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Hermann Kurz

Isolde Kurz: Hermann Kurz - Kapitel 5
Quellenangabe
typebiography
booktitleHermann Kurz
authorIsolde Kurz
year1906
firstpub1906
publisherGeorg Müller
addressMünchen und Leipzig
titleHermann Kurz
pages342
created20160117
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Nachlese aus den Gedichten der Maulbronner Zeit

Noch weiss ich einen schönen Augenblick,
Ob alles auch mich kränke,
Wenn ich an dich gedenke,
So fühl' ich Glück!
Gleich kurzem Strahl aus trüber Wolken Grunde
War mir's als eine flüchtge Weile
Ein schönes liebes Haupt in Eile
Zum Gruss an meines sich gedrückt:
Warum, so hoch beglückt,
Ach warum starb ich nicht in jener Stunde?


Nichts hab' ich heute aus dem Schacht
Zu Tag gebracht,
Doch hab' ich stets an dich gedacht.
Ich blicke aufwärts zu dem Glanz der Sterne
Und flüstre in die Ferne:
Mein süsses Leben, gute Nacht!


                  Poetisches Ringen.

Wie braust das Herz, wie wogen die Gefühle!
Es flutet mir, ein stark bewegtes Meer,
Das innre Leben treibend hin und her,
Die Klarheit sinkt in diesem Wellenspiele! 43

Aus dieser Stürme ungestümem Heer,
Aus diesem heftig schwankenden Gewühle
O lenke mich ein Gott zu einem Ziele!
In diesem Drang fühl' ich mich selbst nicht mehr.

Vergebens! Nicht in Worte kann ich's greifen,
Die Hand erfasst ein dunkles Schattenwesen,
Wenn innen die Empfindungen sich häufen.

Nur in ein Ahnen will's zuletzt sich lösen,
Und dann umweht mich friedlich stilles Sehnen,
Und aus dem Busen quellen sanfte Tränen.


Sitz' ich so da, von Träumerei'n gebunden,
Bewusstlos irrend auf der Dichtung Saiten,
Gespinnst zusammenrollend aller Zeiten,
Das Aug' ins Blau des Weltalls hingeschwunden. –

Das Herz, getroffen und geheilt von Wunden,
Lässt Bilderreih'n zu holdem Weben gleiten,
Ahnungen, die auf künftge Schöpfung deuten:
Das sind des Klosterlebens schönste Stunden!

Ein Walten regt sich dunkelhell am Himmel,
Es ist, als wollte fallen eine Hülle,
Da steigt ein schönes Bild vom Meer der Klippen,

Es dringt durch das verschwindende Gewimmel,
Die Arme weit, geschwellt des Busens Fülle,
Und immer näher schwebt es zu den Lippen.


Wie schön, o süsse Freundin, wenn im Schweben
Des Geistes wir auf einem Weg uns finden,
Wie in des edlen Schachtes tiefen Gründen
Sich grüssen zwei in Einer Ader Streben. 44

Schlug nicht dein Herz in einem süssen Beben,
Wenn ein verwandtes Wort uns konnt' entzünden
Zu Eines Strahles seligem Verbinden,
Auf dem die Seelen sich zum Äther heben?

Da sind die Augen aus dem Buch geflogen,
Die Blicke sind in Einen Blick geflossen,
Zusammeneilend auf der Liebe Flügeln,

Zusammenschwimmend auf der Liebe Wogen,
Es ist, als wär' ein neuer Bund geschlossen,
Und diesen darf doch wohl ein Kuss besiegeln?


Einsam, verbannt in eine leere Wüste,
Nah' ich zu eurem Tempel, teure Musen,
Und werf in eure Arme liebend mich.
Ich habe niemand, keine treue Brust,
Aus der ich Trost und Freude saugen könnte,
Mit der ich Glück und Unglück teilen dürfte;
Wohl hab' ich Freunde, aber keinen Freund!
Kein Herz ist, das mein Herz verstehen möchte,
Kein Geist, der auf den Schwingen der Gedanken
Mit meinem Geist den Flug vereinen wollte.
Ich wohne still, ein Fremder unter Fremden,
In mich gedrängt, die Pflanze, die kein Baum
In seine Arme fassend schützt und hält.
Vater und Mutter haben mich verlassen
Und ruhen tief von dieses Lebens Müh'n.
Ich habe keine Schwestern, die mein Herz
Mit treuer inniger Liebe fest umfassten.
Seid ihr, o Musen, meine lieben Schwestern,
Und helft mir tragen alles, was mich presst;
In euren stillen Busen lasst mich's legen,
Wenn Glück den meinen schwellt, in eure Brust
Lasst mich vertrauensvoll den Kummer schütten,
Der mir ein Erbteil war seit Jahren schon. 45
Ich muss ja jemand haben, dass ich nicht
Vergeh', verschmacht' in dieser Einsamkeit.
Ein Wesen lebt, zu dem mein Herz mich zieht,
Nah ist's und doch so fern, denn ich bin Sklave,
Galeerensklave, der die Kette sprengt.
Und dieses Wesen, euch o teure Schwestern,
Euch weih' ich diese liebliche Gestalt.
In eurem Tempel stell' ich auf ihr Bild
Und knie schweigend in dem Heiligtum,
Das Haupt gesenkt, der Priesterweihe wartend,
Die vom Gemeinen rettend mich erhebt.


Nun sind des Tages Stunden' voll,
Verklungen auch ein halber Sang;
Wie mir doch heut der Busen schwoll
Im heissen Liederdrang!

Die Töne sind ins Herz gedrückt,
Erloschen ist des Liedes Licht,
Ich habe keine Blum' gepflückt,
Warum? Ich durfte nicht.

O Nachtigall, ich frage dich,
Wer von uns beiden edler sei?
Doch was bist du, und was bin ich?
Gefangen ich, du frei!


                  Schwäbisches Sonett.

A's send mer oftmåls schõ Gedankẽ kommẽ,
Ob net mẽi Språch zue fremde Måss dät passẽ:
Probirẽ kann e s jå; wills net guet lassẽ,
Ha nõ! s dent au net aelle Probẽ fromme.

Jetz dåcht ond dõ! i han mei Feder gnommẽ,
I setz me nã ond wills jetz zsammẽfassẽ: 46
Gãt s net em Ernst, so kann i ja mit spassẽ;
Wort findt meẽ gnuẽg, nå braucht mẽ net zverstommẽ.

Ond wie-n-e guck, so han e schõ was gschriebẽ,
Ond wie-n-es les, s duẽt net so übel klengeẽ,
So ben e denn au net beim Ã'fang bliebẽ.

D Vers fliesset fort: des Deng wär fast zom Sengẽ,
Ond ẽ Sonnet ists nach seim ganze Wesẽ,
I stand derfilr, s ists erst en Schwåbe gwesẽ. 47

 


 

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