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Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 19
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
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Vom Uebermaass des Schlafes

Wenn einer übermässig viel schläft, bekommt er davon leicht verschiedene böse Fieber und zieht sich eine Verdunkelung der Augen zu, weil seine Augen beim Schlaf zu lange geschlossen sind, wie einer, der zu lange in die Sonne sähe, sich davon eine Verdunkelung der Augen holte. Wenn einer aber mässig schläft, wird er gesund sein. Wer übermässig viel wacht, wird körperlich schwach und verliert seine Kräfte und wird geistig ziemlich geschwächt, und das die Augen umgebende Fleisch schmerzt und röthet sich und schwillt auf. Doch die Sehschärfe und Pupille verletzt er dadurch nicht. Wer aber mässig wacht, bleibt gesund. Oft ist ein Mensch wach und kann nicht schlafen, weil sein Geist mit verschiedenen Gedanken, Möglichkeiten und Widerwärtigkeiten beschäftigt oder von grosser Freude abgespannt ist. Denn wenn er in Trauer, Furcht, Angst, Noth oder in anderen derartigen widerstreitenden Empfindungen ist, wird sein Blut oft in Unruhe versetzt, und die Adern, die angenehmen Schlafhauch aufnehmen müssten, ziehen sich etwas zusammen, so dass sie es nicht können. Und auch wenn er etwas gesehen oder gehört hat oder ihm etwas begegnet ist, worüber er sich über die Maassen freut, dann wenden sich seine Adern der Freude zu und können den angenehmen Schlafhauch nicht behalten, so dass jener die rechte Mischung in sich nicht hat und wach bleibt, bis er sich in seinem Gemüthe mit jener Sache abfindet und wieder zur Vernunft kommt und die Adern auf ihr rechtes Maass zurückgehen und der Mensch schläft. Auch wenn einer von schwerer Krankheit gepeinigt wird, gerathen Blut und Säfte in ihm in Widerstreit und erregen Stürme in ihm, und so kann er wegen dieser Widerwärtigkeiten nicht schlafen, sondern bleibt wach gegen seine Gesundheit und seinen Willen …

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