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Henrich Stillings Jünglings-Jahre / 1

Johann Heinrich Jung-Stilling: Henrich Stillings Jünglings-Jahre / 1 - Kapitel 14
Quellenangabe
typeautobio
booktitleHenrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häsliches Leben
authorJohann Heinrich Jung-Stilling
year1997
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000662-7
titleHenrich Stillings Jünglings-Jahre / 1
pages85-194
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1778
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An einem Sonntag abend saß Stilling mit Lieschen (so hieß das Mädchen) am Tisch und sungen zusammen. Ob nun das Lied einigen Eindruck auf sie machte, oder ob ihr sonst etwas Trauriges einfiel, weiß ich nicht; sie fing herzlich an zu weinen. Stilling fragte sie, was ihr fehlte? Sie sagte aber nichts, sondern stund auf und ging fort, kam auch diesen Abend nicht wieder. Sie blieb von der Zeit an melancholisch, ohne daß Stilling damals gewahr wurde, warum. Diese Veränderung machte ihm Unruhe, und zu einer andern Zeit, da sie beide wiederum allein waren, setzte er so hart an sie, daß sie endlich folgendergestalt anfing:

»Heinrich, ich kann und darf dir nicht sagen, was mir fehlt, ich will dir aber etwas erzählen: Es war einmal ein Mädchen, das war gut und fromm, und hatte keine Lust zu unzüchtigen Leben; aber sie hatte ein zärtliches Herz, auch war sie schön und tugendsam.

Diese ging an einem Abend auf ihrer Schlafkammer ans Fenster stehen, der Vollmond schien so schön in den Hof, es war Sommer, und alles draußen so still. Sie bekam Lust, noch ein wenig herauszugehen. Sie ging still zur Hintertür hinaus in den Hof, und aus dem Hof in die Wiese die daran stieß. Hier setzte sie sich unter eine Hecke in den Schatten, und sung mit leiser Stimme: ›Weicht quälende Gedanken!‹ (Dieses war eben das Lied, welches Lieschen den Sonntag abend mit Stilling sung, als sie so außerordentlich traurig wurde.) Nachdem sie ein paar Verse gesungen hatte, kam ein wohlbekannter Jüngling bei sie, der grüßte sie, und fragte: Ob sie wohl ein klein wenig mit ihm die Wiesen herunter spazieren wollte? Sie tat's nicht gern, doch als er sie sehr nötigte, so ging sie mit. Als sie nun eine Strecke zusammen gewandelt hatten, so wurde dem Mädchen auf einmal alles fremd. Sie befand sich in einer ganz unbekannten Gegend, der Jüngling aber stund lang und weiß neben ihr, wie ein Toter der auf der Bahre liegt, und sah sie erschrecklich an. Das Mädchen wurde todbange, und sie betete recht herzlich, daß ihr doch der liebe Gott gnädig sein möchte. Nun drehete sie der Jüngling auf einmal mit dem Arm herum, und sprach mit hohler Stimme: ›Da sieh wie es dir ergehen wird!‹ Sie sahe vor sich hin eine Weibsperson stehen, welche ihr selbsten sehr ähnlich oder wohl gar gleich war; sie hatte alte Lumpen anstatt der Kleider um sich hangen, und ein kleines Kind auf dem Arm, welches ebenso ärmlich aussehe. ›Sieh!‹ sagte der Geist ferner! ›das ist schon das dritte unehliche Kind das du haben wirst.‹ Das Mädchen erschrak und sunk in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich selber kann, da lag sie in ihrem Bett und schwitzte vor Angst, sie glaubte aber sie hätte geträumt. Siehe, Heinrich! das liegt mir immer so im Sinn, und deswegen bin ich traurig.« Stilling setzte hart an sie mit Fragen, ob ihr das nicht selbsten passiert wäre? Allein sie leugnete es beständig, und bezeugte daß es eine Geschichte wäre, die sie hätte erzählen hören.

Die traurige Lebensgeschichte dieser bedauernswürdigen Person hat es endlich ausgewiesen, daß sie diese schreckliche Ahndung selber muß gehabt haben; und nun läßt es sich leicht begreifen, warum sie damals so melancholisch geworden. Ich übergehe ihre Historie aus wichtigen Gründen, und sage nur so viel: Sie beging ein Jahr hernach eine kleine ganz wohl zu entschuldigende Torheit; diese war der erste Schritt zu ihrem Fall, und dieser die Ursache ihrer folgenden schweren und betrübten Schicksale. Sie war eine edle Seele, begabt mit vortrefflichen Leibes- und Geistesgaben; nur ein Hang zur Zärtlichkeit, mit etwas Leichtsinn verbunden, war die entfernte Ursache ihres Unglücks. Aber ich glaube: Ihr Schmelzer wird sitzen, und sie wie Gold im Feuer läutern, und wer weiß ob sie nicht dermaleins heller glänzen wird als ihre Richter, die ihr das Heiraten verboten, und wann sie dann ein Kind von ihrem verlobten Bräutigam zur Welt brachte, so mußte sie mit dem Merkzeichen einer Erzhure am Pranger stehen. Wehe den Gesetzgebern, welche! – doch ich muß einhalten, ich werde nichts bessern, wohl aber die Sache verschlimmern. Noch ein Weh mit einem Fluch. Weh den Jünglingen! welche ein armes Mädchen bloß als ein Werkzeug der Wollust ansehen, und verflucht sei der vor Gott und Menschen, der ein gutes frommes Kind zu Fall bringt, und sie hernach im Elend verderben läßt!

Herr Pastor Stollbein hatte indessen Stillingen zu Florenburg entdeckt, und er ließ ihn rufen, als er die letzte Woche daselbst bei seinem Meister war. Er ging hin. Stollbein saß in seinem Sessel und schrieb. Stilling stellte sich hin, mit dem Hut unter dem Arm.

»Wie geht's? Stilling!« fragte der Prediger.

»Mir geht's schlecht, Herr Pastor! gerad wie der Taube Noä, die nicht fand wo ihr Fuß ruhen konnte.«

»So geht in den Kasten!«

»Ich kann die Tür nicht finden.«

Stollbein lachte herzlich, und sagte: »Das kann wohl sein. Euer Vater und Ihr nahmet's mir gewiß übel, als ich Eurem Ohm Simon sagte: Ihr solltet nähen, denn kurz darauf ginget Ihr ins Preußische, und wolltet dem Pastor Stollbein zu Trotz schulhalten. Ich hab's wohl gehört, wie's gegangen hat. Nun da Ihr lang herumgeflattert habt, und die Tür nicht finden könnt, so ist's wieder an mir, daß ich Euch eine zeige.«

»O Herr Pastor!« sagte Stilling: »Wenn Sie mir zur Ruhe helfen können, so will ich Sie lieben als einen Engel, den Gott zu meiner Hülfe gesandt hat.«

»Ja, Stilling! jetzt ist Gelegenheit vorhanden, zu welcher ich Euch von Jugend auf bestimmt hatte, warum ich darauf trieb, daß Ihr Latein lernen solltet, und warum ich so gern sahe, daß Ihr am Handwerk bliebet, als es zu Zellberg nicht mit Euch fort wollte. Ich haßte darum daß Ihr bei Krüger waret, weilen Euch der gewiß vor und nach auf seine Seite und von mir ab würde gezogen haben, ich durfte aber auch nicht sagen, warum ich so mit Euch verfuhr, ich meinte es aber gut. Wärt Ihr am Handwerk geblieben, so hättet Ihr jetzt Kleider auf dem Leib, und so viel Geld in der Hand, um Euch helfen zu können. Und was hätte es Euch dann geschadet, es ist ja jetzt noch früh genug für Euch, um glücklich zu werden. Hört! die hiesige lateinische Schule ist vakant, Ihr sollt hier Rektor werden; Ihr habt Kopf genug, dasjenige bald einzuholen, was Euch etwa noch an Wissenschaften und Sprachen fehlen könnte.«

Stillings Herz erweiterte sich. Er sah sich gleichsam aus einem finstern Kerker in ein Paradies versetzt. Er konnte nicht Worte genug finden, dem Pastor zu danken; wiewohl er doch einen heimlichen Schauer fühlte, wieder eine Schulbedienung anzutreten.

Herr Stollbein fuhr indessen fort: »Nur ein Knoten ist hier aufzulösen. Der hiesige Magistrat muß dazu disponiert werden, ich habe schon ingeheim gearbeitet, die Leute sondiert, und sie geneigt für Euch gefunden. Allein Ihr wißt, wie's hier gestellt ist, sobald ich nur anfange etwas Nützliches durchzusetzen, so halten sie mir gerade deswegen das Widerspiel, weilen ich der Pastor bin; deswegen müssen wir ein wenig simulieren, und sehen wie sich das Ding schicken wird. Bleibt ihr nur ruhig an Eurem Handwerk, bis ich Euch sage, was Ihr tun sollt.«

Stilling war zu allem willig, und ging wieder auf seine Werkstatt.

Vor Weihnachten hatte Wilhelm Stilling sehr viele Kleider zu machen, daher nahm er seinen Sohn bei sich, damit er ihm helfen möchte. Kaum war er einige Tage wieder zu Leindorf gewesen, als ein vornehmer Florenburger der Gerichtsschöffe Keilhof zur Stubentür hineintrat. Stillingen blühte eine Rose im Herzen auf, ihm ahndete ein glücklicher Wechsel.

Keilhof war Stollbeins größter Feind; nun hatte er eine heimliche Bewegung gemerkt, daß man damit umginge, Stillingen zum Rektor zu wählen, und dieses war so recht nach seinem Sinn. Da er nun gewiß glaubte, der Pastor würde ihnen mit aller Macht zuwider sein, so hatte er schon seine Maßregeln genommen, um die Sache desto mächtiger durchzusetzen. Deswegen stellte er Wilhelmen und seinem Sohn die Sache vor, und hielte darum an: daß Stilling auf Neujahr bei ihn ins Haus ziehen, und mit seinen Kindern eine Privatinformation in der lateinischen Sprache vornehmen möchte. Die andern Florenburger Bürger würden alsdann vor und nach ihre Kinder zu ihm schicken, und die Sache würde sich so zusammenketten, daß man sie auch gegen Stollbeins Willen würde durchsetzen können.

Diese Absicht war höchst ungerecht; denn der Pastor hatte die Aufsicht über die lateinische, wie über alle andere Schulen in seinem Kirchspiel, und also bei jeder Wahl auch die erste Stimme.

Stilling wußte die geheime Liegenheit der Sache. Er freute sich, daß sich alles so gut schickte. Doch durfte er die Gesinnung des Predigers nicht entdecken damit Herr Keilhof nicht alsbald seinen Vorsatz ändern möchte. Die Sache wurde also auf die Weise beschlossen.

Wilhelm und sein Sohn glaubten nunmehro gewiß, daß das Ende aller Leiden da sei. Denn die Stelle war ansehnlich und einträglich, so daß er ehrlich leben konnte, wenn er auch heiraten würde. Selbsten die Stiefmutter fing an sich zu freuen; denn sie liebte Stillingen würklich, nur daß sie nicht wußte, was sie mit ihm machen sollte; sie fürchtete immer er verdiene Kost und Trank nicht, geschweige die Kleider; doch was das letzte betrifft, so war er ihr darinnen noch nie beschwerlich gewesen, denn er hatte kaum die Notdurft.

Er zog also auf Neujahr 1762 nach Florenburg bei dem Schöffen Keilhof ein, und fing seine lateinische Information an. Als er einige Tage da gewesen war, tat ihm Herr Stollbein ingeheim zu wissen, er möchte einmal zu ihm kommen, doch so daß es niemand gewahr würde. Dieses geschah auch an einem Abend in der Dämmerung. Der Pastor freute sich von Herzen, daß die Sachen eine solche Wendung nahmen. »Gebt acht!« sagte er zu Stilling, »wenn sie sich wegen Eurer einmal eins sind, und alles reguliert haben, so müssen sie doch zu mir kommen, und meine Einwilligung holen. Weil sie nun immer gewohnt sind dumme Streiche zu machen, so sind sie auch gewohnt, daß ich ihnen allezeit konträr bin. Wie werden sie auf spitzige Stichelreden studieren? – und wenn sie dann hören werden, daß ich mit ihnen einer Meinung bin, so wird sie's würklich reuen, daß sie Euch gewählt haben, allein dann ist's zu spät. Haltet Euch ganz ruhig, und seid nur brav und fleißig, so wird's gutgehen.«

Indessen fingen die Florenburger an, des Abends nach dem Essen zum Schöffen Keilhof zu kommen, und sich zu beratschlagen, wie man die Sache am besten angreifen möchte, um auf alle Fälle gegen den Pastor gerüstet zu sein. Stilling hörte das alles, und öfters mußte er hinausgehen, um durch Lachen der Brust Luft zu machen.

Unter denen die bei Keilhof kamen, war ein gar sonderlicher Mann, ein Franzos von Geburt, der hieß Gayet. So wie nun niemand wußte, wo er eigentlich her war, desgleichen ob er lutherisch oder reformiert war, und warum er des Sommers ebensowohl wollene Oberstrümpfe mit Knöpfen an den Seiten trug, als des Winters; wie auch, woher er an das viele Geld kam das er immer hatte, so wußte auch niemalen jemand mit welcher Partie er's hielte. Stilling hatte diesen wunderlichen Heiligen schon kennengelernt, als er in die lateinische Schule ging. Gayet konnte niemand leiden, der ein Werkeltagsmensch war; Leute mit denen er umgehen sollte, mußten Feuer und Trieb nach Wahrheit und Erkenntnis in sich haben; wenn er so jemand fand, dann war er offen und vertraulich. Da er nun zu Florenburg niemand von der Art wußte, so machte er sich ein Pläsier daraus, sie alle zusammen, den Pastor mitgerechnet, zum Narren zu haben. Stilling aber hatte ihm von jeher gefallen, und nun da er erwachsen und Informator bei Keilhof war, so kam er oft hin, um ihn zu besuchen. Dieser Gayet saß auch wohl des Abends da und hielte Rat mit den andern; dieses war aber nie sein Ernst, sondern nur, seine Freude an ihnen zu haben. Einsmals, als ihrer sechs bis acht recht ernstlich an der Schulsache überlegten, fing er an: »Hört ihr Nachbarn, ich will euch was erzählen! Als ich noch mit dem Kasten auf dem Rücken langs die Türen ging und Hüte feil trug, so komm ich auch von ungefähr einmal ins Königreich Siberien, und zwar in die Hauptstadt Emugi; nun war der König eben gestorben, und die Reichsstände wollten einen andern wählen. Nun war aber ein Umstand dabei, worauf alles ankam; das Reich Kreuzspinnland grenzt an Siberien, und beide Staaten haben sich seit der Sündflut her immer in den Haaren gelegen, bloß aus der Ursache: Die Siberier haben lange in die Höh' stehende Ohren, wie die Esel, und die Kreuzspinnländer haben Ohrlappen die bis auf die Schulter hangen. Nun war von jeher Streit unter beiden Völkern; jedes wollte behaupten, Adam hätte Ohren gehabt wie sie. Deswegen mußte in beiden Ländern immer ein rechtgläubiger König erwählt werden; das beste Zeichen davon war, wenn jemand gegen die andere Nation einen unversöhnlichen Haß hatte. Als ich nun da war, so hatten die Siberier einen vortrefflichen Mann im Vorschlag, den sie nicht so sehr wegen seiner Rechtgläubigkeit als vielmehr wegen seiner vortrefflichen Gaben zum König machen wollten. Nur er hatte hoch in die Höhe stehende Ohren, und auch herabhangende Ohrlappen, er trug also in dem Fall auf beiden Schultern; das wollte zwar vielen nicht gefallen, doch man wählte ihn. Nun beschloß der Reichsrat, daß der König mit der wohlgeordneten hochohrichten Armee gegen den langohrichten König zu Felde ziehen sollte; das geschah. Allein, was das einen Alarm gab! – Beide Könige kamen ganz friedlich zusammen, gaben sich die Hände und hießen sich Brüder. Alsofort setzte man den König mit den Zwitterohren wieder ab, und schnitte ihm die Ohren ganz weg, nun konnt' er laufen.«

Der Bürgermeister Scultetus nahm seine lange Pfeife aus dem Mund, und sagte: »Der Herr Gayet ist doch weit in der Welt umher gewesen.« »Ja wohl!« sagte ein anderer, »aber ich glaube er gibt uns einen Stich; er will damit sagen, wir wären alle zusammen Esel.« Schöffe Keilhof aber lachte, blinkte Herrn Gayet heimlich an, und sagte ihm ins Ohr: »Die Narren verstehen nicht, daß Sie den Pastor und sein Konsistorium damit meinen.« Stilling aber, der ein guter Geographus war, und überhaupt die ganze Fabel wohl verstund, lachte recht herzlich und schwieg. Gayet sagte Keilhof wieder ins Ohr, »Sie haben's so halb und halb erraten.«

Nachdem man nun glaubte, sich in gehörige Sicherheit gesetzt zu haben, so schickte man um Fastnacht eine Deputation an den Pastor ab; Schöffe Keilhof ging selbst mit, denn der mußte das Wort führen. Stillingen wurde Zeit und Weile lang, bis sie wiederkamen, um zu hören, wie die Sache abgelaufen wäre. Er hörte es auch von Wort zu Wort. Keilhof hatte den Vortrag getan.

»Herr Pastor! wir haben uns einen lateinischen Schulmeister ausgesucht, wir kommen her, um es Ihnen anzukündigen.«

»Ihr habt mich aber nicht eh' gefragt, ob ich den auch haben will, den Ihr ausgesucht habt.«

»Davon ist die Frage nicht, die Kinder sind unser, die Schul' ist unser, und auch der Schulmeister.«

»Aber welcher unter Euch versteht wohl soviel Latein, um einen solchen Schulmeister zu prüfen, ob er auch zu dem Amte nutzt?«

»Dazu haben wir unsre Leute.«

»Der Fürst aber sagte: Ich soll der Mann sein, der den hiesigen Rektor examinieret und bestätiget, versteht Ihr mich!«

»Deswegen kommen wir ja auch her.«

»Nun dann! ohne Weitläuftigkeit! – ich hab auch einen ausgesucht der gut ist, – und das ist – der bekannte Schulmeister Stilling!«

Keilhof und seine Leute sahen sich an. Stollbein aber stund und lächelte mit Triumph, und so schwieg man eine Weile und sagte gar nichts.

Keilhof erholte sich endlich, und sagte: »Nun denn so sind wir ja einer Meinung!«

»Ja, Schöffe Starrkopf! wir wären denn doch endlich einmal einer Meinung! bringt Euren Schulmeister her! ich will ihn bestätigen, und einsetzen.«

»So weit sind wir noch nicht, Herr Pastor! wir wollen ein eignes Schulhaus vor ihn haben, und die lateinische Schule von der teutschen seperieren.«

(Denn beide Schulen waren vereiniget, jeder Schulmeister bekam das halbe Gehalt, und der lateinische half dem teutschen in den übrigen Stunden.)

»Gott verzeih mir meine Sünde! da säet doch der Teufel wieder sein Unkraut. Wo soll Euer Rektor denn von leben?«

»Das ist wiederum unsre Sache und nicht die Ihrige.«

»Hört Schöffe Keilhof! Ihr seid ein recht dummer Kerl! ein Vieh, so groß als eins auf Gottes Erdboden geht, schert Euch nach Haus!«

»Was? Ihr – Ihr – scheltet mich?«

»Geht großer Narr! Ihr sollt nun Euren Stilling nicht haben, so wahr ich Pastor bin!« und damit ging er in sein Kabinett, und schloß die Tür hinter sich zu.

Noch eh' der Schöffe nach Haus kam, erhielt Stilling Ordre nach dem Pfarrhaus zu kommen; er ging und dachte nicht anders als er würde nun zum Rektor eingesetzt werden. Allein, wie erschrak er nicht, als ihn Stollbein folgendergestalt anredete:

»Stilling! Eure Sache ist nichts. Wenn Ihr nicht ins größte Elend, in Hunger und Kummer geraten wollt, so meliert Euch nicht weiter mit den Florenburgern.«

Und hierauf erzählte ihm der Pastor alles was vorgefallen war. Stilling nahm mit größter Wehmut Abschied vom Pastor. »Seid zufrieden!« sagte Herr Stollbein: »Gott wird Euch noch segnen, und glücklich machen, bleibt nur an Eurem Handwerk, bis ich euch sonsten anständig versorgen kann.«

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