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Christian Dietrich Grabbe: Hannibal - Kapitel 21
Quellenangabe
typedrama
booktitleHannibal
authorChristian Dietrich Grabbe
year1989
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006449-x
titleHannibal
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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In der Nähe des Städtchens Zama

Vormittag. Römisches Lager. Vor dem Zelt der Scipionen. Das Heer und die Hülfstruppen in Schlachtordnung

Scipio der Ältere, Scipio der Jüngere, Allochlin, Massinissa, Terenz und der Keltiberier

Scipio der Jüngere. Massinissa! mit Deinen lybischen Reitern stellst Du Dich denen Deines Gegenkönigs, des Halbkarthagers Syphax gegenüber – Allochlin, scharmützle nach jenen Dörfern. Der Feind sammelt sich hinter ihnen.

Allochlin. Herr, gönnt meinen Leuten erst eine Stunde Ruhe. Sie waren wieder drei Tage und Nächte in Dienst. Drei Vierteile meines Heeres sind während Deines Feldzugs darauf gegangen – Die armen Männer tun mir leid – Ich habe meine Braut sehr teuer erkauft!

Scipio der Ältere. Schmeckt sie Dir nicht mehr wie anfangs?

Scipio der Jüngere. Kauf ist Kauf, Barbar. Hinterdrein daran mäkeln, zeigt keinen rechtlichen Mann. Befolge, was ich befohlen, und ihr zehn Zenturionen da, schließt euch an seine Seite, und tötet ihn, sobald er uns untreu wird. Sein weinerliches Gewäsch läßt mich das Niederträchtigste fürchten.

Allochlin. O! (Mit den Zenturionen ab.)

Terenz (für sich). Bekommt er es nun, wie ichs prophezeite?

Ein Velit (kommt). Karthagische Friedensboten bei den Vorposten.

Scipio der Ältere. Schickt sie zurück.

Scipio der Jüngere. Laß mich sie hören. Es gibt Zeit, daß Du das Heer unterdes ganz so ordnest, wie wir übereingekommen.

Scipio der Ältere. So dehne das Gespräch hin wie einen Bandwurm, der immer vorn wieder anwächst, wenn man ihn hinten abschneidet, bis ich zurückkomme und wir ihn und die punischen Patienten mit dem Schwert zum Tode kurieren. (Ab.)

Scipio der Jüngere. Die Abgeordneten sollen kommen.

(Der Velit ab.)

Sohn Ullos, was starrst Du?

Terenz (für sich). Mit dem Barbaren spricht und scherzt er – Der ward seinem Gaumen angenehmer, als die früheren attischen Unterhaltungen.

Keltiberier. Herr, ich sah manche mächtige gefleckte Kröte, gelb mit schwarzen Buckeln, doch so eine meilenweite, wie jene Stadt, zuerst gestern Abend. Und was für schwarze Riesen ragen über all die Dächer und Türme noch hinaus, ihre Hände gen Himmel streckend, dampfend, als böten sie Brandopfer dar?

Scipio der Jüngere. Es sind die ehernen Bilder der Götter, und wenn Gefahr droht, legen die Karthager in deren glühende Hände ihre Kinder zum Opfer, Errettung flehend.

Keltiberier. Ei – höchst vernünftig kommt mir das vor, jemehr ich darüber nachdenke. Sie werden der kleinen, oft unvorsichtig erzeugten Mitesser los, werden gerettet, und tun dazu den Göttern einen Gefallen! Ich werd es in Keltiberien zur Nachahmung empfehlen.

(Die beiden karthagischen Abgeordneten kommen.)

Erster. Uns sendet Hannibal. Er wünscht den bevorstehenden Kampf durch Vergleich abzuwenden, und Dich dort auf freiem Felde mitten zwischen beiden Heeren zu sprechen.

Scipio der Jüngere. Und wo hat er seinen Hinterhalt gelegt?

Erster. Er wählte ja, um jeden Verdacht zu vermeiden, das freie Feld. Auch will er Dir nur zu Fuß, bloß von zwei Hauptleuten eben so begleitet, entgegenkommen, und ersucht Dich ein Gleiches zu tun.

Scipio der Jüngere (für sich). Ich möcht ihn wohl sehen. – Auch gewinnt mein Bruder Zeit. (Zu den Abgeordneten.) Ich komme, gleich.

(Die Abgeordneten ab, von welchen der zweite immer nur genickt hat, wenn der erste gesprochen.)

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