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Christian Dietrich Grabbe: Hannibal - Kapitel 27
Quellenangabe
typedrama
booktitleHannibal
authorChristian Dietrich Grabbe
year1989
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006449-x
titleHannibal
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Karthago

Nacht. Große Halle im Palast des Barkas, festlich mit Ampeln und Lichtern erhellt

Barkas (auf ein Ruhekissen das Haupt gesenkt, erwacht aus dem Schlummer). Himmel, was hat Alitta mit leisem Tritt veranstaltet, während ich schlief? – Die Halle schimmert von goldenen Ampeln und Leuchtern und blendendem Licht! Duftet von Ambra! Ist heute ein Familienfest?

(Römische Tubatöne, erst in weiter Ferne, dann immer näher und stärker, von allen Seiten herüberschwellend.)

O Meer, bedecke mich vor diesen Tag für Tag furchtbarer, näher werdenden Klängen! (Sich erhebend.) Was da? – Diese Halle ist hundert Stiegen hoch, und welche Riesenweiber schauen da in ihre Fenster – und – spalten sich die Mauern vor meinem Blick? – fegen die Gassen aus, die Gassen selbst fort? – Da, Du, du Eine, höher als alle, was weinst Du in mein Haus? Ich bedarf Deiner Tränen nicht, habe schon Grams genug – Eine funkelnde Königskrone auf dem Haupt? – – Elissa – Dido – bist Du es, die vor meinem Fenster steht? Standest Du auf, um Deine Stadt noch einmal vor ihrem Untergange zu sehn? Wehe Karthago! sie nickt, verdeckt ihr Haupt, und verschwindet mit ihren Gefährtinnen im Meer! – – Träum ich? Nein, dazu ists zu furchtbar!

(Alitta tritt ein mit den vornehmsten der jungen Karthagerinnen, alle im glänzendsten Schmuck, lodernde Fackeln in der Hand.)

Barkas. Mädchen, Myrten im Haar? Mit Diamanten und Perlen beschneit? In jetziger Bedrängnis?

Alitta. Teuerster Ahn, wir alle haben Tag und Nacht gearbeitet, unsre Krieger zu bewaffnen – Sie sind nun bis auf wenige gefallen, und denen kann unsre Arbeit nicht mehr fruchten – Was hilft nun der Gram? Wir wollen unsren Schmerz erleuchten und Hochzeit feiern, darum ließ ich Ampeln und Fackeln anzünden!

Barkas. Hochzeit? Dein Brasidas liegt tot.

Alitta. So feiern wir nicht die irdische, aber bald die schönere himmlische! Hört! wie sie den Reigen dazu spielen!

Barkas. Das ist der Sturmalarm des feindlichen Heeres!

Alitta. Desto besser! Der Feind spielt selbst zu unsrem Fest und die Musik scheint kräftig! – Greis, Karthagos Jungfrauen und Matronen wissen, daß die Römer die Mauern erbrechen, obgleich der in seinen letzten Tagen so edle Gisgon sie mit seinem Todesblut versiegelt hatte, – sie wissen, daß alle Gegenwehr vergeblich ist, darum sind sie alle, keine ausgenommen, (sieh nur, wie es auch in den nachbarlichen Häusern und Palästen hell wird) entschlossen –

Barkas. Doch nicht –?

Alitta (fest). Die Stadt und sich zu verbrennen!

Barkas (Pause). Gebt mir auch eine Fackel!

Turnu (sich vordrängend). Da!

Alitta. Ha, der Mohr, welcher nach Zamas Schlacht hier Hannibal suchte, und den ich beschützte – Du bleibst leben!

Turnu. Muß ich?

Alitta. Um Dich durch die Römer zu schleichen, und dem Hannibal zu berichten, was hier geschehen.

(Turnu ab.)

Und nun Freundinnen, Gespielinnen, besser, wir werden heiße Asche, als blühende Sklavinnen! – Ich beginne!

(Sie wirft ihre Fackel an die Tapete; die Vorigen ebenso; der Palast beginnt zu brennen, die Nachbarwohnungen lodern auf dieses Zeichen auch auf. Alle umarmen sich.)

Alitta. Urvater, wie ist Dir?

Barkas. Wohler als je!

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