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Hellstädt und andere Erzählungen

Louise von François: Hellstädt und andere Erzählungen - Kapitel 27
Quellenangabe
authorLouise von François
titleHellstädt und andere Erzählungen
publisherVerlag von Otto Janke
year1874
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20171120
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Vierzehntes Capitel.

Der Glückstag ging zur Rüste; alle Mühe der Vorbereitung war gelohnt, denn Jung wie Alt blickte froh. Die Residenzler hatten ein ländliches Fest gefeiert, die Dörfler ein residenzliches; selber die todtmüden Kinder fühlten sich wie mit Zauberschlag wieder aufgefrischt, als die gute alte Dame in jedes Händchen einen Weck und eine Zuckerdüte für den Heimweg vertheilen ließ. Singend mit heiseren, verkleisterten Kehlen zogen sie unter ihres Lehrherrn Führung längs des Seeufers nach dem Dorfe zurück. Der Festgeber hatte die Preise an den Schießständen ausgetheilt und in einer feurigen Ansprache zur Fortsetzung derlei wehrhafter Uebungen aufgefordert; wir nehmen von dieser heroischen Spannung seines Nervensystems Akt, weil bisher unser Freund von allen ritter lichen Künsten nur die des Zielschießens und des Waidwerks nicht geliebt hatte und selber den Knall eines Champagnerpfropfens ohne Zusammenschrecken nicht vernehmen konnte. Heute aber sollten sogar Böllerschüsse erschallen, sobald der große Augenblick gekommen war, auf welchen ein geheimes Etwas der gesammten Anordnung hindeutete.

Der bisherige Tummelplatz der Volksfreude, die Wiese am Seeufer leerte sich; man drängte auf dem Landwege, oder bereitgehaltenen Booten dem jenseitigen Parke zu, um nachdem Erleuchtung und Feuerwerk vertauscht waren, die nächtlichen Tanzplätze aufzusuchen. Auch die Chanoinesse war zurückgefahren, da sie in dem vor der Burgterrasse aufgeschlagenen Zelte ihre am Abend erwarteten Gäste zu empfangen und für einen gewissen Moment auf ihrem Posten zu stehen hatte.

Nur der Graf weilte mit dem alten Diener jenseit bis zum Abenddunkel und Fräulein von Uh saß allein in dem Belvedere, das auf der Spitze der in eine Erdzunge verlaufenden Wiese wie aus dem See gewachsen scheint.

Unbeweglich hatte, sie hier seit Stunden auf den blauen Spiegel hinausgeschaut. Ihre Abneigung gegen das Volkstreiben stimmte zu des Festordners Programm. Erst wenn die Gesellschaft der Gleichen sich vollständig versammelt und auf dem Rasenplatz vor der Terrasse gruppirt hatte, sollte die Erkohrene derselben in einer bekränzten, bewimpelten, erleuchteten Gondel, – die leider nicht von Schwänen gezogen werden konnte! – von dem Burgherrn zugeführt werden und in dem Augenblick wo hinter ihr auf der Insel inmitten des See's das Feuerwerk losbrannte, vor ihr die Burg in rosigen Flammen erglühte, Pechpfannen und Holzstöße sich lodernd entzündeten, unter Böllergeschütz und Posaunenschall das Ufer betreten.

So innerlich Reginen diese Effectscene widerstand, seit gestern war sie sich klar geworden, daß eine vierzigjährige Herrschaft nicht in einem Tage gewechselt wird. Sie kannte den leisewindenden Weg, den die Urahne gewiesen und war durch den heutigen neunten Glockenschlag gegen rückfällige Wallungen gefeit. Der Grund, den die Streberin gefaßt hatte, war noch nicht fest genug, um die Märchenprinzessin von sich abzuschütteln.

Aber welch ein Gegenspiel, des schönen Mädchens steinkalte Ruhe zu des kleinen Grafen fliegender Beweglichkeit! Ja, es gab in Kunst und Leben eine Rolle, in welcher der genialische Herr sich als Stümper erweisen sollte. Zwanzigmal im Laufe des Nachmittags war er in das stille Lusthaus am See und dann wieder hinaus in die Menschenwoge geschnellt; als ob die Tarantel ihn gestochen hätte, trieb es ihn in die Runde. »Glück ohne Ruh!« summte er in sich hinein, da er seiner festgeberischen Obliegenheiten quitt, sich zum letzten Male dem dämmernden Liebestempel näherte.

Indessen wollte es auch jetzt ihm nicht gelingen, weder in fließendem Erguß, noch in stummer Zweiseligkeit auszuharren. Er räusperte sich und senkte erröthend die Lider, indem er seiner Fee Bouquet und Diadem von duftenden Rosen zum Schmuck für ihre Festerscheinung überreichte, ohne wie in der gestrigen Probescene, kecklich die Hand zur Nachhülfe auszustrecken. Er heftete einen Blumenstrauß an die eigne Brust, huschte hinaus, lauschte ringsum, seufzte, kehrte zurück und zündete die Ampel an, um das Zwielicht zu zerstreuen, das erotischen Stimmungen doch so günstig ist. Armer Amoroso, Graf von Schnakenburg!

Das Abendroth war verglüht, kein Mondenschein und das einzeln am Himmel aufsteigende Sternen heer von einem leisen Nebelschleier überhaucht, das Dunkel demnach so früh und tief hereingebrochen, als es in einer Mittsommernacht erwartet werden durfte. Unerklärlich, daß die Gondel noch zögerte. Der alte Mattner wurde nach der heimlichen Bucht entsandt, um das Fahrzeug schleunigst zu entbieten. Länger als eine Viertelstunde mußte bis zur Ankunft verschleichen. Es giebt Lagen, in welchen eine Viertelstunde uns eine Ewigkeit erscheint. Zweifel, Bedenken steigen auf. Ob wohl das Feuerwerk auf der Insel auch vorbereitet ist, um rechtzeitig beim jenseitigen Signalschuß in die Höhe zu steigen? Ein Sendbote fehlt. Der Herr muß sich in eigner Person überzeugen, er springt in den kleinen Nachen, der an den Stufen des Belvedere angebunden liegt.

Wie oft hatte unser Freund in einer sehnsüchtigen Anwandlung, nur von stummen weißen Schwänen begleitet, sich in dieser leichten Schaale geschaukelt und unter Himmelsstriche geträumt, die glücklicher als der unsere selber in einer Mittsommernacht es ist, mit der Azurbläue des stillen Wasserspiegels harmoniren. Heute träumte er nicht.

Er stieß vom Ufer und Regine war noch einmal allein. Sie versuchte den Kranz in ihr Haar zu flechten, in dieses nachtschwarze Haar, das ihren Scheitel krönte, glänzend, gleich und reich, aber nicht weich, – wie der Sinn, wenn Sprichwörter wahr reden. Sie riß den Kranz wieder heraus und schlenderte ihn von sich; ihr graute vor Blumenschmuck; der Rosenduft hauchte sie an wie von der Bahre einer zur Schau gestellten Leiche. Im weißen Seidenschimmer, einen einfachen Goldreif über der Stirn, so war sie sich recht. Die Eiseskälte ihrer Wangen und Hände schreckte sie selbst; das Herz schien ihr still zu stehen; still aber fest.

Die Thür nach der Seeseite war geöffnet; ein Rauschen drang aus dem Uferschilf. Sie horchte mit eingepreßtem Athem; sie spähte hinaus. Nein, nicht die Gondel, nicht der Nachen; ein Wasserhuhn vielleicht, ein Schwan, ein aufspringender Fisch. Alles wieder still. Was bedeuten denn aber die Schauer, die sie überrieselten, so oft sie seit es dämmerte sich der Thür genähert hatte? Ihr Blick strebte scheu nach dem Röhrichtwinkel, aus welchem die Regung gerauscht hatte; sie floh in das Haus zurück, schloß die Thür, und verriegelte die gegenüberliegende, die nach der Wiese hinausführte.

Die Gondel zögerte noch immer. Daß sie doch endlich erschiene und der Beklemmung ein Ziel gesetzt würde! Regine stand am Fenster in wachsender Angst; es war wie ein Unheil, das sie vorauswitterte.

Gottlob! Da stößt der Nachen von der Insel ab. Der Graf kehrt zurück im Moment, als – unerklärliches und unerklärt gebliebenes Mißverständniß! – als vom jenseitigen Ufer der Signalschuß erdröhnt. Im Nu erglänzt die Burg im Purpurschein, lodern die Brände am Waldessaum, flackern die Pechpfannen im Park, – zischen Raketen und Feuerkugeln auf der Insel in die Höhe. Schuß auf Schuß, Fanfarengeschmetter, tausendstimmiger Jubelruf – zu früh, zu früh!

Weh über dieses zu früh! der einsame Segler ist in die Höhe geschreckt, das Ruder seiner zitternden Hand entglitten; er taumelt, der leichte Nachen schwankt, überschlägt sich, – dahin nach entgegengesetzten Seiten treiben Mann und Gefährt und keine hülfbereite Hand! Alle Blicke geblendet vom jähen Glanz, alle Ohren berauscht vom aufprasselnden Jubel, die Gondel noch fern, das Unheil gedeckt durch die Inselbüsche! Regine allein ist seine Zeugin; vor ihren Augen versinkt ein Menschenleben, versinkt mit ihm der kaum gefaßte eigne Ankergrund; Schiffbruch im Hafen vor ihrem Auge allein!

Nein nicht allein. Kaum, daß ihr Nothschrei, ihr hülfeflehender Blick in den Röhrichtwinkel gedrungen ist, so sieht sie das Wasser in die Höhe spritzen und zwei starke Arme die Fluthen theilen. Sie ist auf die unterste Landungsstufe gestiegen und harrt in unaussprechlicher Folter des zweifelhaften Erfolges.

Der heimliche Retter hat den Unglücklichen erreicht, den seine letzten Kräfte verlassen; er hat ihn erfaßt; der starke Mann trägt auf seinen Armen den schwachen gleichwie ein Kind. Immer näher und näher ringt er sich heran, aber immer unsicherer, immer zögernder. Erstarrt ihn der Anblick der weißen Gestalt auf der Landungsschwelle? Nur noch eines Mannes Länge, so dicht, daß sein flehender Aufblick, daß der Seufzer »Regine« ihr Auge und Ohr erreichen, scheint seine Kraft erschöpft, der Arm vom Krampfe gelähmt. Seine Bürde entgleitet ihm, Beide treiben auseinander, ein Spiel der Wellen.

Und kein Baum, kein Pfahl, der einen Anhalt böte, schwankes Rohr und Brombeergeschlinge breit in das Wasser hineingepflanzt auf schlammigem Untergrund. Nur von der schmalen Ummauerung am Landungsplatze kann eine Hand hinüberreichen.

Regine versucht es, in die Tiefe zu steigen; das Ufer schießt ab, sie muß zurück; sie rüttelt am Ufergeländer, um eine Handhabe loszureißen; keine Stange giebt nach. Jeder Augenblick heißt Tod. Sie löst ihre langflatternde Schärpe, schlingt eines ihrer Enden um das Geländer, das andere um ihren Arm und wagt den Sprung in die Tiefe. Bis über die Brust schwellt das Wasser, aber sie hat Grund gefunden und vermag, die Arme weit vorgestreckt, die ringenden Opfer zu erreichen.

Aber nur für eines reicht ihre Kraft, für eines und die Hände, die Blicke zweier Hülfeflehenden streben zu ihr empor. Welchem wird sie gewähren?

Schon hält der vordere, der starke, ihr Kleid gefaßt, da, da sieht sie den zweiten, dicht hinter jenem versinken, und mit einem jachen Zuck, – ein Schrei des Entsetzens schrillt an ihr Ohr! – mit einem jachen Zuck reißt sie sich los, stößt die umstrickende Hand von sich, reckt sich, streckt sich dem Bewußtlosen entgegen, faßt ihn, zieht ihn an sich, richtet ihn empor, schließt ihn in ihre Arme, trägt ihn zurück und legt ihn auf die Uferstufe Matt schlägt der Puls, aber er lebt.

Wieder geht sie voran. Kaum eine Minute ist verflogen und der Andere – wohin? Fortgetrieben, versunken, Gott weiß. Rings keine Spur! Sie, sie die ihn retten sollte, retten konnte, sie, sie ist seine Mörderin. Wer ermißt die Hölle dieses Gedankenblitzes? Kein Leben voll Glanz und Hoheit wiegt schwer genug gegen diesen einzigen Augenblick. Sie reißt das Band vom Arm; der Fuß ist gehoben, vorgebeugt der Leib, eine Regung und sie liegt neben ihrem Opfer in der Tiefe begraben.

Da starrt sie auf. Wieder ein Aufspritzen des Wassers, ein Rascheln im Rohr, eine sich emporringende Gestalt, die des Retters! Mit beiden Armen hält er ein dichtes Schilfgebüsch umspannt; sie hört seinen arbeitenden Athem; immer näher und näher keucht er heran, jetzt steht er zu ihren Füßen, Auge in Auge dem ihren. Sie neigt sich zur Seite, spannt die Arme nach ihm aus und nun ist er es, der sie von sich schleudert.

Die erlahmten Kräfte scheinen ihm wie durch Zauber zurückgekehrt; kaum einen Augenblick hält er an, dann mit einer kecken Biegung hat er das Ge länder erfaßt, mit einer zweiten sich darüber hinweggeschwungen. Jetzt steht er neben ihr auf gleicher Stufe, Stirn gegen Stirn! Er schaudert zusammen, als hätte er seinem Dämon in's Auge geblickt, stürzt über den Körper seines Geretteten hinweg und durch das Lusthaus aus dem unseligen Bereich.

Einen Moment steht die Verurtheilte wie erstarrt, dann löst sie das Band vom Geländer und folgt dem Fliehenden. Das wasserschwere, schleppende Gewand hemmt ihren Schritt; er jagt, als wüßte er sich verfolgt, ohne Rückblick mit keuchender Brust den Wiesenplan entlang. Am Waldsaume stürzt er zusammen.

Sie will ihm zu Hülfe eilen; aber sie kommt zu spät. Die Arme eines anderen Weibes halten ihn umfangen, sein todtenbleiches Haupt ruht an einer Anderen Brust. Eine zweite Gestalt tritt aus dem Walde hervor; hinter ihr der Wagen, der unfern auf der Straße gewartet hatte. Er ist geborgen, er ist entführt. Regine geht langsam nach dem Lusthause zurück.

Der ohnmächtige Graf schlug zum ersten Male die Augen auf, als die Gondel landete. Man wendete an, was die Lage gestattete. Bald waren die Sinne wiedergekehrt und die Fahrt wurde glücklich zurückgelegt.

Aber ach, welche klägliche Ueberraschung! Rosenfeuer und Glühfunken verpufft, die Dame im durchnäßten Seidenglanze, der Herr in des alten Mattner Livree, wie hätte die bestürzt am Ufer harrende m'amie, ihrer Mutterrolle gemäß, beider Hände ergreifen, sie nach dem herrschaftlichen Zelte geleiten und Regine von Uh, Scipio von Schnakenburg als verlobtes Paar proclamiren können?

Auf Seitenwegen mußten sie nach dem Schlosse geführt werden, mußten sich umkleiden, erwärmen, erholen, zurechtfinden. Die verfehlte Freudenbotschaft verbreitete sich mit der Schreckenskunde zu gleicher Zeit. Die Musik verstummte. Die Gäste enteilten, die Lichter löschten aus. So trübselig endete zum zweiten Male das Glücksfest des Johannistages auf der Schnakenburg.

Aber – Er war gerettet! Und wenn die Freudenfeuer ausgegangen waren, unauslöschliche Dankesflammen entzündeten sich in den Herzen für Reginen, die Retterin. Auf ihren Knieen hätte die Matrone fortan ihr dienen, die Hände ihren Schritten unterbreiten mögen. Er aber, der mit Seherblick ein neues Leben von dem Findling der Grotte erwartet hatte und nun auch noch das alte Leben, dieses reiche, bunte, vielgeliebte Leben durch ihn erhalten sah, wie überschwenglich, wie unvergänglich war sein Herzenslohn. In tausend Zungen wurde ihr Heldenthum gepriesen, nach dem Werthe des Erfolgs, weit über den der Gefahr; keiner aber ahnete das wahre Heldenthum, mit welchem sie die correcteste That ihres Lebens vollbracht, keiner das Opfer durch welches sie dem verlobten Herrn ihrer Zukunft die Treue bewahrt und ihre Herrschaft bedingungslos für alle Zukunft gesichert hatte. Der dahingegen, welchen sie mit jenem Gnadenstoße, – für ihr Gewissen mindestens, – dem Todtenreiche überantwortet hatte, welcher in Wahrheit mit Aufopferung des seinigen dieses glückliche Herrenleben gerettet, den Verlorenen auf seinen Armen der helfenden Hand entgegengetragen hatte, der wahre, selbstlose Held, er blieb verschwunden. Keiner hatte ihn gesehen und erkannt außer Einer, auf deren Lippen sein Name erstarb. Vergeblich wurden Boten nach allen Seiten ausgesendet, vergeblich geforscht in Stadt und Land; es mögen nur wenig öffentliche Blätter gewesen sein, in welchen der Gerettete nicht einen Dankesruf verbreitet, in herzbewegenden Worten die Bitte um eine Enthüllung, eine Begegnung, einen einzigen Händedruck erlassen hätte, – Keiner nannte, Keiner stellte sich.

Und auch später, als in dem dankbaren Herzen die Ahnung des Rechten dämmerte, – von der schweigenden Zeugin weder abgewiesen, noch unterstützt, – auch dann blieben die angestellten Erkundigungen ohne Erfolg. Gotthold Fromm und seine Schwester hatten längst die Residenz verlassen und Niemand wußte, wohin sie sich gewendet. Die Briefe, welche der Graf wiederholt in das Heimathstädtchen richtete, wurden nicht erwidert, die Behörden vermochten keine Auskunft zu geben. Kein Zweifel, der Retter wollte seine Spur nicht finden lassen, von der Herrschaft der Schnakenburg mindestens nicht finden lassen. Zarte Rücksichtnahmen waren geboten; so mußte man sich endlich zur Ruhe geben und die getheilte Dankesflamme loderte zu einer einzigen, um so mächtigeren ineinander: Reginen der Retterin! »

Noch in jener glückseligen, unglückseligen Johannisnacht hatte sie auf ihr dringendes Verlangen die Burg verlassen, um in dem Stift der Chanoinesse die Zeit ihres Brautstandes hinzubringen und nach wenig Wochen als Herrin im eignen Dominium einzuziehn.

Die Beiden aber, denen der ehrlichste Stolz die Lippen versiegelte, ja, man würde ihre Spur haben finden können, und eine gute, herzbeglückende Spur. Jener »Faustschlag«, zu welchem, vor der planvollen Meisterin, das Schicksal den zutreffenden Arm in Bewegung gesetzt hatte, wir haben ihn mit Fug einen Gnadenstoß genannt, denn wie er den Verirrten in seine ursprünglichen Fugen zurücktrieb, so erschloß er ihm auch ein neues Lebensreich. Mit dem Blutstrom, welcher nach jener verzweifelten Flucht seiner Brust entströmte, entwich der Unhold, der seinen natürlichen Sinn verrückt hatte. Es war eine schwere Krankheit für Seele und Leib; aber er genas unter treuer Pflegehand zu einem geläuterten Selbst und zu einer anderen Liebe als die, welche ihn bis dahin bethört hatte, zu der Liebe, welche Hütten baut auf Heimathsgrund. »Regina, Regentin!« lautete die Parole im Herrenschloß. »Maria, das heißt Weib, das heißt geliebt werden und lieben,« lautete der Segensspruch des Meisterhauses.

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