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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 70
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Leibesverstopfung, Stuhlverhaltung. Constipatio, Obstructio

Eine Leibesverstopfung kann von verschiedenen Ursachen herrühren und mancherlei Beschwerden zur Folge haben. Nach Quantität und Qualität der Speisen, sowie nach der größeren und geringeren Körpertätigkeit richtet sich auch die öftere oder seltenere Darmentleerung. Wer wenig Speise zu sich nimmt und im Bette verweilen muß, wird bei geringerer Ausleerung auch seltener zu Stuhle gehen. Wenn man einige Tage keine Leibesöffnung gehabt hat und nicht sonstige Beschwerden dabei bemerkt, so braucht man sich deshalb nicht gleich zu ängstigen. Eine Stuhlverhaltung von mehreren Tagen und in Krankheiten, wo man wenig Speise zu sich nimmt, ev. auch noch länger, hat nichts auf sich. Ist man bei der Leibesverstopfung sonst gesund, so trinke man recht viel frisches Wasser und mache sich täglich viel Bewegung im Freien, dann wird die Stuhlträgheit nachlassen und der Verdauungsprozeß, der im allgemeinen etwa 24 Stunden bedarf, um die Speisereste wieder wegzuschaffen, normal vonstatten gehen.

Was den Verdauungsprozeß anbetrifft, so sei hier kurz folgendes darüber erwähnt. Die im Munde zerkleinerten und mit Speichel vermischten Speisen gelangen durch die Speiseröhre in den Magen, werden hier mit Magensaft vermischt und durch die wurmförmigen Zusammenziehungen des Magens in etwa 2 bis 8 Stunden in den Darmkanal geschafft, wo sie im Zwölffingerdarm mit Galle und Bauchspeichel durchmischt werden. Durch die vom oberen zum unteren Teile fortlaufenden wurmförmigen Bewegungen des Darmes gelangt der Speisebrei, dessen flüssige und aufgelöste Nahrungsstoffe von den Saugadern und Blutgefäßen aufgesogen und in den Blutstrom geschafft werden, als feste, mit Darmschleim überzogene Masse aus dem Körper. Nach der Beschaffenheit der genannten Verdauungssäfte werden auch die Exkremente, mehr oder weniger verdaut, ausgeschieden werden. Die Verdauung und Auflösung der stärkemehlhaltigen Substanzen geschieht durch den Mund- und Bauchspeichel, die der eiweißartigen Stoffe durch den Magen- und Darmsaft; die fetten Bestandteile der Speisen aber werden durch die Galle, den Bauchspeichel und Darmsaft gelöst und zur Aufsaugung bereitgemacht.

In den meisten Fällen liegt der Grund zur Verstopfung in einer trägen Bewegung und Zusammenziehung der Darm- und Bauchmuskeln, oder in einer zu großen Trockenheit des Darmes und des Speisebreies. Meist kommt die Verstopfung im unteren Teile des Darmkanales, im sog. Dickdarm, zustande.

Bei der Behandlung einer Verstopfung handelt es sich hauptsächlich darum, die Ursachen zu entfernen und nicht durch künstliche Mittel, die durch ihre Neben- und Nachwirkungen den schädlichsten Einfluß auf den Körper haben, Stuhlgang zu erzwingen.

Weil die meisten durch Abführmittel einen augenblicklichen Stuhlgang erzwingen wollen, darum nimmt bei vielen, gerade infolge der Anwendung solcher Mittel, die Ursache der Verstopfung zu. Dann muß immer häufiger zu jenen Mitteln gegriffen werden, wodurch außer vielen anderen durch diese hervorgerufenen Beschwerden, bei so künstlich erregten Stühlen, eine große Menge guter Nahrungsstoffe und guter Blutbestandteile, die den Blutgefäßen der Darmwand abgezwungen worden sind, verlorengehen. Die Folgen davon sind Störungen in der Ernährung und Blutarmut. Endlich sei noch erwähnt, daß im allgemeinen Hartleibigkeit auf größere Gesundheit und Dauerhaftigkeit schließen läßt, als weiche oder dünne Stuhlentleerungen. Auch füllt bei ersterer der Speisebrei den Darm völlig aus und geht glatt, ohne Speisereste zu hinterlassen, durch ihn hindurch, was bei dünnen, den Darm verunreinigenden Stühlen nicht der Fall ist.

Bei richtiger Anwendung homöopathischer Mittel wird eine jede Stuhlverstopfung dauernd und bleibend geheilt, indem die Ursachen beseitigt werden. Bei chronischen oder habituellen Leibesverstopfungen verabfolge man das passende Mittel ununterbrochen, und zwar in etwas tieferen Potenzen. Auch kann man anfangs, etwa jeden 3. Tag, 6 bis 8 g Glaubersalz, in etwas Wasser gelöst, nehmen lassen; oder, wenn es vertragen wird, ½ Eßlöffel voll Ricinusöl. Viel wichtiger ist es aber, durch geeignete Ernährung den Stoffwechsel in Ordnung zu halten. Deshalb sollten an Verstopfung Leidende allabendlich 1 Stunde vor dem Schlafengehen reichlich gutes Obst, besonders Pflaumen, genießen. Noch besser ist es, das Abendessen aus kleiehaltigem Brot mit Butter und Obst bestehen zu lassen. Damit wird der Stuhlgang am natürlichsten geregelt.

Alumina: Hartnäckige Stuhlverstopfung; selbst weiche Stühle erfordern große Anstrengung. Verstopfung der Säuglinge. Schafkotartige Stühle.

Ammonium muriaticum: Stuhl hart, trocken, bröckelig, wird schwer entleert, zuweilen mit Schleim überzogen. Brennen und Stechen im Mastdarm während des Stuhlganges und noch lange nachher.

Bryonia: Hartnäckige Leibesverstopfung mit Abscheu und Ekel vor allen Genüssen. Fader und fauliger Mundgeschmack oder bitterer Geschmack der Speisen. Andrang des Blutes nach Kopf und Brust; Kurzatmigkeit. Bei gastrischen Beschwerden, sitzender Lebensweise, cholerischem Temperament.

China: Wenn große Schwäche die Ursache einer Leibesverstopfung ist. Viele Blähungen und Abgang stinkender Winde.

Mercurius: Leistet viel bei entzündlichen Leiden und chronischen Darmkatarrhen. Wechsel von dünnen und knolligen Stühlen, bei häufigem Stuhlzwange und Schneiden im Leibe.

Natrium muriaticum: Oft hilfreich in den hartnäckigsten Fällen, wenn schon andere Mittel ohne Erfolg gebraucht worden sind; besonders wenn sich durchaus kein Bedürfnis zeigt, zu Stuhle zu gehen, und wenn die Därme vollständig untätig zu sein scheinen.

Nux vomica: Hauptmittel bei Stubensitzern und Leuten, die an Hämorrhoidalbeschwerden leiden; da häufig ein Hauptgrund der Muskelschwäche der Darmwand ein träger Blutlauf in den Pfortaderwurzeln, also die sog. Unterleibsanschoppung oder Pfortaderstockung ist, so muß dieser natürlich mit Energie entgegengetreten werden. Bei Gemütsstörung und Hypochondrie. Bei ärgerlichen, leicht reizbaren Personen sowie solchen, die an Kongestionen nach dem Kopfe und Unterleibe leiden; Hitze und Vollheitsgefühl daselbst, oder Aufgetriebenheit des Leibes. Mangel an Appetit, Magendrücken, widriger Geschmack im Munde, besonders morgens; belegte Zunge, Übelkeit, dumpfes Kopfweh, unruhiger Schlaf, Kreuzschmerzen. Mastdarmvorfall. Verschlimmerung vieler Beschwerden durch Nachdenken. (Verwandt mit Nux vomica ist Pulsatilla, diese mehr bei sanften Naturen: Frauen; bei häufigen Blähungsbeschwerden.)

Opium: Harter, seltener, knolliger Stuhl, mit großer Anstrengung erfolgend. Vorzüglich in akuten Fällen. Bei krampfhafter Zurückhaltung, Lähmung des Darmes. Bei Stubensitzern, Säufern (auch im Wechsel mit Nux vomica), auch bei alten Leuten und Säuglingen. Bei eingeklemmten Brüchen. Blutandrang nach dem Kopfe mit gerötetem Gesicht. Stuhlverstopfung infolge von Bleivergiftung.

Wirkt nach Lobethal vorzüglich bei der idiopathischen Stuhlverstopfung infolge von reiner Trägheit des Darmkanales, oft nach starken Durchfällen vorkommend.

Platinum: Mehr in chronischen Fällen von krampfhafter Verschließung oder Verengerung des Darmkanales. Kleiner, mit Anstrengung erfolgender Stuhl, mit Zwang, Kälte und Schwäche im Leibe. Blähungsbeschwerden, Gefühl wie von einem Geschwür im Bauche, vergebliche Neigung zum Aufstoßen. Auch nach Bleivergiftung.

Plumbum: Hartnäckige Stuhlverstopfung mit heftigen Kolikschmerzen. Harte, geringe, schafmistartige Stühle von aschgrauer, weißlicher oder auch gelblicher Farbe. Koterbrechen. Arge Blähungsbeschwerden. – Hier ist auch der Gebrauch von Dr. Willmar Schwabes Blähungs-Tabletten nützlich. – Zusammenschnürung und Eingezogenheit des Afters; Aftervorfall. Kribbeln und Stechen im Mastdarm. In chronischen Fällen ist die Wirkung ähnlich wie die von Platinum oder Alumina.

Podophyllum: Hat sich häufig bei hartnäckiger Stuhlträgheit bewährt. Wir verabfolgen in solchem Falle 2 dg auf einmal und lassen etwas Wasser nachtrinken. – Erfolgt am nächsten Tage kein Stuhlgang, dann wiederholen wir die Gabe.

Sulfur: Bei skrofulösen Personen, die an Stuhlverstopfung leiden oder Hämorrhoidalknoten am After haben. Leistet mit Nux vomica im Wechsel bei habitueller Leibesverstopfung die besten Dienste.

Außer diesen Mitteln können jedoch noch viele andere in Anwendung kommen. – Alumina bei habitueller Obstruktion kleiner Kinder. – Lycopodium, ähnlich wie Sulfur und Nux vomica, bei Unterleibsanschoppungen, bei Nieren- und Blasenleiden, bei Gicht usw. In diesen Fällen unersetzlich und anderen vorzuziehen. Bei krampfhafter Zurückhaltung: Belladonna, Veratrum, Zincum, Platinum; bei lähmungsartiger Form: Phosphorus, Rhus Toxicodendron, Secale, Opium. – Hyoscyamus behob eine Lähmung des Afterschließmuskels und Stuhlverstopfung.

Oft ist Verengerung des Darmrohres (Stenosis) Ursache einer Leibesverstopfung. Vollständiger Verschluß des Darmrohres kommt vor bei Brucheinklemmungen (siehe Bruch), bei Darmeinschiebung (Invaginatio, Intussusceptio); sie besteht in der Einstülpung eines Darmstückes und des dazu gehörigen Gekröses in die Höhle des gewöhnlich nach unten folgenden Darmstückes, selten nach oben hin; ferner bei Drehung des Darmes um seine Quer- und Längsachse (Volvulus), bei Schlaffheit des Darmes und der Bauchdecken. Erscheinungen sind: Fehlen kotiger, lufthaltiger Entleerungen durch den After; Aufstoßen von Gas, fortwährende Übelkeit, Erbrechen verschluckter Flüssigkeit; zuweilen bemerkt man umschriebene Auftreibung des Unterleibes. Erscheinungen von Entzündung sind dabei natürlich stets vorhanden. Weder bei Darmeinschiebung, noch bei Darmdrehung, welch letztere meist durch Stoß oder Fall auf den Unterleib verursacht wird, werden wir uns auf Darreichung von Medikamenten einlassen. In beiden Fällen übergeben wir den Patienten der chirurgischen Behandlung, die dann gemeinhin von Erfolg sein wird.

Endlich können die Speisereste, selbst aus dem untersten Teile des Darmkanales, rückwärts und zum Magen aufwärts geschoben und durch Erbrechen entleert werden, d. h. Koterbrechen ( Ileus). Es erfolgt beständiges Schluchzen mit aussetzendem, kleinem Pulse. Läßt der Schmerz plötzlich nach, erfolgt von selbst reichlicher, stinkender Stuhlgang, sinkt der Unterleib zusammen, wird er weich, bleibt der Puls dennoch klein, aussetzend, werden die Extremitäten kalt, so ist die infolge der Einschnürung entstandene Entzündung in Brand übergegangen, und der Tod ist unabwendbar. – Anfangs leistet neben Opium auch Plumbum gute Dienste. Doch geben wir gewöhnlich zuerst Nux vomica ½stündlich oder im Wechsel mit Opium. Hier sei noch Thuja erwähnt, womit Dr.  Stens und Dr.  Sulzer bei Ileus mit Koterbrechen sehr gute Resultate erzielt haben. (Man lese Dr. H.  Goullon jun., Thuja-Monographie, Seite 120.) Dasselbe gilt bei Brüchen, wo ein vollständiger Verschluß eines Darmstückes die Krankheit verursacht. (Siehe Bruch.) Sobald Brand zu befürchten steht, verabfolge man Arsenicum, auch wohl im Wechsel mit Nux vomica oder Opium. Man vergleiche übrigens die oben charakterisierten Mittel.

Oft kommt es vor, daß durch Erkältung oder durch Genuß von kalten Getränken Darmgicht oder eine Art Kolik mit Verstopfung erzeugt wird. Diese kann gar oft einen sehr gefährlichen Verlauf nehmen. Da bei einer Darmgicht ebenfalls die peristaltischen Bewegungen in umgekehrter Weise vor sich gehen, auch keine Gase durch den Mastdarm entweichen, so wird der Kranke von sehr übelriechendem Aufstoßen geplagt, und es kann leicht, wenn keine Stuhlöffnung erfolgt, zum Koterbrechen kommen. Die Krankheit beginnt mit außerordentlichen Leibschmerzen, auch gesellt sich gewöhnlich Entzündung hinzu. Nur durch schnelle, sachgemäße Hilfe kann bei dieser heftig auftretenden und rasch verlaufenden Krankheit der Patient dem Tode entrissen werden.

Im Anfang wird Aconitum wesentlich zur Beseitigung der Entzündung beitragen, worauf man Nux vomica oder Opium, oder eins der sonst passenden Mittel, auch im Wechsel mit Aconitum, folgen lassen kann. – Bei Koterbrechen mit vorhergehenden Kolikschmerzen, ohne Symptom der Invagination haben wir durch Colocynthis oft schnelle Besserung erzielt.

Arsenicum: Bei argem Leibschneiden, außerordentlichem Brennen im Inneren und blassem oder eingefallenem Gesichte.

Plumbum: Außerordentlich hartnäckige Stuhlverstopfung, auch mit Übelkeit oder Erbrechen von Schleim und Galle. Heftige zusammenschnürende Kolikschmerzen und große Empfindlichkeit der harten, gespannten oder eingezogenen Bauchdecke bei Berührung. Koterbrechen.

Lauwarme Umschläge von Kartoffeln, Klistiere und Einblasen von Luft sind sehr zu empfehlen.

Zum Schlusse dieser Abhandlung will ich noch der Klistierkuren und der feuchten Bauchumschläge gedenken, die bei einer gewöhnlichen Stuhlverstopfung oft recht wohltuend wirken, obgleich sie sehr vielen Laien und Ärzten unbekannt sind. – Zum Zwecke der Klistiere bediene man sich abgekochten Wassers, dem man ½ Teelöffel Salz (auf 1 l) zusetzt (nie unter 22 bis 24 °R, da der Darm eine kältere Temperatur nicht verträgt), bis zu 26 °R. Die Klistiere dürfen nie zu groß appliziert werden, damit sie im Darme bleiben und von ihm aufgesogen werden können. Daher nimmt man gewöhnlich zuerst 60 bis 125 g Wasser bei Erwachsenen, für Kinder zwischen 25 und 60 g variierend, und wiederholt die Klistiere alle 2 bis 3 Stunden. Geht ein Klistier sogleich wieder ab, dann muß sofort ein zweites oder drittes, aber kleineres, verabfolgt werden, weil das erstere dem Darmkanale etwas Spannkraft beigebracht hat. Erfolgt Stuhlgang, so gebe man gleich wieder ein Klistier, weil bei leerem Darme das Klistier tiefer eindringen und leichter aufgesogen werden kann. – Bei habitueller Stuhlverstopfung ist es ratsam, mit solchen Klistieren 2 bis 3 Monate fortzufahren, wobei jedoch zu bemerken ist, daß man später mit dem Wasserquantum steigen, ja manchmal sogar 200 bis 1000 g auf einmal applizieren, auch die Klistiere seltener, etwa täglich 1- bis 3mal, anwenden kann.

Diese Klistierkur muß bei hartnäckigen Unterleibsleiden beharrlich durchgeführt werden, was natürlich nicht verallgemeinert werden darf. Hier ist es eben wie in vielen anderen Fällen – man fällt keinen Baum mit einem Hiebe, auch wohl nicht mit einigen, wohl aber mit vielen. Oft werden unglaubliche Mengen Wassers allmählich aufgesaugt, und man nimmt nun ebenso allmählich mit diesem ab, als man früher aufwärts stieg. Nie wird man hierbei eine Angewöhnung wahrnehmen. Am bequemsten und ungeniertesten ist es, sich selbst zu klistieren, wozu man sich einer Spritze mit einem anschraubbaren, gebogenen Zinnrohre bedient, das man mit der äußersten Spitze von vorn zwischen den Beinen in den After führt und nun mit möglichster Kraftanstrengung den Kolben drückt, damit der Strahl recht tief in den Darm hineingeht. Was die Spitze des Rohres betrifft, so darf diese nicht zu dünn und fein sein, sondern muß in einen abgerundeten, ungefähr ½ Zoll im Durchmesser betragenden Kopf endigen, der auch selbst für die kleinsten Kinder brauchbar und bei Mastdarm-Hämorrhoidariern um so zweckmäßiger ist, weil es hier heißt, zwischen Scylla und Charybdis durchfahren. – Hat man eine Klistierspritze verborgt, so reinige man sie zuerst mit kochendem, dann mit kaltem Wasser und Seife.

Sehr vorteilhaft ist es, besonders bei dicken Personen, das Klistier mit Karlsbader Mühlbrunnen vorzunehmen. Der Flascheninhalt wird erwärmt und dann mittels Irrigators eingelassen.

Zweckmäßig sind auch die sog. »kleinen Klistiere« mit Glycerin oder Öl.

Man spritzt 50 g reines Olivenöl oder Glycerin in den Darm durch die Zinnspritze. Dieses Verfahren eignet sich besonders für solche Personen, die größere Flüssigkeitsmengen im Darme nicht halten können.

Endlich sei noch der feuchten Leibbinden gedacht, die bei einer habituellen Stuhlverstopfung zur Kräftigung des erschlafften Darmkanales sehr empfehlenswert sind.

Der Leibumschlag wird am besten abends beim Schlafengehen angelegt. Man bedient sich dazu eines wasserdichten Stoffes (Billroth-Batist, Ölpapier), reichlich zwei Hände breit und so lang, daß er vollkommen einmal um den Leib herumreicht, mit Bändern zum Zubinden versehen. Man legt nun einen gleichgroßen Flanellstreifen auf ein dreifach zusammengelegtes Leinentuch, das in sommerkühles Wasser (von 18 bis 20 °R) getaucht und gut ausgedrückt werden muß. Dieses Leinentuch muß etwas schmäler als der wasserdichte Stoff sein, damit dieser beim Anlegen das auf den nackten Leib zu plazierende, feuchte Leinentuch vollkommen zu überdecken vermag. Nun legt man den Umschlag an und befestigt ihn mittels der Bänder. Diesen Umschlag nimmt man erst morgens beim Erwachen wieder ab und verweilt dann noch ½ bis 1 Stunde im Bett, ohne sich aufzudecken. Es empfiehlt sich, nach dem Aufstehen, jedoch nur im warmen Zimmer, den Leib mit etwas abgeschrecktem Wasser abzureiben und danach trocken zu frottieren.

Derartige Umschläge müssen, wie jede kalte Prozedur, auf warmem, aber nicht überhitztem Körper genommen werden, weshalb der Leib, wenn er kalt sein sollte, vorher erwärmt werden muß.

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