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Christian Dietrich Grabbe: Hannibal - Kapitel 11
Quellenangabe
typedrama
booktitleHannibal
authorChristian Dietrich Grabbe
year1989
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006449-x
titleHannibal
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1835
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Höhe des nördlichen Engpasses bei Casilinum

Fabius Maximus, sein Reiterfeldherr, und die Hauptmacht seines Heeres

Fabius Maximus. Junger Freund, was wollen nun die Scipionen mit ihren spanischen Siegen? Da unten steckt er, der Urheber alles Übels, im Käfig!

Reiterfeldherr. Laßt uns auf ihn niederbrausen, wie der gelbe Tiber, wenn er im Februar Roms Acker überschwemmt und ihren Schnee zernichtet.

Fabius Maximus. Nicht diese breiten Gleichnisse, wo es richtige Gedanken gilt. Wir brauchen nicht niederzusteigen. Er muß heraufkommen oder drunten verhungern.

Reiterfeldherr. Und, beim Pluto, mir scheints als käm er herauf – denn es regt sich und trappelt in seinem Lager!

Fabius Maximus. Sollt er es wagen? Gegen unsere furchtbare Stellung?

Reiterfeldherr. Ich trau ihm die Tollkühnheit zu.

Fabius Maximus. Wirklich, wirklich, sie blasen Schlachtsignale, erheben Schlachtgeschrei – Es kann zum Gefecht kommen! – Unser Heer ist, dank Jupiter Stator, durch meine Vorsicht zwar in Ordnung – Nur – man tut des Guten nicht zuviel – Ihr Priester, opfert dem Stator auch noch schnell acht durchaus weiße Schafe, und betet nebenbei zu den übrigen Göttern – Doch nein, letzteres möcht er übelnehmen.

Ein Flamen. Wir haben solcher Schafe nur sieben. Das achte starb vorige Nacht.

Fabius Maximus. Ein totes Schaf! Schlimmes Auspizium! Großes Unglück!

Reiterfeldherr. Wir können ja dem Gott dazu geloben, nächstens das achte nachzubringen.

Fabius Maximus. Gut bemerkt. Opfert vorerst die sieben! das achte verspreche auf nächstens!

(Mehrere Priester ab.)

Reiterfeldherr. Das Tal wird hell, und ungeheure Massen bewegen sich in ihm auf uns zu.

Fabius Maximus . Hätte er durch seine List Hülfe bekommen? In der Tat, es ist an dem! – Eine Reiterei mit Fackeln! Daß dich, die springt! Und das Geschrei! – Hätt ich nur einen punischen Gefangenen zur Hand, der es mir übersetzte!

Reiterfeldherr. Es lautet, als schrieen ein paar tausend Ochsen.

Fabius Maximus. Ochsen? Die könnten das nicht – o, Du kennst noch keine wütende Menschenstimme – die nur schreit so gräßlich, durch die Macht des erregten Geistes! – Sieh hin, genau: sie tragen Mützen mit zwei Zipfeln, Schilde wie Bretter vor den Köpfen – so ist das Wappen Uticas, es sind neu angekommene Uticenser. (Er hält sich einen Augenblick erstaunt die Hand vor den Kopf.)

Reiterfeldherr. Gleich sind sie hier – Es gilt Stand halten.

Fabius Maximus. Bei Nacht? Gegen einen noch unbekannten Feind? Und hier besonders gegen die verwegene, geübte Reiterei, die uns zu umzingeln droht, ja, schon damit anfängt? Denn schau, mit welch beispielloser Kühnheit sie die Felsen hinauf, in die Wälder sprengt und die Bäume ansteckt – Nein, wir müssen den Tag erwarten, um diesen Herren erst in die Augen zu sehen, und ihre schwachen Seiten zu ergründen. – Legionen, still zurück über jene Höhen nach Casilinum!

(Alle ab. Pause.)

Hannibal (mit seinem Heer). Haha! – Geht das Glück so fort, hoff ich doch noch dem Hasdrubal erzählen zu können, daß mir Rindvieh den Weg durch ein Diktator-Heer öffnete! – Weiter!

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