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Christian Dietrich Grabbe: Hannibal - Kapitel 20
Quellenangabe
typedrama
booktitleHannibal
authorChristian Dietrich Grabbe
year1989
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006449-x
titleHannibal
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Halle im Palast des alten Barkas

Barkas und Alitta

Barkas. Teuerste Urenkelin, Du kommst in diesen bewegten Tagen, und er, der meinem Herzen noch näher sein sollte, kommt nicht, vergißt mich in seinem Glück!

Alitta. Nein, Greis. So denk ich ihn mir nicht. Er will gewiß erst so freudiger vor Dich treten, wenn er alles beendigt hat.

Barkas. Du sprichst wie ein empfindendes Weib. Er ist ein gefühlloser Krieger.

Alitta. Nimmermehr bloß der! Hohe Taten, wie die seinigen, wurzeln tiefer, als unter der Stirn, wo sie sich nur entfalten. Wahrlich, das fühl ich im kleinen in meinem eignen Busen.

Barkas. Sahst Du ihn je?

Alitta. Großoheim, ich war ja noch lange nicht geboren, als er abreiste, doch erzählen ließ ich mir von ihm, seit ich denken konnte.

Barkas. Er war ein eigensinniger Knabe.

Alitta. Vielleicht nur eigen!

(Hannibal und Brasidas erscheinen im Hintergrunde.)

Barkas. Warum kommt er aber nicht?

Hannibal (mit Brasidas vortretend). Er kniet zu Deinen Füßen!

Barkas. Auf, auf! – Du, vor dem die Hunderttausende fielen, willst knien? – Auf – es erschreckt mich!

(Hannibal erhebt sich.)

– – Enkel! Deine Stirn ein sturmerstarrtes Meer!

Hannibal. Es stürmte lange drüber hin, bis endlich der Frost kam und die Wellen stehn blieben.

Alitta. Das die Hände, die von Kannäs Höhen zum Siege winkten? ich zittre vor Schauder und Wonne!

Barkas. Dein Haar schon weißlich –

Hannibal. Es geht meinem Kopf wie dem Eisen, glüht man es zu arg, wirds weiß. (Zu Brasidas.) Ist die es?

Brasidas. Alitta, kennst Du mich nicht?

Alitta. Brasidas! – – Und er hat doch tapfer gefochten?

Hannibal. Ich bezeug es Dir.

Alitta. So lieb ich ihn tausendmal mehr!

Barkas. Senken wir die Häupter: die Posaunen der Priester rufen zum Gebet.

Hannibal. Es sind Opferpriester, Ahn, doch freiwillig wollen wir ihnen die Nacken nicht reichen.

Brasidas. Nicht Opferpriester – die kennen nur Gesang, nicht Posaunen.

Hannibal. –- – Großvater, die Scipionen kommen vor der Stadt an, und was wir hören, ist der langgedehnte, zum Aufwerfen der Nachtlager rufende Klang der römischen Tuba!

Alitta. Der Feind vor den Mauern! Hannibal, Held, rette! Brasidas, hilf ihm! – Wie's da wieder schallt! wie sie mit ihren nordischen schaurigen Tönen hoch über die Mauern in die Stadt fassen! Rettet!

Hannibal. Versuchen will ichs! – Europa und Afrika stehen auf dem Spiel – Meine Würfel liegen aber schlecht, ich habe nur dreißigtausend schnell zusammengeraffte Söldner gegen eine vier- bis fünffache Übermacht auszuspielen, die da fühlt, daß sie um die Ehren eines Vaterlandes kämpft. Doch versuchen muß ichs, und zusehn will ich, ob ich das Glück nicht verbeßre, und sei's mit der Zunge.

Barkas. O könnt ich mit euch!

Alitta. Dürft ich mit euch! – Aber, es falle wie es will, ich weiß –!

Hannibal und Brasidas. Lebt wohl! (Beide ab.)

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