchen?

– Meinetwegen.

Und alle stiegen aus, um der Operation beizuwohnen.

Der Pfarrer ließ sich eine Waschschale geben, ein Handtuch und ein Glas mit Wasser. Dann mußte der Lehrer den Kopf des Patienten recht schief halten, um ihn dann sobald die Flüssigkeit in den Ohrkanal eingedrungen, plötzlich wieder aufzurichten.

Aber Caniveau, der schon ins Ohr Belhommes hineinsah, um zu sehen, ob er nicht vielleicht das Tier mit bloßem Auge erkennen könnte, rief:

– Dunnerschtag. noch mal, der Dreck da drinne! Weeßte mei Alter, das müssen mir erscht mal reene machen, aus der Marmelade kann Dei Karnickel nicht raus, da drinnen bleibts mit allen vier Beenen kleben.

Der Pfarrer betrachtete nun seinerseits das Ohr und sah, daß der Eingang zu eng war und zu schmutzig, um die Austreibung des Tieres zu versuchen. Nun ging der Lehrer daran, mit Hilfe eines Streichholzes und eines darum gewickelten Lappens die Oeffnung zu reinigen und dann goß unter allgemeiner Aufmerksamkeit der Pfarrer in den gereinigten Gehörgang ein halbes Glas Wasser, das über das Gesicht lief, in die Haare und in Belhommes Hals.

Darauf drehte schnell der Lehrer den Kopf wieder über die Waschschale, als ob er ihn hatte abschrauben wollen. Ein paar Tropfen liefen in das weiße Gefäß zurück. Alle Reisenden stürzten herbei. Kein Tier war herausgekommen.

Aber Belhomme erklärte:

– Ich fühle nischt mehr.

Der Pfarrer war glückselig und rief:

– Wahrscheinlich wirds ertrunken sein.

Alle waren befriedigt und man stieg wieder in den Wagen.

Aber kaum hatte sich die Post in Bewegung gesetzt, als Belhomme wieder anfing, fürchterlich zu brüllen. Das Tier war wieder erwacht und wütend geworden. Er behauptete jetzt sogar, es sei ihm in den Kopf gedrungen und fresse sein Gehirn. Er heulte mit solchen Zuckungen, daß Poiret's Frau meinte, er sei vom Teufel besessen, anfing zu flennen und das Kreuz schlug.

Dann erklärte der Kranke, als der Schmerz etwas nachgelassen hatte, daß das Tier jetzt im Ohr herumkrieche und mit dem Finger bezeichnete er alle Bewegungen als sähe er es und folgte ihm mit dem Blicke.

– Sehen Sie, da kriecht's wieder rauf. Auj Au! Au! O weh! O weh!

Caniveau wurde ungeduldig:

– Das Wasser hat das Biest eenfach verrückt gemacht. Das säuft vielleicht sonst nur Wein!

Man fing an zu lachen und sagte:

– Wenn wir ins Café Bourbeux kommen, muß man ihm einen Schnaps geben, dann rührt sich's nicht mehr!

Aber Belhomme hielt es vor Schmerzen nicht mehr aus. Er fing an zu schreien, als risse man ihm das Herz aus und der Pfarrer war genötigt, ihm den Kopf zu halten. Jetzt wurde Cäsar Horlaville gebeten, am ersten Hause, an dem sie vorbeikämen, zu halten.

Es war ein baumumstandenes Gehöft am Wege. Belhomme wurde hineingebracht. Man legte ihn auf den Küchentisch, um die Operation fortzusetzen. Caniveau riet wieder etwas Schnaps ins Wasser zu mischen, um das Vieh betrunken zu machen und einzuschläfern, vielleicht sogar zu töten. Aber der Pfarrer zog Essig vor.

Die Mischung wurde, damit sie diesmal bis in die tiefsten Tiefen eindringen sollte, tropfenweise hineingegossen und dann ließ man sie ein Paar Minuten in dem von dem Tier bewohnten Organ.

Wieder wurde eine Waschschale herbeigebracht und durch den Pfarrer und Caniveau, diese beiden Kolosse, ward Belhomme herumgedreht, während der Lehrer mit dem Finger auf das gesunde Ohr klopfte, damit das andere recht gut auslaufen sollte.

Sogar Cäsar Horlaville war, die Peitsche in der Hand, herbeigekommen, um zuzusehen.

Und Plötzlich entdeckte man auf dem Boden der Waschschale einen kleinen, schwarzen Punkt, kaum so groß wie ein Samenkorn. Aber er bewegte sich. Es war ein Floh. Alle schrieen vor Erstaunen, dann erscholl allgemeines Gelächter. Ein Floh! Nein, das war doch zu gut! Cavineau schlug sich auf den Schenkel. Cäsar Horlaville klatschte mit der Peitsche, der Pfarrer lachte wie ein schreiender Esel, der Lehrer als wollte er niesen und die beiden Frauen stießen ein fröhliches Glucksen aus wie die Hennen.

Belhomme hatte sich auf den Tisch gesetzt, die Waschschale auf die Kniee genommen und betrachtete nun aufmerksam halb zornig halb freudig das besiegte Tier, das im Wasser herumschwamm.

Er brummte:

– Da bist de, altes Aas! – und spuckte darauf. Der Kutscher war vor Freude ganz verrückt geworden und rief:

– Ee Floh! Ee Floh! Ah, da bist de du verfluchtes Flohviech! Verfluchtes Flohviech!

Als er sich dann etwas beruhigt hatte, rief er:

– Nu aber einsteigen meine Herrschaften, mir haben genug Zeit vertrödelt!

Und die Reisenden begaben sich lachend wieder zum Wagen.

Belhomme aber, der zuletzt kam, erklärte:

– Ich mache nach Criquetot zurück, jetzt habe ich nischt mehr zu thun in Havre.

Der Kutscher sprach zu ihm:

– Da giebts nischt, Deinen Platz mußt De bezahlen!

– Ich gebe Dir nur die Hälfte, da ich nur den halben Weg gemacht habe.

– Das kommt gehuppt wie gesprungen! Du mußt Allens zahlen, Du hast bis zu Ende genommen.

Und ein Streit entbrannte darüber, der bald zu fürchterlichster Wut anschwoll. Belhomme schwor, er würde nur zwanzig bezahlen und Cäsar Horlaville, er bekäme vierzig und sie schrieen Kopf an Kopf, Auge an Auge. Caniveau stieg wieder aus:

– Erschtens bist Du dem Herrn Pfarrer vierzig schuldig und dann mußt De Allen was spendieren, das macht fünfundfünfzig und dann zwanzig an Cäsar. Habe ich nicht recht, Pfiffikus?

Der Kutscher, der glückselig war, daß Belhomme drei Franken fünfundsiebzig bezahlen sollte, antwortete:

– Natürlich!

– Also bleche!

– Ich bleche nischt, der Pfarrer ist kee Dotier.

– Wenn De nich blechst, setze ich Dich in den Wagen und nehme Dich nach Havre mit.

Dabei Packte er Belhomme und hob ihn auf wie ein Kind. Da sah der Andere, daß er sich wohl ergeben müßte und bezahlte. Darauf setzte sich der Wagen wieder nach Havre in Bewegung, während Belhomme sich nach Criquetot zurückwandte. Und alle Reisenden blickten dem auf seinen langen Beinen hinstolpernden nach, solange sie noch die blaue Bluse des Bauern auf der weißen Landstraße sehen konnten.

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