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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 95
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Ohrenentzündung, Otitis und Ohrenschmerzen, Ohrenzwang

Die Entzündung des Ohres, die oft die Ursache von Ohrenschmerzen ist, hat ihren Sitz hauptsächlich in den Nerven und Häuten des Ohres und kann bald akut, bald chronisch sein. Ursachen sind gewöhnlich Erkältungen des Kopfes oder anderer Körperteile, Unterdrückung des Schweißes u. dgl. Die innere Entzündung (Mittelohrkatarrh, Otitis media) hat jenseits des Trommelfells ihren Sitz; die äußere befindet sich zwischen dem Trommelfell und der Ohrmuschel.

Bei der äußeren Ohrenentzündung (Otitis externa) findet sichtbare Röte und Anschwellung des Gehörganges und der benachbarten Teile statt; das Ohr ist sehr empfindlich, wodurch kalte Luft und starke Töne unerträglich werden. Der Gehörgang wird enger, es entsteht darin ein drückender Schmerz, sowie ein Summen und Klingen; auf eine große Trockenheit des Ohres folgt der Ausfluß einer zähen und hellen Materie, die von sehr unangenehmem Geruche ist und lästiges Jucken verursacht; später wird der äußere Gehörgang trocken und mit feinen Schuppen bedeckt. Wird die Entzündung chronisch, so wird das Gehör allmählich schwächer.

Bei der inneren Entzündung (Mittelohrkatarrh) findet keine sichtbare Abnormität statt, der Schmerz ist überaus lebhaft, meist stechend, reißend oder klopfend und verbreitet sich gewöhnlich auch nach dem Schlunde, wo er dann durch Schlucken und Kopfbewegen vermehrt wird. Bei der großen Verschiedenartigkeit in der Schwere und der Verlaufsart dieser Erkrankung kann der Mittelohrkatarrh kaum mehr als ein völlig einheitlicher Erkrankungsprozeß angesehen werden. Die Tatsache, daß ein akuter Mittelohrkatarrh unter Umständen in wenigen Tagen leicht verläuft, unter anderen Umständen dagegen sich über viele Wochen erstrecken und schließlich noch zu ernsten Komplikationen führen kann, ist nur damit zu erklären, daß wir es hier nicht mit ein und derselben, sondern mit einer Reihe verschiedener, wenn auch einander nahe stehender Erkrankungsformen zu tun haben, für die die Bezeichnung »Mittelohrkatarrh« ein Sammelname ist. Oft ist die ganze Trommelhöhle entzündet, und zuweilen schließt sich eine Entzündung des Warzenfortsatzes an (Mastoiditis); es entstehen heftiger Kopfschmerz und Aufreizung des ganzen Gehirnsystems, nicht selten treten starke Zuckungen ein, ja es kann sogar Schlagfluß und ein schneller Tod erfolgen. Die Entzündung der Gehörtrompete ist meist katarrhalischer Natur. – Solche Leiden sind stets Behandlungsgebiet erfahrener Fachleute.

Der Ohrenschmerz, der sich oft bis zum unerträglichen Ohrenzwange steigert, ist entweder bloßer Nervenschmerz (Otalgie), oder er beruht auf Rheumatismus und Fluß im Ohre. Er kommt häufig bei Kindern in der Periode des Wachsens vor oder auch beim Zahndurchbruch; mitunter wird er durch Zugluft und Erkältung hervorgerufen; ist letzteres der Fall, so sind gewöhnlich Schnupfen, Katarrh, Rheumatismus, Anschwellen der Mandeln, erschwertes Schlucken oder ein steifer Hals damit verbunden. Rührt er vom Durchbruch der Zähne her, so tritt zugleich Schmerz an der Stelle der Kinnbacke auf, wo der Zahn durchbrechen will.

Belladonna: Bei roseartiger Entzündung und Geschwulst mit Gehirnaffektionen, spannenden Schmerzen, Stechen in den Ohren, Schlundbeschwerden beim Schlingen, Empfindlichkeit gegen Geräusch.

Chamomilla: Heftiger Ohrenzwang von Erkältung. Außerdem werden sich hierbei noch bewähren: Belladonna, Nux vomica, Rhus Toxicodendron.

Hepar sulfuris: Bei eiterigem Mittelohrkatarrh im Wechsel mit Silicea.

Mercurius: Bei stechenden, bohrenden und reißenden Schmerzen bis in die Backen, Zähne und Kopfknochen, besonders im linken Ohre, mit äußerlicher Geschwulst, Röte und Hitze; Durst und große Unruhe; Ausfluß von Ohrenschmalz; Kopfschweiße ohne Erleichterung; Verschlimmerung nachts oder durch (Bett-) Wärme.

Pulsatilla: Ein Hauptmittel bei katarrhalischer Ohrenentzündung mit Ausfluß von Schleim. Heftig reißende und zwangartige Schmerzen in beiden Ohren mit Sausen und Brummen; äußere Ohrgänge geschwollen; Blut- und Eiterausfluß; beim Niesen Empfindung, als sollten die Ohren herausgesprengt werden; Verschlimmerung abends und nachts.

Spigella: Oft sehr hilfreich bei Ohrenzwang, bei periodischer Schwerhörigkeit und mancherlei anderen Ohrenbeschwerden.

Sulfur: Bei ziehenden, reißenden oder stechenden Schmerzen, die sich bis in den Kopf oder Hals hinein erstrecken; besonders bei skrofulösen Personen, bei Hautleiden, Flechten, Geschwüren und chronischen Schleim- und Eiterausflüssen.

Bei dem oft sehr hartnäckigen Ohrenfluß ist ein vorzüglich hilfreiches Mittel Hydrastis canadensis. Man verfertigt mit abgekochtem Wasser die 2. Decimalverdünnung und läßt hiervon täglich mehrmals lauwarme Einspritzungen machen. Auch Tellurium hat sich bei chronischem Ohrenfluß bewährt.

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