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Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 64
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
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Gegen Magenleiden

Wenn unverdaute Speisen im Magen käsig und hart werden und Schmerzen hervorbringen, nehme man Hundszahn [? mit dactilosa im Text is Panicum dactylum gemeint oder Paeonia officinalis], den vierten Theil davon Eberraute und noch weniger Fünfblatt, zerquetsche dies in einem Mörser und koche es in gutem reinen Wein derartig, dass der Wein zwei Drittel mehr als der Pflanzensaft ist, filtrire dies alles und giesse es in ein Glas oder neuen Topf. Dann giesst man den so hergestellten Würzwein in eine Pfanne, hält zwei- oder dreimal glühenden Stahl hinein und wirft, wenn der Wein durch den Stahl zu kochen beginnt, Galgantpulver oder etwas Pfeffer dazu oder, wenn man kein Galgantpulver hat, Bertrampulver und trinkt den mit glühendem Stahl erwärmten Wein nüchtern. Denselben Wein kann man auch in kleinen Portionen fünf Tage lang nüchtern trinken, muss ihn aber immer erst mit Stahl erwärmen. Nach fünf Tagen thut man Weizenbrot oder Weizenmehl zu diesem Wein und bereitet eine Suppe, zu der man des Wohlgeschmacks wegen ein Eigelb fügt, doch ohne Fett und Oel, und geniesst diese Suppe wieder fünf Tage lang. Hierauf trinkt man wiederum besagten Wein erwärmt, bis es einem besser geht.– Auch rohen Ysop, den man in Wein gelegt hat, mag man häufig essen und den Wein trinken. – Kann man eine genossene Speise nicht verdauen, so nehme man zwei Drachmen Saft von Osterluzei und eine Drachme Bibernellensaft und Springkrautsaft [citocacia; so erklart die Strassburger Ausgabe der Physica vom Jahre 1533] im Gewicht von einem Skrupel [obolus] und einen Skrupel Ingwer und etwas Weizenmehl und stelle daraus Pastillen her in der Grösse eines Groschens [nummus], aber etwas dick, und erwärme sie an der Sonne oder in einem lauwarm gewordenen Ofen. Wer nun an Verdauungsbeschwerden der angegebenen Art leidet und innerlich warm ist, so dass die Speise in ihm zersetzt [exustus] ist, nimmt frühmorgens nüchtern eine Pastille; wenn aber vor innerlicher Kälte die Speise in ihm erstarrt und sich zusammenballt, nimmt er ebenso 2 oder 3 Pastillen. Die erste Nahrung, die er dann zu sich nimmt, muss Suppe sein; dann kann er auch andere gute und leichte Speisen essen. So verfährt er, bis er merkt, dass sein Magen frei ist. [Ein anderes Recept:] Man nimmt Ingwerpulver, mischt es mit dem Safte der sogenannten Ringelblume, macht aus diesem Pulver und etwas Bohnenmehl Pastillen und erhitzt sie in einem mässig warmen Ofen und nimmt sie nach dem Frühstück oder nüchtern.

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