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Hermann Kurz

Isolde Kurz: Hermann Kurz - Kapitel 3
Quellenangabe
typebiography
booktitleHermann Kurz
authorIsolde Kurz
year1906
firstpub1906
publisherGeorg Müller
addressMünchen und Leipzig
titleHermann Kurz
pages342
created20160117
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Einleitung

Am 10. Oktober 1873 hat der Dichter Hermann Kurz die Augen geschlossen. Seine Lebensgeschichte ist bis zur Stunde noch nicht geschrieben. Die knapp umrissene, aber meisterliche Porträtskizze die Paul Heyse in seinem Vorwort zu der ersten Gesamtausgabe der Werke von Hermann Kurz entworfen hat, ist noch immer das einzig zuverlässige Bild, das von dem Dichter existiert. Was von anderer Seite hinzukam, war häufig eher dazu angetan, die Züge zu verwirren, als sie deutlicher herauszuformen. Es gibt vielleicht kein Dichterlos, das einen grösseren Gegensatz zwischen innerer Anlage und äusserem Lebensgang aufweist als das seinige. Da er ein Freund astrologischer Studien, versteht sich zu poetischen Zwecken, war, so verstösst es nicht gegen seinen Geist, wenn ich von ihm sage, dass er nach der Konstellation seiner Geburtsstunde zu den sonnigen Jupiterskindern gehörte, dass aber böse saturnische Einflüsse frühe in sein äusseres Geschick eingriffen und sein Dasein mit Kampf und Not erfüllten. Daher steht sein persönliches Leben in tiefem Schatten, während über seinen Werken der Sonnenschein des siegreichen Humors, der unzerstörbaren Weltfreudigkeit 2 lacht. Dieses Gegensatzes zwischen Naturell und Schicksal sich immer bewusst zu bleiben, ist für den nachgeborenen Biographen nicht leicht, der für des Dichters Persönlichkeit ganz auf die schriftlichen Zeugnisse, vor allem auf seine eigenen Briefe, angewiesen ist. Hier findet er nur den oft herzbrechenden Bericht über seine Kämpfe mit der Aussenwelt, aber die Ergänzung fehlt, die die Briefempfänger in Händen hatten: das Bild der gemeinsam durchschwelgten hohen Stunden und des elastischen Siegesmuts, mit dem der Dichter nach jeder Enttäuschung sich wieder aufrichtete; denn was sich von selbst versteht, das pflegt man in Briefen nicht auszusprechen. Wer nun seine Laufbahn Schritt für Schritt an der Hand dieser Zeugnisse verfolgt, um sie in den schroffen Aussenlinien wiederzugeben, wie sie sich etwa in dem Briefwechsel mit seinem Jugendfreunde Rudolf Kausler darstellt, der ist in Gefahr, sein Bild viel zu sehr grau in grau zu malen, wie es den meisten begegnet ist, die über ihn schrieben.

Da kann es auch beim wärmsten Bemühen nicht an Verzeichnungen fehlen: derselbe Mann, von dem Heyse aus seinen trübsten Lebensjahren berichtet, dass, wer sein Schicksal nicht kannte, ihn nach dem Glanze seiner Augen, seiner freien Haltung, der Milde und freudigen Kühnheit seines Wesens für einen der Lieblinge des Glückes halten musste, erscheint in den Darstellungen der Späteren nicht selten als ein düsterer, früh 3 verbitterter, knorriger, menschenfeindlicher Sonderling. Es ist ihnen daraus kein Vorwurf zu machen, sie kannten ja nur die Nöte, die ihn bedrängten, und die wachsende Vereinsamung seiner Mannesjahre, aber nicht die frischen Hilfsquellen, die fort und fort in seinem Innern sprudelten. Heyse allein, der aus dem unmittelbaren Austausch schöpfte, besass noch die Mittel, dieser Erscheinung die volle Lebenswahrheit zu geben. Aber seine unübertrefflich schöne Schilderung ist nur ein Umriss und beschränkt sich auf des Dichters letzte Lebensjahre. Den späteren Darstellern liegt es ob, die von Heyse angelegte Skizze zum Gesamtbild zu erweitern. Das ist keine leichte Aufgabe. Es braucht dazu ausser dem nahen Vertrautsein mit dem Boden Alt-Württembergs die eingehendste Kenntnis der literarischen und politischen Verhältnisse seiner Zeit. Beides steht mir nicht zu Gebote. Und leider bin ich nicht einmal imstand, diese Mängel durch eine Fülle lebendiger Erinnerungen aufzuwiegen. Fiel doch meines Vaters bestes Leben lange vor die Zeit meiner Geburt, und der Mann, dem als Jüngling von seiner dionysischen Tafelrunde (S. »Das Wirtshaus gegenüber«) das beneidenswerteste Mundstück zuerkannt worden war, redete als Familienvater fast gar nicht mehr, am wenigsten in den späteren Jahren, wo ich erst zu einem Austausch fähig wurde. Ich kann also auch meinerseits nicht den Anspruch erheben, die Lücke befriedigend auszufüllen. Doch gibt mir der Besitz von 4 intimen Familienbriefen und manche erhaltene Überlieferung wenigstens einen Einblick in die Zeit seines Werdens, und der Vorteil des gemeinsamen Blutes lässt mich hoffen, manche Züge seines Wesens richtiger, als dem Fremden möglich ist, zu deuten und so dem künftigen, besser ausgerüsteten Biographen die Gesichtspunkte für die Auffassung des Menschen und des Dichters Hermann Kurz zu liefern.

Als ich mein geistiges Auge zu öffnen begann, lebte mein Vater schon wie ein lebendig Verschollener. Ein Bannkreis umgab den schweigenden Mann, der ihn gleichsam von der Mitwelt absonderte. Es war, als wären alle übereingekommen, von dem, was er der Welt gegeben hatte, zu schweigen. Die mit ihm jung gewesen, seine Freunde und Mitstrebenden, hatte das Schicksal frühe stumm gemacht. Das nachwachsende Geschlecht besass in jener literarisch matten Zeit nicht so viel selbständigen künstlerischen Instinkt, um sich ohne Hinweis von aussen für eine echte Kunstschöpfung zu begeistern. Die politische Partei, der er seine besten Mannesjahre geopfert hat, stand seiner reinen tendenzlosen Kunst kühl gegenüber. In der Literatur wurde er gar mit Heinrich Kurz, dem Literarhistoriker, verwechselt. Die Jugend sang seine Lieder nach den Silcherschen Melodien und wusste nicht mehr, wer der Verfasser war. Wir fühlten uns wie Königskinder im Exil, deren Vater seine rechtmässige Krone nicht tragen darf.

5 »Ich bin zwischen die Zeiten gefallen,« sagte der Dichter selbst, wenn er in späteren Jahren sich je einmal über seine literarische Laufbahn äusserte. Ja, er war zu spät gekommen für die Zeit, wo rein poetische Interessen im Vordergrund des deutschen Geisteslebens standen. In den bald danach ausbrechenden politischen Stürmen verstummte seine parteilose Muse, während der Dichter selbst zum Kämpfer wurde und seine ganze persönliche Existenz für seine Überzeugung einsetzte. Nachdem der Sturm sich gelegt hatte, gab es kein literarisches Württemberg mehr, und ein Deutschland, das dem Dichter hätte vergüten und vergelten können, gab es überhaupt noch nicht. Unter dieser bösen Konjunktur verfloss sein Leben. Als er dann nach seinem Tode in den Gesammelten Werken zum erstenmal in geschlossener Gestalt vor das Publikum trat, da wiederholte sich das »Zwischen die Zeiten fallen«. Nun gab es zwar ein Deutschland, aber dieses Deutschland, das eben erst im grossen und groben von dem gewaltigsten Werkmeister zurechtgezimmert war, hatte zunächst anderes zu tun, als ästhetischen Interessen nachzugehen, und als es sich endlich auf diese wieder besann, da wollte man in dem neuen Reiche alles neu haben, am neuesten die Kunst; man lebte von der Erwartung der Dinge die da kommen sollten und liess sich nur sehr ungerne daran erinnern, dass es schon vordem eine deutsche Dichtkunst gegeben hatte. Überdies wurde jetzt das mit der politischen 6 Führerschaft verbundene Überwiegen des norddeutschen Geistes auch in der Literatur der Verbreitung eines so spezifisch süddeutschen Dichters, wie Hermann Kurz, hinderlich. Und als schlimmster Gegner kam noch der rohe Naturalismus dazu, der wieder für eine lange Zeit die Wege der wahren Kunst verschüttete. Wenn zuvor Hermann Kurz mit seinem kühnen und trotzigen Wahrheitssinn für eine matte, durch flaue Schönfärberei verzärtelte Periode zu männlich und stark gewesen war, so wusste diese, die die Fahne eines falschen Realismus schwang, wiederum nichts mit ihm anzufangen, weil seine Wahrheitsliebe auf die typische, immer wiederkehrende Wahrheit, nicht auf die zufällige, einmalige gerichtet ist. Aber auch die schlimmste Konjunktur nimmt einmal ein Ende. Zwar nur langsam, wie Gletscher schieben, aber unaufhaltsam verschiebt sich ein Kulturbild. So scheint nun endlich der Tag für Hermann Kurz anzubrechen. Schon in den letzten Jahren stellten sich Zeichen ein, dass die Erinnerung an ihn zu erwachen beginne, die Reclamsche Universalbibliothek verbreitete seine kleinen feinen Erzählungen, dann mit Ablauf der literarischen Schutzfrist erschienen als die ersten Schwalben die Neuauflagen der grossen Romane, denen jetzt fort und fort weitere Ausgaben folgen, und endlich brachte als dankenswertestes Unternehmen der Verlag von Max Hesse die neue, von Hermann Fischer, dem Sohne des Dichters J. G. Fischer, besorgte Ausgabe der 7 Sämtlichen Werke, die durch einige wertvolle, in der früheren Gesamtausgabe fehlende Stücke ergänzt und mit gediegenen, von liebevollem Verständnis durchdrungenen Einleitungen zu jedem Bande versehen ist. Wie ein Verschütteter aus tiefem Schachte steigt der Dichter heute herauf, in voller Frische, unberührt vom Fittich der Zeit, die so viele seiner gefeierteren Zeitgenossen unterdessen in Staub und Asche gewandelt hat. Kein Rünzelchen auf der blühenden Wange seiner Muse. Seine Gestalten sind noch lebendig und menschlich wahr bis in die kleinste Nebenfigur herab, Sprache und Gedanken sind unveraltet, jede Zeile neu und blank, als wäre sie heute geschrieben. So tritt der Dichter einem neuen Geschlecht gegenüber, auf das der alte Unstern nicht mehr wirkt: es gibt heute keine literarischen Moden mehr, da in unsern Tagen alles und nichts Mode ist; der Zeitgeist wendet sich wieder den ästhetischen Interessen, wenn auch noch mit ungenügenden Mitteln zu, die geistigen Zollschranken innerhalb Deutschlands sind gefallen, und wenn der Süden sich des Vorrechts seiner älteren Kultur begeben hat, um auf das bewegtere Geistesleben seiner norddeutschen Brüder einzugehen, wenn er sogar zu diesem Zweck das Fremdartige der niederdeutschen Sprechweise überwindet, so darf er jetzt vom Norden das gleiche Entgegenkommen für seine führenden Geister erwarten. Damit ist dem Dichter, der die Heimatkunst pflegte, lange bevor dieses neue 8 Wort für eine alte Sache geprägt war, endlich der Weg aus der engeren Heimat, die für seine Maasse zu klein war, in das grosse Gesamtvaterland eröffnet.

Um aber zu begreifen, wie es zuging, dass ein Dichter von der Stärke und Bedeutung eines Hermann Kurz von seiner Zeit so unter Schutt begraben werden konnte, muss man sich den Boden Alt-Württembergs, dem er entsprossen ist, und die Zeit seines Wachstums vor Augen halten.

Die Schwaben gelten gewiss mit Recht für einen reich begabten Volksstamm. Aber auf engen Raum zusammengedrängt und von Natur mit harten Köpfen begabt, haben sie sich von jeher schlecht miteinander vertragen. Das Bestreben, einander zu verkleinern, ja lieber einen ganz Fremden, wäre er auch minder verdienstvoll, anzuerkennen, als einen der Eigenen, ist ein unverwischbares Stammesmerkmal. Diese Sucht, sich gegenseitig am Zeuge zu flicken, die durch das angeborene kaustische Element verschärft wird, ist so allgemein, dass der Schwabe sich derselben kaum bewusst ist und häufig gar keinen bösen Willen damit verbindet. Selbst in die Klangfarbe des Dialekts hat sich diese Streitsucht eingeschlichen; denn wenn zwei Schwaben auf der Strasse zusammen reden, scheint es dem uneingeweihten Ohre, als zankten sie sich. Erst im Ausland kommt es ihnen zum Bewusstsein, wie viel schonender andere Stämme unter sich verkehren.

9 In diesem Lande gedeiht das Talent nicht durch Förderung, sondern durch Gegensatz und Widerstand: das dickköpfige Philisterium ist dort der Nährboden des Genius, der mit ihm zu kämpfen hat. Das ist ein Krieg auf Tod und Leben, wobei meistens der Genius auf die Dauer seiner Erdentage unterliegt, um dann später in verklärter Gestalt aufzuerstehen und den Kampf mit besseren Aussichten fortzusetzen. Aller Ruhm Alt-Württembergs geht von seinen Dissidenten aus. Diese sind sämtlich Geschwister von Schiller ab, zwar ungleich an Talent und Temperament, aber gleich an wetterfestem, not- und todverachtendem Idealismus. Ein Familienzug, der sie von weitem kenntlich macht, ist ihre trotzige Gebärde; sie wollen stets mit dem Kopf durch die Wand. Sie sind eben keine Olympier, sie sind Titanenkinder. Eine Ausnahme bildet Mörike, der die umgebende Welt sich anpasst, indem er sie mit seiner spielenden Phantasie, fast ohne es zu bemerken, vollkommen umgestaltet. Dieser lebte denn auch unangefochten dahin, die Philister taten ihm nichts zuleide, er verkehrte mit ihnen auf du und du, und sie bemerkten gar nicht, dass er ein Genie war, sondern hielten ihn für ihresgleichen.

Allein nicht nur der Philister war in Württemberg dem aufstrebenden Genius hinderlich, auch seine Geistesverwandten verlegten ihm den Weg. Das kleine Land war ja viel zu reich an Talenten, um ihnen allen Raum zur Entfaltung zu geben; an 10 den Grenzen aber war die Welt mit Brettern vernagelt. Wer darüber hinausstürmte, der konnte im Elend zugrunde gehen wie Waiblinger, oder wie Hölderlin als ein Schiffbrüchiger zurückkehren. Darum ging es, wie es oft in begabten aber armen Familien zu gehen pflegt, wo ein jeder sein Talent und seine Individualität zur Geltung zu bringen sucht und keiner den andern recht aufkommen lässt. Anderwärts ereignet sich gerade das Umgekehrte: man bildet Cliquen zur gegenseitigen Anpreisung und Förderung, dass der Fremde glauben könnte, in eine ganze Pflanzschule von Genies geraten zu sein. In Württemberg aber fehlte es dem Genius von vornherein an Verkündigern. Sollte ein einheimisches Erzeugnis dort Anerkennung finden, so musste es zuvor exportiert und mit einer auswärtigen Marke wieder eingeführt werden. Ein preussischer Hauptmann war es, der die erste Ausgabe von Hölderlins Gedichten veranlasst hat. In unsern Tagen hat der Norden begonnen, den Ruhm des halbverschollenen Mörike zu machen, wie er zuvor den Uhlands gemacht hatte. Von Schiller ganz zu schweigen. Nicht umsonst singt Mörike von diesem:

– der an Herz und Sitte
Ein Sohn der Heimat war,
Stellt sich in unsrer Mitte
Ein hoher Fremdling dar.

Das war es, was ihm schliesslich seine Geltung gab, dass er als Fremdling wiederkam. In 11 echt schwäbischem Sinn hat einmal Theobald Ziegler den Ursprung der Redensart »er ist nicht weit her« untersucht. Dass er nicht weit her war, liess auch Hermann Kurz nicht in seiner vollen Bedeutung erscheinen, gerade sein starkes Heimatgefühl, das ihn hinderte, den Boden Württembergs zu verlassen, ist ihm in der Heimat schädlich geworden. Nicht als ob es den Schwaben an Sinn für ihre heimischen Produkte gebräche, sie tun sich vielmehr auf die grosse Menge ihrer schöpferischen Geister recht viel zugute; aber sie haben nun einmal die Neigung, diesen bei Lebzeiten den Brotkorb so hoch wie möglich zu hängen. Das wunderliche Stammesselbstbewusstsein, das sie so oft getrieben hat, ihre Grossen als quantité négligeable zu behandeln, findet seinen klassischen Ausdruck in dem köstlichen Vers von Eduard Paulus:

Der Schelling und der Hegel,
Der Schiller und der Hauff,
Das ist bei uns die Regel,
Das fällt uns gar nicht auf.

Auf einem so sonderbaren Boden war die berühmte alte »Schwabenkultur« aufgebaut. Freilich, es war ihr auch anzusehen. Sie umfasste die ganze Welt des Gedankens und besass doch nicht das kleinste Fleckchen, auf dem sie sich sichtbar niederlassen konnte. Das macht: sie war ausschliesslich Männersache; die Schwäbinnen, wenigstens die des Mittelstandes, taten nicht mit, sie beharrten mit Überzeugung in der Unkultur. 12 Es gab keine gesellschaftliche und ästhetische Erziehung durch die Frau; bei der Heirat brach entweder die Entwicklung des Mannes ab, oder es trat bei ihm eine völlige Teilung des inneren und des äusseren Menschen ein. Daher blieb diese Kultur eine rein literarische, die aus dem Studierzimmer der Poeten und Gelehrten nicht einmal bis in die nächste Umgebung den Weg fand, so dass, während das Familienhaupt zu den Sternen am geistigen Himmel zählte, häufig die nächsten Angehörigen in einer fast bäurischen Unwissenheit und Formlosigkeit dahin lebten. Es hat etwas Schauerliches, sich die Weltweite dieser Geister und dazu die erdrückende Enge ihres leiblichen Daseins vorzustellen. Dazu kommt, dass fast alle talentvollen jungen Leute durch die Armut zum unentgeltlichen Studium der Theologie getrieben wurden und dass eine Landpfarrei das gewöhnliche irdische Ziel der Titanensöhne war. Der Weg dahin führte durch die Pforte des »Landexamens« in die klösterliche Zucht der niederen Seminarien und von da in das bekannte »Tübinger Stift«. In diesem Stift, der wahren Stiefmutter unserer grossen Geister, wurden sie in den Entwicklungsjahren von allem äusseren Leben ferngehalten und systematisch zu jener vielberufenen stiftlerischen Unweltläufigkeit erzogen, die ihnen später das Weiterkommen auf jedem anderen als dem von der Anstalt vorgeschriebenen Wege so sehr erschweren musste.

Wenn es ohnehin die Art der schöpferischen 13 Naturen ist, sich unter dem Eindruck ihrer inneren Gesichte schwerer in der Welt zurechtzufinden als der gewöhnliche Menschenschlag, so hat Alt-Württemberg seinen genialen Männern noch geflissentlich Ketten um Ketten an die Füsse gelegt. 14

 


 

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