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Hans Sachs' ausgewählte poetische Werke

Hans Sachs: Hans Sachs' ausgewählte poetische Werke - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
booktitleHans Sachs' ausgewählte poetische Werke
authorHans Sachs
editorKarl Pannier
year1884
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleHans Sachs' ausgewählte poetische Werke
created20051231
sendergerd.bouillon
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5. Wider den blutdürstigen Türken.

Die Türken unter Soliman hatten bei Mohacs (1526) das Ungarnheer vollständig vernichtet und Ludwig II., König von Ungarn, war in der Schlacht gefallen. Als Nachfolger wurde von der einen Partei Johann Zapolya, von der andern Erzherzog Ferdinand gewählt, welcher letztere wirklich die Herrschaft gewann. Aber 1529 drangen die Türken wieder in Ungarn ein und zogen dann, nachdem sie Zapolya zum Throne verholfen, alles verheerend vor Wien, das sie vergeblich belagerten. Sie zogen ab, jedoch schon 1532 setzten sie durch einen neuen Einfall in Ungarn ganz Deutschland in Schrecken. Ein großes Reichsheer ward dem arg bedrängten Lande zu Hilfe geschickt und veranlaßte Soliman zum Rückzug.

( In Bruder Veitens Ton.)
(1532.)

                Schau, Gott, in deinen Reichen,
Im höchsten Himmelszelt,
    Wie grausam sonder gleichen
Der Türke jetzt nachstellt,
    Nachjagt den Christenleuten
Mit Hast und Mord und Brand
Jetzund in diesen Zeiten
Durchs ganze Ungarland.

    Es leiden Noth die Bauern,
Bis an das Mährenland
    Die Türken sie umlauern;
Sie haben dort verbrannt
    Der Dörfer siebenzig,
Und alles Volk darin,
Das nirgends wehrte sich,
Erwürgt, geführt dahin.

    Er thut stets fürbaß streifen
Im ganzen Land herauf
    Und wird noch weiter greifen;
Und wenn der Riesenhauf'
    Geschwinde nach wird rücken,
Wie er auch vormals hat
Gezeigt mit Hintertücken
Vor Wien, der Kaiserstadt;

    Wenn er im Land erstreitet
Die Hauptstädt' in der Eil'
    Und das Geschoß erbeutet,
So hat er den Vortheil,
    Daß alle deutschen Lande
Er elend macht und wüst
Mit Morden und mit Brande,
Was Gott erbarmen müßt'.

    O Kaiser, mächt'ger Krieger,
Der fünfte Karl mit Nam',
    Du hochgewalt'ger Sieger
Von kaiserlichem Stamm,
    Erzeig' am Türkenheere,
Das alle Christen plagt,
Um deine Kaiserehre
Nun deine Kaisermacht.

    Schwing' auf dein stolz Gefieder,
Du tapfrer Aar! Flieg' hin
    Durch deines Reiches Glieder!
Nach kühner Helden Sinn
    Entfalt' des Reiches Fahnen,
Bring' auf ein Heer gar groß
Von auserwählten Mannen,
Zu Fuße und zu Roß!

    Wacht auf, des Reiches Lande!
Schaut an den Jammer euch,
    Wie euch der Türk' zur Schande
Verheert das Ungarreich!
    Seid einig, ungetheilet,
Greift tapfer zu der Wehr,
Bevor euch übereilet
Das grause Türkenheer!

    Ihr von dem Schwabenbunde
So löblich, sorgt nach Pflicht,
    Daß diese Türkenhunde
Sich weiter fressen nicht!
    Daß wir sie niederfechten
Ist wahrlich höchste Zeit;
Sie drücken und sie knechten
Uns ohne Billigkeit.

    Auch ihr, durchlauchte Fürsten
Der deutschen Nation,
    Laßt euch nach Ehren dürsten
Und bringt der Kaiserkron'
    Aus eurem Fürstenthume
Ein reisig Zeug ins Feld,
Zu Preise euch und Ruhme
Vor Gott und vor der Welt!

    Ihr Landesherrn und Grafen,
Seht, wie der Türk' gewinnt!
    Greift tapfer zu den Waffen
Mit eurem Hofgesind',
    Kommt in das Heer geritten
Zu kaiserlicher Macht,
Daß werd' der Türk' bestritten,
Erlegt mit großer Schlacht.

    O Ritterschaft, erbarme
Dich deutscher Nation!
    Heb' deine starken Arme
Auf für die Ungarkron'!
    Die Schwachen zu bewahren,
Das ziemet dir zumal,
Die von der Türken Schaaren
Ermordet ohne Zahl.

    Wach' auf, du deutscher Adel,
In Ehren stät und fest,
    An Mannheit ohne Tadel,
In Ungarn thu' das Best'!
    Errette zarte Frauen
Und auch die kleinen Kind,
Sonst werden sie zerhauen
Vom argen Türken blind!

    Ihr Bischöf' und Prälaten,
Schickt ihr auch euren Theil,
    Getreide, Volk, Ducaten,
Dem Christenvolk zu Heil!
    Zu Hirten seid gesetzet
Ihr ja der Christenheerd':
Die wird sehr hart verletzet
Durch des Tyrannen Schwert.

    Ihr Reichsstädt', alle gleiche,
Nun schickt euch in das Feld
    Hier mit dem röm'schen Reiche,
Mit Waffen, Pulver, Zelt!
    Ihr sollet Hilfe bringen
Dem kaiserlichen Heer;
Mit Truppen, nicht geringen,
Erwerbet Preis und Ehr'!

Ihr christlichen Regenten
Durch alle Königreich',
    In geistlichen, weltlichen Ständen,
Die ihr nennt Christen euch,
    Von allen Nationen,
Wie ihr auch seid genannt,
Dem Kaiser thut beiwohnen,
Beim Zug ins Ungarland!

    Frisch auf, ihr Reiterknaben,
Manch wunderkühner Mann!
    Laßt eure Rößlein traben,
Schließt euch dem Kaiser an!
    Thut eure Speere brechen
Kühn mit der Türkenrott',
Thut an den Hunden rächen
Manch unschuldigen Tod.

    Wohlauf, Hauptleute, gute,
Werbt Landsknecht', seid gemahnt!
    Führt sie mit freiem Muthe
Zum ungarischen Land!
    Wollt gute Anschläg' machen
Bei Nacht und auch bei Tag,
Bedacht in allen Sachen,
Daß man den Türken schlag'.

    Ihr Büchsenmeister alle,
Nun rüstet, es ist Zeit!
    Ins Ungarland mit Schalle
Zu Sturme zieht und Streit!
    Laßt eure Hauptstück' hören
Durch Berge und durch Thal,
Den Türken zu verstören,
Der sich regt abermal.

    Ihr freien Büchsenschützen,
Nun machet euch herbei!
    Laßt euch beim Türken nützen
Eur Pulver und eur Blei.
    Laßt die Geschütze knallen
Wohl in des Türken Heer,
Daß er muß niederfallen
Und ihr erlanget Ehr'.

    Ihr wackeren Landsknechte,
Macht bald euch in das Feld!
    Ihr seid im Krieg im Rechte
Vor Gott und vor der Welt.
    Mit Spieß und Helleparten
Den Türken greifet an
Und thut sein tapfer warten,
Wie ihr zuvor gethan!

    Die Heerwägen, ihr Bauern,
Ihr lieben, bald anspannt,
    Laßt keine Müh' euch dauern
Zu führen den Proviant
    Mit Harnisch, Wehr und Spießen!
Die Wägen nützen sehr,
Eine Wagenburg zu schließen
Ums kaiserliche Heer.

    Bleib' fromm in Maß und Ziele,
Du kaiserliches Heer!
    Hüt' du dich vor dem Spiele
Nicht zutrink' oder schwör';
    Thu' keine Frauen schänden,
Nimm keinem weg, was sein;
Laß keinen Geiz dich blenden,
Leb' von dem Sold allein!

    Laß Gott du alles walten
Dem Christenvolk zum Schutz
    Und treulich ihn erhalten
Das Reich und gemeinen Nutz.
    Er wird die deutschen Lande
Erretten in der Noth
Von dieser Türkenbande.
Drum hoff' allein zu Gott!

    Und wirst du also leben
In diesem Türkenkrieg,
    So wird Gott wahrlich geben
Dir väterlichen Sieg,
    Für dich gewaltig streiten
In Nöthen auf dem Plan,
Wie oftmals er vor Zeiten
Für Israel gethan.

    Ihr Christen auserkoren,
Einmüthig ruft zu Gott,
    Daß geht sein Zorn verloren
Und er uns hilft aus Noth,
    Uns Sünd' verzeiht und Schulde,
Die Ursach' dieser Plag',
Und Gnad' uns gibt und Hulde.
Nun sprecht mir Amen nach!

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