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Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 6
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
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Von den Krankheiten

Was die verschiedenen Krankheiten betrifft, an denen manche Menschen leiden, so rühren sie vom Schleim her, der sie anfüllt. Wäre der Mensch im Paradies geblieben, so hätte er keinen Schleim im Körper – woher die Krankheiten stammen – sondern sein Leib wäre gesund und frei von ihm. Nun aber hat er sich dem Bösen zugeneigt und hat das Gute verlassen, und da ist er der Erde ähnlich geworden, die gute und schädliche Kräuter hervorbringt und gute und schädliche Feuchtigkeit in sich birgt. Denn vom Genuss des Apfels ist das Blut der Söhne Adams in das Samengift verwandelt worden, dem die Menschenkinder entstammen. Daher ist ihr Fleisch voll Schwären und Löcher, die gewissermaassen Sturm und Rauchniederschläge in den Menschen herbeiführen; und hieraus bildet sich Schleim und erstarrt und macht den Körper krank … Manche Menschen sind gierig und enthalten sich nicht üppiger Speisen. So bildet sich in ihnen giftiger, zäher, trockner Schleim, kein feuchter, sondern scharfer, der aufgeschwemmtes, dunkles und krankes Fleisch in ihnen wachsen lässt. Und wenn sie sich vom Genuss der fetten Speisen nicht enthalten mögen, ziehen sie sich leicht den Aussatz zu. Und die Schärfe des Schleimes erregt einen Brodem wie von Melancholie um Leber und Lunge, sie werden jähzornig und verdriesslich, und ihr Schweiss ist nicht sauber, sondern schmutzig. Sie sind aber nicht schwach, sondern tüchtig und kühn, und in Folge ihrer Körperbeschaffenheit sind sie herrschsüchtig und anmaassend. Der Schleim richtet einige dieser Constitutionen schnell zu Grunde, da er stark ist, einige aber lässt er länger leben. Andere Menschen sind von geiler Natur und noch weniger enthaltsam, so dass sie sich kaum mässigen können und auch krank werden. Die haben zu viel feuchten Schleim, weil sich in ihnen schädlicher Saft bildet und ein böser Schleim sich ansammelt, der ungesunden Brodem in ihre Brust und Gehirn aufsteigen lässt. Die Feuchtigkeit dieses dampfenden Schleimes verringert ihr Gehör, so dass sie in ihrem Magen und in den Ohren wie ein schädlicher Nebel ist, der gute Pflanzen und Früchte schädigt. Dieser Schleim thut aber der Lunge nichts, da sie auch feucht ist und keine Feuchtigkeit annimmt – sonst würde sie sofort weggeschwemmt werden. Auch auf das Herz hat er keinen bösen Einfluss, denn das wird immer stark sein und zu grosse Feuchtigkeit nicht annehmen. Leute von dieser Constitution sind freundlich und heiter, doch träge, und manche von ihnen leben ziemlich lange; denn dieser Schleim tödtet nicht, doch trägt er auch keineswegs zur Gesundheit bei. – Manche sind jähzornig, doch ihr Zorn verraucht bald, und sie sind trefflich und heiter, doch kalt; sie haben schwankende Sinnesart und sind mit geringer Nahrung zufrieden. Diese aber ziehen sich von den drei Schleimarten, dem trocknen, feuchten und lauwarmen Schleim, wässerigen Schaum zu, der aus dem Schleim entsteht und gleichsam gefährliche Pfeile in ihre Adern, Mark und Fleisch sendet, wie kochendes Wasser, welches kochenden Schaum ausstösst …

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