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Hans Georg Portner

August Sperl: Hans Georg Portner - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
booktitleHans Georg Portner
authorAugust Sperl
year1901
firstpub1901
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart und Leipzig
titleHans Georg Portner
pages402
created20140712
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Unterweisung.

Es war ein Julinachmittag. Vom wolkenlosen Himmel brannte die Sonne herab, sichelreif dehnten sich die weißen Felder, schläfrig standen die Wachen in den Holzgängen hinter den Ringmauern, menschenleer waren die dumpfigen Gassen Ambergs; träge floß die Vils aus dem Engpasse zwischen den finstern Bürgerhäusern und dem gewaltigen Turmbau von Sankt Martin hervor, und wie seit Hunderten von Jahren spiegelte sich das hochragende Freihaus der Hegner in dem schmutziggrünen Gewässer, und wie seit Hunderten von Jahren gurrten auf dem silbergrauen Schindeldache des Holzsteges flußabwärts die Tauben.

Im kühlen Flure des Freihauses, an der Mauer unter einem rundbogigen Fensterlein saß Ruth und las. An der massigen Steinsäule, die das weite, niedere Gewölbe trug, stand die junge blonde Hegnerin und versuchte, die üppigen Ranken eines großen Epheustockes um den Schaft zu schlingen.

»Es geht nicht,« rief sie ärgerlich und ließ die Ranken auf das Ziegelpflaster fallen. »Ruth, komm doch, bitte! Was hältst du davon, Ruth?«

Das Mädchen legte das Buch auf die Bank und kam heran. »Laß doch eine Schnur um das Kapitäl 258 schlingen, dann kannst du die Ranken um den Schaft legen und oben befestigen.«

»Das leuchtet mir ein!« rief die Hegnerin.

»Aber sag an, warum willst du denn die wunderschöne Säule durch den Epheu verdecken?« fragte Ruth.

»Geh doch, laß mich aus, die garstige, kalte, uralte Säule, Ruth!«

»Uralt, das glaube ich, kalt auch – aber garstig, garstig ist sie nicht, die Säule. Da sieh nur die herrlichen Linien am Schafte und am Fuße die kämpfenden Tiere und oben die feinen Blätter! Es ist doch schade, wenn das verdeckt wird.«

»Ach was, Ruth! Du siehst eben alles mit andern Augen an als unsereiner! Unsereinem ist's ein hoher Steinschaft, ein klotziger, und du entdeckst die wundersamsten Dinge daran. – Wahrhaftig, du hast recht! Da sind zwei kämpfende Hähne, und da droben die Blättlein sind auch gar nicht übel – ich seh's heute alles zum erstenmal. – Aber es ist ja doch nur ein kalter, harter Stein, und ich schlinge dennoch den Epheu darum. Ich hasse das Kalte und Harte.«

»In der Halle auf dem Zant ist auch solch eine Säule,« sagte Ruth nachdenklich.

»Du bist wohl recht oft zu Hause mit deinen Gedanken, Ruth?«

»Meine Gedanken haben viel Arbeit, gehen bald hinaus auf den Zant, bald –« Ruth brach den Satz ab.

»Du trägst auch viel zu schwer an deinem Leben,« flüsterte die Hegnerin und legte den Arm um das Mädchen.

»Was schwer ist, das ist schwer zu tragen.«

»Ach was! Warum auch tragen? Laß dich tragen von ihm, und wetten, es wird dich schaukeln 259 und wiegen!« sagte die Hegnerin und streichelte die Wangen der Zantnerin.

Diese schüttelte den Kopf.

Doch eifrig fuhr die junge Frau fort: »Du weißt ja gar nicht, Ruth, welche Macht wir in unsern Händen haben!«

»In unsern Händen?« fragte das Mädchen verwundert. Dann murmelte es bitter: »Ich seh's tagtäglich! Lebe ich nicht fast als eine Gefangene in der Stadt nun seit vier Wochen?«

»Und hast es in der Hand, von heute auf morgen frei zu sein,« flüsterte die Hegnerin. »Du weißt ja gar nicht, welche Macht dir gegeben ist. Ja, schau du nur mit deinen großen, blauen Augen und schüttle deinen Kopf, du!«

»Mir?« fragte Ruth.

»Ja, dir! Eifersüchtig könnte man werden, wäre man nicht die Hegnerin. Allen hast du's angethan, sogar meinem Mann, du schwarzblaue Hexe, du!«

»Ich? Du irrst, Osann. Wer kümmert sich im Ernst um das arme, verlassene Ding?«

»Wer?« Die blonde Hegnerin streichelte die schwarzen Haare und lächelte; aber sie sprach kein Wort.

Eine große, weiße Katze kam aus dem Hofe in die dämmerige Halle, schlich schnurrend heran und rieb sich mit Schmeicheln am Kleide ihrer Herrin.

»Du bist so verschlossen, Ruth,« sagte die Hegnerin, bückte sich und nahm die Katze auf den Arm.

Ruth schwieg.

»Und mir könntest du doch dein Herz ausschütten wie keiner andern mehr.«

»Verzeih!« murmelte Ruth.

»Eigentlich sollte man jetzt ein beleidigtes Gesicht 260 aufsetzen und schweigen wie du,« sagte die Hegnerin und liebkoste die schnurrende Katze. »Aber das thue ich nicht; denn ich möchte dir helfen, Ruth.«

»Was kannst du mir helfen in meiner Qual?«

»Qual? Aber sage, Ruth, sind sie denn nicht freundlich gegen dich, die Patres?«

»Nicht freundlich, Osann? O, sie sind freundlich, Osann, sie sind sogar sehr freundlich, ja, sie sind furchtbar freundlich, Osann!«

»Nun also, Ruth! – Aber pfui doch, Mieze, garstiges Tier! Da schau, Ruth, wie sie mir die Hand zerkrallt hat. Pfui, Mieze, geh weiter!«

Ruth zog ihr Taschentuch und trocknete die Blutstropfen: »Und sie ist doch immer so freundlich, Osann?«

»Die Katze, Ruth? Ja, die Katze ist eben eine Katze,« lachte die Hegnerin.

»Nun also,« murmelte Ruth.

»Komm,« sagte die Hegnerin und zog das Mädchen an die Bank unter dem rundbogigen Fensterlein, »laß doch einmal recht vernünftig mit dir reden! – So, da säßen wir. Das ganze Haus ist leer, und kein Mensch wird uns stören. – Sieh, Ruth, endlich mußt du ja doch einen Entschluß fassen.«

»Den habe ich längst gefaßt.«

»Ach, Ruth, längst? Dann ist er gewiß nicht der rechte.«

»Doch, Osann!«

»Nein, Ruth!«

»Doch, Osann!« Das Mädchen preßte die gefalteten Hände zusammen. »Ich halt's nimmer aus. Tag für Tag die Qual, Tag für Tag das Unterweisen – ach, Osann, wir beide verstehen uns ja doch nicht.«

261 »Und habe ich nicht das alles auch durchgemacht, liebes Kind?«

Ruth schwieg.

»Freilich, so dunkel habe ich das Ding nicht geschaut. Im Gegenteil! Es waren ganz unterhaltliche Abende, wenn der Pater kam. Er ist so weit gereist und hat so viel gesehen. Und als ich dann glücklich informiert war, hatte ich ordentlich Zeitlang nach den Abendbesuchen des freundlichen Mannes.«

»Und hast du keinen Augenblick in deinem Entschlusse geschwankt?« fragte Ruth.

»Hätte ich vielleicht emigrieren und von meinem Hegner fort ins Elend gehen sollen, Ruth?« Die blonde Frau lachte unhörbar. »Aus dem alten, behaglichen Hause? Was war da übrig? Nein, Ruth, niemals. Ich bin eben anders als du. Ich lasse mich tragen vom Leben. Ach, liebe Ruth, laß dich auch tragen!«

Das Mädchen rückte unmerklich von ihr ab.

»Gelt, es graut dir vor meinem Leichtsinne?« lachte die Hegnerin und umschlang Ruth. »Ein Thor,« flüsterte sie mit heißem Atem, »wer das Leben gering achtet. Ist ja so kurz! Leben, sich lieben lassen, die Sorgen verscheuchen, die Augen verschließen vor dem Häßlichen, das Harte umwinden mit üppigem Laube, die Jugend genießen, leben! Oder nicht, Ruth? Also, geh morgen zu deinem freundlichen Lehrer und sag ihm mit lächelnden Lippen, es sei dir alles recht, und komm zurück, lebe und liebe. Na, brauchst nicht so zucken! Was haben denn die Deinen andres gethan?«

Ruth schluchzte auf.

»Heilige Jungfrau, so war's nicht gemeint, Ruth! Komm Ruth, nicht weinen, Ruth! Weinen macht die Augen trübe. Nicht weinen! – Die Augen brauchst 262 du, Ruth. Ich sag's ja, du kennst dich gar nicht und deine Macht. Das Leben drängt sich heran zu dir, und du merkst es nicht. Ein Geschöpf wie du, zum Leben und zur Liebe geboren!«

Ruth versuchte, sich frei zu machen.

»Nein,« flüsterte die Hegnerin und schlang die Arme fester um sie; »du entkommst mir heute nicht, Ruth. Zum Leben und zur Liebe geboren, aber nicht zum Grübeln und Verwelken. – Hängt dein Herz immer noch an diesem Portner – sag?«

Ruth schwieg.

»Ich hasse ihn, diesen Portner,« grollte die junge Frau. »Will er denn besser sein als wir Konvertiten? Der Portner ist schuldig des ganzen Unglücks.«

»Du irrst,« sagte Ruth.

»Nein, er ist's!« rief die Hegnerin. »Und wenn er heute konvertierte –?«

»Ich habe dir und allen, die es hören wollen, gesagt, du irrst.«

»Und was kann er dir bieten, Ruth?«

»Sich selbst,« kam die Antwort zurück.

»Sich selbst!« sagte die Hegnerin. »Das lautet so groß und gewichtig und ist am Ende doch nichts andres als eine staubige Landstraße und ein Stück schimmeligen Brotes. Nein, Ruth –!«

»Laß mich!« bat das Mädchen.

»Liebe Ruth, herzliebe Ruth!« schmeichelte die junge Frau. »Sich selbst – das ist zu wenig. Haus und Hof und Stellung und Ehrenämter, das alles ist's, was den ganzen Mann bedeutet, und bei der größten Hingabe lieben wir doch zuletzt und zuerst im geheimen auch alles dieses an ihm.«

»Ich glaube, wir werden uns niemals verstehen, Osann.«

263 »Und wenn nun einer vorhanden wäre, liebes Kind, ein schöner, stattlicher Mann, reich und angesehen,« flüsterte die Hegnerin, »wenn nun ein solcher vorhanden wäre und sagte: alles, was ich bin und habe und meine glutheiße Liebe –?«

Die Hegnerin hielt inne, löste die Arme von dem Mädchen und stand auf: »Einen Augenblick, Ruth!«

Sie ging hinter die Stiege und brachte einen Strauß roter Rosen: »– meine Liebe, glutrot wie diese Blumen, lege ich vor deine Füße,« vollendete sie und legte ihr den Strauß in den Schoß.

Der Thürklopfer wurde gerührt, und die Hegnerin spähte durchs Guckloch auf die Gasse. »Wie in der Komödie!« sagte sie lachend und öffnete die Thüre. »Eure Rosen sind an ihr Ziel gekommen, Herr von Kriemhofen.«

»Süßeres könnten mir Eure Lippen nicht verkünden,« sprach der kurfürstliche Sekretarius und verneigte sich tief. Dann legte er die Rechte aufs Herz und verneigte sich vor der Zantnerin.

Diese erhob sich, und der Strauß fiel auf das Pflaster. Mit flüchtigem Nicken erwiderte sie den Gruß und wandte sich zum Gehen.

Hastig bückte sich Kriemhofen und reichte ihr die Blumen. Doch Ruth sagte kühl: »Ich glaube, sie gehören meiner Base, Herr von Kriemhofen.«

»Nein, nein, nein!« lachte die Hegnerin, glitt durch die Halle und huschte die Stiege hinaus. »Nein, nein!« kam's wie silbernes Schellengeklingel vom obern Stockwerke – das Rauschen eines Kleides – und dann waren die beiden allein.

Unschlüssig stand Kriemhofen mit dem Strauße in der Hand. »So leget ihn auf die Bank, Herr!« sagte Ruth und ging zur Stiege.

264 »Verzeiht!« rief der Sekretarius und vertrat ihr rasch den Weg. »Ich habe einen Auftrag.«

«Vom kurfürstlichen Regimente?« fragte Ruth und wich einige Schritte aus seiner Nähe zurück in die Ecke vor die Bank.

»Darf ich Euch nicht unter vier Augen sprechen?«

»Sprechet, es ist sonst niemand im ganzen Hause als meine Base!«

»Noch immer zu viele Ohren,« murmelte Kriemhofen.

»Ich kann Euch nicht verstehen, Herr.«

»Zuerst muß ich fragen, ob Ihr Euch noch nicht zur römischen Religion bekennen wollt.«

»Sparet Euch die Mühe!« sagte Ruth.

»Ich weiß,« flüsterte Kriemhofen. »Aber es handelt sich doch wohl nur um diesen oder jenen strittigen Punkt. Könntet Ihr Euch nicht dennoch anders resolvieren?«

»Sparet Eure Worte, Herr!«

»Vergebt, edle Jungfrau, ich habe die schwere Pflicht, Euch von Amts wegen zu fragen.«

Ruth besann sich. »So saget dem kurfürstlichen Regimente zum zwanzigsten Male, es gezieme meiner Einfalt nicht, mit solchen Subtilitäten und schweren Verantwortungen umzugehen; ich bäte, man wolle mich wider mein Gewissen nicht zwingen und mir die Abreise gestatten.«

»Ihr müßt bewegliche Briefe an Eure Eltern geschrieben haben, edle Jungfrau,« sagte Kriemhofen lauernd.

»Hab' ich Euch Rechenschaft zu geben über meine Briefe, Herr?« fragte Ruth.

»Ach, wollet mich doch nicht so stark verkennen,« bat Kriemhofen. »Mir geht ja die Sache so nahe, 265 daß ich's nicht sagen kann. Euer Herr Vater fürchtet, Ihr möchtet als ein junges Blut in Melancholie geraten.«

»Hat er das dem kurfürstlichen Regimente geschrieben?« fragte Ruth mit großen Augen.

»Und es ist offenbar, daß dem alten Manne viel an Eurer Konversion gelegen ist.«

»Mein Vater will mich zu nichts zwingen!«

Kriemhofen zuckte die Achseln. »Zwingen? Im Gegenteil, er hat gebeten, man möge Euch vierzehn Tage Urlaub geben.«

Ruth schwieg und sah ihn fest an.

»Ich aber wollte Euch nun mitteilen, edle Jungfrau, daß –« Kriemhofen stockte – »daß sich vielleicht, nun, es könnte wohl sein, daß sich auch Seine Kurfürstliche Durchlaucht hätte referieren lassen über Euern Fall –«

»Was könnte solch einem großen Potentaten an dem Schicksale einer unbekannten Landsassentochter liegen?«

»O, glaubet das nicht, edle Jungfrau! Der Kurfürst kümmert sich um alles und jegliches in seinen Landen. Und nun, ehe ich meinen Auftrag vollziehe, sage ich Euch im Vertrauen, als – als Euer bester Freund, daß man Vorhabens ist, Euch nach München an die kurfürstliche Hofstatt zu schicken.«

»Mich?« fragte Ruth entsetzt.

»Ja, doch Ihr dürft mich unter keinen Umständen verraten.« Kriemhofen preßte die Hand aufs Herz und flüsterte: »Ich weiß nicht, wie ich das ertrüge, wenn der Plan des Herrn Vizedom zur Ausführung käme.«

»Und zu welchem Ende will man mich nach München schicken?« rief die Zantnerin.

266 »Zu demselben Ende, dem Ihr hier und nirgends entgehen könnt – nirgends, und am wenigsten in München!« antwortete Kriemhofen. »Und so ist mein Rat, edle Jungfrau, saget geschwinde Ja und Amen zu allem, was man von Euch will. Wer weiß, was man zuletzt mit Euch in München anfängt!«

»Niemals!« sagte Ruth.

»Ich meine es gut,« flüsterte Kriemhofen. »Und nun den Auftrag: Das kurfürstliche Regiment erlaubt Euch, auf vierzehn Tage nach dem Zant zu reisen.«

»Das ist eine gute Nachricht, Herr von Kriemhofen!«

»Auf vierzehn Tage,« betonte der Sekretarius, »dann müßt Ihr Euch hier persönlich entscheiden. Und wenn Euch zu wissen verlangte, wer Eure Angelegenheit unter der Hand vertreten hat, als wäre es seine eigne, wem Ihr diesen letzten Aufschub verdanket – ich könnte es Euch wohl sagen.«

»So danke ich Euch, Herr,« murmelte Ruth und gab ihm die Hand.

Kriemhofen ergriff die Hand und flüsterte:

»Und ich, edle Jungfrau, darf ich noch einmal fragen –?«

Das Mädchen suchte die Hand zu befreien, aber Kriemhofen hielt sie fest und bedeckte sie mit Küssen.

»Herr!« rief die Zantnerin und riß ihre Hand mit einem Rucke los.

»Vergebet!« stammelte Kriemhofen und trat einen Schritt näher.

Ruth wich noch mehr zurück und stand nun ganz in der Ecke zwischen dem Ende der Bank und der Mauer: »Ich habe Euch wiederholt durch meine Base zu wissen gethan, wie es um mich steht, Herr von Kriemhofen,« sagte sie mit bebenden Lippen. »Und nun ersuche ich Euch, gebt die Bahn frei!«

267 »Seht Ihr denn nicht, wie's um mich steht?« raunte Kriemhofen. »Als ein Bettler komme ich immer und immer wieder, wahnsinnig vor Liebe –«

»Gebt die Bahn frei, Herr von Kriemhofen!« sagte Ruth und richtete sich hoch auf.

»Wahnsinnig,« murmelte Kriemhofen. »Und wie einen Hund laßt Ihr mich immer wieder von der Thüre jagen.«

»Zum letzten Male, die Bahn frei!« herrschte ihn das Mädchen an.

»Und wer ist denn der Bettler und der Hund – ich oder er?« zischte Kriemhofen und tastete sinnlos nach ihrer Hand.

Da hob Ruth blitzschnell diese Hand und gab ihm einen Schlag ins Gesicht.

Der Sekretarius taumelte zurück, und hochaufgerichtet ging Ruth durch die Halle zur Stiege.

*

Um dieselbe Zeit aber las der Zantner diesen Befehl des kurfürstlichen Regiments: »Wiewohl sich Deine Tochter Ruth wegen ihrer Konversion noch etwas halsstarrig erweiset und von ihrer vermeinten Religion nicht weichen will, so haben wir sie doch dergestalt dimittiert, daß Du sie bei Dir behalten und, daß sie nicht allein die Gottesdienste fleißig besuche, sondern auch sich informieren lasse und in dem ihr von den patribus zugestellten Buche eifrig lese, daran sein, sodann inner vierzehn Tagen sie wiederum zur Kanzlei hereinschaffen sollest, damit ihre progressus vernommen werden mögen. Verlassen wir uns, zu geschehen. Amberg, den 28. Juli 1629.« 268

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