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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 93
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Brightsche Nierenkrankheit. Morbus Brighti

Nachdem vor etwa 50 Jahren der englische Arzt Richard Bright zuerst auf den Zusammenhang von Eiweiß im Harn und Wassersucht mit Erkrankung der Nieren aufmerksam gemacht hatte, bezeichnete man anfangs sehr verschiedene Nierenkrankheiten, bei denen die erwähnten Erscheinungen hervortreten, mit dem Namen Morbus Brighti. Später schied man die partiellen Nierenentzündungen, die Stauungsniere und die amyloide Entartung von dem Begriffe Morbus Brighti aus und trennte endlich auch die parenchymatöse von der interstitiellen Nierenentzündung. Doch ist man auch heute noch nicht über den Begriff und das Wesen des Morbus Brighti in Übereinstimmung. – In der Neuzeit suchte Prof.  Weigert die Krankheit genauer zu bestimmen. Er will, gestützt auf die anatomischen Ergebnisse, unter Morbus Brighti eine diffuse Entzündung beider Nieren begriffen wissen, die sich auf die Epithelien (das Parenchym) und das interstitielle Gewebe erstreckt. Nach ihm gehören die parenchymatöse und die interstitielle Nephritis zu ein und demselben Krankheitsprozesse. Ausgeschlossen sind die parenchymatösen Degenerationen (Entartungen) und diejenigen Zustände, in denen Eiweißharnen zwar vorkommt, jedoch ohne nachweisbare anatomische Veränderung der feineren Nierenbestandteile, durch Veränderung des Blutdruckes (Sinken des arteriellen, Steigerung des venösen Druckes) oder durch noch unbekannte Vorgänge in den Malpighischen Gefäßknäueln (Glomeruli Malpighi).

Der Morbus Brighti tritt entweder als primäre (ursprüngliche) oder als sekundäre Erkrankung auf.

Als primäre Erkrankung wird er bei Erkältungen und Durchnässungen des Körpers beobachtet, als sekundäre im Verlaufe anderer Erkrankungen. In letzterer Beziehung sah man ihn bei Scharlach, Typhus, Diphtherie, Tuberkulose, Blattern und sonstigen ansteckenden Krankheiten, ferner bei eiterigen Gelenkentzündungen, Hindernissen der Harnausscheidung (z. B. Blasenkatarrh) und bei Schwangeren. Auch bei Säufern ist Morbus Brighti eine nicht seltene Erscheinung.

Der Morbus Brighti tritt etwas häufiger bei Männern als bei Frauen auf, und zwar am häufigsten in den mittleren Lebensjahren (vom 40. Bis 60.). Auch das Kindesalter liefert ein nicht unbedeutendes Kontingent wegen der häufigen Erkrankung am Scharlach.

Der akute Morbus Brighti gibt sich gewöhnlich durch das Auftreten von Ödemen, besonders im Gesichte, und durch bedeutende Verminderung des Harnabganges zuerst zu erkennen. Der spärlich gelassene Harn ist trübe und schmutzigrot. Seine Prüfung durch Kochen oder durch Zusatz von Salpetersäure ergibt starken Eiweißgehalt; die mikroskopische Untersuchung läßt Blutkörperchen, zahlreiche verfettete Epithelien und mit letzteren besetzte Cylinder erkennen. Der akute Morbus Brighti beginnt fast stets mit Fieber oder einem dem Fieber vorangehenden Frostanfalle; mitunter tritt auch Erbrechen ein. Nicht selten klagen die Kranken über schmerzhaftes Druckgefühl im Kreuze und haben häufigen Drang zum Urinieren, wobei jedoch nur sehr wenig eiweißhaltiger Harn gelassen wird. Infolge hiervon entwickelt sich meist bald allgemeine Haut- und Bauchwassersucht. Die Krankheit geht entweder in einigen Wochen, spätestens in 6 Wochen, in Genesung über, die sich durch reichlichere Harnabsonderung, mit Verminderung der krankhaften Beimischungen, zu erkennen gibt, oder es treten letale Erscheinungen ein. Im letzteren Falle wird die anfangs erhöhte Herztätigkeit abgeschwächt, und es erfolgt, gewöhnlich unter urämischen Erscheinungen (Schwindel, Kopfschmerz und Erbrechen) oder unter Krämpfen und Delirien, plötzlicher Tod. Nur selten geht der akute Morbus Brighti in den chronischen über.

Der gleich von Beginn chronisch verlaufende Morbus Brighti zeigt, nicht selten bis ans Ende des Lebens, gar keine Symptome, die auf sein Vorhandensein schließen lassen. Der Harn wird in beträchtlicher Menge gelassen, hat jedoch wenig oder gar keinen Eiweißgehalt, sieht hell und blaß aus und bildet einen geringen, mehlartigen Bodensatz, der aus durchsichtigen Cylindern und Körnchen besteht. Der Puls ist meist gespannt, es besteht Herzhypertrophie, oft auch Netzhautentzündung (Retinitis). Ödeme fehlen gewöhnlich. Die Dauer der Krankheit erstreckt sich auf mehrere Jahre; sie endet entweder durch Urämie, plötzlich unter apoplektischen Erscheinungen und Konvulsionen (die Sektion zeigt Schrumpfniere), oder noch häufiger durch Entzündung der serösen Häute (des Brustfells, des Herzbeutels, der Gehirnhaut, des Bauchfells). Im letzten Stadium werden die Kranken völlig betäubt, liegen starr und gefühllos da, und es treten zeitweise Konvulsionen (Zuckungen) und der Epilepsie ähnliche Anfälle auf, mitunter auch lichte Augenblicke, die jedoch bald wieder dem Betäubungszustande weichen; der Kranke stirbt unter gewaltigen Atmungsanstrengungen. Nur in seltenen Fällen erwacht er aus der Betäubung und wird dann meist wieder gesund.

Bei der subchronischen Form zeigen sich gleich anfangs die Ödeme und veranlassen den Kranken, ärztliche Hilfe zu suchen. Der Urin wird in der gehörigen Menge gelassen, ist jedoch stark eiweißhaltig, schmutzig-trübe und enthält rote Blutkörperchen. Der Harnstoff ist vermindert. Die Kranken fühlen sich sehr matt und angegriffen und haben das Bedürfnis, auch nachts mehrmals zu urinieren. Es stellen sich Entzündung und Blutungen der Augennetzhaut ein. Das Herz ist bedeutend hypertrophisch. Die Kranken erliegen innerhalb 1 bis 2 Jahren dem Leiden.

Der Eiweißgehalt des Urins, der, schon durch bloßes Schütteln erkennbar, einen lange stehenbleibenden, feinblasigen Schaum bildet, wird durch Salpetersäure oder Siedehitze nachgewiesen. In jedem Falle muß zuerst der Urin filtriert werden; auch ist zu merken, daß alkalischer Harn (bläut rotes Lackmuspapier, sedimentierend) und neutraler Harn (rötet weder blaues, noch bläut er rotes Lackmuspapier; wird meist bald alkalisch) das Eiweiß beim Kochen schwer oder gar nicht fällt, weil die Albuminate der Alkalien, wie der Käsestoff, im siedenden Wasser löslich sind; solcher Harn muß also vorher durch Essigsäure angesäuert werden. – Die mikroskopische Untersuchung des im Filter zurückbleibenden Satzes darf nicht unterlassen werden. Das Sediment (Bodensatz) besteht aus Epithelien der Bellinischen Röhrchen und Malpighischen Knäuels, deutlichen Kernen, die, wurstförmig aneinandergereiht, sich als Henlesche Cylinder darstellen. Beim sekundären Morbus Brighti fehlen die Lymphkörperchen, was als wichtiges Unterscheidungsmerkmal vom primären Morbus Brighti wohl zu beachten ist.

Das Eiweißharnen, die Albuminurie, ist, wie schon gesagt, nicht der Brightschen Krankheit allein eigen; es ist ein hervorragendes Symptom sowohl der kongestiven, wie auch der passiven, durch Blutstauungen verursachten Nierenhyperämie, bedingt von organischen Fehlern des Herzens und der Lunge, die den Abfluß des Blutes aus dem Herzen erschweren. Umgekehrt kann aber auch die Stauungsniere Herzerweiterungen veranlassen, wenn, wie bei Morbus Brighti, Schrumpfung der Niere und Schwund der Harnkanälchen eintreten. Bei der kongestiven Hyperämie (Ursachen sind Canthariden und andere scharfe Stoffe, miasmatische Krankheiten: Scharlach, Typhus usw.) finden Anschwellung der Nieren und Blutergüsse statt; es werden durch den erhöhten Blutdruck in den Nierenarterien größere Mengen von Harn entleert, der anfangs wässerig, später blutig und eiweißhaltig ist. – Bei der Stauungsniere ist die Harnabsonderung bedeutend vermindert, der Harn dick und undurchsichtig, stark mit harnsauren Salzen gesättigt, die Nierengegend sehr schmerzhaft und empfindlich gegen äußeren Druck. Eiweiß und Faserstoffcylinder sind im späteren Verlaufe dem Urine beigemischt. Die Ödeme treten zuerst an den Fußknöcheln auf.

Aus praktischen Gründen und ihres häufigen Vorkommens halber haben wir hier sogleich neben dem wahren Morbus Brighti auch der von Herz- und Lungenleiden abhängigen Stauungsniere und der kongestiven Nierenhyperämie Erwähnung getan und, um Wiederholungen zu vermeiden, gleich bei den aufgeführten Arzneimitteln die diesen entsprechenden Krankheitsformen hervorgehoben.

Im ersten Stadium der Brightschen Nierenentzündung wird zur Bekämpfung des Fiebers zunächst Aconitum in Anwendung zu bringen sein, oder bei bedeutender Nierenhyperämie Belladonna, desgleichen auch Apisinum, besonders bei Scharlach-Nierenwassersucht. Im Stadium der Ausschwitzung: Bryonia oder Colchicum. In vorgeschrittenen Fällen, wo viel Eiweißgehalt im Urin nachweisbar ist, Hepar sulfuris. Wenn aber der Harn schmutzigtrübe und mit Blutkörperchen tingiert ist, Mercurius solubilis. In sehr vorgeschrittenen Fällen von Hydrops und Anasarka: Arsenicum. – Hat sich nach Anwendung von Hepar sulfuris, Mercurius solabilis oder Arsenicum der Brightsche Hydrops vollständig gelegt, und tritt wieder reichlicherer Urinabgang ein, finden wir aber nach 3- bis 4wöchiger Anwendung obiger Mittel noch geringen Eiweißgehalt im Urin, dann verabfolgen wir Acidum nitricum und lassen den Patienten noch längere Zeit im warmen Zimmer verweilen, um Erkältungen und dadurch leicht wieder eintretende Rückfälle zu verhüten. – Dasselbe Verfahren schlagen wir auch bei dem Morbus Brighti nach Scharlach oder nach Diphtherie ein und können versichern, die erfreulichsten Resultate damit erzielt zu haben. Solange jedoch noch nicht der letzte Rest von Albumin (Eiweiß) aus dem Harn gewichen ist, darf man die Patienten nicht aus der Behandlung entlassen und muß sie sorgfältig überwachen. Man sorge für eine leicht verdauliche, fleischlose Kost, hüte die Patienten sorgfältig vor Erkältung und gebe ihnen weder kalte Getränke noch kaltes Wasser zu trinken; denn die Krankheit hat nicht nur Neigung, sich zu wiederholen, sondern geht auch häufig sehr schlimme Komplikationen ein.

Bei Herzhypertrophie gebe man Aurum metallicum, Jodum oder Phosphorus. – Beim Ergriffensein der Atmungsorgane Arsenicum, das auch bei drohender Urämie zu empfehlen ist. Bei Septikämie (faulige Blutvergiftung): Carbo vegetabilis. – Sonst verdienen noch bei Nierenkrankheiten Beachtung: Cantharis, Colocynthis, Digitalis, Lycopodium, Terebinthina.

Hepar sulfuris: Stündlich eine erbsengroße Gabe in 1 Eßlöffel voll Wasser verabfolgt, ist ein ganz unübertreffliches Mittel im Beginne der Krankheit, gleichviel ob diese durch Erkältung oder nach Scharlach, Diphtherie usw. entstanden ist; wenn plötzlich die Harnabsonderung sich vermindert und der Urin Spuren von Eiweiß zeigt. Sind, wie z. B. beim Scharlach, noch keine Ödeme an den verschiedenen Körperteilen vorhanden, so ist man imstande, mit diesem Mittel der weiteren Ausbildung der Scharlachwassersucht vorzubeugen. Sind schon Ödeme vorhanden, so sind auch schon verbrauchte Blutkörperchen und Fibrincylinder im Harn und eine größere Quantität von Eiweiß im Urin zu finden. In einem solchen. Falle wird die Brightsche Krankheit im Verlaufe weniger (6 bis 8) Tage rückgängig, bis sie endlich ganz verschwindet (Kafka).

Mercurius solubilis: Ist angezeigt, wenn Schmerzen im Rücken und im Unterleibe vorhanden sind und der bedeutend verminderte Urin einen schmutzig-braunen Satz enthält oder überhaupt schmutzig aussieht. Ein derartiger Urin wird beim Knochen ganz trübe, hefenartig, und bei mikroskopischer Untersuchung findet man unter dem Eiweiß auch Blutgerinnsel. Schon 2 bis 3 Tage nach der Anwendung von Mercurius solubilis, zu 3 Gaben täglich (jedesmal eine bohnengroße Gabe oder 1 Tablette der 3. Decimalverreibung), klärt sich der Urin, und die Ödeme nehmen rasch ab ( Kafka).

Arsenicum: Täglich wiederholt und mehrere Wochen ununterbrochen verabfolgt, hat sich in mehreren bereits vorgeschrittenen Fällen von Brightschen Hydrops ganz vorzüglich bewährt; besonders bei nächtlichen Angstanfällen, Brennschmerzen im Magen, Stichen in der Nierengegend beim Husten. Heftige Leibschmerzen; Bauchwassersucht. Kopfeingenommenheit, Schwindel, Phantasieren. Brustbeklemmung, Asthma, Herzklopfen. Linkes Herz ergriffen, somit arterielle Stauung. Sehr verminderter Harnabgang. Diesem Mittel sehr ähnlich, mit Ausnahme der Unruhe und Reizbarkeit, ist Digitalis bei venöser Hyperämie der Nieren; schwacher oder langsamer Puls; geringer Abgang des Harns, der dunkel und trübe, auch wohl eiweißhaltig ist; Hydrops. – Bei Säufern lassen wir Arsenicum in 2stündlichem Wechsel mit Nux vomica nehmen. Wenn auch in solchen Fällen an Heilung nicht zu denken ist, so werden doch die letalen Erscheinungen lange hinausgeschoben.

Kalium arsenicosum: Ein fast unentbehrliches Heilmittel, wenn die vorhandenen Symptome nicht auf eine akute Nierenkrankheit, sondern auf Ergriffensein des Herzens und der inneren Arterienhaut schließen lassen.

Terebinthina: Brightsche Krankheit oder Albuminurie, mitunter infolge von Scharlach. Spärlicher Urin, dunkel, zuweilen blutig, Eiweiß, cylindrische Gerinnsel, Nierenelemente und oxalsauren Kalk enthaltend. Hautwassersucht; Appetitlosigkeit; Abmagerung, erdfahles Gesicht. Wenn organische Fehler des Herzens und der größeren Gefäße zugegen sind, so ist das Mittel nutzlos (Buchner, »A. H. Z.«).

Phosphorus: Bei Atembeschwerden, Bronchialkatarrhen, großer Kraftlosigkeit und Erschöpfung, besonders beim Vorhandensein von Tuberkulose. Verdient auch wegen seiner auf Leber und Nieren bezüglichen Symptome fettiger Entartung besondere Beachtung. Hauptmittel bei eiweißhaltiger Exsudation in der Lungensubstanz; dann vorzüglich bei Erkrankung des rechten Herzens oder der Lungenarterien oder beider, die sich besonders durch passive venöse Stauungen in den Nieren auszeichnen. (Umgekehrt wie Arsenicum). Viel Eiweiß, Eiter und Schleimkörperchen enthaltender Harn; oft auch Epithelien, Exsudatcylinder und Blutkörperchen enthaltend. Er ist, wie sehr häufig bei Stauungen des venösen Blutstromes in den Nieren und dadurch bedingtem Übertritte von Eiweiß in die Harnkanäle, ein höchst beachtenswertes Heilmittel; ferner bei Zeichen von Gehirnschwund, Arsenicum aber bei Gehirnödem. Bei Insuffizienz der Mitralklappe, wo auch Kalium carbonicum oder Ferrum muriaticum angezeigt sind.

Calcium phosphoricum und arsenicosum: 2- bis 3mal täglich 1 Gabe, verdienen Berücksichtigung bei Beschwerden von Erkältung und Arbeiten im Wasser, Schmerzen in den Harnwegen nach Naß werden der Füße; ersteres besonders bei Skrofulose, Knochenleiden, Tuberkulose; letzteres, das arsensaure, besonders bei Magengeschwüren, bei Hypertrophie der Bauchspeicheldrüse, bei intermittierenden Fiebern, wo wenigstens Albuminurie erkennbar ist, und nach überstandenem Morbus Brighti. Bei Blutarmen statt des in derartigen Fällen nichts nützenden Eisens.

Cuprum: Langsam, aber energisch wirkend, besonders bei Ergriffensein des linken Herzmuskels und fast gleichmäßig des arteriellen und venösen Blutstromes, vorzüglich in Leber- und Nierenaffektionen, und allmählichen Ernährungsstörungen, daher häufig Bauchwassersucht von Cirrhose der Leber. Allmähliche Abmagerung des ganzen Körpers.

Aurum: Es wirkt primär auf das linke Herz und mit ihm auf das absondernde Gewebe der Nieren, also das Hauptorgan für Bewegung des arteriellen Blutes. Der erste Herzton ist verstärkt. Es entspricht dem Morbus Brighti und dem durch ihn gesetzten Hydrops, der infolge von Gicht, Nierensteinen oder Leberdegeneration entstanden ist.

Dies sind wohl bei Morbus Brighti die wichtigsten Mittel, die wir hier, nur kurz charakterisiert und mit Zusätzen versehen, der lesenswerten Monographie von Dr.  Joseph Buchner entlehnt haben. Weniger wichtig, aber noch immer beachtenswert, sind Digitalis, Bryonia, Colocynthis, Helleborus, Colchicum, Dulcamara, Belladonna, Atropinum, Spigelia, Kalmia. Die beiden letzteren besonders bei rheumatischen Beschwerden und äußerlich wahrnehmbarem Herzschlage, Angst und großer Unruhe, die nachts nicht schlafen lassen. Die Wahl des passenden Mittels kann in dieser Krankheit nur der geübte und umsichtige Arzt treffen.

Eine sehr gefährliche Erscheinung ist die Urämie, sowohl bei Morbus Brighti, als auch bei Cholera, Typhus, Diphtherie, Diabetes, bei epidemischem Scharlach, bei Hyperämie von Erweiterung der Spermaticalvenen (Vena spermatica interna, Vena ovarica) in der Schwangerschaft, beim Eintritt von Gärstoffen im Harn an Nierenentartung Leidender. Eine Blutvergiftung durch kohlensaures Ammoniak (Ammoniämie). Das Blut wird dabei flüssig, faserstoffloser, nicht gerinnend und kirschbraun gefärbt. Der Urin enthält Ammoniak; ihm fehlt aber in akuten Fällen Eiweiß, was insbesondere zu betonen ist, da letzteres und andere Nierenbestandteile bei eintretender Besserung erst in dem Maße erscheinen, als Ammoniak schwindet. – Die urämische Intoxikation kündigt sich zuerst an durch dumpfes oder sehr heftiges Kopfweh, Übelkeit, intensives Erbrechen und Ekel vor Speisengenuß; oft tritt Schwäche des Sehvermögens, ja sogar Amaurose (Star) ein. Der Schweiß hinterläßt zuweilen pulverförmige Salze auf der Haut. Die Kranken werden bei sehr geringer Urinabsonderung apathisch, verfallen in tiefen Schlaf, aus dem sie nur schwer zu erwecken sind. Atem und Schweiß haben einen höchst üblen Geruch nach Urin; Nasen- und Halsschleimhaut sind trocken. Oft wird die Betäubung durch die heftigsten Krampferscheinungen unterbrochen. Allgemeine Lähmung und Tod sind häufig die Folgen des Leidens.

Die vorzüglichsten Mittel gegen Urämie sind: Arsenicum, Cuprum aceticum, Cuprum arsenicosum (bei urämischen Konvulsionen oft sehr wirksam), Phosphorus, Aurum, Terebinthina. Lebensrettend kann oftmals der Aderlaß wirken; die Urämie ist eins jener seltenen Krankheitsstadien, in denen der Aderlaß zu empfehlen ist. Ferner verdienen noch die gegen die durch das kohlensaure Ammoniak verursachten urämisch-asphyktischen Erscheinungen angewandten Mittel Acidum hydrocyanicum und Nicotinum Beachtung, weil sie eine fast gleiche Asphyxie der Blutzellen hervorrufen. Ersteres wirkt besonders auf die Hirnbasis und die Medulla, daher auf Herz und Lunge: Konvulsionen, Herzschwäche, Brustbeklemmung, Anfälle von großer Schwäche, Kälte und Bläue der Körperhaut; letzter Rettungsanker, wenn bei urämischen Konvulsionen die Medulla affiziert ist. Nicotinum reichen wir bei vorwiegend gastrischen Erscheinungen: Stete Übelkeit und Brechwürgen, Ohnmachtsanwandlungen, beengtes Atmen, leichenhaftes Gesicht und Eiskälte der Extremitäten. Hierzu können sich noch gesellen: klonische Krämpfe im ganzen Körper, Zittern der Gliedmaßen, Verlust des Bewußtseins.

In bezug auf Diät ist alles zu vermeiden, was arzneilich auf die Nieren wirkt, also: Wein, Bier, Kaffee, Spargel, Sauerampfer, Senf, Zwiebeln, Petersilie; dagegen müssen nahrhafte und leicht verdauliche Speisen genossen werden, vor allem: Milch-, Eierspeisen, Gemüse usw. Alle harntreibenden Mittel sind meist schädlich, weil sie den Zustand der Nieren zu verschlimmern pflegen, besonders im Stadium der Entzündung.

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