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Hann Klüth

Georg Engel: Hann Klüth - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Engel
titleHann Klüth
publisherDeutsche Buchgemeinschaft GmbH
illustratorO. H. Engel
year1910
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080424
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VII

»N'abend auch,« wünschte oll Kusemann, als er mit einem höflichen Schwung seines rechten Beines an einem der folgenden kalten Winterabende in die ziegelsteingepflasterte Küche der Klüths trat.

Draußen heulte der Schneesturm und drückte eine Wolke von Kienrauch herab.

Um den Herd, auf dem unter einem Messingkessel ein kräftiges Holzfeuer fauchte, saß die Familie Klüth und stickte eifrig an blauseidenen Stellnetzen herum, die eine ganz besondere Aufmerksamkeit verlangten.

Mudding war viel älter geworden. Ihre Haare hatten sich vermindert und silberweiß gefärbt. Unter ihren Füßen brauchte sie jetzt einen Hüker, denn Muddings Beine schwollen abendlich an und bereiteten ihr Schmerzen.

Siebenbrod dagegen hatte seine Hagerkeit abgelegt. Als Hausbesitzer war er voll und rund geworden; nur seine Hakennase in ihrer roten Pracht erinnerte noch an die Vergangenheit.

»N'abend auch,« wünschte oll Kusemann, während er etwas weiter in die düstere, halberleuchtete Küche hinkte, an deren Ziegelsteinwänden merkwürdig rote Schatten hinaufkletterten. »Ich soll hier auch einen schönen Gruß bestellen.«

Der Lügenlotse zog dabei die Augenbrauen in die Höhe und pfiff, wie wenn er den hohen Rang seines Auftraggebers andeuten wolle. Dann schüttelte er von seinem Lotsenmantel eine dicke Lage Schnee ab und ließ sich prustend und ohne eine Einladung abzuwarten auf einen Schemel nieder.

Eine Weile blieb es ruhig in dem roten Raum. Man hörte das Holz unter dem Kessel platzen und vernahm das Geklapper der Netznadeln.

Oll Kusemann sah verwundert von einem zum andern. Da aber alle still bei ihrer Arbeit blieben, zog er einen Tonstummel aus dem Mantel, klopfte die Pfeife vorsichtig an dem Schemel aus, stopfte neuen Tabak, den er frei aus der Tasche zog, hinein und begann recht zufrieden zu schmauchen.

»Jawolling,« äußerte er endlich behaglich, »einen Gruß.«

»Von wem?« fragte Siebenbrod, der gerade nach einer neuen Spule griff.

Als oll Kusemann sich nach so langer Zeit gefragt sah, stieß er ein befriedigtes Knurren aus und pfiff leise.

»Von einem feinen, feinen Herrn,« gab er wichtig zurück und tat, als ob er ein großes Geheimnis auspacken könnte. »Ich traf ihn auf dem Werftbüro.«

»Wohl unsern Bruno?« warf Mudding rasch dazwischen, ohne daß sich jedoch ihr unbewegliches Gesicht irgendwie verändert hätte.

»Nein, beim Vornamen,« meinte der Lotst wichtig, »würd' ich ihn doch nich mehr so ohne weiteres nennen. Dazu is er mich nun doch zu fein. – Ja –« er hustete, blies ein paar künstliche Ringe und blinzelte durch die Kreise hindurch Siebenbrod verstohlen an. »Ja, was ich sagen wollt', in den verschiedentlichen Büros erzählen sie nämlich, daß er nun bald einer von Hollandern seine Stellvertreter werden wird. – Ja, ja, so was kommt vor. Und dann – – –« Er schluckte und suchte mit seinen schiefgestellten Augen zu ergründen, ob die Klüths nicht doch einmal neugierig werden könnten. Aber die Familie stickte gleichmütig fort.

»Und dann – hm – da is ja noch eine Tochter. Na, die Leute sagen woll bloß so – aberst so was kommt doch auch vor. Nicht so?«

Auch diese Nachricht fing nicht. Alle blieben lautlos bei ihrem Werk. Nur Siebenbrod rührte sich, rückte an dem Kessel und lauschte dann nach draußen, von wo durch den Sturm hindurch Schweinegrunzen laut wurde.

Dann fragte er: »Mudding, haben sie all?« womit er das Futter meinte, und nachdem die kleine Frau bejahend genickt hatte, hörte man wieder nichts als das Klappern der Nadeln.

»Na, wenn sie nicht wollen,« dachte der Lügenlotse gleichmütig, streckte die Beine von sich und fing an, unter mächtigem Dampfblasen für sich allein zu erzählen.

»I, warum sollt' so was nicht passieren? – Ich hab' da man in meine Jugend gelesen – von die Kaiserin Katharina; die hat ja woll – hm – na, ihren Kutscher geheiratet – Und als sie den über hatte, dann alle paar Monat einen andern Kosaken. Weißt woll noch, Hann? – Die so viel Flöh' haben?«

In diesem Augenblick stieß ein mächtiger Windzug in den Schornstein, das Feuer flackerte nach allen Seiten auseinander, und eine ätzende Rauchwolke schlug durch den Raum.

»Puh,« hustete oll Kusemann. »Nu müßt' man einen Grog für die Kehl' haben.«

Auf diese Andeutung blickte Hann schnell zu seiner Mutter hinüber. Doch die kleine Frau schlug ängstlich die Augen nieder, und Siebenbrod hob sein Haupt und zählte.

Nebenan knarrte die Uhr.

Sieben – acht – neun.

»'s wird Zeit ins Bett, Mudding.«

»Ja – ja-«

»Aber der richtige Augenblick wär's für so einen kleinen Schlummerpunsch,« faßte der Lotse nach.

Siebenbrod erhob sich. Dann gähnte er. Er hatte durchaus nicht die Absicht, diesen ewig durstigen Lügner, der ihn mit seiner Sparsamkeit aufzog, zu tränken.

»Ja, oll Kusemann, ich gäb' ihn dir herzlich gern – aber sieh, wir haben so was gar nicht. Was, Mudding?«

Hann zuckte in seiner Ecke zusammen, sprach aber nichts.

»Na, was steht denn aber in der Delikatessenkiste, die euer feiner Sohn aus der Stadt geschickt hat, wie er mir heute erzählte?« fragte oll Kusemann und lachte über das ganze Gesicht vor Freude darüber, daß seine Frechheit durch nichts zu verblüffen war.

»Was darin steht?«

Und Siebenbrod, der noch immer sehr jähzornig war, bekam wirklich seinen roten Kopf.

»Die Kist' is noch zu,« knurrte er. – »Was, Mudding?« Und als die kleine Frau nicht gleich auf ihn zu hören schien, sondern nur Hann ein Zeichen gab, ihr die Fußbank fortzunehmen, weil sie aufstehen wollte, da fuhr er sie heftig an: »Na, Mudding, nu sag' doch was! – Nu tu doch eins den Mund auf – damit er nicht glaubt, ich gab's ihm bloß nicht gern –. Nu sag' doch, is die Kist' zu oder is sie nicht zu?«

Da warf die kleine Frau auf den Lügenlotsen einen einzigen Blick. Der war so stehend, daß er selbst oll Kusemann betroffen machte und seine Phantasie veranlaßte, schnell auf ein anderes Gebiet zu springen: »Ja, und morgen kommt der feine Herr zu euch zu Besuch,« lenkte er unerschüttert ab. »Morgen – zum Sonntag – hat's mir selbst gesagt. – Na, da würd' ich morgen die Kist' aufmachen. – Is'n Gedanke, wie? Is er denn schon mal bei euch gewesen?«

»Ne,« knurrte Siebenbrod, während er einen schiefen Seitenblick auf seine Frau warf, die eben das Licht genommen hatte, um zu leuchten.

»Also kommt zum erstenmal?«

»Ja,« murrte der Fischer.

»Da freut ihr euch woll sehr?«

»Ja,« schrie Siebenbrod und riß den Leuchter an sich. »Komm, Mudding, wir müssen morgen früh wieder raus. Und du, Hann, paß auf, bis das Feuer aus is. Wir sind nich hoch in die Versicherung. – Fix, Mudding, nicht so langsam.«

»Gut' Nacht auch,« wünschte oll Kusemann, wobei er sich höflich verbeugte.

»Nacht.«

Die kleine Frau schlich auf ihren schmerzenden Füßen voran, ihr Mann klapperte auf seinen Holzpantoffeln hinterher. Dann hörte man die beiden die Treppe hinaufziehen.

»Is eigentlich 'n netter Mann, dein Stiefvater,« meinte oll Kusemann im ernsten Ton. Er schlug die Knie übereinander und schaukelte sich auf seinem Schemel hin und her.

Aber wie erstaunte er, als Hann sich erhob, um an ein kleines Eckspind zu treten, aus dem er eine Flasche hervorzog. In dem Glase schaukelte goldgelbe Flüssigkeit.

»Rum?« forschte oll Kusemann, während er die Lippen zum Pfeifen spitzte.

Wortlos goß Hann aus dem Kessel warmes Wasser in ein Bierglas, warf Zucker hinein und setzte dann das Ganze als steifen Grog vor seinen alten Freund nieder.

»Gott's Blitz –« lobte der und stürzte das Paßglas auf einmal hinunter und hielt es wieder zum Füllen hin. »Das ist ein Nümmerchen, – so – gut – Hann, bist doch ein anschlägiger Kopf – prost – wirst immer klüger. Ja, was ich sagen wollt' – weshalb, meinst woll, daß ich heut' hierherkomme?«

»Wohl wegen meiner Gestellungsgeschichte? Übermorgen muß ich hin,« meinte Hann, der sich inzwischen auf den Stuhl am Herd niedergelassen hatte, wo er sich über den Flammen die Hände wärmte.

»Jawoll,« versicherte oll Kusemann nachdenklich, »das is 'ne böse Geschicht', Jung. Paß auf – dich nehmen sie. Und dann wirst du nach Kiel geschickt, als Matros, und wenn dir dann die wilden Völker im Ozean – Karolinen heißen sie ja woll – nich hinterrücks kaput geschossen haben, denn schneiden dir doch die Mohren in Kamerun ganz sicher den Kopf ab. Anders is das nich.«

»Ja, denn laß das so.«

»Je, Menschenkind – – aber gib mich erst noch so'n lütten Grog – danke – ja, hast du denn das menschliche Leben gar nicht lieb?«

»Oll Kusemann,« sagte Hann und sah mit seinem plumpen Kopf träumerisch in die Flammen, die kleiner und winziger wurden; »ich hab dich all längst eins fragen wollen – aber nu sprich auch ernsthaft – wozu lebt man eigentlich?«

Der Lotse ließ langsam sein Glas sinken und kraute sich dann zweifelhaft hinter dem Ohr. Endlich spuckte er energisch aus, und als wenn ihm etwas einfiele, hob er langsam an: »Je – kuck – das weiß ich ganz genau. Der Mensch lebt, damit er kleine Kinder machen soll.«

»Dazu also bloß?«

»Ja, Hann, kannst mir's glauben, das is seine nobelste Bestimmung.«

Der Angeredete nahm einen kleinen Blasebalg und blies damit in das ersterbende Feuer hinein. Düsterrot zuckte es in der Küche auf.

Dann starrte er von neuem auf die aufspringenden Funken.

»Ich glaub', du hast recht, oll Kusemann,« fing er geheimnisvoll an. »Menschen müssen sein, die dürfen nicht aussterben. Kuck, als ich neulich so in der Kirch' saß und wie ich all die vielen Beter da drinnen so gebückt sitzen sah, da fiel mir das mit einmal ein. – Da dacht' ich, wenn die Menschens nich wären, dann wär' am Ende auch der liebe Gott nicht da. Und all das andere Schöne wär' auch nicht da.«

Allein den Lotsen schien dies feierliche Gespräch ernstlich zu langweilen. Mit lautem Ruf forderte er Grog, und nachdem er mit Genuß genippt, bemerkte er schlürfend: »Hann, weißt was? – Pastor Witt sagt, du bist ein – Phi – –«

» –losoph,« ergänzte Hann, »ja, ich weiß.«

»Na, und wenn sich das so verhält, wie du sagst, denn müssen also ümmer mehr Menschens auf die Welt kommen, das is klar, damit der liebe Gott nicht ausstirbt, sondern recht lange bei uns bleibt – und deshalb, mein' ich, Hann – prost Hann – sehr fein, dein Rum – wie is das nu mit eine Braut? Wie? – Na, wozu sitzt du als Trumpfas und duckst dich unter den Kessel? Eine muß doch hier sein, die en bißchen weinen tut, wenn du zu die Karolinen gehst – oder zu die Mohren? Und auf die kleine Line rechnest du doch woll nicht mehr? Jung, das wäre ja genau so, wie ich vorhin sagte: Die Kaiserin Katharina und ein Kosak mit Flöh'. – Und das willst du doch nicht sein? Na, prost Hann.«

Da schlug draußen auf dem verschneiten Hof der Hund an.

Erst ein wildes Bellen, dann ein kurzes Kläffen, wie wenn er einen bekannten Tritt spüre. Darauf hörte man deutlich das Rasseln der Kette, als das Tier beruhigt wieder in seine Hütte zurückkroch.

»Da kommt wer,« meldete Hann.

Oll Kusemann mußte lachen: »Ganz richtig, aber, um das zu merken, dazu braucht man nicht grad' ein Phi – na, du weißt ja – zu sein.«

An die Tür wurde lebhaft geklopft. Und auf des Lotsen »Herein« lugten zwei Mädchenköpfe durch den Spalt – ein brauner und ein roter. Über die Haare hatten sie dunkle Tücher gezogen, und ihre Röcke wirbelten vor dem nachbrausenden Sturm.

»Huching,« rief der Lotse erfreut. »Hann – sieh, Schulmeister Tollen seine beiden Damens. Na, man immer rein, Kindings – ihr seid gewiß en bißchen hinter mir hergelaufen, weil ich so'n hübscher strammer Kerl bün – komm, Dirning.«

Damit zog er die Kleine, die mit den roten Haaren, kräftig neben sich auf den Schemel, wo das Ding auch ungeniert und die weißen Zähne zeigend sitzen blieb.

Unterdessen hatte Hann die Größere, ein etwa zwanzigjähriges Mädchen, das ein wenig befangen am Eingang stehen geblieben war, ungelenk nach ihrem Begehr gefragt. Und mit Verlegenheit erhielt er die Antwort.

Die beiden Schwestern hatten gehofft noch Mudding Klüth zu treffen. Zu Hause sei in den Waschkessel ein Loch gebrannt, und da wollten sie bitten, ob vielleicht – – –

»Selbstverständlich,« unterbrach oll Kusemann schmunzelnd. »Da steht ja so'n olles Geschütz. Und wie ich Hann kenne, wird er sich eine Ehre und eine Aufmerksamkeit daraus machen. – Was, Jünging?«

»Ja,« bestätigte Hann.

Nun trat eine Pause ein, während welcher Hann rasch das kupferne Gerät von seinem Riegel hob, als dächte er, solch eine Angelegenheit müsse schleunigst erledigt werden. Doch wieder fuhr oll Kusemann dazwischen. Er führte die wirklich bildhübsche Klara Toll mit der vollen, geschmeidigen Gestalt und den sanften, dunkelbraunen Augen erst an Hanns verlassenen Herdsitz, und nachdem er sie mit einer Verneigung niedergenötigt hatte, erkundigte er sich lauernd, es sei doch Damenwäsche, die man morgen kochen wolle. So hübsche Frauenhemden ohne Ärmel, und mit Krausens oben, und Höschen und schwarze Strümpfe, recht lang, die sähen besonders gut aus.

Da stand Hann mit rotem Kopf mitten in der Küche und sah voller Angst und Scham auf das Mädchen, das sein Antlitz dem Feuer zugewendet hielt, und um dessen rote Lippen soviel bezwungene Verlegenheit spielte.

Was war das? – Ein leichtes Zittern lief über den starken Nacken des Burschen.

»Oh – oll Kusemann,« bat er.

Und wieder streckte er die Hand nach dem Kessel aus, während Klara Toll sich bereitwillig zur Empfangnahme erhob.

»Aber ne,« wehrte oll Kusemann ganz energisch ab, wobei er Hann den Kessel mit Gewalt abnahm – »her damit – erst müssen die jungen Damens ein Glas Grog mit uns trinken. Erstens aus reiner Menschlichkeit, wegen der Kälte, und dann – hört, Kinnings –« er kredenzte jedem der Mädchen ein Glas – »weil dies ein Abschiedstrunk für Hann is. Der wird nämlich übermorgen zu den Karolinen verschickt, wo man so leicht totgeschossen wird, oder zu die Mohren, na, ihr wißt schon, wo die Weibers so schnurrig umlaufen.«

Bei dem Worte »Abschied« bemerkte Hann, wie Klara zusammenfuhr. Sie wandte den Kopf nach ihm. Ihre braunen Augen suchten offen die seinen. Und feucht und immer feuchter begannen sie zu schimmern, bis eine helle Träne hervorperlte. Die glänzte wie ein Leuchtkäferchen in dem Feuerschein. Ohne Scham ließ sie sie zur Erde fallen und griff dann lächelnd nach dem Grogglase.

»Worüber weinst du denn, mein süßes Kinding?« fragte oll Kusemann lauernd. »Er geht ja erst zum April.«

Da überzog wieder ein froher Schimmer das blühende Gesicht, sie trank und lächelte vor sich hin und meinte dann leichthin: »Was geht das mich auch an? – Zum April werde ich Krankenschwester.«

So plauderten und lachten die vier Menschen in der räucherigen Küche noch eine kleine Weile und tranken dazu. Der Lotse rückte enger an die kleine Rosa heran, legte den Arm um sie und sang:

»Gib ein Küßchen, rotes Röschen –
setz dich zu mir auf mein Schößchen.«

Da lachte der Rotkopf und sagte sehr einfach: »Du Affe,« was oll Kusemann seinerseits wieder für Erlaubnis genug hielt, ihren roten Kopf in die Hand zu nehmen und seine wulstigen Lippen darauf zu drücken.

»Ja, wenn mein Alwining mal selig werden würd', wer weiß, was denn alles passierte. Aber noch is sie sehr gesund.«

Das Feuer auf dem Herd begann zu verlöschen. Da besannen sich die Schwestern darauf, daß sie heimkehren müßten. Zwar sträubten sie sich erst dagegen, daß Hann sowie der Lotse ihnen den umfangreichen Kessel tragen helfen wollten, aber als der Bursche, das schwere Metall unter dem Arm, wortlos in den Schneesturm hinaustrat, folgten ihm alle.

Jedes laute Wort erstarb vor der Wucht der anstäubenden Schneemassen. Tief versanken die Wanderer in den weichen, weißen Teppich, und gegen ihre Köpfe schleuderte die Windsbraut spitze, feste Körner. Hann und Klara trugen jetzt den Kessel gemeinschaftlich. Von den beiden Vorauftappenden gewahrten sie nur die dunklen Umrisse. Und schon waren sie bis in das Inner-Dorf gelangt, als Hann in der schneidenden Stille ein Wort fand: »Klara, nimm mir's nicht übel. Warum wirst du Krankenschwester?«

Nichts von ihren Zügen konnte er in der Dunkelheit erkennen, er hörte nur ihr flatterndes Kopftuch und die wirbelnden Röcke.

Sie atmete auf. Wohl wegen der andringenden Luft.

»Hann, ich weiß auch nicht. Aber man muß doch was haben, worum man sich kümmern kann.«

Da nickte Hann.

»Das is richtig, Klara, das liegt in manchem von uns tief drin. – Na, gute Nacht.«

Sie waren vor dem flachen Lehrerhäuschen angekommen.

Durch die Schwärze fiel von fernher ein Strahl des roten, drehbaren Leuchtturmlichtes und ließ auf den vereisten Mauern tausend zuckende Rubinen aufblitzen.

Auch Klaras Kopf trat einen Moment blendend und blutrot beleuchtet aus der Nacht hervor.

Hann erschrak.

Doch im nächsten Augenblick bot ihm seine Begleiterin, schon wieder in Finsternis gehüllt, die Hand.

»Gute Nacht, Hann, und viel Glück für übermorgen bei der Gestellung!« tönte ihre ruhige Stimme.

»Oh – es kommt alles so – als es soll, Klara,« gab er zurück.

Eine kleine Weile standen beide Hand in Hand. Dann tauchten zwei Schatten auf.

»Nu fixing, Kinnings,« trieb der hinzutretende Lotse und trennte sie.

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