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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 78
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Magenschmerzen, Gastrodynia oder Magenkrampf, Gastralgia. Cardialgia

Diese in periodischen Anfällen von unbestimmter Dauer erscheinenden, raffenden, schnürenden, brennenden oder bohrenden Schmerzen, die sich auch nach dem Rücken erstrecken, erzeugen im höheren Grade Übelkeit und Erbrechen mit Kälte der Gliedmaßen, Herzklopfen, Krämpfen, Ohnmächten und anderen nervösen Erscheinungen. Durch Aufstoßen, Windeabgang, Erbrechen u. dgl. lösen sich oft die Schmerzen, deren Sitz die Herzgrube ist; auch werden sie manchmal durch starkes Drücken mit der Hand auf die Herzgrube – was bei Magenentzündung und Magenkatarrh den Schmerz vermehrt – gemildert. Oft springen auch die Schmerzen, wie bei den Neuralgien, auf andere Nervengebiete über. – Nicht selten gehen dem Anfalle, der oft durch Gemütsbewegungen, Blähungen oder Erkältungen usw. hervorgerufen wird, Gähnen und andere Krampfvorboten voraus. Bei chlorotischen und hysterischen Personen ist er rein nervöser Natur; in sehr vielen Fällen ist er kongestiv oder wird durch Magengeschwüre, Magenkatarrhe und Krebs veranlaßt. Dieser sog. organische Magenkrampf ist schwer zu beseitigen.

Bei der Mittelwahl kommt sehr viel auf den Charakter der Krankheit, die Art der Schmerzen und auf ihre Entfernungsursachen an. Wir unterscheiden daher:

Den nervösen Magenschmerz, der nicht selten mit Schmerzen anderer Nervengebiete, z. B. des Uterus, des Halses, der Zähne usw. abwechselt und zu seiner Heilung besonders erfordert: Bismutum, Chamomilla, Cocculus, Ignatia, Staphisagria.

Den kongestiven, durch Unterleibsvollblütigkeit, Hämorrhoiden oder durch Stockungen in Leber und Milz, bei Gelehrten, Stubensitzern u. a. durch Blutandrang veranlaßten Magenschmerz. Er erfordert außer Nux vomica oder Sulfur oft noch Belladonna, Carbo vegetabilis, Sepia.

Den organischen Magenkrampf, der, wenn er nicht durch Gifte oder verschluckte fremde Körper verursacht worden ist, hauptsächlich erfordert: Argentum nitricum, Arsenicum, China, Conium, Phosphorus, Sulfur.

Hinsichtlich der Symptome sind vor allem folgende Arzneien zu berücksichtigen:

Arsenicum: Ein ganz vorzügliches Mittel, wenn, der Schmerz auf organischen Veränderungen, auf Krebs, Geschwüren und Erosionen beruht. Bei brennenden Schmerzen, oft wie von glühenden Kohlen, mit großer Angst und Unruhe; Erbrechen des Genossenen, Ohnmacht, außerordentliche Schwäche zum Umfallen, Durchfall oder Verstopfung.

Belladonna: Bei Blutandrang und bei Kneipen, Raffen und Stechen, von der Herzgrube bis zur Magengegend sich erstreckend; Aufgetriebenheit der Herzgrube; Magenkrämpfe, durch Erkältung und Naß werden der Füße veranlaßt; oft so heftige Schmerzen, daß der Kranke dabei das Bewußtsein verliert.

Bismutum nitricum: Hauptmittel bei sehr hartnäckigen Magenkrämpfen von Rücken- und Bauchnervenleiden, Hysterie. Besonders bei Druckschmerzen, Schwerheitsgefühl wie von einem Gewichte auf der Brust, Rückenschmerzen und einer unbeschreiblichen Unbehaglichkeit im Magen, bei sonst guter Verdauung, selten auch bei Appetitlosigkeit. Viel Wasserzusammenlaufen im Munde.

Carbo vegetabilis: Vor allem bei brennenden Magenschmerzen mit Blähungsauftreibung. Auch bei organischen Fehlern und chronischer Erkrankung der Magenschleimhaut, Blutandrang im Unterleibe, Hitze daselbst; Atembeengung, Magensäure und Sodbrennen. Bei Hämorrhoidariern und Stubensitzern (ähnlich Nux vomica); auch nach Mißbrauch von Spirituosen, Essig usw.

Chamomilla: Wenn der Magenkrampf durch heftigen Ärger verursacht wurde. Der Schmerz ist drückend, wie von einem Steine, oft mit Kurzatmigkeit und Angst verbunden, gewöhnlich nachts am schlimmsten, so daß der Kranke sich vor Angst, Unruhe und Umherwerfen nicht zu lassen weiß.

Chelidonium oder Petroleum: Zwei Mittel, die nach V.  Meyer dann angezeigt sind, wenn die an Cardialgie Leidenden ihren Schmerz nach jedem Essen gemildert fühlen. Chelidonium, wenn der Schmerz nagend oder wühlend ist, Petroleum, wenn er mehr aus Drücken, Raffen oder Ziehen besteht. China scheint mit diesen Mitteln zu konkurrieren.

China: Bei Druck und Aufgetriebenheit in der Magengegend nach dem Essen; schlimmer in der Ruhe und gebessert durch mäßige Bewegung; bei Blutarmut und Schwäche.

Cocculus: Klemmend-kneipender Schmerz im Oberbauche links, dicht unter den Rippen und in der Herzgrube, nach jedem Essen, mit Wasserzusammenlaufen im Munde und Atembeengung; Ohnmachtsanfälle.

Ignatia: Nervöser Magenkrampf, besonders nach Gram und Sorge. Druck wie von einem Stein, besonders nach dem Essen oder nachts, mit Nagen, Leerheitsgefühl und Hunger, ohne Möglichkeit, zu essen; Ohnmacht, Schwächegefühl, Verstimmung.

Lycopodium: Mehr auf materiellen Ursachen und organischen Fehlern, z. B. Schleimhautleiden, Katarrh, Verhärtungen u. dgl., beruhende Magenschmerzen. Gefühl, als würde der Magen von beiden Seiten zusammengedrückt; abends im Bett nachlassend, früh wieder beginnend, vorzugsweise in freier Luft, mitunter nach dem Essen schlimmer. Vollheit in der Herzgrube, Wallungen. Übelkeit und Erbrechen, Atembeengung, Blähungsbeschwerden, Verstopfung, Säure, Leberaffektionen.

Nux vomica: Gegen vielerlei Magenkrämpfe, entweder durch Blutkongestionen und Blutstockungen, oder durch gesteigerte Sensibilität der Magennerven allein bedingt. Bei Hämorrhoidariern, Hypochondern, Stubensitzern und Säufern; auch besonders beim Magenkrampfe nach häufigem Kaffeegenuß, oder von öfterer Überladung des Magens. Bei denjenigen Formen, die sich mit gichtischen Beschwerden verbinden oder von organischen Fehlern des Magens (scirrhösen Entartungen) abhängen, Wasserzusammenlaufen, gastrische Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Gallenstörungen, Blähsucht, Verstopfung, Kreuzschmerzen, drückende (Stirn-) Kopfschmerzen. Bei zusammenschnürenden Schmerzen im Magen oder in der Lebergegend; Auftreibung des Oberleibes und der Herzgrube, die keine Berührung leidet. Morgens und nach dem Essen schlimmer. Bei heftigen, zu Zornaufwallungen geneigten Personen. (Viele der hier aufgeführten Symptome können Vorläufer oder Begleiter eines beginnenden Magengeschwürs sein, besonders bei Personen, die schon daran gelitten haben. In solchen Fällen tritt erst mit Aufbruch des Geschwürs Besserung ein.)

Phosphorus: Bei Schleimhautaffektionen, Geschwüren, chronischer Magenentzündung und Verdauungsschwäche, wenn zugegen: Brennen, Stechen und Drücken im Magen, schlimmer nach dem Essen, auch spät abends und nachts; das Brennen steigt zuweilen bis in den Hals; dabei kaltes Rieseln durch den Körper. Saures Erbrechen und Aufstoßen. Kalte Schweiße, Schwäche, Ohnmacht.

Pulsatilla: Magenkrampf bei Bleichsucht. Bei reißenden, durch Gehen sich verschlimmernden Schmerzen, mit Brecherlichkeit, Erbrechen, Zungenbelag, Durchfall, Frost, Weinerlichkeit und besonders dann, wenn die Magenbeschwerden nach dem Genusse von fetten Speisen entstehen.

Sulfur: Bei Hämorrhoidalanlage, chronisch entzündlichen Zuständen, Schleimhautleiden oder Unterleibsvollblütigkeit. Druckschmerzen nach dem Essen; Säure, Sodbrennen, häufiges Aufschwulken der Speisen; Widerwille gegen fette Speisen, gegen Roggenbrot, saure und gezuckerte Sachen. Anschwellung der Leber, Milz usw. Hautausschläge und Flechten.

Die hier angeführten Mittel werden in den meisten Fällen ausreichen, doch können noch bisweilen in Anwendung kommen: Conium bei nervösen und organischen Magenschmerzen, besonders bei Verhärtungen, auch nach Druck und Stoß auf die Magengrube, Geschwulst dortselbst, Drücken beim Essen, Rückenschmerzen. – Cuprum metallicum: Magendrücken mit Beklemmungsgefühl auf der Brust, Zittern in den Händen und Füßen mit großer Mattigkeit. – Stannum: Bei außerordentlich hartnäckigen, krampfhaften Magenschmerzen mit bitterem Aufstoßen, Heißhunger, Durchfall. – Baryum: Bei Affektionen des Magenmundes; gleich nach dem Essen vermehrte Beschwerden. – Argentum nitricum: Bei Magengeschwüren und Magenkrampf; Stechen, Ziehen, Kneipen, Nagen; große Nervenreizbarkeit, Wasser- und Galleerbrechen. – Spiritus nitrico-aethereus: Wenn infolge von übermäßig genossenem Kochsalze drückendes Zusammenziehen, Vollheit und sonstige Magenbeschwerden entstehen. Auch bei vorherrschend salzigem Mundgeschmack.

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