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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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II. Spezielle Therapie namhafter akuter und chronischer Krankheiten

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Vorbemerkung

In allen akuten und chronischen Erkrankungsfällen denke man stets daran, sich beizeiten fachmännischer Hilfe zu bedienen; besonders bei Kinderkrankheiten, bei Infektionskrankheiten (Typhus, Lungentuberkulose usw.), ferner bei Erkrankungen edler Organe (Auge, Gehirn u. a.), schließlich auch bei sog. chirurgischen Leiden (Knochenbrüche, Leistenbrüche, Rückgratsverkrümmungen usf.).

Abzehrung. Abmagerung. Atrophie. Marasmus

Diese Erscheinungen sind Folgen und Symptome sehr verschiedener Krankheiten und daher keine für sich bestehenden Leiden. Im Kindes- und Greisenalter oder bei anhaltender nervöser Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, langanhaltenden Durchfällen, Säfteverlusten, nach schweren Krankheiten, langwierigen Wechselfiebern usw. kommt Schwund oder Abzehrung zur Beobachtung. Bei Kindern ist sie meist der höchste Grad der Skrofulose. Solche Kinder haben gewöhnlich ein blasses Aussehen, der Appetit fehlt entweder ganz oder wird zur Gefräßigkeit; die Hals- und Bauchdrüsen schwellen an, werden hart und stellen ihre Tätigkeit ein, die Extremitäten (Arme und Beine) magern sichtbar ab, der Leib wird dick und gespannt, an manchen Stellen entstehen Schmerzen bei Druck. Durchfall und Verstopfung wechseln; die Ausleerungen gehen zuletzt unverdaut fort. Wir verweisen hier auf den Abschnitt Skrofulosis bei Kinderkrankheiten.

Bei älteren Leuten ist der Marasmus (Marasmus senilis) größtenteils mit Blutarmut vergesellschaftet; die Kranken haben eine kühle, trockene oder zu profusen Schweißen geneigte Haut und frösteln leicht. Der Appetit ist oft bis zum Heißhunger gesteigert, aber meist schon nach den ersten Bissen gestillt. Der Schlaf ist gewöhnlich unruhig oder fehlend, die Kranken fühlen sich am Tage müde und matt; sie neigen zu Durchfällen oder haben sehr trägen Stuhl, magern ab und sind mürrisch und verdrießlich.

In einzelnen Fällen verdienen folgende Mittel Berücksichtigung:

Acidum phosphoricum: Abmagerung und allgemeine Nervenschwäche infolge von Strapazen, Sorge, Kummer, deprimierenden und erregenden Affekten jeder Art; melancholische Zustände mit Neigung zum Weinen. Oft sehr nützlich nach langwierigen Krankheiten, bei Rekonvaleszentenschwäche. Ähnlich Phosphorus.

Kindern, bei denen die Abzehrung gewöhnlich Folge der Skrofulose ist, verabfolgen wir Calcium carbonicum oder Arsenicum nach den oben angegebenen Symptomen. Auch wo Abzehrung nach schweren Krankheiten, z. B. nach Keuchhusten, eintritt, werden wir mit diesen Arzneimitteln, denen sich noch China anschließt, die besten Resultate erzielen. – Von anderen Mitteln nennen wir noch: Lycopodium, magert von oben nach unten ab; Abrotanum, Abmagerung von unten nach oben, am meisten die Beine; Jodum, allgemeine Abmagerung, verlangt fortwährend zu essen; Sarsaparilla, magert am Hals ab, die Haut ist faltig.

Argentum nitricum: Außerordentliche Schwäche und Mattigkeit, selbst Ohnmachtanwandlungen; Schläfrigkeit und Unlust zu jeder Beschäftigung, bei erhöhtem Wärmegefühl im ganzen Körper. Schmerzen in den Gelenken der Finger und der Fußzehen, ähnlich den Neuralgien, Herzklopfen und abendliche Fieberbewegungen. Große Trockenheit im Munde und katarrhalische Affektionen der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut. Appetitmangel mit häufigem Aufstoßen von Gasen. Gedächtnisschwäche, Mißmut, Teilnahmlosigkeit. Kinder sehen alt aus, vertrocknet wie eine Mumie.

Arsenicum: Allgemeine Abmagerung mit fahler, trockener Haut und Kälte der Glieder; Verdauungsschwäche mit Durchfall und vielem Durst. Nächtliche Unruhe, Angst, Herzklopfen. Ödematöse Anschwellungen und große Schwäche aller organischen Funktionen.

Baryum: Große körperliche und geistige Überempfindlichkeit und Abspannung. Herabgestimmte Funktionsenergie bei alten Personen, mit außerordentlicher Hinfälligkeit und Schwäche im ganzen Körper. Blutwallungen nach Kopf und Brust; Zittern der Arme und Beine. Große Empfindlichkeit gegen Kälte. Paßt, wie Ambra grisea, beim Greisenalter, wo Trägheit und Zeugungsschwäche vorwalten.

Calcium carbonicum: Besonders bei skrofulösen, an Drüsenkrankheiten leidenden Kindern mit aufgetriebenem, dickem Bauch und sehr abgemagerten Extremitäten. Bei blutarmen, an schlechter Verdauung leidenden Individuen mit welker, trockener Haut. In ähnlichen Fällen, besonders bei vorwaltender Blutarmut und Verdauungsschwäche, verabfolgen wir Natrium muriaticum, ein auf die vegetative Sphäre, wie Calcium carbonicum, äußerst vorteilhaft wirkendes Mittel, ißt und magert beständig ab, vorzüglich der Hals.

China: Bei infolge von Säfteverlusten, häufigen Pollutionen oder Onanie herabgekommenen Personen mit welker, schlaffer Haut, leichtem Frösteln und Neigung zu Schweißen. Bei Rekonvaleszentenschwäche, wie auch Phosphorus.

Nux vomica: Große Muskelschwäche und Zittern der Glieder infolge von Säfteverlust und Ausschweifungen; Ohnmachtanwandlungen; schmerzhafte Steifigkeit und Lähmung der Wirbelsäule. Magenschwäche und Verdauungsstörungen der verschiedensten Art.

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