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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 94
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Ohnmacht. Lipothymia. Animi deliquium. Synkope

Eine Verminderung oder gänzliche Unterbrechung aller Lebensäußerungen, insbesondere des Bewußtseins, der Empfindung, Bewegung, des Atemholens und Kreislaufes.

Wir unterscheiden in der Praxis nach den verschiedenen Graden der Stärke und Dauer: 1. die Ohnmachtneigung (Eklysis) und die schwache Ohnmacht (Lipothymia), Verminderung der Lebensäußerungen im leichteren Grade, wobei zwar auf kurze Zeit die Sinne vergehen und das Bewußtsein, wenn nicht ganz, so doch teilweise fehlt, aber Atemholen und Pulsschläge, obgleich schwach, noch fortbestehen. 2. Die tiefe Ohnmacht (Synkope), bei der das Bewußtsein gänzlich fehlt, Puls kaum fühlbar, Atem kaum bemerkbar ist. Sind die Kranken wieder bei sich, so sind sie matt, bleich, übelgestimmt. 3. Der Scheintod (Asphyxie), die Unterbrechung aller Lebenserscheinungen bei noch bestehender Lebensfähigkeit. Respiration und Pulsschlag nicht zu bemerken. Nur die Fäulnis gibt vom eingetretenen Tode, der im gegebenen Falle laut Gesetz vom Arzt amtlich zu bestätigen ist, volle Gewißheit.

Ursachen sind: Leidenschaften und Gemütsbewegungen aller Art, Hitze, schlechte Dünste, Luftentziehung, starke Gerüche, Gifte, Ertrinken, heftiger Schmerz, körperliche Anstrengung, enge Kleidung. – Der Anfall selbst dauert gewöhnlich nur kurze Zeit, zuweilen nur einige Minuten, und in höchst seltenen Fällen von Scheintod einige Tage. Merkwürdig sind die Fälle von Scheintod, wo die Kranken ihr Bewußtsein, Gefühl und Gehör mehrere Tage lang beibehalten, aber durchaus unvermögend sind, sich zu bewegen, zu sprechen oder irgendein anderes Lebenszeichen von sich zu geben.

Die Behandlung besteht zuvörderst in Entfernung der Ursachen und Befreiung des Respirations- und Zirkulationsapparates von allen nur möglichen Hindernissen. Man befreie den Körper von allen Fesseln und Bändern, Gürteln, Halsbinden u. dgl., sorge für reine, frische Luft, lege den Körper horizontal, bei Blutfülle den Oberkörper und Kopf etwas hoch. Man schütte dem Kranken etwas frisches Wasser in den Mund, aber nur, wenn er schon wieder bei Bewußtsein ist, damit er sich nicht verschluckt; lasse ihn an Essig oder Kampfergeist riechen. Oft sind Fälle vorgekommen, wo ein reizendes Verfahren die Ohnmacht verlängerte und sehr böse Nachübel hinterließ. Von Arzneien verdienen Anwendung:

Aconitum: Wo Blutwallungen nach Kopf und Brust stattfinden; nach heftigen Schmerzen erscheinende Ohnmachten. Bei Asphyktischen, durch Kohlendampf Erkrankten; auch als Riechmittel ( Altsch).

Camphora: Bei kalter Haut und kalten Schweißen; ähnlich Veratrum.

Ignatia oder Moschus: Bei Ohnmacht der Hysterischen; außerdem auch Nux moschata.

Ipecacuanha: Bei Ohnmacht von Ekel, durch Ansehen von Wunden, Blut u. dgl. Bei Ohnmacht von Magenaffektion mit Hunger.

Nux vomica: Leistet viel bei einigen öfters wiederkehrenden Ohnmächten, die zu verschiedenen Zeiten, selbst in freier Luft, sich zeigten; so auch bei den Ohnmächten der Schwangeren, die oft durch Kongestionen nach Kopf und Brust veranlaßt werden ( Hartmann, Prakt. Erfahrungen).

Ferner verdienen noch Berücksichtigung: Coffea, Opium, Ignatia. Nach Gemütsbewegungen, z. B. Freude: Coffea; Furcht, Schreck: Opium; Gram: Ignatia. – Nach Erschöpfung durch Säfteverlust (Blutung, Eiterung): China. – Bei Blutleere, Bleichsucht: Pulsatilla, Ferrum, China. Bei Ohnmachten durch tiefer liegende organische Leiden, Herzfehler u. dgl. sind diese zu behandeln.

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