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Hildegard von Bingen: Heilwissen - Kapitel 16
Quellenangabe
booktitleHeilwissen
authorHildegard von Bingen
titleHeilwissen
translatorDr. phil. Paul Kaiser
typereference
year1902
publisherTherapeutische Monatsheft, 16. Jahrgang, 1902, Berlin
senderDr Ann Elizabeth Wild; ann.wild@kulmbach.net
created20000710
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Vom Schlaf

Das Mark des Menschen wächst durch den Schlaf, wie sein Fleisch durch die Speise. Denn wenn er schläft, wird sein Mark erneuert, und wenn er wacht, wird es einigermaassen geschwächt und verringert, wie der Mond beim Zunehmen wächst und beim Abnehmen kleiner wird und wie die Pflanzenwurzeln zur Winterszeit die Lebenskraft in sich bergen, die sie im Sommer in die Blüthen treiben. Wenn daher das Mark des Menschen durch Arbeiten ermüdet oder durch Wachen geschwächt ist, wird der Mensch vom Schlaf bezwungen und schläft stehend, sitzend oder liegend leicht ein, da seine Seele an sich selbst die Nothlage des Körpers wahrnimmt. Denn wenn das Mark durch Wachen geschwächt ist, leiten die Seelenkräfte einen sanften süssen Hauch aus dem Mark; dieser durchweht die Halsadern und den Nacken des Menschen und theilt sich den Schläfen und Kopfadern mit und drückt den lebendigen Athem des Menschen dergestalt nieder, dass solch einer dann daliegt wie gefühllos und bewusstlos, dass er nicht mehr Herr seines Körpers ist und bewussterweise weder Verstand noch Gedanken noch Gefühl hat, nur dass die Seele für Ein- und Ausathmung sorgt wie beim wachenden Menschen…Da sammelt die Seele des Menschen ihre Kräfte, lässt sein Mark wachsen und erstarken, kräftigt durch dieses die Knochen und sammelt das Blut, kocht das Fleisch, beruhigt die einzelnen Glieder und verbreitet in selbigem Menschen Weisheit und Wissen zu seiner Lebensfreude. Beim Schlafe des Menschen hat (das Mark) daher mehr innere Wärme als im wachen Zustande, weil es beim Wachen flüchtig und verwirrt dahinschwindet; und darum schläft jener; wenn er aber schläft, glüht sein Mark, weil es dann zunimmt und fett und rein wird.

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