Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 38
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
Schließen

Navigation:

Von Jahreszeiten und Mahlzeiten

Wer zur kalten Winterszeit speisen will, wähle sich einen Ort, der weder zu warm noch zu kalt ist, sondern mässig warm, und esse … mässig warme Speisen … Und wenn er auch warm gekleidet ist, darf er beim Essen nicht an einem kalten Ort sitzen, weil ihn die kalte Luft, die er während des Essens einathmet, krank macht. Kohlenwärme, die während des Essens den Rücken des Menschen trifft, ist gesunder, als wenn die Glut ihm ins Antlitz kommt. – Wer im Sommer, wenn er innerlich sehr warm ist, heisse Speisen geniesst, bekommt leicht Fluss (guttam); wer dann sehr kalte Speisen verzehrt, sammelt in sich Schleim. Darum soll man im Sommer lauwarme Speisen essen … Wer im Sommer … viel isst, dessen Blut erhitzt sich übermässig, seine Säfte nehmen eine üble Art an, sein Fleisch bläht sich und schwillt unnatürlich auf, weil die Luftwärme zu stark ist. Wenn er dann nur wenig zu sich nimmt, schadet ihm das nichts, sondern erhält ihn gesund. Wenn aber der Mensch im Winter, wenn er innerlich recht kalt ist, viel geniesst, so ist ihm dies gesund und macht ihn fett. Doch muss sich der Mensch in jeder Jahreszeit hüten, kochheisse und von Feuchtigkeit dampfende Speisen zu sich zu nehmen; sondern nach dem Kochen warte er, bis die Glut und der Dampf aufhören, weil glühende und dampfende Speisen seinen Leib aufblähen und leicht Aussatz herbeiführen. Auch wenn der Mensch unter grosser Traurigkeit leidet, soll er genügsam von ihm zusagenden Speisen essen, um erquickt zu werden; denn die Traurigkeit beschwert ihn. Auch bei grosser Freude soll der Mensch mässig essen, weil sein Blut dann frei und ungebunden umherkreist (in apertione vagationis dissolutus est), damit nicht bei reichlicher Nahrungsaufnahme seine blutsäfte sich zu Fieberstürmen verwandeln. Im Winter darf man nicht viel trinken … und zwar trinke man Wein oder Bier, Wasser aber meide man möglichst … Im Sommer darf man mehr trinken als im Winter … auch ein Wassertrunk schadet dann weniger. Wenn aber im Sommer der Mensch erhitzt ist, und wenn er gesund ist, trinke er nur wenig lauwarmes Wasser und gehe bald ein wenig hin und her, damit das Wasser in ihm erwarme. Das ist seinem Körper zuträglicher, als wenn er Wein trinkt. Wenn er aber krank ist, und wenn es im Sommer ist, trinke er Wein mit Wasser oder Bier, weil ihn dies mehr erfrischt als Wasser. Immer aber, im Sommer und im Winter, hüte sich der Mensch vor zu starkem Trinken; denn zu starker Regenguss schadet der Erde, in dem er sie durchdringt, und so führt auch derjenige, der übermässig trinkt, eine Unbrauchbarkeit verschiedener Säfte in seinem Körper herbei. Doch soll man sich auch nicht gar zu sehr des Trinkens enthalten, weil man sich durch solche Enthaltsamkeit ausdörrt und sich eine Schwerfälligkeit des Geistes und Körpers zuzieht. Auch können dann die genossenen Speisen nicht gut verdaut werden und zuträglich sein, wie ja auch dürre und harte Erde keine gute Frucht trägt, wenn ihr Regenniederschläge fehlen …

 << Kapitel 37  Kapitel 39 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.