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Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 57
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
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Gegen Augenleiden

Wenn Wasser und Blut in den Augen in Folge hohen Alters oder einer Krankheit schwinden, so suche man grünen Rasen auf und blicke auf diesen so lange hin, bis die Augen thränen … Oder man gehe an einen Fluss oder giesse frisches Wasser in ein Gefäss, beuge sich darüber und lasse die Feuchtigkeit des Wassers in die Augen steigen … Oder man nehme Leinwand, tauche sie in kaltes, reines Wasser und lege sie um Augen und Schläfen, wobei man sich zu hüten hat, dass man die Augäpfel berühre, damit sie nicht zu schwären anfangen … Wenn man graue Augen hat und eine Dunkelheit oder Schmerz daran empfindet, nehme man, wenn die Schmerzen noch nicht lange dauern, Fenchel oder Fenchelsamen, zerreibe dies und nehme den Saft und Thau von reinem Rasen und Weizenmehl, stelle daraus eine Paste her (tortellum commisceat) und lege sie Nachts auf die Augen und decke ein Tuch darüber … Wenn einer brennende Augen hat und Dunkelheit oder Schmerzen empfindet, nehme er Veilchensaft und zweimal so viel Rosensaft und Fenchelsaft gleich einem Drittel des Rosensaftes, giesse ein wenig Wein hinzu und streiche, wenn er schlafen geht, dieses Collyrium auf die Augengegend … Wer Augen hat wie eine Wolke, in der ein Regenbogen erscheint, und Dunkelheit oder Schmerz empfindet, lege caliminum [? mhd. Kalemîn, eine Steinart] in reinen Weisswein und nehme ihn am Abend, wenn er schlafen geht, heraus und bestreiche mit dem Wein die Augenlider von aussen, nehme sich aber in Acht, die Augen innen zu berühren … Wenn einer Augen hat wie eine Sturmwolke, die nicht ganz feurig und nicht ganz stürmisch ist, sondern bläulich, und Dunkelheit oder Schmerz an ihnen empfindet, zerreibe, wenn es Sommer ist, Fenchel, oder wenn es Winter ist, Fenchelsamen und mische ihn mit gut abgeklärtem Eiweiss und lege dies, wenn er schlafen geht, auf die Augen … Wer schwarze Augen hat oder so stürmische, wie manche Wolken sind, und irgendwie Dunkelheit oder Schmerzen empfindet, nehme Rautensaft und zweimal so viel reinen Honig und mische dazu etwas reinen guten Wein, thue dazu ein Krümchen Weizenbrot und lege es Nachts mit einem Tuche auf seine Augen … Wer ein Gerstenkorn [? albuginem, vergl. Progr. S. 21] hat, nehme, wenn es noch frisch ist, Ochsengalle und lege sie so frisch des Nachts auf die Augen und befestige sie mit einem Verbande, damit sie nicht abfallen kann, und verfahre so drei Tage lang … Nach drei Tagen nehme man Bockshornklee [fenugraecum] mit Rosenöl und lege es auf die Augen … Wenn einer thränende Augen hat, nehme er ein Feigenblatt, das in der Nacht bethaut ist und von der Sonne noch am Zweige erwärmt ist und lege es so erwärmt auf … Wenn er ein Feigenblatt nicht bekommen kann, nehme er ein Erlenblatt [und verfahre ebenso], doch nicht jeden Tag, sondern jeden dritten und nur einmal am Tage. Wenn er diese Blätter nicht bekommen kann, nehme er Harz vom Pfirsich- oder Pflaumenbaum, thue davon etwas in eine Nussschale und erwärme sie an einem heissen Ziegelstein oder am heissen verschlossenen Ofen und lege sie mässig erwärmt auf die Augen, so lange sie noch warm ist. Das thue er jeden vierten Tag einmal am Tage …

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