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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 60
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Kopfschmerzen. – Cephalalgia

Der Kopfschmerz ist selten ein für sich bestehendes Leiden, sondern meist Vorläufer und Begleiter verschiedener Krankheiten und Symptom eines tiefer liegenden Leidens, in welchem Falle es kein Mittel gibt, ihn zu beseitigen, bevor nicht die Ursache entdeckt und beseitigt worden ist. Er kann bedingt sein durch Blutüberfüllung (kongestiver Kopfschmerz), Blutleere (anämischer, sog. nervöser Kopfschmerz, der oft ganz unter der Form des Blutandranges auftritt), durch rheumatische und gichtische Affektionen, durch mechanische Ursachen, durch nervöse Leiden, Unterleibskrankheiten, ergreift.

Ferner ist zu beachten, ob der Kopfschmerz ein anhaltender oder periodisch wiederkehrender ist, ob er auf einer bestimmten Stelle des Kopfes festsitzt, ob der Schmerz die Stirn-, Scheitel-, Schläfen- oder Hinterhauptgegend einnimmt, oder ob er die Hauptnerven des Schädels, wie bei der Neuralgie, die Muskeln, wie beim Rheuma, die Knochen, wie bei Blutkrankheiten, ergreift.

Da, wo die Kopfschmerzen das bei weitem wichtigste Symptom einer Krankheit ausmachen, muß auch die Behandlung unmittelbar darauf gerichtet sein, wobei man dann sein Augenmerk auf die Art der Schmerzen, auf die Ursachen und die obwaltenden Symptome richten muß. In sehr vielen Fällen ist man auf letztere allein und auf die Aussagen des Patienten angewiesen, der gar oft das Richtige nicht anzugeben vermag. Es bleibt demnach der Umsicht des erfahrenen Arztes überlassen, das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Wahre vom Falschen zu trennen, um die wirklich charakteristischen und bedeutungsvollen Symptome als einzige Anhaltspunkte für die Wahl des passenden Mittels aufzufinden.

Endlich sei hier noch bemerkt, daß bei dem Kopfschmerz, dem eine Überreizung des Gehirns zugrunde liegt, ein zweifacher Umstand zu berücksichtigen ist: ob nämlich der Kopfschmerz von einer Affektion der Hirnsubstanz selbst, wo das Gehirn als wesentlich ergriffenes Organ erscheint, oder ob das Leiden von einem mehr oder weniger vom Zentrum des Wahrnehmungsvermögens entfernten Organe abhängt. Veranlassende Momente ersterer Art sind anhaltende Geistesanstrengungen, Leidenschaften und Gemütsbewegungen; hier erscheint das Gehirn als wesentlich affiziertes Organ, während bei einem Kopfschmerz, veranlaßt durch Reizung der Leber, des Magens oder Darmkanales, das Gehirn durchaus nicht als das wesentlich ergriffene Organ erscheint, sondern nur als Werkzeug der Wahrnehmung in Mitleidenschaft gezogen wird.

Zunächst wollen wir hier zur leichteren Orientierung die den Kopfschmerz am häufigsten veranlassenden Ursachen und die ihnen entsprechenden Heilmittel anführen.

Bei Kopfschmerzen von mechanischen Ursachen, wie Fall, Stoß, Erschütterung: Arnica; in schwereren Fällen Aconitum, Belladonna. – In chronischen Fällen Cicuta oder Calcium carbonicum.

Die Kopfschmerzen von Blutandrang (kongestive Kopfschmerzen) charakterisieren sich durch klopfendes Pulsieren der Schläfenadern, besonders bei Bewegung und Bücken, Schwindel, Kopfhitze usw. Sie sind oft von Leiden der Lunge und des Herzens abhängig. Hauptmittel sind: Aconitum, Belladonna, Bryonia, Arnica, Nux vomica und Glonoinum.

Die Kopfschmerzen infolge von Blutarmut (anämische Kopfschmerzen) zeigen oft ähnliche Symptome wie die vorigen. Die Patienten haben gewöhnlich ein blasses Aussehen, frösteln leicht und klagen oft über Kälte der Hände und Füße. Vgl., was bei Bleichsucht gesagt ist. Hier sind die wirksamsten Mittel: Pulsatilla, Natrium muriaticum, Calcium und Ferrum. Bei vorherrschender Nervosität: Ignatia, Nux vomica, Nux moschata, Phosphorus, Spigelia; oder auch Aurum, Argentum nitricum, Capsicum, China, Coffea, Platinum.

Bei gastrischen Kopfschmerzen, infolge von Magenüberladung, wobei gewöhnlich Übelkeit, Erbrechen, Stuhlverstopfung usw. vorhanden sind: Antimonium crudum, Ipecacuanha, Nux vomica, Pulsatilla, Veratrum.

Bei katarrhalischen Kopfschmerzen, die in Begleitung des Schnupfens eintreten: Aconitum, Mercurius solubilis, Nux vomica, Euphrasia. Bei sog. Stockschnupfen: Silicea.

Bei rheumatischen Kopfschmerzen, die durch die geringste Erkältung eintreten und leicht ihren Ort wechseln: Aconitum, Bryonia, Colocynthis, Mercurius, Pulsatilla, Rhus Toxicodendron, Spigelia, auch Sulfur und Hepar sulfuris (Bohren wie ein Nagel). Bei gichtischen Kopfschmerzen (nur bei Personen, die an der Gicht leiden): Bryonia, Calcium carbonicum, Colocynthis, Kalium jodatum, auch Aurum, Acidum nitricum, Mezereum.

Bei Kopfschmerzen von organischen Hirnleiden: Arsenicum, Calcium carbonicum, Phosphorus. – Ist eine chronische Entzündung der Gehirnhaut zugegen, mit Hitzegefühl auf einer bestimmten Stelle des Oberkopfes: Belladonna oder Zincum (Spannen und Drücken über der Nasenwurzel).

Eine ganz besondere Art von Kopfschmerz ist die Migräne, Hemikrania, der halbseitige nervöse Kopfschmerz (siehe Seite 374/375).

Hinsichtlich der zu verabfolgenden Arzneien gelten folgende Hauptanzeichen:

Aconitum: Kongestive, katarrhalische, rheumatische Kopfschmerzen mit Fieberhitze oder Frösteln; Vollheit, Schwindel, Gefühl von Schwanken des Gehirns beim Bewegen; rotes, aufgedunsenes Gesicht, voller, schneller Puls, Unruhe. Verschlimmerung durch Bewegung, Sprechen und Geräusch.

Antimonium: Kopfschmerz mit gastrischen Symptomen von Magenüberladung und besonders bei Magenverderbnis durch saure Speisen, oder infolge einer Erkältung oder eines zurückgetriebenen Ausschlages. Stirnkopfschmerzen zum Zerspringen oder bohrende, krampfartige, dumpfe (auch reißende) Schmerzen, zumal in der Stirn, in den Schläfen oder im Wirbel; Besserung im Freien.

Argentum nitricum: Nervöses oder kongestives Kopfweh mit Empfindung der Pulsation. Oft schon morgens eintretende betäubende Schwere; schneidende oder ziehende Schmerzen, die sich über den ganzen Kopf verbreiten, mit Schwindel und Ohrenläuten; Zittern des Körpers, Mutlosigkeit und große Übelkeit; unverhältnismäßige Ermattung, große Stuhlträgheit und Schlaflosigkeit; Verschlimmerung in freier Luft, Besserung von Zusammendrücken des Kopfes.

Arnica: Bei Kopfschmerz durch äußere Verletzung, wo auch die Arnica-Tinktur, 10 Tropfen auf 1 Tasse Wasser, womit die aufzulegenden Kompressen zu befeuchten sind, angewandt werden kann. – Kopfeingenommenheit, Schwindel beim Aufrichten, Drücken in der Stirn, Schmerzen in den Schläfen, wie von einem Nagel, Nasenbluten, galliges Erbrechen.

Arsenicum: Nervöse oder organische Kopfschmerzen; halbseitige, periodische, bis zur Verzweiflung, mit Übelkeit und heftigem Erbrechen; Unruhe, außerordentliche Schwäche; bei klopfendem Schmerze und äußerer Schmerzhaftigkeit des Haarkopfes. Gegen die Nacht und besonders um Mitternacht sich verschlimmernde Schmerzen. Besserung im Freien, Verschlimmerung in der Stube. Äußere Wärme und Zusammendrücken mildern den Schmerz.

Belladonna: Kopfschmerzen von Blutandrang oder von Gehirnerschütterung. Schwere, Vollheit, Schwindel; drückender oder auseinanderpressender, auch halbseitiger, ziehender, stechender oder reißender Schmerz; Schwappen und Pulsieren des Gehirns, Ohrensausen, Gesichtsröte, Hitze. Verschlimmerung durch Bewegen, besonders Bücken, Sprechen, Geräusch, durch helles Licht, sowie abends und nachts.

Bryonia: Kongestive gastrische, auch rheumatische und gichtische Kopfschmerzen. Klopfen, Ziehen und Stechen im Kopfe, besonders auf einer Seite. Zusammenpressen im Kopfe mit Vollheitsgefühl, oder ausgedehnter Druckschmerz an einer Stelle nach dem Essen oder nach Schlaf. Kopfhitze, Übelkeit oder Erbrechen, Zungenbelag, Gallenzustände. Auch wo nach Erkältung ein heftiger, drückender oder stechender Schmerz in der Schläfegegend entsteht; öfters Frostschauer; Stuhlverstopfung. Verschlimmerung früh beim Erwachen, beim Öffnen und Bewegen der Augen, von Bewegung überhaupt und besonders vom Bücken oder nach dem geringsten Speisengenusse. Besserung von Ruhe und äußerem Drucke. – Bei Kopfschmerzen, die durch Gallenstörungen und Leberindisposition hervorgerufen werden, kommt auch Dr.  Willmar Schwabes Apomigran in Frage.

Calcium carbonicum: Halbseitige, drückende, ziehende, hämmernde Kopfschmerzen von Blutandrang bei anämischen oder bei skrofulösen Personen, mit Übelkeit, Magensäure, Sodbrennen, Erbrechen, bei Schwere des Kopfes mit Zudrücken der Augen; Eiskälte in und am Kopfe, Schmerzhaftigkeit des Haarkopfes; Eintreten der Schmerzen frühmorgens, Verschlimmerung vom Bücken, von geistiger Anstrengung, vom Gehen im Freien.

Capsicum: Halbseitiges Kopfweh; drückendes, hämmerndes, zersprengendes, als sollte die Hirnschale bersten, mit Übelkeit, Erbrechen und Gedächtnisschwäche. Schlimmer beim Gehen, sowie bei Bewegung überhaupt (selbst der Augen), oft auch erhöht in freier Luft und in der Kälte, besonders bei phlegmatischen Personen, die sich vor der frischen Luft und vor Bewegung fürchten.

Chamomilla: Rheumatische, gastrische und katarrhalische Kopfschmerzen von Erkältung und Unterdrückung des Schweißes, mit Röte einer Wange und Blässe der anderen. Bei reißenden, zuckenden oder halbseitigen Schmerzen bis in die Backen und in die Zähne; bei heftigem Schweiße am Kopfe, Blutandrang nach dem Kopfe, besonders bei sensiblen und ungeduldigen Personen.

China: Nervöse Kopfschmerzen oder von Blutarmut; periodisch und zu bestimmter Zeit wiederkehrender Kopfschmerz; drückende, zuckende, des Nachts am Einschlafen hindernde Schmerzen. Bohren im Wirbel oder Zucken, Reißen und Schwanken, ärger beim Auftreten, bei Berührung, in frischer Luft, beim Gehen, bei jeder Bewegung; besser im Liegen und in der Stille. Schmerzhafte Empfindlichkeit des Haarkopfes und der Haare bei Berührung.

Coffea: Migräne mit halbseitigen, ziehenden, drückenden Schmerzen oder wie von einem eingedrückten Nagel, oder Schmerz, als sei das Gehirn zerrissen oder zertrümmert; übermäßige Empfindlichkeit gegen Geräusch, bei großer Aufgeregtheit, Weinerlichkeit, Angst, übergroßer Mutlosigkeit und Schlaflosigkeit; auch bei Gemütsbewegungen und Geistesanstrengungen. Besonders hilfreich bei solchen Personen, die keinen Bohnenkaffee trinken, oder denen er widersteht.

Colocynthis: Gichtische oder nervöse Kopfschmerzen der heftigsten Art, auch bei galligen Zuständen. Bei wütend reißenden, halbseitigen Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, besonders nachmittags. Wo der halbseitige Kopfschmerz bald als ein pressender und drückender, bald als ein klemmender und ziehender sich äußert und durch Liegen auf dem Rücken oder durch Bücken erhöht wird. Harnartig riechender Schweiß, viel wasserheller Harn.

Dulcamara: Bei rheumatischen oder auch katarrhalischen Kopfschmerzen, oft von Erkältung, die bei feuchter, regnerischer Witterung eintreten; bohrendes Brennen in der Stirn und im Scheitel, Wühlen im Gehirn; Speichelzusammenfluß, Trockenheit der Zunge. Sprechen und Bewegung verschlimmern den Schmerz.

Gelsemium: Kopfschmerz, der vom Genick ausgeht und durch Zurücklehnen des Kopfes gebessert wird. Nervöses Kopfweh im Hinterkopfe mit Schwäche und Unlust zur Arbeit. Kopfweh mit Gesichtsverlust.

Glonoinum: Kongestiver Kopfschmerz (ähnlich wie Belladonna) mit argem Klopfen im Kopfe oder mit Zerschlagenheitsschmerz, am schlimmsten beim Schütteln des Kopfes; starker Puls mit Röte des Gesichts und der Augen. Neigung, den Schmerz durch äußeren Druck zu lindern. – Infolge von starker Erschütterung des Kopfes (neben Arnica), von Erkältung, von geistiger Anstrengung und heftiger Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf.

Ignatia: Hauptmittel bei Migräne hysterischer und nervöser Personen. Von innen heraus drückender oder stechender Schmerz in der Stirn und über der Nasenwurzel, mit Übelkeit, durch Vorbeugen des Kopfes gemindert; bei Auseinanderpressen im Kopfe, Klopfen oder Schmerz wie von einem Nagel im Gehirn, mit Übelkeit, Dunkelheit vor den Augen, Gesichtsblässe, blassem Harn, Schreckhaftigkeit, Ärgerlichkeit, Launenhaftigkeit. Verschlimmerung durch Gemütsbewegungen und Geräusch; abends oder früh nach dem Aufstehen.

Ipecacuanha: Gastrische Kopfschmerzen, die auch oft halbseitig oder auf einer mehr umschriebenen Stelle auftreten, mit Übelkeit, Erbrechen und dem Gefühl von Zerschlagenheit des Gehirns und der Kopfknochen.

Iris versicolor: Sehr wichtig in denjenigen Migräneanfällen, die mit dem Magen zusammenzuhängen scheinen und von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind.

Kalium bichromicum: Schwindel und Schwere des Kopfes, Stiche in der Schläfengegend, in Pausen wiederkehrend, Stirnkopfschmerzen, früh beginnend und allmählich sich steigernd, gegen Abend nachlassend. Von Waschen mit kaltem Wasser sich bessernd. Kopfschmerz, der die Ozaena (Stinknase) begleitet.

Melilotus officinalis: Ist ein vorzügliches Mittel gegen Kopfschmerzen und (nach Farrington) indiziert bei äußerst heftigen Gehirnkongestionen mit Kopfweh fast zum Wahnsinnigwerden. Das Pulsieren ist dabei meist so heftig wie bei Glonoinum. Druckgefühl in der Stirn.

Mercurius: Kongestive, katarrhalische, rheumatische, gichtische Kopfschmerzen, Reißen, Stechen, Bohren, Klopfen und Hämmern, zum Zerspringen der Hirnschale, besonders im Vorderkopfe oder in der Schläfengegend, mit sehr stark dumpfig oder sauer riechenden Nachtschweißen ohne Linderung. Große Empfindlichkeit gegen Zugluft und Kälte. Verschlimmerung nachts und in der Bettwärme.

Natrium muriaticum: Bei Bleichsüchtigen, Nervenschwachen, an Stuhlverstopfung Leidenden. Kopfschwere, besonders im Hinterkopfe; der Schmerz ist früh beim Erwachen am heftigsten. Auch bei Migräne, wenn Verdauungsbeschwerden und Magenstörungen dem Kopfweh vorangehen. – Hier auch Dr. Willmar Schwabes schon erwähntes Apomigran.

Nux vomica: Kongestive und gastrische Kopfschmerzen, besonders früh oder nach dem Essen, mit Schwere und Vollheitsgefühl im Kopfe, Drücken wie von einem Nagel im Kopfe. Bei Hämorrhoidariern, Cholerischen, Stubensitzern, nach übermäßigem Wein- oder Kaffeegenusse; Stuhlverstopfung.

Phosphorus: Nervöse Kopfschmerzen, auch bei Blutleere. Drückender, betäubender Schmerz; Zusammenschnürungs- und Schweregefühl; Reißen in der Stirn, Klopfen und Stechen oben, im Hinterkopfe Brennen mit Hitze; Ohnmachtsgefühl und große Schwäche.

Platinum: Nervöse Kopfschmerzen, besonders bei Frauen mit lebhaftem Wesen. Schwindelanfälle, auch mit Herzklopfen, darnach Kopfschmerzen; ruckweises und krampfhaftes Reißen im Kopfe, bohrende und stechende Schmerzen, Gefühl krampfhafter Spannung in den Jochbeinen. Weinerlichkeit.

Pulsatilla: Gastrische, katarrhalische, rheumatische Kopfschmerzen oder von Blutarmut herrührend. Bei Stirnkopfweh, das von Schmerzen in den Gesichtsknochen und von dem Gefühl begleitet ist; als ob die Augen aus dem Kopfe treten wollten. Blutandrang, Schwindel, Frösteln. – Verschlimmerung abends in der Ruhe und im warmen Zimmer, Besserwerden in freier Luft.

Rhus Toxicodendron: Rheumatische Kopfschmerzen; reißende und stechende Schmerzen bis in die Nasenwurzel oder bis in die Backenknochen und Kinnladen mit Ergriffensein der Zähne und des Zahnfleisches. Vollheitsgefühl und Schwere im Kopfe, auch Kribbeln darin. Wogen beim Aufstehen, als wenn das Gehirn lose wäre; schlimmer in der Ruhe, besser durch Wärme.

Sanguinaria: Migräne mit Erbrechen; periodisch erscheinende, morgens eintretende und tagsüber sich steigernde, wütende Schmerzen; meist in der Stirn und im Vorderkopfe, besonders rechts. Ruhiges Niederlegen und Schlaf mildern den Schmerz. Ein in vielen Fällen ganz unersetzliches Mittel. Der Anfall endet mit reichlicher Harnabsonderung (wie bei Silicea, Gelsemium, Veratrum album). – Auch hier ist Dr. Willmar Schwabes Apomigran angebracht.

Sepia: Bei sehr veralteten, eingewurzelten, oft aus der frühesten Jugend herrührenden Kopfschmerzen. Stechende, bohrende, auseinanderpressende Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen (Migräne). Kopfschmerz alle Morgen beim Erwachen; Verdauungsstörungen, Empfindlichkeit und Aufgetriebenheit der Lebergegend; bei Personen mit gelblicher Hautfärbung und übelriechenden Achselhöhlenschweißen. – Dr. Willmar Schwabes Apomigran ist ebenfalls zu erwähnen.

Silicea: Reißende, bohrende oder drückende, vom Genick nach dem Hinterhaupte und von hier über den Scheitel nach der Stirn bis ins (rechte) Auge sich verbreitende Schmerzen mit großer Empfindlichkeit gegen Bewegung, Licht und Geräusch. Oft begleiten Übelkeit und Erbrechen den Schmerz, der sich durch Schlaf bessert. Das Gesicht ist blaß. Wärme wird gut vertragen.

Spigelia: Nervöse oder rheumatische Kopfschmerzen; reißende, wühlende, stechende, vorzüglich linksseitige, auch das Jochbein ergreifende Schmerzen mit Gesichtsblässe und Schwappen im Kopfe; bei geringster Kopfbewegung Gefühl, als wackele das ganze Gehirn. Vom Nacken über den Kopf ziehender Schmerz, der sich dann über dem linken Auge festsetzt.

Thuja: Nächtlicher, nervöser Druckkopfschmerz, als wäre ein fester Reif um die Stirn gelegt, von äußerster Heftigkeit schon vor dem Zubettgehen, mit großer, schlafraubender Ruhelosigkeit. Neigung zu reichlichen Schweißen. Erhöhte Herztätigkeit. Bleierne Schwere der Lider.

Veratrum: Äußerst heftige, nervöse Kopfschmerzen zum Wahnsinnigwerden; drückender, klopfender oder zusammenschnürender Schmerz. Auch wenn Erbrechen, Durchfall, Ohnmachtsgefühl, kalte Schweiße, Kälte und Durst zugegen sind.

Zincum: Hauptmittel bei von chronischer Gehirnhautentzündung abhängenden Kopfschmerzen, bei denen gewöhnlich auf einer kleinen, umschriebenen Stelle des Scheitels erhöhtes Hitzegefühl empfunden wird. Druckschmerz über der Nasenwurzel, Übelkeit, Erbrechen, Schlafneigung. Vgl. Zincum, Seite 139/140.

*

Die Migräne oder Hemicrania ist ein heftiger, mit Erbrechen verbundener, nicht auf entzündlichen Zuständen beruhender, periodisch wiederkehrender Schmerz in einer, selten in beiden Kopfhälften, der nur einen halben oder ganzen Tag anhält und nach Eintritt von Schlaf in eine völlig schmerzfreie Pause von meist mehreren Wochen übergeht. Die Schmerzen sind äußerst heftig und mit Hyperästhesie verbunden, daher große Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch. Die Patienten wühlen sich mit dem Kopfe tief in die Bettkissen, um nichts zu hören und zu sehen.

Man unterscheidet zwei Formen: die paralytische und die spastische; die erstere besteht in einer Lähmung der die Carotis versorgenden Sympathicusfasern (Sympathicus, ein aus Ganglien und Nervenfasern bestehendes Gewebe, das als Grenzstrang zu beiden Seiten der Wirbelsäule sich hinzieht und die Ernährung, Absonderung, Blutverteilung – Herz- und Gefäßtätigkeit – unabhängig vom Willenseinflusse reguliert); die zweite äußert sich in einem Tetanus der Gefäßmuskeln im Gebiete der leidenden Kopfhälfte. Gemeinsame Symptome beider Formen sind der Kopfschmerz und die Übelkeit; die paralytische Form zeigt als spezifische Erscheinung Verengerung der Pupille, starke Rötung und Temperaturerhöhung der leidenden Kopfhälfte, Erweiterung der Schläfenarterien; die spastische Form Erweiterung der betreffenden Pupille, die leidende Gesichtshälfte ist auffallend blaß, und die Schläfenarterie springt als harter Strang hervor.

Das Übel ist sehr hartnäckig, und seine Ursachen sind meist unbekannt. In einigen Fällen ist Vererbung nachweisbar. Die Migräne ist vorwiegend ein Leiden des weiblichen Geschlechts, und der Anfall stellt sich gern zur Zeit der Periode ein. Der Genuß von Bohnenkaffee trägt häufig zur Vermehrung und Steigerung der Anfälle bei.

Im Anfalle selbst werden wir mit Arzneien nur wenig ausrichten. Bietet er nichts speziell Charakteristisches für andere Mittel, dann leistet Belladonna noch das meiste. Wir verabfolgen das Mittel in einmaliger Gabe und lassen dann die Patienten ungestört im Bett ruhen. Auch verdient Gelsemium die größte Beachtung. Oft tritt Schlaf und darauf Nachlaß der Schmerzen ein. Empfindet der Kranke große Übelkeit, klagt er über Wasserzusammenlaufen im Munde und Brechneigung, dann nützt oft Ipecacuanha. – Bei steter Brechneigung reichen wir Tartarus emeticus in einer Gabe. Darnach tritt gewöhnlich leichtes Erbrechen und infolgedessen Nachlaß der Kopfschmerzen ein. Bei der spastischen Form nützt bisweilen eine Inhalation von 1 bis 2 Tropfen Amylnitrit, auf etwas Watte geträufelt.

Sonst verdienen noch Berücksichtigung: Argentum nitricum, Arsenicum, Coffea, Colocynthis, Ignatia, Iris versicolor, Platinum, Pulsatilla, Sanguinaria, Sepia, Spigelia. Die näheren Anzeichen für die Wahl dieser Mittel sowie von Dr. Willmar Schwabes Apomigran sind bei Kopfschmerzen erörtert. Bei hochgradiger Anämie nützt nicht selten Ferrum. Wir verabfolgen davon morgens und abends je 1 Gabe mehrere Wochen hindurch.

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