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Christian Dietrich Grabbe: Hannibal - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
booktitleHannibal
authorChristian Dietrich Grabbe
year1989
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006449-x
titleHannibal
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Karthago. Abend

Kabinett in Hannos Palast

Brennende Kerzen auf einem kleinen runden Tische, um welchen Hanno, Melkir und Gisgon sitzen

Melkir. Ist der Bote gekettet?

Hanno. Daß ihm die Adern bluten.

Melkir. Und was noch hattest Du im Sinn?,

Hanno. Alles, wird nur der Gisgon nicht einmal öffentlich zu hitzig.

Gisgon. Wir sind die Dreimänner, durch Kugeln erlost, und niemand weiß recht, daß wir es sind, wohl aber, daß drei Monde am Himmel stehen, unter denen Suffeten und Volk sich bewegen. Jeder von uns hat seinen Anhang im vornehmen Synedrion und unter den guten Hundertmännern des Pöbels, streitet mit dem anderen öffentlich und unterstützt ihn heimlich hinter zehnfachen verschlossenen Türen. Das weiß ich, und leise raschl ichs mit der Zunge hin, wie die Schlange durchs gefallne Laub schleicht. Drum, beim Satanas, beleidigt mich nicht, ich scheine nur unter Euch der jüngste, denn das Klima dieses engen Zimmers machte mich bald so alt wie ihr.

Hanno. Nicht ärgerlich! Heftigkeit schadet stets. Mit Ruhe.

Gisgon. Ja, es ist gut, tut man das Schlechte mit Ruhe.

Hanno. Demnach – die Barkas müssen unter, bald, baldigst, – sie werden zu bedeutend, sie siegen zu viel, einige im Volk bewundern sie schon.

Gisgon. Und andere meinen, sie wären schon unter, als tüchtige Anker dieser mastenwimmelnden Stadt. Doch ich lasse mich belehren.

Melkir. Du lächelst, Hanno? – Was ist?

Hanno. Man sollte nicht lächeln.

Melkir. Und nicht weinen. Beides verrät.

Hanno. Ich freute mich, daß Gisgon sich belehren läßt. – Die Barkas, Gisgon, haben mächtige Gruben in Spanien –

Gisgon. Und wir haben prächtige Katakomben, alle Barkas darin zu begraben – (für sich) sobald es Zeit ist. Aber noch ists nicht Zeit, diesen beiden greisen Ziegenböcken, mir widerlich, als müßt ich sie einmal essen, zu zeigen, daß ich ihr Gemecker verstehe.

Hanno. Sie haben Italien –

Melkir. – zausen nur an dem Erdstreif – wir dagegen kennen und nützen die von Pol bis Pol sich ausdehnende Atlantis.

Hanno. Als Hannibal die Alpen überstieg, zauste er ihnen am Schneehaar, daß die Flocken Italien umdüsterten und es auch hier seinen Gegnern winterlich ward. Jetzt abermalen der ungeheure Sieg –

Melkir. Nach welchem er sich noch lange verschnaufen muß!

Hanno. Dazu die weitschichtige Familie der Barkas –

Gisgon. Freilich damit umranken sie Mauern und Dächer.

Hanno. Zerrissen den Efeu!

Gisgon. Reißen wir! – Doch wie?

Melkir. Leicht. Gebt dem Hannibal nicht weitere Unterstützung und er scheitert vor Rom.

Hanno. Einige Hülfe muß er haben, zum Schein. Schicken wir ihm etwa sechstausend Mann erbärmlicher Söldner, und verbreiten wir, es seien sechzigtausend gute Stück, so bewundern uns Karthago und die Welt.

Gisgon (für sich). Wird man bei diesen Zweien nicht schlecht, hat man ein steinernes Herz.

Melkir. Warum auch nur diese Söldner? Sie könnten ihm immerhin nützen, er weiß Kleines anzuwenden.

Hanno. Melkir! Wenige schlechte Truppen, scheinbar zahlreich, geheime Befehle gegen ihn, die öffentliche Meinung für unsren guten Willen, jedenfalls besser als offner Kampf mit ihm und seiner Partei.

Melkir (nach einiger Überlegung). Nicht unrecht – Ich aber will die Truppen auswählen.

Gisgon (beiseit). Der wird was aussuchen! Armer Hannibal! (Laut.) Der gefesselte Bote von Kannä, der so hell war auf den Gassen, hat gewiß noch mehr im kupfernen Schlund. Er muß nun zu Tod.

Hanno (drückt an eine der in den Wänden versteckten Springfedern, und schmunzelt). Jetzo ist er tot, lieber Gisgon – (Gisgon tut erstaunt) denn, Bester, ich habe nach dem Beispiel Melkirs –

Melkir (mit einem lang werdenden Gesicht). Hann – Hanno?

Hanno. Warum nicht sagen, was unser Genoß je früher je besser erfährt? (Wieder zu Gisgon.) Ich habe nämlich mein Haus mit Drahtfedern eingerichtet, deren jegliche auf einen der oberen Mittelquader der unteren Gewölbe wirkt, so daß jegliches einstürzt, drück ich seine Feder. Dieses Federchen nun hat den Boten in Schutt und Trümmer eben lebendig begraben oder auch schon zerquetscht, und wir drei nur wissen das.

Gisgon (springt auf). Ein Spinnweb! Ich muß fort! Meinen Mantel! (Für sich.) Der Schwätzer, mein Haus ist besser unterminiert als das seine.

Hanno. Nicht bang. Wir sind Freunde.

Gisgon (setzt sich). Ah – das vergaß ich.

Melkir. Gisgon! Hanno tadelte nicht ohne Ursache Deine Heftigkeit.

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